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Little Chevy - Me And My Boat

Fällt der Ausdruck «Swiss Americana», kommen einem unweigerlich Little Chevy in den Sinn. Die Nordwestschweizer Truppe um die Sängerin Evelyne «Little Chevy» Péquignot versteht es, frisch und knackig ein kunterbuntes Spektrum an Stil- und Spielarten zu bündeln und auf eigene Weise aufzubereiten. Der rote Faden an der Sache bilden dabei Péquignots überragende Stimme und ihr reifes, zusammen mit Drummer Andy Lang (und in einem Falle zusätzlich mit Gitarrist Markus Werner) entwickeltes Songwriting. Vom Storytelling her gängige und alltägliche Gefühle und Gedanken aufgreifend, resp. das Leben mit seinen vielen Facetten beleuchtend, vom musikalischen her durchwegs auf der melodiösen Seite angesiedelt, bilden die neun Songs eine Einheit, obwohl sie in die verschiedensten Genre-Ecken tendieren.

Im Opener «Slow Down» zeigt die Band ihre Blues-rockigen, Gitarren-betonten Wurzeln – unterlegt mit feinen, fast schon gospelnd anmutenden Backing Vocals. «Breathe» startet neckisch mit Duck Dunn’s legendärer «Dock Of The Bay»-Basslinie, mutiert aber postwendend in Richtung Folkrock, nur um anschliessend gleich Platz zu machen für «Mademoiselle», seines Zeichens ein charmanter französischer Chanson. Der Titelsong des Albums gefällt als Rhythm’n’Blues-Nummer mit zupackender Slidegitarre, während «Gentle With My Heart» in die Kategorie Memphis Soul fällt. Eine Surf-, resp. Shadows-Gitarre sorgt bei «Franky» für eine Film Noir-Stimmung, «King Of The Road» würde jedem Broadway-Musical gut anstehen, in Pop-Rock-Gefilde begeben sich Little Chevy mit «Fly High» und als würdigen Abschluss serviert das gewiefte Quintett die Piano-Ballade «Share A Little Love».

Ihr jahrelanges Tingeln durch unser Land zeigt seinen Effekt: Little Chevy präsentieren auf ihrem dritten Album (nach «Sweet Home» von 2014 und «Lucky Girl» von 2018), was sie sich in dieser Zeit an Musikalität, Ideenreichtum, stilistischer Offenheit und Selbstvertrauen angeeignet haben.

Little Chevy (voc), Markus Werner (g), Christoph Schwaninger (p), Cello Hertner (b), Andy Lang (dr) plus Jenny Bühler, Reto Griner & Manuel Kaufmann (b-voc)

(www.littlechevy.ch)

Die Plattentaufe für ihr «Me And My Boat» lassen Little Chevy und ihre Crew am Freitag, 23.10.2026, im Parterre One an der Klybeckstrasse 1B in Basel steigen.

 

Sherman Holmes - One Step Ahead Of The Blues

Mit hervorragenden Alben bei den führenden Blues’n’Roots-Labeln Rounder und Alligator Records feierten die Holmes Brothers zwischen 1990 und 2014 grosse Erfolge. Das Rezept des Trios: Ein elektrisierender Sound, tief im Gospel, im Blues, im Soul, aber auch im Country verankert und mit faszinierendem, dreistimmigem Harmoniegesang dargeboten. Geehrt wurden die Holmes Brothers für ihre Musik anno 2014 mit einer National Heritage Fellowship, der höchsten Auszeichnung, welche in den Staaten in der Sparte Folk & Traditional Arts vergeben wird. 

Gitarrist Wendell Holmes und Drummer Popsy Dixon sind leider beide 2015 verstorben, Bassist Sherman Holmes hingegen präsentiert sich auf seinem neusten Werk «One Step Ahead Of The Blues» im hohen Alter von 87 Jahren noch in beneidenswerter Form. Und hier kommt doch tatsächlich eine Portion Swissness ins Spiel: der Musiker/Songwriter/Produzent Andreas Werner, der schon seit längerem in der Musikszene des amerikanischen Südens erfolgreich Fuss gefasst hat, zeichnet verantwortlich für dieses beeindruckende Album. 

2004 war es, als Werner die Holmes Brothers an ihrem Auftritt in Zürich kennenlernte. An der International Blues Challenge 2019 in Memphis traf er wieder auf Sherman Holmes, und dort entzündete sich jener Funke einer kreativen Zusammenarbeit, der nun in diesem Album gipfelt. Beeindruckt von Holmes’ Persönlichkeit sowie von dessen musikalischem Vermächtnis und Lebensphilosophie, war für Werner sonnenklar, dass ein Album her musste. Er tat sich zum Komponieren mit Leuten wie den Grammy-nominated Songwritern Mark Narmore und Jon Tiven zusammen, besann sich ausserdem einiger Nuggets  aus dem Holmes Brothers-Material (Klassiker und Unveröffentlichtes), übernahm neue Sherman-Originals, versammelte seine Studioband – die Funky Chester Rhythm Section – in den Creative Workshop Studios in Nashville und bot die Muscle Shoals Horns, die Blind Boys Of Alabama und die Honorary Holmes Sisters auf. In diesem Setting produzierte er Sherman elf Songs auf den Leib, welche die Geschichte der Schwarzen Musik in knapp 42, unter die Haut gehenden Minuten zusammenfassen. Werner’s Art zu produzieren ist sparsam, gefühlvoll und direkt auf Sherman Holmes ausgerichtet. Die Songs haben Raum und Atmosphäre, sind griffig, strahlen Wärme aus. 

«One Step Ahead Of The Blues» steht nicht nur als Memorial für Sherman’s 70 Jahre als Rootskünstler, das Album beweist die Kraft, die Seele und das Herz, welche heute noch im Blues und seinen musikalischen Geschwistern stecken. Paradebeispiele sind «Fair To Midland», getragen von einer Deltablues-Gitarre und «I’m So Lonely», unterlegt mit einer wunderschönen Pianobegleitung. Getoppt werden diese beiden zum Schluss gar noch mit dem tief im Gospel wurzelnden, Hühnerhaut erregenden «Change My Heart». «One Step Ahead Of The Blues» besitzt definitiv das Zeug dazu, bei den einschlägigen Award-Verleihungen eine markante Spur zu hinterlassen!    

Sherman Holmes (voc), Lynn Williams (dr), Paul Ossola (b), Harvey Thompson Jr (keys), Andreas Werner (g, prod) plus The Blind Boys Of Alabama (voc), The Muscle Shoals Horns, «The Honorary Holmes Sisters» Catherine Russell, Joan Osborne & Amy Helm (voc)

(CD, DL, www.nola-blue.com)

 

31. Lucerne Blues Festival 07. – 15.11.2026

Roomful Of Blues, Janiva Magness, Harrell «Young Rell» Davenport, Eugene «Hideaway» Bridges, Johnny Sansone, The Silent Partners, Justina Lee Brown, Johnny Moeller – ein musikalischer Leckerbissen nach dem anderen wird dieses Jahr die Bühne des Lucerne Blues Festivals entern.

Das bewährte Konzept mit drei Konzertabenden und drei Blues Brunchs kommt auch 2026 wieder zum Tragen. Und nicht zu vergessen: Mit freiem Eintritt locken der Eröffnungsabend am Samstag, 07.11. im Schweizerhof mit The Silent Partners und die Late Night Show am Mittwoch, 11.11. im Casineum mit Janiva Magness.  

Besagte Janiva Magness war 2009 die zweite Frau nach Koko Taylor, die von der Blues Foundation den begehrten Entertainer Of The Year Award in Empfang nehmen durfte. Mittlerweile sind weitere 6 Blues Awards dazugekommen. 17 Alben zieren das Palmarès der ausdrucksstarken Sängerin/Songwriterin. Zudem veröffentlichte Janiva Magness anno 2019 ihre spannende Autobiografie «Weeds Like Us».

Eugene «Hideaway» Bridges’ Vater trat als Gitarrist unter dem Namen «Hideaway Slim» auf, seine Mutter war die Cousine von Annie Mae Bullock alias Tina Turner. Der junge Eugene startete mit Gospel seine Karriere, war sogar einst Mitglied bei den Mighty Clouds Of Joy, bevor er in Grossbritannien dank einem Plattenvertrag mit seinem Texas-Blues reüssieren konnte.

Mehr Erfahrung geht kaum: Tony Coleman schlug die Felle für Otis Clay, Bobby Bland, Koko Taylor, Albert King und über 25 Jahre für B.B. King. Zusammen mit dem Bassisten Russell Jackson, ebenfalls mit Otis Clay- und B.B. King-Vergangenheit sowie dem Gitarristen Jonathan Ellison, einst Bandleader bei Denise LaSalle, begeistert das Trio unter dem Namen The Silent Partners regelmässig sein Publikum auf den Blues Cruises und an Festivals.

Über mangelnden Zuspruch an seinen Shows kann sich auch der Wahl-New Orleanser Johnny Sansone nicht beklagen. Einst von Jimmy Reed und Howlin’ Wolf inspiriert, pflegt der Multi-Instrumentalist heute ein Louisiana-Repertoire, welches Einflüsse aus Cajun, Zydeco und Soul beinhaltet.

Eine Rückkehr nach Luzern wird es für Harrell Davenport geben. Vor zwei Jahren als 17-Jähriger verblüffte «Young Rell» die versammelte Schweizer Bluesgemeinde mit einem für sein Alter äusserst reifen Auftritt. Dieser Tage ist nun auf dem Little Village Label sein Debutalbum erschienen, welches den Vorschlusslorbeeren mehr als gerecht wurde.

Nicht fehlen in Luzern darf jeweils eine deftige Portion Texas Blues. Angesagt sind heuer Paul Size und Johnny Moeller mit «The Return of the Return of the Funky Worm», bei welchem sie ihr Projekt von 1996 wieder aufleben lassen. Zudem wird Mike Barfield – The Tyrant of Texas Funk – zusammen mit diversen  Friends (darunter ebenfalls Johnny Moeller und Paul Size) einen der Programm-Slots belegen.

