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Tolles Konzert in toller Verpackung

PhilippFankhauserMargieEvansUnpluggedCoverManche Genussmittel wie Weine, Spirituosen oder Zigarren werden gerne in besonderer Verpackung präsentiert, um ihre Qualität zu unterstreichen. Mit dem Ersatz der Langspielplatte und ihren Ersatz durch die CD war das auch in der Musikbranche so. Seither kommen die meisten CDs lieblos in einer schrecklichen Hülle daher, Informationen sind in winziger Schrift, wenn überhaupt, in einem Heftchen mit hässlichem Layout zu finden. Mit dem Download geht diese Entwicklung noch weiter. Philipp Fankhausers neuster Streich, die CD/DVD «Philipp Fankhauser & Margie Evans – Unplugged», zeigt, dass es anders geht. Sie ist auch bewusst nicht als Download erhältlich. Man soll etwas in den Händen halten, die Tonkonserve hat wieder eine physische Gestalt. Und tatsächlich: die Verpackung macht an. Und der Inhalt?

Anfang September 2015 gab es in der Mühle Hunziken drei Konzerte unter dem Titel «Philipp Fankhauser & Margie Evans – Unplugged». Eines davon wurde aufgezeichnet und ist am 26. Februar 2016 als Mediabook mit DVD und CD erschienen. Das Konzert hat seine ganz besondere Bedeutung, denn Margie Evans spielte in Philipp Fankhausers Karriere eine wichtige Rolle. Eigentlich ist es fast eine Liebesgeschichte.

1987 trafen sich Philipp Fankhauser und Margie Evans in Los Angeles. Sie hatten sich Anfang der Achtzigerjahre kennen gelernt. Sie war zu jener Zeit bereits eine etablierte Sängerin, die in den USA mit den Grossen des Blues auftrat, er stand noch ganz am Anfang. In Europa war sie bei den legendären «American Folk Blues Festivals» dabei und hatte 1983 den «Keeping The Blues Alive Award» erhalten. Er begann eben erst, sich einen Namen zu machen.

Zwei Jahre später wollte er ein erstes Album mit seiner Checkerboard Blues Band aufnehmen und fragte sie an, ob sie Lust hätte, mitzumachen. Ihre Antwort war zurückhaltend, aber bald darauf wurde er von Solomon Burke kontaktiert, der damals Evans Manager war. Als Fankhauser die Bedingungen erfuhr, winkte er ab, da die Kosten weit jenseits des Budgets des jungen und im Musikbusiness noch unerfahrenen Musikers lagen. Doch nach einer Woche erhielt er einen Anruf der Sängerin, die schliesslich zu Bedingungen zusagte, die sich Fankhauser leisten konnte. So entstand sein erstes Album «Blues For The Lady». Margie Evans verhalf ihm auch zu wichtigen Auftritten. In der Folge tourte sie mit der Checkerboard Blues Band zweimal durch die Schweiz und Europa. 1994 kam es zum zweiten gemeinsamen Album mit der Sängerin: «Thun – San Francisco». Auch dieses Konzert wurde in der Mühle Hunziken aufgezeichnet.

Seither pflegten sie ihre Freundschaft nur hinter der Bühne. Nun, fast dreissig Jahre später, gibt es eine neue Schweizer Tournee, die im April 2016 starten wird. Premiere wird am 6. April 2016 mit dem Auftritt am Bluesfestival Basel sein.

Das leinengebundene, von Didier Cremieux gestaltete Buch im Art Deco Stil ist ein wahrer Hingucker und eine Freude für Alle, die auf Informationen und eine gediegene Aufmachung Wert legen. Es enthält eine vollständige Aufzeichnung des Konzerts auf DVD und eine CD. Hier ist alles da: Songtexte, Besetzung, Komponisten (auch wenn «Everyday I Have The Blues» einmal mehr Memphis Slim zugeordnet wird, obschon der Song von Aaron «Pinetop» Sparks geschrieben worden ist.) Sogar die Plaudereien zwischen den Songs sind zu lesen. Download und Streaming sind, wie erwähnt, erstmal nicht vorgesehen, geplant ist jedoch eine Triple Vinyl Box.

Die DVD enthält die übliche Auswahl, das Konzert am Stück zu sehen, oder die einzelnen Lieder.  Daneben hat es ein «Hinter den Kulissen» Video, das informativ, aber auch persönlich ist. Am Anfang jedes Songs werden dessen Informationen eingeblendet. Die Kameraführung ist angenehm unaufgeregt.