Roomful Of Blues sind ein Phänomen. Vor etwa 60 Jahren in Rhode Island auf die Beine gestellt, haben bis anhin rund 60 Musiker die Band durchlaufen. Darunter so klangvolle Namen wie die beiden Gründer Duke Robillard und Al Copley, ferner Ronnie Earl, Curtis Salgado, Lou Ann Barton, Ron Levy, Sugar Ray Norcia oder Phil Pemberton. Seit 1970 mit einem permanenten Bläsersatz gesegnet – von dem der Saxophonist Rich Lataille immer noch an Bord ist – wird die Truppe heute vom Gitarristen Chris Vachon geleitet und verfügt mit D.D. Bastos zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte über eine weibliche Stimme am Mikrofon. Was immer Bestand hatte durch die Jahre, ist die hohe musikalische Qualität, die Roomful Of Blues mit ihrem swingenden Jump Blues an den Tag zu legen verstehen.

Gleich zwei afrikanische Sängerinnen, die in Europa ihr musikalisches Glück gesucht und gefunden haben, werden im Casineum auftreten. Adama Janlo aus Gambia, heute in Norwegen zu Hause, gewann mit ihrer Band diesen Frühling die European Blues Challenge EBC. Hierzulande kaum mehr vorzustellen braucht man die in Nigeria geborene Justina Lee Brown. Die Swiss Blues Challenge-Siegerin von 2019 belegte an der EBC 2022 den zweiten Rang, erreichte an der International Blues Challenge 2020 das Halbfinale und erhielt zwei Swiss Blues Awards verliehen.

James Boogaloo Bolden ergänzt das Programm

Von den Verantwortlichen des Lucerne Blues Festivals haben wir erfahren, dass der ursprünglich eingeplante Sonny Green leider nicht auftreten wird. An seiner Stelle präsentieren die Organisatoren mit James «Boogaloo» Bolden jedoch einen mehr als würdigen Ersatz.

Bolden dürfte den meisten Blues-Fans als langjähriger Trompeter, Arrangeur und Musical Director der B.B. King Blues Band ein Begriff sein. Der aus Houston, Texas, stammende Musiker mit Jahrgang 1950 spielte u.a. mit Duke Ellington, James Brown und Stevie Wonder, bevor er sich dem King Of The Blues und dessen Truppe anschloss. Seit B.B.s Tod 2015 widmet sich der auch als Gitarrist und Sänger brillierende Trompeter voll und ganz seiner 2003 gegründeten James Boogaloo Bolden Blues Band. Mit dieser wird er am Freitag, 13.11.26 im Panoramasaal des Grand Casinos und am Samstag, 14.11.26 am Blues Brunch im Hotel Schweizerhof auftreten.

www.bluesfestival.ch

 

Den genauen Spielplan und andere wichtige Faktoren zum Event entnehmen wir der Website www.bluesfestival.ch

Christopher Wyze & The Tellers Present: Naptown Blues – Songs of Leroy Carr & Scrapper Blackwell

Nicht der tiefe Süden der USA, nicht Städte wie New Orleans, Memphis oder Chicago war die Heimat von zwei der einflussreichsten Musikern der frühen Blues-Zeit. Das Duo Leroy Carr und Scrapper Blackwell aus Indianapolis (im schwarzen Volksmund kurz «Naptown» genannt) begann mit seinen Songs Ende der 1920er Jahre die Szene zu prägen und zahllose andere Musiker zu beeinflussen. Ihr grösster Hit «How Long, How Long Blues» wurde zu einem der meistinterpretierten Nummern der Folgejahrzehnte.

Mit ebenso viel Chuzpe wie Leidenschaft haben sich nun Christopher Wyze & The Tellers dem Vermächtnis von Carr und Blackwell angenommen und interpretieren äusserst kompetent elf Songs aus deren immensem Repertoire, ursprünglich aufgenommen zwischen 1928 und 1932. Klar darf «How Long…» nicht fehlen, doch ist dies nur eine der Perlen aus der Karriere von Carr und Blackwell, die im Urban Blues jener Zeit grosse Erfolge feiern konnten.

Dass sich die Versionen, die Christopher Wyze, John Boyle III und Gerry Murphy aufbereitet haben, von den Originalen abheben und gleichwohl bestehen können, ist verschiedenen Umständen geschuldet. Da ist der gesangliche Ansatz: Wyze versucht sich nicht in einer krampfhaften Carr-Kopie. Seine Interpretation folgt eher der unaufgeregten, aber gleichwohl griffigen Herangehensweise. Der grösste Unterschied jedoch – Leroy Carr war Pianist – besteht darin, dass Wyze & Co in ihrer Produktion gänzlich auf ein Klavier verzichtet haben. Dies verleiht dieser Musik einen neuen, spannenden Charakter und rückt den eigentlichen Song, resp. das Songwriting von Carr an sich in den Mittelpunkt. Und nicht zuletzt setzt im Gegensatz zu den Originalen eine Acoustic Harmonica da und dort sensible Sahnetupferl.

Liebevoll aufgemacht präsentieren sich auch die Plattencover und Booklet. Optisch vom Stil her jener Epoche vor knapp 100 Jahren nachempfunden, als der Naptown Blues Furore machte, enthält das Booklet neben einem ausführlichen Essay und zahlreichen Abbildungen zu Leben und Musik von Carr und Blackwell eine von Wyze verfasste Beschreibung, wie es zu diesem Album kam, sowie die diskografischen Angaben, die Lyrics und spezielle Bemerkungen zu jedem einzelnen Song.

Christopher Wyze & The Tellers unterstreichen mit ihrem fein konzipierten (und natürlich in Indianapolis aufgenommenen) Werk, dass Leroy Carr und Scrapper Blackwell von der Blues-Forschung gegenüber etwa dem Delta Blues zu Unrecht vernachlässigt worden sind.  

Christopher Wyze (voc, harm), John Boyle III (g, org), Gerry Murphy (ac-b)

(CD, DL, www.bigradiorecords.com)

Michael van Merwyk & Gerd Gorke Front Porch Music – Best of the Delta Boys

20 Songs mit mehr als 72 Minuten Front Porch Music: was kann sich der geneigte Acoustic Music-Fan Besseres wünschen! Michael van Merwyk und Gerd Gorke, öfters mit dem Projekt «The Delta Boys» unterwegs, veröffentlichen als Unplugged-Duo dieses mit Charme und Herzblut aufgenommene Werk. Wobei das Ganze keine Neu-Einspielung darstellt – neun Songs stammen von ihrem 2010er Album «Front Porch Stories», die anderen Elf von «Rough & Easy» aus dem Jahr 2013 – was aber im vorliegenden Fall absolut keine Rolle spielt. Diese Musik, besonders wenn sie derart raffiniert interpretiert wird, klingt zeitlos.

Michael van Merwyk und Gerd Görke: Zwei Stimmen, eine Gitarre und eine Mundharmonika tauchen tief ins weite Feld der amerikanischen Musikgeschichte ein. Blues, Folk, Gospel, Hokum, Rhythm’n’Blues, früher Jazz, Soul – you name it! Die ursprünglich Verantwortlichen für die Songs stammen aus allen Stil- und Himmelsrichtungen der USA: Willie Dixon, Tampa Red, John Martyn, Hank Williams, Lou Rawls, Little Junior Parker, Mose Allison, Louis Jordan, Lucky Millinder, J.B. Lenoir, Big Bill Broonzy, Johnny Nash etc. Und mit «Bad Blues» hat Michael van Merwyk sogar eine Nummer aus eigener Feder darunter geschmuggelt! Diese plus die ganzen Klassiker bereiten die Delta Boys mit Stil, Niveau, Gefühl, Spielfreude und einem feinen Schuss Humor auf. Ausgefuchste Front Porch Music im wahrsten Sinne des Wortes!

Gerd Gorke (voc, harm), Michael van Merwyk (voc, g, dobro, weissenborn)

(www.timezone-records.com)

The Boneshakers Pull Up The Roots – The Berlin & Hotel Sessions – Stripped To The Bone

Pull up the Roots? Nein, da wird nix ausgerissen. Im Gegenteil, die Boneshakers ziehen die Roots voll ins Rampenlicht und pflegen so die Wurzeln der Black Music bravourös anhand dieser knackigen Rootsrock-EP. EP? Ja, leider! Von dieser Sorte Sound könnte man durchaus mehr vertragen! The Boneshakers – Randy Jacobs und Jenny Langer plus Mitmusiker & Friends – greifen das Essenzielle auf, welches in Soul, Rock, Blues und artverwandter Musik steckt, und verpassen diesem einen hippen, knusprigen Anstrich. Und alles mit reduzierter Methode.

Der Untertitel der EP verrät uns: «Stripped to the Bone» und «The Hotel Sessions». Will heissen: Da wurde ohne grossen Firlefanz und Studiotechnik aufgenommen, wann immer die Inspiration ans Fenster klopfte. Das Hauptaugenmerk liegt auf Spontaneität, Seele und Geist. Davon profitieren die beiden Eigenkompositionen «Eat A Peach» und «Fly On The Wall» sowie die vier Interpretationen von clever ausgewählten Songs, darunter der Meters-Klassiker «Fire On The Bayou» – hier mit einem indischen Unterton – und das einst von Charlie Singleton für B.B. King geschriebene «Help The Poor» mit seinem Latin Touch.     

Alle sechs Nummern sind ein gefundenes Fressen für Jenny Langer’s beachtenswerte Stimmbänder, welche souverän über den praktisch ausschliesslich akustischen Instrumenten thronen. Herrlich anzuhören auch die durchwegs süffigen Gitarrenparts von Randy Jacobs, die klagende Harmonica von Mark Pender im Titelstück (einem Talking Heads-Klassiker), sowie das gefühlvolle Saxophon von Joe Sublett im funky «Your Luck Won’t Last» aus dem Was (Not Was)-Katalog. Great Job, Lads!

Randy Jacobs (ac-g, cigar box, voc), Jenny Langer (voc, vibe), Holly Montgomery (b, voc), Arthur Thompson (perc, voc) plus Joe Sublett (sax), Mark Pender (harm), Jon Gilutin (keys), Oliver Leiber (ac-g)

(CD, Vinyl, DL, www.gulfcoastrecords.net)  

 

The MarbleTones - Blues Keeps Knocking

Die MarbleTones sind Veteranen der niederländischen Bluesszene. Seit 25 Jahren querbeet unterwegs zwischen den einheimischen Deichen und der San Francisco Bay mit Abstechern nach Italien und Finnland, feiern die vier beschlagenen Musiker nun ihr Bandjubiläum mit einem aufgestellten Album, dessen spritzige, allesamt im Bandrahmen geschriebenen Kompositionen die gute, alte Zeit, respektive den satten Sound von Chess, Sun und V.J. Records hochleben lässt. 

Die Rhythmusgruppe versteht es, einen enormen Drive auf die Matte zu legen. Anne-Marten van Heuvelens Gesang ähnelt einem Gemisch aus Rick Estrin und Tom Waits, während Ben Boumans Harp Erinnerungen an den legendären Paul  Butterfield aufkommen lässt: herrlich seine Chromatische im zünftig abswingenden «Ride With Me» und im atmosphärischen Slow Blues «Give Them Folks A Smile». Und – last but not least – hält Arie-Jan Folkerts’ mehr als solide, von Hubert Sumlin und Konsorten inspirierte Gitarrenarbeit (brillant seine Magic Sam-Riffs in «Boogie Train») den Kuchen souverän zusammen.  

Obwohl ihre Songs im traditionellen Bluesrahmen aufgesetzt sind, weiss die Band der ganzen Sache immer wieder überraschende Wendungen zu verpassen – sei es mit Rhythmuswechseln, Tonartwechseln, einem unerwarteten und trotzdem flüssig-flotten 5/4-Takt-Boden und nicht zuletzt mit innovativen Soli.

Wir gratulieren den MarbleTones herzlich zu ihrem Vierteljahrhundert! Weiter so, Jungs – ihr macht unheimlich Spass!

Anne-Marten van Heuvelen (b, voc), Ben Bouman (harm), Arie-Jan Folkerts (g), Bert de Jonge (dr)

(Continental Records)

Robin Trower - Shine

Nicht im Gestern stehen geblieben ist Robin Trower. Der einstige Procol Harum-Gitarrist treibt auch mit stolzen 81 Jahren auf dem Buckel seine Solokarriere so munter wie kompromisslos voran. Dass er immer noch grossen Spass an der Sache verspürt, spricht aus jedem Ton seines neuen Werks «Shine». Nach wie vor weiss der Engländer seinem kraftvollen, vom Blues infizierten Rock überraschende Nuancen abzugewinnen, nach wie vor klingt er im Ansatz – will heissen: von der Komposition und von den Arrangements her – unverkennbar britisch.

Seine zehn selbst geschriebenen und produzierten Songs dienen nicht nur als Schaufenster seiner stupenden Fähigkeiten an den sechs Saiten – gewisse Medien hypten ihn einst als Nachfolger von Jimi Hendrix – Trower hat auch eine Message, die besonders in den Lyrics von Nummern wie «Faith», «Truth», «Live Your Time» und dem Titelstück «Shine» zum Vorschein kommt. Vorwiegend besorgt um den Gesang ist Richard Watts, der sich in Britannien einen hervorragenden Ruf als Interpret von Acoustic Folk bis Rock ersungen hat. Als Gast für einen Song glänzt die Vokalistin Jess Hayes, die mit ihrer Band Conolly Hayes schon für einen UK Blues Award nominiert war. Selber tritt Trower nur in «Driving On Through» ans Mikrofon.

Aufgenommen und abgemischt von Sam Winfield im Studio 91 im südenglischen Newbury, gefällt «Shine» als ein zeitloses, ideenreiches Stück Classic Rock. Robin Trower muss niemandem mehr etwas beweisen. Gerade dies macht den Reiz seiner Musik aus.

Robin Trower (g, b, voc), Richard Watts (voc), Chris Taggart (dr), Jess Hayes (voc)

(Provogue/Artone/Bertus)

 

Vaneese Thomas - Window To My Soul

Ein neues Album von Vaneese Thomas ist jedes Mal ein Ereignis. Ihr aktuelles Werk nennt sie «Window To My Soul». Hinter diesem Fenster zur Seele schwingt enorm vieles mit. Einerseits mal ihre Herkunft: Ihr Aufwachsen als Tochter des Sängers, Entertainers, Radio DJs und Civil Rights-Kämpfers Rufus Thomas und als Schwester der Soul-Ikone Carla Thomas und des gefragten Keyboarders und Produzenten Marvell Thomas. Andererseits das Flair der Blütezeit von Stax Records. Aber auch die Geschichte im Memphis der 1960er Jahre: der Sanitation Workers Strike und die Ermordung von Martin Luther King Jr.

Später dann die Suche nach ihrem eigenen musikalischen Ausdruck und ihre Erfahrungen im nicht immer einfachen Music Business als Background-Sängerin bei den Besten, als Lead-Sängerin, als Komponistin, noch später die produktive Zusammenarbeit mit ihrem Produzenten/Ehemann Wayne Warnecke und mit ihren treuen Weggefährten Al Orlo, Paul Adamy, Dave Keyes.

Dies alles hat sich tief in ihre Seele eingebrannt und schlägt sich nun im Songwriting, in den Arrangements, in den Interpretationen, im Gesamt-Gefühl ihrer Musik nieder. Vaneese Thomas versteht es, mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen zeitgenössischem Blues, Memphis Soul und tiefempfundenen Gospel zu navigieren und ihre Gefühle kund zu tun. Durch ihr Fenster zur Seele sehen wir Liebe und Enttäuschung, Verletzlichkeit, aber auch Kraft und Hoffnung. «I Still Got The Blues» singt sie. Aber auch «Ain’t Gonna Be No One’s Fool». Dies alles getragen von einem Sound und einer Band, die perfekt auf ihre Stimme und ihre Emotionen zugeschnitten sind. «Window To My Soul» reiht sich nahtlos ein unter die massgebenden Soul-Blues-Alben dieses Jahres.

Vaneese Thomas (voc, keys), Dave Keyes (org, p), Paul Adamy (b), Al Orlo (g), Ross Pederson (dr), Tim Ouimette (tp), Cliff Lyons (sax), John Isley (sax), Andy Drelles (cl), Rob Papparozzi (harm), Kati Mac, Angela Clemmons, Jason L. Terry & Emily Bendinger (b-voc)

(CD, DL, www.overtonmusic.com) 

Ben Poole - Post-Midnight Behaviour

Nach-Mitternachts-Musik der Sonderklasse liefert uns Ben Poole – von melodiös bis heavy, von seelenvoll bis catchy. Verträumt, besinnlich und doch mit einer Intensität, die sich gewaschen hat. Power Chords wechseln mit sanft gezupfter Saitenarbeit. Ben dürfte dem geneigten Zuhörer als britischer Bluesrocker mit einschmeichelnder Stimme und kompromisslosem Gitarrenspiel bekannt sein – hier nun geht der Gitarrist für einmal in eine andere Richtung. Poole stellt auf seinem neuen Album vermehrt die Songwriter-Qualitäten von sich und seiner Band in den Vordergrund. Alle Songs stammen aus dem Kollektiv Ben Poole/Wayne Proctor/Oli Brown/Steve Amadeo.

Der Druck und die Energie sind gewohnt Ben Poole, dazu aber kommen ein feiner Sinn für Melodien, für ideenreiche Arrangements, für radiotaugliche Hooks. Die Songs sind vielschichtig und gruppieren sich um die beiden zentralen Rockballaden «Summer Haze» und «Runaway Souls». Letztere erhält zusätzlich einen besonderen Kick durch das Mitwirken von Elles Bailey als ideale Duettstimme zu Poole.

Ein spezielles Lob schliesslich auch dem Produktionsteam Poole/Proctor/Brown. Der Sound ist packend, warm, vielschichtig und transparent, jedes einzelne Instrument klar zu hören. «Post-Midnight Behaviour» ist definitiv eine runde Sache, die ihre Qualitäten nicht nur nach Mitternacht zu entfalten weiss! 

Ben Poole (g, voc), Wayne Proctor (dr), Oli Brown (b-voc, moog), Steve Amadeo (b), Bennett Holland (keys) plus guest Elles Bailey (voc)

(CD, Vinyl, DL Gypsy Soul Records)

Ben Poole & Band werden im Oktober an folgenden Daten bei uns in der Schweiz live zu geniessen sein:

15.10. Fricktaler Bluesfestival, Frick

16.10. Musigburg, Aarburg

17.10. Gare de Lion, Wil

 

 

Donna Herula - Cold Feet

Donna Herula? Da war doch mal was? Richtig! Die Gitarristin und Sängerin beeindruckte 2022 am Blues Festival Lucerne mit ihrem fliessenden Fingerpicking/Bottleneck-Style, gepaart mit einem spannenden Songwriting und einer sympathischen Bühnenpräsenz. Im gleichen Jahr gewann Donna Herula zwei Independent Blues Awards als Best Traditional Blues Artist und für das Best Acoustic Album mit ihrem «Bang At The Door». Mit dem Titelstück der Scheibe durfte sie sich auch über die Auszeichnung für den Best AAA/Alternative Song bei den International Acoustic Music Awards freuen.

Nun bringt die Lady aus Chicago den Nachfolger «Cold Feet» auf den Markt, für den sie sich wiederum auf die bewährten Fähigkeiten von Jon Shain in der Produzenten-Rolle verlässt. Zeigte «Bang At The Door» die Gitarristin mit einem reinen Unplugged-Setting in einem folkigen Kleid, so stöpselt sie ihre Instrumente auf «Cold Feet» öfters in einen Amp ein und erzeugt so allgemein mehr Druck, ohne jedoch jenen Charme zu verlieren, den schon ihr erstes Album ausgezeichnet hat. Doch der eher verträumte Approach ihres letzten Albums weicht nun einem handfesteren Sound. Dies hat auch damit zu tun, dass mit dem Zuzug von Kenny «Beedy Eyes» Smith an den Drums die Songs einen kräftigeren Boden erhalten. Und: Prägten praktisch ausschliesslich Saiteninstrumente das Vorgängeralbum, so tauchen nun da und dort eine Orgel, ein Wurlitzer, gar ein Saxofon auf, um den Sound zu bereichern. Zudem strahlt Donna’s Stimme zusätzlich gewonnenes Selbstvertrauen aus.