Die Reihenfolge der Lieder auf der CD entspricht nicht dem chronologischen Verlauf des Konzerts, in dem ausserdem drei Titel mehr zu hören und sehen sind: Trouble Trouble, Let’s Straighten It Out und Nature Song.

Die Band besteht aus Marco Jencarelli (Gitarre), Hendrix Ackle (Piano, Wurlitzer), Angus Thomas (Bass), Richard Spooner (Schlagzeug), der auch das die DVD produziert hat, Lukas Thoeni (Flügelhorn, Trompete), Thomi Geiger (Tenorsaxophon), Leslie Bogaert und Will G. (Gesang). Letzteren lernte Fankhauser in der «Voice Of Switzerland» Show kennen. Im Grunde genommen das bewährte, aufeinander eingespielte Team.

Unplugged – der Begriff weckt unterschiedliche Vorstellungen. Wer dabei an Gitarrenblues denkt, wie er aus der Veranda eines Shotgun Houses geklungen haben mag, liegt falsch. Hier spielt eine Band mit fettem Klang, unterstützt durch den Chor, das Keyboard und die Bläser. Es gibt einfach keine elektronischen Effekte, ausser dem Wurlitzer. Dessen Klänge bilden einen spannenden Kontrapunkt zu den akustischen Klängen der beiden Gitarren. Dazu die tolle Arbeit an Bass und Schlagzeug. Hier stimmt einfach alles. Alle Songs sind sorgfältig arrangiert, aber nicht zu Tode perfektioniert, so dass immer noch Raum für Improvisation bleibt. Insgesamt klingt es in manchen Passagen jazzig, besonders durch Hendrix Ackles, Thomi Geiger und Lukas Thoenis elaborierte Soli. Ein eingespieltes Team, das weiss, was es tut.

Dieses Konzert lebt natürlich vom Gesang und das akustische Set erlaubt Evans und Fankhauser ihre Stimmen sehr nuanciert einzusetzen. Beide können das exzellent. So ist es von A bis Z ein sehr gefühlsbetontes Konzert. Die Band und der Hintergrundchor wissen das erstklassig zu unterstützen. Sowohl die Duette, als auch die Soloauftritte der Sängerin sind ein Genuss. Beide beherrschen die Kunst, mit ihrem Gesang Gefühle zu transportieren, beide haben schöne Stimmen und beide harmonieren ausgezeichnet.

Die Songliste schliesst einige neue und viele der erfolgreichen Titel aus Fankhausers Repertoire ein. Er gehört aber zu den Musikern, die sich nicht auf dem Erfolg eines Songs ausruhen, sondern an ihren Songs immer wieder feilen und sie an ihre musikalische Entwicklung anpassen. Dadurch klingen die Songs gleichzeitig vertraut und erfrischend neu. Wie immer brilliert Fankhauser besonders in den langsamen, gefühlvollen Liedern.

Margie Evans bringt zwei eigene Lieder, Stop and Forgive und Trouble Trouble, sowie einige Cover. Die ernsten Texte ihrer Lieder kontrastieren mit dem fröhlichen Wesen, das sie zwischen den Songs an den Tag legt. Eigentlich sollte das Konzert nach ihrem eindrücklich vorgetragenen Gospel zuende sein. Das Publikum erzwingt jedoch eine Zugabe und Philipp Fankhauser gesteht, er wisse nicht, wie er nach diesem Ende weitermachen könne, setzt aber mit Johnny Copelands poetischem Nature Song emotional noch eins drauf.

Das Album hat das Zeug zu einem ganz grossen Erfolg.

Philipp Fankhauser & Margie Evans – Unplugged (2016)

1. I Got A Love
2. Love Man Riding
3. Home Town (Thun)
4. If You Ain't Been To Houston
5. God Bless The Child
6. Stop & Forgive
7. Gee Baby, Ain't I Good To You
8. Members Only
9. Too Little Too Late
10. Try My Love
11. Going To Dallas
12. Trouble Trouble (nur DVD)
13. Let's Straighten It Out (nur DVD)
14. Drowning In The Sea Of Love
15. I'll Be Around
16. Everyday I Have The Blues
17. Time For Christ
18. Nature Song (Life's Rainbow) (nur DVD)

 

Gee Baby, Ain't I Good To You auf Youtube

 

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