Herula verarbeitet dieses Mal in ihren Songs vermehrt Ideen aus dem Delta Blues-, Soul-, Swamp Blues- und Rootsrock-Bereich, was für Abwechslung und Spannung sorgt. Ihre erfrischende Bearbeitung von Skip James’ «Cypress Grove Blues» und die vom Spass an der Sache bestimmte Version des Robert Johnson-via-Elmore James-Klassikers «Dust My Broom» runden dieses feine Album ab. Donna Herula macht mit «Cold Feet» einen weiteren grossen Schritt vorwärts. 

Donna Herula (voc, g, claps), Tony Wittrock (g, claps), Jon Shain (g, claps), Rick Barnes (perc), Marc Edelstein (b), Alton Smith (org, wurlitzer), Kenny Smith (dr, cowbell), John Jochem (harm), Steve Eisen (sax), Anne Harris (v), Candy LaFlora, Kary Ream & Rebecca Toon (b-voc)

(CD, DL, www.donnaherula.com)   

Big Harp George - No Shortcuts

Es ist nicht nur der Fakt, dass Big Harp George Bisharat (im Gegensatz zu den meisten Bluesharp-Spielern, welche das diatonische Instrument bevorzugen) die Chromatische Harmonica beherrscht wie nur wenige im Blues Biz und damit einen eigenständigen Sound erzielt. Es ist auch sein ausserordentliches Songwriting, welches den ehemaligen Strafverteidiger, Jus-Professor und Nahost-Spezialisten von der Masse abhebt. Nicht weniger als 16 Songs mit einer stolzen Laufzeit von total 67 Minuten und 59 Seekunden präsentiert Big Harp George dieses Mal.

Musikalisch fusst der Kalifornier mit palästinensischen Wurzeln im leicht jazzig-swingenden Jump Blues – mit einer steten Offenheit für interessante Ausflüge in verschiedenste andere Genres. In «I Will Find You» taucht er denn auch, begleitet von traditionellen Instrumenten wie Riq, Duff und Oud, tief in die Kultur seiner Väter ein, während «Be Adorable» einen hinreissenden Old-Timey-New-Orleans-Feel verbreitet oder «One Day (You Will Be Judged)» den Geist französischer Chansons verströmt. Bisharat’s Extraklasse an seiner Chromatischen blitzt speziell in den vier Instrumentalnummern auf, etwa im Latin-angehauchten «Last Trip To Itaipu», einer musikalischen Ode an seinen verstorbenen Freund, den Anthropologen Roberto Kant de Lima, oder im – Nomen est Omen – cool swingenden «Come Out Swinging».

Gepaart mit den brillanten Texten, die von augenzwinkernd über sarkastisch bis gesellschaftskritisch und gar provokativ die Begebenheiten, Marotten und Probleme unserer Welt ablichten, hebt sein eigenständiger Musikansatz Big Harp George auf das Level der spannendsten zeitgenössischen Künstler. Dass der Kalifornier die Dinge beim Namen nennt und auch politisch kein Blatt vor den Mund nimmt, wird spätestens in Songs wie «Death Rattle Of The Republic», «Rusty Spoon» oder «Ain’t My Circus» klar.

Wie schon bei den meisten seiner Vorgängeralben hat sich Bisharat für «No Shortcuts» von seinem langjährigen Kumpel, dem Keyboarder Chris Burns, produzieren lassen – und dies wie gewohnt in Kid Andersen’s Greaseland Studios – wobei Kid als Tontechniker und an den verschiedensten Instrumenten massgebend am Gelingen dieses spektakulären Albums beteiligt zeichnet.

Big Harp George (voc, harm), Aaron Lington (sax), Chris Burns (keys), Joe Kyle (b), Kid Andersen (g, bjo, b), Mike Rinta (tb), Derrick D’Mar Martin (dr, perc), Alexander Pettersen (dr), Ami Molinelli (perc), Basma Endrees (voc, v), Charlie Bisharat (v), Doug Rowan (sax, fl), Lisa Leuschner Andersen (voc), Loay Dahbour (riq, duff), Marcel Smith (voc), Michael Peloquin (sax), Mike Olmos (tp), Mohammed Elshazly (oud), Nicole Welch (cello), The Morgan Brothers (voc)

(CD, DL, www.bigharpgeorge.com) 

Jovin Webb - Son Of A Sinner

Im Final des American Idol-Wettbewerbs 2020 stach ein Musiker, dessen Wurzeln tief in Blues, Soul und Gospel fussen, aus dem Mainstream-Pulk heraus. Jovin Webb aus Louisiana überzeugte die Jury damals mit einer packenden Interpretation des Allman Brothers-Klassikers «Whipping  Post». Lionel Richie soll Jovin Webb’s Stimme als «The Sound of Barbecue Sauce» gewürdigt haben, und das Downbeat Magazine beschrieb sie als «an utterly convincing deep-Blues Voice that seems to be stained by Nicotine and marinated in Rye Whiskey». Kein Wunder, hat dies die Industrie aufhorchen lassen.   

Das Rennen um den talentierten Newcomer machte schliesslich mit der Firma Blind Pig Records ein bestens im Roots-Sektor verankertes Label. Der Effekt: Vor zwei Jahren tauchte Jovin Webb mit seinem beachtlichen Debut «Drifter» als neuer Komet am Blues-Himmel auf. Nun steht mit «Son Of A Sinner» schon das Nachfolge-Album in den Startlöchern, auf dem der heute 35-Jährige aus Louisiana seinen Sound weiter veredelt. Getragen von der abgeklärten Studiocrew um den Grammy Award Winning Drummer, Songwriter & Producer Tom Hambridge lässt Jovin Webb vom ersten Ton an nichts anbrennen. Die Songs – davon fünf ausschliesslich aus eigener Feder – sind kernig, besitzen einen beachtlichen Wiedererkennungswert und bewegen sich in einer Ebene, die man als Wilson Pickett-meets-Lynyrd Skynyrd-meets-Delbert McClinton umschreiben könnte.

Um nochmals auf das oben erwähnte «Whipping Post» zurückzukommen: Webb beschliesst sein beeindruckendes Album, zu welchem Kenny Greenberg’s geniale Gitarrenarbeit enorm viel beiträgt, mit einer fein konzipierten, emotional gesungenen Version des Allman Brothers-Klassikers – startend in der Art einer Acoustic Folk-Ballade, bevor das bekannte 11/8-Takt-Riff das Szepter übernimmt.

In Jovin Webb’s Musik ist Feuer drin – den American Idol-Finalisten von 2020 gilt es im Auge zu behalten.

Jovin Webb (voc, harm), Tom Hambridge (dr, perc, b-voc, prod), Kenny Greenberg (g), Mike Rojas (keys), Tommy MacDonald (b)

(CD, DL, www.blindpigrecords.com)

Anthony Geraci - Where Were You

Anthony Geraci, seit Jahrzehnten hochgeschätzt sowohl als Solo-Künstler wie auch als Sideman, hat für sein neues Album neben seiner eingespielten Road Band eine Truppe von exquisiten Musikern aus Chicago ins Studio gebeten. 12 Songs sind es auf CD und digital, zwei weniger auf Vinyl, die uns der sensible und vielseitige Keyboarder hier präsentiert – alle aus eigener Feder. Die Hälfte davon kommen als clever konzipierte Instrumentals daher.

Geraci schöpft aus dem reichhaltigen Fundus von Blues, Boogie Woogie, New Orleans R’n’B, Jazz, Soul und allgemeinen Americana-Einflüssen. Sein Markenzeichen ist sein beschlagenes, melodiös perlendes Pianospiel, welches den roten Faden dieser Produktion bildet. Die Chicago-Fraktion um Sheryl Youngblood, Dave Specter, Jon McDonald, Pooky Styx und Rodrigo Mantovani fügt sich nahtlos und songdienlich ins Geschehen ein und bildet die perfekte Ergänzung zu Geraci’s verdienten Stammkräften. Die Gesangsparts teilt der Keyboarder aus New England mit Youngblood und mit Barrence Whitfield.

Aus dem «All Thriller – No Filler»-Projekt ragen neben dem Titelsong – einem atmosphärischen, vom Piano getragenen Slowblues – speziell auch der luftig-leichte «Caterpillar Dance», das einen Hauch Big Easy versprühende «Say La-Ti-Da», die jazzige 1950er-R’nB-Nummer «Breaking Bread», das nicht zuletzt wegen Anne Harris’ herrlichem Geigenspiel ein wenig an die gute, alte, britische Folkrock-Zeit erinnernde «Flowers For Marianne» sowie das von Motown inspirierte «Even A Fool’s Right Once In A While» heraus.

«Where Were You» ist ein Juwel mit Stil und Klasse – nicht nur für Keyboard-Liebhaber!

Anthony Geraci (p, hammond, voc), Sheryl Youngblood (voc, dr), Barrence Whitfield (voc), Dave Specter (g), Barrett Anderson (g), Jon McDonald (g), Rodrigo Mantovani (b), Tom Terry (b), Nick Toscano (dr), John Medeiros Jr. (dr), Pooky Styx (dr), Mario Perrett (sax), Anne Harris (v)

(CD, Vinyl, DL, www.delmark.com)

Warren Haynes Dreams & Songs – A Symphonic Journey with The Asheville Symphony Orchestra

Wie viele Pfeile hat der Mann denn noch im Köcher? Warren Haynes verblüfft immer wieder aufs Neue! Nicht genug, dass er eine tragende Rolle bei den unnachahmlichen Allman Brothers ausgeübt, bei Phil Lesh & Friends sowie bei The Dead alte Grateful Dead-Zeiten glorifiziert, als Leader von Gov’t Mule die Adult Rock-Szene aufgemischt, die Last Waltz-Revival-Tour geprägt und nebenher unter eigenem Namen eine erfolgreiche Solo-Karriere aufgebaut hat – der Ausnahmegitarrist, Sänger, Songwriter und Produzent zaubert hier eine Art Karriere-Rückblick der spektakulären Art aus dem Zylinder. Begleitet von einer hochkarätigen Band um Oteil Burbridge, John Medeski und Jeff Sipe sowie dem 64-köpfigen Asheville Symphony Orchestra interpretiert Haynes so spannend wie aufregend 16 Meilensteine seiner faszinierenden, nun schon mehr als fünf Jahrzehnte dauernden musikalischen Reise.

Was speziell herausheben aus diesem wie aus einem Guss fliessenden Konzert-Set, bei welchem der 66-Jährige live, locker und inspiriert Rock, Blues, Soul, Jazz und Klassik in seinen Topf zu packen versteht? Etwa die Grateful Dead-Hymnen «Black Peter», «Terrapin Station» und «Shakedown Street»? Oder die Allman Brothers-Klassiker «Dreams», «Instrumental Illness» und «Whipping Post»? Vielleicht das gefühlvolle «Makes No Difference» von The Band? Sicher aber auch «Thorazine Shuffle» oder «Raven Black Night» aus Gov’t Mule-Tagen.

Fakt ist: Ausgiebig kommen Warren’s ausserordentliche Fähigkeiten an den sechs Saiten zum Tragen. Trotz dem «Korsett» der Orchester-Arrangements bewahren sich Haynes & Co (brillant der Saxofonist Greg Osby!) den nötigen Raum, um nach Herzenslust in die verschiedensten Richtungen auszufahren und zu improvisieren. Fast ein wenig übersieht man dabei neben Haynes’ Gitarrenkünsten seine unter die Haut gehende Blue-eyed Soul-Stimme. «Dreams & Songs» ist ganz grosses Ohren-Kino!

Und wem die Reise nicht zu weit ist: Das 2019 im Thomas Wolfe Auditorium in Haynes’ Heimatstadt Asheville, North Carolina, uraufgeführte (und für dieses Album mitgeschnittene) Projekt wird erneut am 11.&12.03.2027 im Schermerhorn Symphony Center, Nashville, zusammen mit der Nashville Symphony auf die Bühne gebracht.

Warren Haynes (voc, g), Oteil Burbridge (b), John Medeski (keys), Jeff Sipe (dr), Greg Osby (sax), Edwin McCain & Jasmine Muhammad (b-voc) plus The Asheville Symphony Orchestra

(CD, Vinyl, DL, Provogue/Artone/Bertus)

 

Gerry Hundt Trio - One More For Me

Der Multi-Instrumentalist Gerry Hundt aus Chicago ist ein musikalischer Tausendsassa. Sein neues Album startet er mit dem erquickenden Surf-Song «Pimenta», um gleich anschliessend mit «Caught In The Middle» im Stil von Elmore James oder Li’l Ed Williams gehörig Dampf zu geben. Es folgt knochentrockener Rock’n’Roll à la Chuck Berry («Pretty Baby»), abgelöst vom «Kid Man Blues», den er Old School-mässig mit Mandoline und Bluesharp aufsetzt. «Ruby Doobie» dann hat einen Rockabilly-Boogie-Charakter und bezieht neben der Lead-Harmonica gleich noch eine Bass-Harmonica mit ein.

«Running Wild», ursprünglich von Eddie C. Campbell, schliesst nahtlos an die unvergessenen Instrumentals eines Freddie King an. «I’m Gone» tendiert leicht ins Funkige, während der von Tampa Red geschriebene «Rambler’s Blues» Erinnerungen an den legendären Blues-Mandolinisten Johnny Young aufkommen lässt. «Strange Things Happening» schliesslich ist musikalisch ein Kind der «Rollin’ and Tumblin’»-Familie. Das Album endet mit dem langsamen «End Of The Day Blues», dessen mit Wah-Wah unterlegte Slidegitarre auf herrliche Weise Earl Hooker hochleben lässt.

Allen Songs ist eigen, dass sie vor Spielfreude nur so sprühen. Dazu tragen nebst dem in der Chicago-Szene bestens verwurzelten Gerry Hundt (Corey Dennison Band, The Dig 3, Nick Moss & The Flip Tops) auch seine europäische Rhythmus-Section Renaud Lesire (Belgien) und Tom Lehnert (Luxemburg) wesentlich bei. Da stimmt die Chemie!

Gerry Hundt (voc, g, mand, harm), Renaud Lesire (b, voc, harm), Tom Lehnert (dr)

(Digital, www.gerryhundt.com)

Various Artists - Antone 50th Presents Chicago Bound

ur Feier des 50. Geburtstags des legendären Music Clubs Antone’s in Austin erschien letztes Jahr ein grandioses, mehrteiliges Box Set, zu dem Alles, was zwischen Texas und Chicago Rang und Namen im Blues besitzt, beigetragen hat. Im Fahrwasser dieses Juwels dürfen wir nun «Chicago Bound» begrüssen – eine Sammlung von Songs, die aus den Box Set-Sessions stammen und damals keinen Platz auf dem Endprodukt fanden.

Doch halt! Dies sind beileibe keine Ausschussware oder keine zweitklassige Leftovers. Im Gegenteil, da hat’s enorm Spannendes darunter – locker und mit viel Spielfreude intoniert. Wir hören z.B. Kim Wilson & The Fabulous Thunderbirds mit Bläsern («I’m Not Ashamed») oder Jimmie Vaughan an der – nein nicht der Gitarre – sondern zur Abwechslung mal an der Harmonica: dies zusammen mit u.a. Ivan Neville, Keith Richards und Ronnie Wood im Clifton Chenier-Louisiana-Shuffle «One Step At A Time». John Primer und Steve Bell liefern im Duo eine zu Herzen gehende und in die Beine fahrende Version von Jimmie Rogers’ Klassiker «Chicago Bound». Doyle Bramhall II schliesslich frönt Hound Dog Taylor’s erdigem «Give Me Back My Wig», während Anson Funderburgh sein Vorbild Albert Collins mit dessen «Backstroke» hoch leben lässt. Eine Entdeckung zudem ist die stimmgewaltige texanische Sängerin Kam Franklin, hier mit Bobby Bland’s Sohn Rodd Bland an den Drums und dem Song «I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treated Me)» unterwegs.

Ausserdem lassen auf diesem kurzweiligen Album ihre Instrumente erklingen resp. ihre Stimmbänder vibrieren: Billy F. Gibbons, CC Adcock, Steve Riley, Derek O’Brien, Jay Moeller, Sarah Brown, Nick Connolly, Marcia Ball, Billy Flynn, Lavelle White, Kaz Kazanoff, Chris Layton, Joe Sublett, Lil’ Ed Williams, Kenny «Beedy Eyes» Smith, Rodrigo Mantovani, Robert St. Julien, Brad Stivers, Scott Bomar, Mike Flanigin u.v.m.

(CD, Vinyl, DL, Blues Till 2 Recording Company/Select-O-Hits)

Kim Simmonds - Street Corner Talking

The Autobiography of Kim Simmonds – The Life and Music of the Founder of Savoy Brown

Beeinflusst von Freddie King, B.B. King, Elmore James, Earl Hooker, Muddy Waters und Howlin‘ Wolf reihte sich Kim Simmonds nahtlos in die Schar der grossen britischen Blues-Stilisten wie Eric Clapton, Peter, Green, Mick Taylor oder Stan Webb ein. Als Gitarrist wie als Songwriter wusste der Waliser die Tradition des Genres aufzunehmen und auf persönliche Art zu verarbeiten. Alben wie „Blue Matter“, „A Step Further“, „Streetcorner Talking“ und „Hellbound Train“ zeigten die Stärken von Simmonds und seiner Band und festigten ihren Ruf auch in den Vereinigten Staaten, wohin der Gitarrist anno 1980 auch mit Sack und Pack übersiedelte.

Leider hat Kim Simmonds die Veröffentlichung seiner Autobiografie nicht mehr miterleben dürfen. Kurz nach seinem 75. Geburtstag verschied der Gitarrist im Dezember 2022 nach schwerer Krankheit. Mit seinem Buch lässt Simmonds nicht nur den Leser 60 Jahre Music Biz aus der Warte eines Insiders miterleben, er setzt auch einer speziellen Epoche, seiner Band Savoy Brown, und nicht zuletzt sich und all den Musikern, die über die Jahre seinen Weg gekreuzt haben, ein feines Denkmal. 

Am 5. Dezember 1947 in Wales geboren, begeisterte sich der junge Kim anhand der Plattensammlung seines sieben Jahre älteren Bruders Harry – der später sein Manager werden sollte – für Rock’n’Roll und Blues. Bald schon griff er zur Gitarre und gründete nach seinem Umzug nach London, erst 18-jährig, mit ein paar Gleichgesinnten die Savoy Brown Blues Band – eine Formation, die in den verschiedensten Besetzungen mehr als fünf Jahrzehnte überdauern, rund 45 Alben veröffentlichen und in dieser Zeit mehrere Generationen von Fans in ihren Bann ziehen sollte.

Mit ehrlichen Worten und in kurzen, prägnanten und daher sehr unterhaltsamen Kapiteln schildert uns Simmonds sein Leben, seine Band, seine musikalische Entwicklung, seine Gedanken zum Music Business, seine Begegnungen, seine Erfolge, aber auch die Tiefpunkte seiner Karriere. Wichtig war ihm immer die Musik an und für sich, nicht der Kommerz, nicht die Show. Kim Simmonds ist es stets gelungen, Gelassenheit und Bescheidenheit mit Zähigkeit und Beharrlichkeit unter einen Hut zu bringen – nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Bandleader. Kurz vor seinem Tod schaffte es Kim Simmonds, sein Buch fertigzustellen. Es endet mit den Worten: „After all is said and done, there’s one thing I do know…music makes all our lives a little sweeter.“

(2026, Shiffer Publishing, Atglen PA, english, 208 Seiten, 45 Farb- und S/W-Fotos, ISBN 978-0-7643-7101-1, ePub 978-1-5073-0646-8)

www.savoybrown.com

 

Cedar County Cobras - Sinners & Saints

Keine Bange, die Cedar County Cobras versprühen kein Gift! Im Gegenteil, das Duo Tom Spielbauer und April Dirks pflegt einen herzerwärmenden, mehrheitlich akustisch aufgesetzten Sound, der Country Blues, Folk und Gospel auf hervorragende Weise zu verknüpfen weiss. Gnadenlos Old Style – dies jedoch radikal und erfrischend. Nichts wirkt aufgesetzt, alles wirkt authentisch und wie  aus einem Guss. Die Cedar County Cobras schöpfen sowohl aus dem reichhaltigen Fundus der Americana Music, andererseits aus der Erfahrung ihres jahrelangen Tingelns durch Clubs, Bars und Roadhouses im mittleren Westen der USA.

Nach ihrem Aufsehen erregenden Erstling «Homesick Blues» melden die beiden Talente aus Iowa mit dem ebenso unterhaltsamen, wie textlich spannenden «Sinners & Saints» zurück. Sozialkritische Aussagen mischen sich mit augenzwinkernden Stories, mit Weisheit, mit Gefühlen. Hier sind zwei gewiefte Songwriter am Werk! 

Tom Spielbauer gefällt mit seinem beeindruckenden Fingerpicking an den verschiedensten Saiteninstrumenten, April Dirks glänzt am Stehbass und an der Mandoline. Zudem verstehen es Aufnahmeleiter Bryan Vanderpool plus fünf weitere Gäste, mit ihren sensiblen Beiträgen an Sax, Harmonica, Keyboards, etc. den Songs gezielt Würze zu verleihen. Eine von A – Z runde Sache!

Tom Spielbauer (voc, g, lap steel, baritone g, bjo, foot dr), April Dirks (upright b, mand, voc, hand dr) plus Bryan Vanderpool (dr, perc, upright b), Dave Moore (harm), Heath Alan (sax, b-voc), Tanner Taylor (b-3, p), Monica Faye (b-voc), Krista Guillaume (b-voc)

(CD, DL, www.overtonmusic.com)

Mitch Woods - A Night In New Orleans

Das Snug Harbor Jazz Bistro an der Frenchmen Street in New Orleans ist eine der heissesten Adressen für gute Musik im Big Easy. Vom Sound dieser Stadt fühlt sich der ursprünglich aus New York stammende Pianist Mitch Woods schon seit jeher magisch angezogen. Nun hat der 75-Jährige sein neues Album ohne grossen Federlesens live und solo im Snug Harbor aufgenommen.

Mitch Woods beweist sich als lockerer und gewiefter Entertainer: One Man, One Piano, One Voice – und eine feine Auswahl von Originals, Boogie Woogies, Jump Blues und Louisiana-Perlen. Zu Letzteren gehören etwa Champion Jack Dupree’s «Nasty Boogie», Huey Piano Smith’s «Rockin’ Pneumonia And The Boogie Woogie Flu», Dave Bartholomew’s «Blue Monday» und Hank Williams’ Cajun-Hymne «Jambalaya». Die Zeit des Übergangs vom R’n’B zum Rock’n’Roll lässt Woods gekonnt mit Jackie Brenston’s «Rockett 88» und dem Big Joe Turner-Hit «Shake, Rattle & Roll» aufleben. Gewiss nicht verstecken daneben müssen sich Mitch Woods’ eigene Kompositionen: «Rock That Boogie» spricht für sich selbst, «Mojo Mambo» und «Amber Lee» sind beides Verneigungen vor Professor Longhair und dessen Piano-Stil, während das elegante «Crying For My Baby» eher die Musik von Allen Toussaint in Erinnerung ruft.

Mitch Woods umschreibt sein Album schlicht mit: «Just like the Streets of the Big Easy, it’s got its Potholes, Cracks and Boozy Funk….it is a raw Telling of a Night on the Town!» Und genau dies macht den Charme, die Lebendigkeit und den Unterhaltungswert seines «A Night In New Orleans – Live & Solo at Snug Harbor» aus!

Mitch Woods (voc, p)

(CD, DL, www.momojorecords.com)

 

Ten Years After - Cricklewood Green – Deluxe Edition

Was für ein Timing: Im April 1970, präzis zum Zeitpunkt, als der abendfüllende Film über das Woodstock Festival mit seiner knapp 10-minütigen Bluesrock-Tour de Force «I’m Going Home» der Gruppe Ten Years After in den Kinos Premiere feierte, tauchte das neue Studioalbum der britischen Band in den Verkaufsregalen der Plattenläden auf. «Cricklewood Green» zeigte damals eine spannende Weiterentwicklung im Sound des Quartetts und spannte den Bogen vom abrockenden «Working On The Road» über den von Bluegrass angehauchten «Year 3000 Blues» und das jazzig swingende «Me And My Baby» bis zum experimentellen «50'000 Miles Beneath My Brain». Zudem konnten Ten Years After mit der ausgekoppelten und gekürzten Version des Songs «Love Like A Man» auch ihren grössten Single-Hit verbuchen.

Gut 56 Jahre später dürfen wir uns über die Veröffentlichung einer neu gemasterten Deluxe Edition jenes Meilensteins auf 2 CDs, resp. 2 LPs freuen. CD 1/LP 1 enthält neben den 8 Originalsongs die gekürzte Singleversion von «Love Like A Man», die beiden Nummern «Warm Sun» und «To No One», welche es nicht auf die Originalausgabe geschafft haben, plus das neu entdeckte Instrumental-Demo «Cricklewood Jam». Interessant wird es bei der CD 2/LP2: Diese bringt den zweiten Set jenes Konzerts, den die Band am 27. Februar 1970 im Fillmore East in New York auf die Bühne gelegt hat. Neben Live-Versionen dreier «Cricklewood Green»-Songs spielte die Band an jenem Abend zudem die langjährigen Ten Years After-Abräumer «Good Morning Little Schoolgirl» und «I Can’t Keep From Crying Sometimes», natürlich auch das unverwüstliche «I’m Going Home» sowie das von Chuck Berry geschriebene «Sweet Little Sixteen». Die Deluxe Edition begleitet ein schmuckes Booklet, welches sowohl ein Essay des britischen Musik-Journalisten Nigel Williamson zur Entstehung des Albums, als auch viele unveröffentlichte Fotos und Memorabilien aus dem Band-Archiv beinhaltet.

Alvin Lee (voc, g), Leo Lyons (b), Chick Churchill (keys), Ric Lee (dr)

(2 CD, 2 LP, DL, Chrysalis/Proper/Bertus)

 

Steve Cropper & The Midnight Hour - Watching The Tide

Posthum erschien damals Otis Redding’s unvergessenes «Sitting On The Dock Of The Bay», welches die Zeile enthält: «….Watching The Tide Roll Away….». Der Co-Autor, Gitarrist und Produzent jenes Songs, Steve Cropper, hat am 3. Dezember letzten Jahres ebenfalls seinen letzten Weg angetreten: Ein charmantes Detail, dass nun auch Steve Cropper’s letzte Aufnahmen posthum unter dem Titel «Watching The Tide» veröffentlicht werden.

Mehrere Freunde, welche ihn im Laufe der Jahre immer wieder als ihr Idol bezeichnet haben, unterstützten «The Colonel», wie Steve bewundernd genannt wurde, bei diesen Sessions. Eric Clapton, Billy F. Gibbons, Brian May und Ronnie Wood gaben sich die Ehre, den Stax- und Blues Brothers-Gitarristen im Studio zu begleiten. Massgebend am Gelingen des Albums beteiligt war zudem Cropper’s langjähriger Freund und musikalischer Partner Jon Tiven als Produzent, Co-Writer und an den verschiedensten Instrumenten.

Entstanden ist ein waschechtes Gitarrenalbum, welches melodiös den jeweiligen Song an sich, und nicht irgendwelche atemberaubende Fingerfertigkeiten auf dem Griffbrett in den Vordergrund stellt. Faszinierend zu hören, wie sich die verschiedenen Gitarrenstimmen und -Parts zu einem organischen, druckvollen Ganzen verweben. Die Grooves rollen durchwegs locker und mitreissend wie zu den Zeiten, als Cropper noch Teil von Booker T. & The MG’s war – frei nach dem Motto: «You can take Steve Cropper out of Memphis, but you can’t take Memphis out of Steve Cropper!» Memphis Soul, Blues, R’n’B und Gospel waren zeitlebens tief eingebettet in der DNA dieses so einzigartigen wie bescheidenen Künstlers. 

«Watching The Tide» gefällt als ein wunderschönes Erinnerungsstück an einen der ganz Grossen des Business, dem es auch auf diesem Album noch einmal gelungen ist, seiner Musik sowie den Fähigkeiten seiner Kollegen das Beste abzugewinnen.

Steve Cropper (g), Jon Tiven (g, b, prod), Roger C. Reale (voc), Ana Grosh (voc), Nioshi Jackson (dr), Eddie Gore (keys, perc) plus guests Eric Clapton, Billy F. Gibbons, Brian May, Ronnie Wood

(CD, Vinyl, DL, Provogue/Artone)

Survivor – The Benny Turner Story By Benny Turner & Bill Dahl

Die Jus’ Blues Music Foundation, welche ihre alljährlichen Awards an verdiente Künstler, Exponenten und Förderer der Blues-Szene vergibt, hat in diesem Jahr eine neue Kategorie eingeführt, die in Zukunft nach ihrem ersten Preisträger «The Benny Turner Sideman Award» benannt wird. Seine faszinierende Lebensgeschichte hat der heute 86-jährige Benny Turner 2017 unter dem Titel «Survivor – The Benny Turner Story» zu Papier gebracht. Die Verleihung des oben erwähnten Awards, sowie die Tatsache, dass sich am 28. Dezember dieses Jahres der Todestag von Benny’s älterem Bruder, der Blues-Ikone Freddie King, zum 50. Mal jährt, verdienen es, einen Blick auf diese Autobiografie zu werfen. Denn Freddie King spielte eine der Hauptrollen in Benny’s Leben, nicht nur als Bruder, sondern auch als Inspiration, Vorbild und Kumpel.

Unterstützt vom brillanten Musikjournalisten Bill Dahl lässt Benny in «Survivor» sein Leben anhand von Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen Revue passieren – seine Kinderjahre in Texas, sein Aufwachsen in Chicago, seine Zeit in New Orleans, seine Familie, die Musik. Mit Gospel und R’n’B in Chicago gross geworden, agierte Turner schliesslich als Bassist und Bandleader in Freddie King’s Truppe. Nach Freddie’s viel zu frühem Tod 1976 übte Benny die gleiche Funktion anschliessend auch in den Bands von Mighty Joe Young und von Marva Wright aus, bevor er 2010 seine erfolgreiche Solokarriere startete.  

«Survivor» offenbart ein nicht immer einfaches afroamerikanisches Leben, welches durch Segregation und Jim Crow, aber auch durch Talent und Hingabe geprägt wurde. Zudem wirft das Buch einen interessanten Blick auf die Entwicklung sowie hinter die Kulissen der Black Music der letzten 70 Jahre. Benny Turner erzählt seine Story grundehrlich und ohne Verbitterung, dafür mit feinem Humor über all die Ups and Downs, welche ihn zu jenem «Elder Statesman Of The Blues» geformt haben, als der er heute in der Szene geschätzt wird.

(2017, Nola Blue, Inc., 238 Seiten, englisch, 178 S/W-Fotos und Abbildungen, ISBN 978-1-54390-128-3 Print, ISBN 978-1-54390-129-0 eBook)

Dustin Arbuckle & The Damnations - Fight Like The Devil Or Run Like Hell

Dustin Arbuckle aus Wichita, Kansas, machte erstmals so richtig auf sich aufmerksam als Teil des Electric Blues/Rootsrock-Duos Moreland & Arbuckle. 2005 im Finale der International Blues Challenge, später bei Telarc und Alligator Records unter Vertrag, haben sich die beiden Musiker 2017 getrennt.

Sänger und Bluesharper Arbuckle bleibt mit seiner neuen Band The Damnations seinem einst eingeschlagenen musikalischen Sound treu, ja fügt diesem gar weitere stilistische Nuancen bei. «Fight Like The Devil» ist das zweite Studioalbum der Truppe, die ausserdem diverse Live-CDs, -EPs und -Vinylscheiben veröffentlicht hat.

Die Kraft und den Druck seiner Live-Auftritte vermag das Quartett auch im Studio an den Tag zu legen, sei es in einem Shuffle à la Jimmy Reed, einem Hill Country Blues à la R.L. Burnside, einem Western Swing à la Asleep At The Wheel oder einem Boogie  à la John Lee Hooker. Arbuckle’s expressive Stimme und sein variationsreiches Harmonicaspiel stehen im Mittelpunkt und werden getragen von der bestens harmonierenden Rhythmusgruppe Caleb Drummond/Colby Aiken. Ein besonderes Kränzchen gilt es Brandon Hudspeth zu winden. Der so sensible wie ideenreiche Gitarrist versteht es auf hervorragende Art, die Kontrapunkte zu Arbuckle’s Vorgehensweise zu setzen und die Songs spannend zu halten.

Die Gesamtstimmung der Album-Lyrics basiert auf dem Leben «On The Road»: Beharrlichkeit, einsame Motelnächte, lange Autofahrten, Strapazen, Träume, aber auch Optimismus, Liebe und Selbstvertrauen. Die sieben im Bandrahmen geschriebenen Tracks werden abgerundet durch zwei Nummern von Ryan Taylor (The Rounders) sowie dem Bob Dylan-Klassiker «Tombstone Blues» und Gillian Welch’s «Didn’t I».

Dustin Arbuckle (voc, harm), Brandon Hudspeth (g), Caleb Drummond (b, b-voc), Colby Aiken (dr) plus Kendall Newby (b-voc)

(CD, DL, www.dustinarbuckledamnations.com)

Vully Blues Festival 06./07.11.2026, Praz

Blues, Wine & Dine heisst es wieder Anfang November in Praz am Murtensee. Das Vully Blues Festival bietet in sieben gemütlichen Weinkellern, einem Schiff und auf einer Freiluftbühne nebst spannenden nationalen und internationalen Blues-Künstlern feine lokale Tropfen sowie Währschaftes für den kleinen und grossen Hunger an.

Die florierende kanadische Szene wird vertreten durch Steve Marriner. Der Multi-Instrumentalist, Sänger und Produzent zählt zu den führenden Roots-Musikern in seinem Heimatland und wurde schon – nebst einem Juno Award (den kanadischen Grammys) – mit mehreren Maple Blues Awards ausgezeichnet. Den Stellenwert, den Marriner in Kanada hat, besitzt Carlos Eliott in Kolumbien. Der clevere Mix aus Mississippi Blues und Latin Sound, den Eliott zusammen mit dem US-Gitarristen Bobby Gentilo und dem Drummer Eduardo Oviedo auf die Bühne bringt, hat das Trio an Festivals rund um die Welt hinausgetragen.

Jon Shain aus North Carolina, Acoustic Blueser und Gitarrenlehrer, gewann 2019 in Memphis die International Blues Challenge in der Solo/Duo-Kategorie. In Vully wird Shain im Duo mit dem Gitarristen und Bassisten Mike Bischof zu geniessen sein. Tief in die Musik der 1920er und 30er Jahre tauchen Max & Veronica ein: Country Blues, Ragtime, früher Jazz und Hillbilly-Perlen präsentiert das Duo aus Italien mit Pep, Stil und Klasse.

Die Schweizer Fraktion wird angeführt vom jungen Luzerner Gitarristen Ronny Rast, der mit seinem Trio diesen Mai in Baden die Swiss Blues Challenge gewann, und von Roland Pierrehumbert, der mit seinem Projekt «Rawland» anno 2024 in Sierre das Finale dieses Wettbewerbs bestreiten konnte. Des Weiteren treten in den Caves von Vully auf: Howlin’ aus Genf, Sacha Love aus Fribourg, die One Rusty Band aus Frankreich, das Sylvie Bourban Blues Trio (Suisse Romande), Tori Sparks (USA/Spanien), No Brain aus Neuchâtel, und die Deutschschweizer Hamp Goes Wild.

Alle Details zum Vully Blues Festival gibt es unter www.vullybluesfestival.ch 

Blues Caravan 2026 Elise Frank, Laura Chavez, Matthew Curry

Live aufgezeichnet hat das umtriebige Plattenlabel Ruf Records die Jubiläumsausgabe (20 Jahre – wir gratulieren herzlich!) ihres Blues Caravan in der Blues Garage im deutschen Isernhagen Anfang dieses Jahres. Mit von der Partie sind heuer Laura Chavez, Elise Frank und Matthew Curry. Das Trio wird unterstützt durch die talentierte Keyboarderin Léa Worms und die bestens eingespielte Rhythmusgruppe Tomek Germann (b) und Denis Palatin (dr).

Das Rezept ist so einfach wie durchschlagend: nach einem gemeinsamen Aufgalopp – hier mit dem «Lazy Poker Blues» von Fleetwood Mac’s Peter Green – präsentiert sich jeder der drei Künstler mit einem eigenen Set, bevor es gemeinsam in ein grosses Finale mündet. Ausgiebig zum Zug kommen Chavez, Frank und Curry auf der DVD mit insgesamt 29 Songs. Aus Platzgründen nur 17 Tracks finden sich auf der CD.

Eine gute Balance ergibt sich bei der Songauswahl. Feine Eigenkompositionen (vor allem in den Solo-Sets) wechseln mit clever interpretierten Klassikern, etwa von Creedence Clearwater Revival («Born On The Bayou», «Green River»), den Stones («Under My Thumb»), Lynyrd Skynyrd («Whiskey Rock-a-Roller»), ZZ Top («Blue Jean Blues»), William Harris («Bullfrog Blues») oder Richard Berry («Have Love Will Travel»).

Obwohl zum Zeitpunkt der Aufnahme erst am Anfang ihrer ausgedehnten Tournee stehend, hat der Caravan schon bestens Fahrt aufgenommen und zeigt, dass die Chemie unter den drei Protagonisten stimmt. Elise Frank gefällt mit dynamischem, ehrlichem Bluesrock und starker Stimme. Matthew Curry besticht als cleverer Songwriter und innovativer Gitarrist mit spannenden Americana-Einflüssen. Laura Chavez schliesslich braucht kein Mikrofon – ihre Stimme ist ihre Gitarre. Mit ihren inspirierten Instrumentalnummern lässt die Westcoasterin erkennen, warum sie 2023 den Blues Music Award als «Best Instrumentalist – Guitar» verliehen bekam.

Mit dieser offiziell am 18.09. erscheinenden Live-Scheibe beweist sich der Jubiläums-Caravan als Spitzen-Jahrgang. Laura Chavez, Elise Frank, Matthew Curry & Band werden im Rahmen des Fricktaler Bluesfestivals am Mittwoch 30.09.2026 auf der Bühne des Fricks Monti zu geniessen sein.

Laura Chavez (g), Elise Frank (voc, g), Matthew Curry (voc, g), Tomek Germann (b), Léa Worms (keys), Denis Palatin (dr)

(CD & DVD, www.rufrecords.de)

33. Fricktaler Bluesfestival, Fricks Monti, 30.09./14.10./15.10.2026

Drei heisse Nächte Blues, Bluesrock, Funk und Soul verspricht das Fricktaler Bluesfestival, welches diesen Herbst in seine 33. Runde geht!

Mit dabei wieder der Blues Caravan von Ruf Records mit einer hochklassigen Besetzung: Laura Chavez, Elise Frank und Matthew Curry werden in bekannter Caravan-Manier – will heissen: solo und gemeinsam – Fricks Monti zum Kochen bringen. Die West-Coasterin Chavez hat mit dem unvergessenen Rory Gallagher nicht nur eine abgeschabte Fender Stratocaster-Gitarre gemeinsam – auch ihre Fingerfertigkeit an den sechs Saiten ist erste Sahne. Dies hat Laura anno 2023 den Blues Music Award als «Best Instrumentalist Guitar» eingebracht – notabene als erste und einzige Frau in dieser von Männern dominierten Kategorie! Nach vielen Sidewoman-Projekten live und im Studio hat Laura Chavez dieses Jahr ihr erstes Solowerk, das brillante Instrumentalalbum «My Voice» veröffentlicht. Ihr zur Seite stehen in Frick das junge französische Talent Elise Frank und der US-Amerikaner Matthew Curry – beide tief in Blues, Rock und Americana verwurzelt.

Ein Stück Schweizer Bluesgeschichte geschrieben haben die Bluesaholics aus der Region Zofingen. Seit Anfang der 1990er Jahre in praktisch unveränderter Besetzung aktiv, hat die Band seither unzählige Bühnen in unserem Land mit ihrem für die verschiedensten Einflüsse offenen Approach an den Blues bespielt. Auch die expressive Sängerin Eve Gallagher – obwohl aus Grossbritannien stammend – hat die hiesige Historie geprägt, gewann sie doch mit ihrer Band die Swiss Blues Challenge 2025 und stiess bei der European Blues Challenge in Polen bis ins Finale vor.

Inspiriert von Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan griff der junge Brasilianer Guto Konrad zur Gitarre. Mit seinem Debutalbum «Looking For Change» ist es Konrad gelungen, ein erstes beachtenswertes Statement zu setzen. Auch für Ben Poole war Jimi Hendrix Grund genug, eine musikalische Karriere einzuschlagen. Dazu gesellten sich als weitere Einflüsse mit Jeff Beck oder Gary Moore die Saitenzauberer seiner britischen Heimat. Auch Ben Poole glänzt mit einem neuen Album: auf «Post-Midnight Behaviour» geht der Gitarrist neue Wege und integriert gekonnt melodiöse Pop-Klänge in seinen Bluesrock.

Infos und Details zum Fricktaler Bluesfestival: www.fricks-monti.ch

GA-20 with Charlie Musselwhite - Blues Now

Chicago Blues Never Dies! Das Trio GA-20 – dieses junge, erdige Kraftpaket aus Boston, Massachusetts, welches sich mit Haut und Haar dem Windy City Sound der 50er und 60er Jahre verschrieben hat – trifft hier auf einen Künstler, der sich genau zu jener Zeit seine Sporen in der Blues-Szene am Ufer des Lake Michigan abzuverdienen begann. Charlie Musselwhite aus Mississippi hatte damals via Memphis nach Chicago gefunden, wo er seine Bluesharp-Fähigkeiten stählte und 1968 im Alter von 24 Jahren «Stand Back!» einspielte. In der Art jenes aufsehenerregenden Debutalbums – aber fern jeglicher Nostalgie – gehen Charlie, Mat Stubbs, Cody Nilsen und Josh Kiggans auf «Blues Now» vor. Die Chemie stimmt vom ersten Ton an, hier haben vier gewiefte Autoritäten des Deep Blues enorm Spass an der Sache.

Vom Sound her genial eingefangen hat Produzent Matt Stubbs diesen ausserordentlichen Blues Summit im Rare Signals Studio in Cambridge, USA. Die neun Klassiker von Willie Dixon, Junior Wells, Jimmy Reed, Eddie «Playboy» Taylor, Elmore James, J.T. Brown und Konsorten plus Charlie Musselwhite’s absolutes Paradestück – das unverwüstliche «Christo Redemptor», hier mit einer gefühlvollen Lap Steel von Cody Nilsen unterlegt – strotzen vor Energie, Emotion und Authentizität. Viel zu schnell sind die gut 36 Minuten Spielzeit – immerhin LP-Länge – vorbei. Chicago Blues Is Alive & Kickin’!

Matthew Stubbs (g), Cody Nilsen (voc, g, lap steel), Josh Kiggans (dr) plus Charlie Musselwhite (voc, harm)

(CD, Vinyl, DL, New West Records)

Mike Wheeler Band - Chicago Blues

Mike Wheeler ist pure Chicago! Geboren anno 1961 und aufgewachsen in der Windy City, orientierte sich der junge Mike an der R’n’B-, Soul- und Blues-Plattensammlung seiner Mutter, bevor er schon bald selbst zur Gitarre griff. In die Lehre ging er beim Pianisten Lovie Lee, über die Jahre war Mike’s Gitarrenspiel gefragt bei Nellie Tiger Travis, Peaches Staten, Koko Taylor, Willie Kent, Buddy Guy, Jimmy Johnson u.v.m. 2001 schliesslich war die Zeit reif für die Gründung der Mike Wheeler Band.

«Chicago Blues» nun ist eine auf Vinyl und Download erscheinende Compilation. Das Material dazu stammt von seinen beiden Alben für Delmark Records: 3 Songs von der CD «Self Made Man» (2012) und 4 Nummern von «Turn Up!» (2016). Dazu gesellt sich mit Percy Mayfield’s «Serves Me Right To Suffer» eine 2024 nur digital veröffentlichte Live-Aufnahmen von einem Konzert im Musik-Club SPACE in Evanston.

Mike Wheeler zählt zur Nachfolge-Generation der Gitarristen um Otis Rush, Buddy Guy und Magic Sam, welche damals den noch stark auf seine Mississippi-Herkunft basierenden Sound der Chicago Blues-Grossmeister um Muddy Waters und Howlin’ Wolf aufgriffen und urban modernisierten. Wheeler & Co gingen noch einen Schritt weiter und hatten ein offenes Ohr für neueste Soul, Funk und Jazz-Strömungen, die sich in der Art des Gesangs und des Gitarrenspiels deutlich niederschlugen. Die Kompositionen «Turn Up!» und «Yeah!» von Mike Wheeler oder «Here I Am» von Drummer Cleo Cole sind Paradebeispiele für den Chicago Blues des 21. Jahrhunderts, wie er noch jede Nacht in den Clubs der Stadt zu hören ist: immer noch stark der Tradition verhaftet, jedoch die Intensität und die Themen des Grossstadt-Lebens direkt widerspiegelnd.

Mike Wheeler (voc, g), Larry Williams (voc, b), Brian James (keys), Cleo Cole (dr) plus Dave Specter (g), Roosevelt Purifoy (keys), Omar Coleman (harm)

(Vinyl, DL, www.delmark.com)

Brad «Guitar» Wilson - Boundless

«Boundless» – Grenzenlos nennt Brad «Guitar» Wilson das Nachfolge-Album seiner 2025er Erfolgsscheibe «The Californian». Und das trifft den Nagel auf den Kopf – die Bandbreite ist grenzenlos. Stolze 16 Songs birgt das zum Teil in Brüssel, zum Teil in Hollywood eingespielte Werk. Diese umfassen sowohl Blues-Evergreens und Pop-Gassenhauer, als auch interessante Eigenkompositionen verschiedenster stilistischer Couleur. Damit verströmt «Boundless» eine charmante Jukebox-Stimmung. Was die Sache zusammenhält, sind Wilson’s melodiöse, stets songdienliche Gitarre und sein gefühlvoller Gesang.

Zur Blues-Ecke zählt z.B. der Opener, B.B. King’s Crossover-Hit von 1969 «The Thrill Is Gone», welcher hier einen besonderen Touch bekommt, da Brad auf einer originalen B.B.-Lucille-Gitarre spielt. Die Pop-Ebene betritt Wilson mit dem Tears For Fears-Chartstürmer «Everybody Wants To Rule The World» – hier soulig/bluesig angehaucht interpretiert – der öfters Eingang in sein Live-Programm findet.

«Gonna Stay Or Go» und «Living Underground» aus Wilson’s eigener Feder besitzen klangmässig einen fast schon britischen 60er Jahre-Flair, wobei die besinnlichen Lyrics des Letzteren laut dem Gitarristen unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges entstanden sein soll. Sein «Let’s Dance Tonight» kommt aus dem Rockabilly-Winkel, «Wild And Free With Rooster» mahnt an die guten, alten Lynyrd Skynyrd-Zeiten, «Home» mit seiner akustischen Gitarre tendiert in Richtung Folkrock, «Time Was» ist Easy Listening, «San Francisco Nights» hat einen soulig-jazzigen Unterton und «Sky Full Of Rain» gehört in die Kategorie der Herzschmerz-Balladen.   

Brad Wilson (voc, g), Toto Poznantek, Chris Ross, Adam Gust (dr), Chris Rhyne, Luca Catalfamo, Frankie Vriens (keys), Hal Cragin, Brian Beal, Fabrizo Erba (b), Francis Buckley (synth-b, perc, prod), Paulina Campos, Valerie Chanelle (b-voc)

(CD, DL, www.bradwilsonlive.com)

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Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Eine Email an info(at)bluesnews.ch und wir nehmen für dich den Blues Gig in unser "Live on Stage".

Kommende Gigs

08Okt
Do 08 Okt, 2026
20:00h
Sugaray Rayford

09Okt
Fr 09 Okt, 2026
20:00h
Luke

09Okt
Fr 09 Okt, 2026
21:00h
Twisted Smoke

15Okt
Do 15 Okt, 2026
19:00h
Wolfgang Kalb

16Okt
Fr 16 Okt, 2026
19:30h
Wolfgang Kalb

21Okt
Mi 21 Okt, 2026
19:30h
Blues and More

21Okt
Mi 21 Okt, 2026
20:00h
Mojo Men

22Okt
Do 22 Okt, 2026
20:00h
Bex Marshall

23Okt
Fr 23 Okt, 2026
00:00h
Freddie & The Cannonballs

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