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Musikalisches Feuerwerk zum Jubiläum

Es ist das grösste, aufwändigste und weltweit bekannteste Bluesereignis der Schweiz. Dieses Jahr konnte das Bluesfestival Luzern seine zwanzigste Ausgabe feiern. Eigentlich eine Gelegenheit, ein Jubiläumsfestival mit grossem Tamtam zu inszenieren, doch das Team um Guido Schmidt widerstand der Versuchung und konzentrierte sich auch in dieser Ausgabe auf das Wesentliche: Solides Lineup aus erstklassigen Künstlern. «Wir tun einfach, was wir immer getan haben» bestätigte Martin «Kari» Bründler in seiner Begrüssung am ersten Abend, «wir präsentieren erstklassige Qualität», fuhr er fort «es gibt auch kein Best-of, denn wir hätten grosse Mühe gehabt, aus den vergangenen Festivals bloss zwölf Höhepunkte heraus zu picken.» Tatsächlich entpuppte sich das Festival als ein einziger Höhepunkt. Das lag nicht einfach nur am Top-Lineup, sondern am Engagement aller beteiligten Musiker, die mit Höchstleistungen das Jubiläum würdigten.

Richard Koechli und seine Blue Roots Company durften das Festival einläuten. Der Swiss Blues Award Gewinner 2013 ist damit der erste einheimische Musiker, der es auf die Hauptbühne geschafft hat. Keine leichte Aufgabe, ein Festival von diesem Kaliber zu eröffnen und das auch noch als Lokalmatador. Doch Koechli schaffte es mit Bravour und legte ein begeisterndes Set hin, welches er solo begann und mit dem er gleich sein Können als Gitarrist demonstrierte, bevor die Blues Roots Company (Michael Dolmetsch, kb; Heini Heitz, git; David Zopf, b; Dani Lauk, harp, Fausto Medici, dr) die Bühne betrat. Sie überzeugten mit einem Mix aus eigenen Songs und Covers, die entlang dem Original, aber mit eigener Handschrift arrangiert waren. Zum Beispiel Dylans Gotta Serve Somebody,  knochentrocken interpretiert, ohne jeden Hauch von Gospel, aber mit einer Intensität, die Gänsehaut erzeugte. Oder seine eigenen Songs Blues Police und Won‘t You Be My Saviour, die beide Barrelhouse Atmosphäre in den Panoramasaal zauberten, sowie der sehr persönliche Song Howlin‘ With The Bad Boys. Eine Hommage an JJ Cale gab es mit After Midnight, mit einer tollen Mischung aus laid-back Gitarrenspiel und wuchtiger Hammondorgel. Laid-back war auch der eigens zum Luzerner Jubiläum komponierte Song Lucerne Is a Bluestown. Zwischendurch hatte der Luzerner Maturand Philipp Felber einen überraschenden Gastauftritt, den Koechli mit den Worten: «die Jungen spielen uns Alten um die Ohren» ankündigte. Ausgerechnet! Natürlich liess er es sich nicht nehmen und benutzte die Gelegenheit, im Zeitraffer zu demonstrieren, was er auf der Gitarre so alles kann. Den Abschluss bildete Blues Stay Away From Me, den das Publikum auf Wunsch des Musikers mitsang. Es war ein gelungener Auftakt der ersten langen Bluesnacht. 

John Németh konnte mittlerweile bereits einige Male in der Schweiz gesehen werden, gehört aber noch zu den hierzulande weniger bekannten Musikern. Dabei wurde der aus Idahos Hauptstadt Boise stammende Sänger, Harmonikaspieler und Songschreiber elf Mal für einen Blues Music Award nominiert und gewann den Preis 2014 in der Kategorie «Soul Blues Male Artist». Er hat sieben CDs veröffentlicht und gilt nicht nur als einer der wichtigsten Blues- und Soulsänger zur Zeit, sondern wurde von der Zeitschrift «Living Blues» mit dem Prädikat «. . .vielleicht der beste weisse Bluessänger aller Zeiten» geadelt. Auch wenn solche Superlative mit Vorsicht zu geniessen sind, zum Besten, was man auf der Tour erleben kann, gehört er auf jeden Fall und davon hat er das Publikum in Luzern mühelos überzeugt. Charmant ist er allemal, seine Songs sind attraktiv und er ist mit einer begnadeten Stimme beschenkt.

Im klassischen Stil der grossen Blues Ladies ging es mit der Trudy Lynn Revue weiter. Ganz grosses Kino, wenn auch ohne Überraschungen. Trudy Lynn war an diesem Abend der Paradiesvogel. Im elegantem, bodenlangen Abendkleid im knalligsten Rot, das man sich denken kann und mit ebensolchen Haaren brachte sie Glamour auf die Bretter. Auch sie wurde fünf Mal für einen Blues Music Award nominiert. Ihr zur Seite stand Steve Krase, ein Energiebündel, das den Saal in Nullkommanichts zum Kochen brachte. Mit seiner Band Steve Krase & The In Crowd erreichte er 2004 und 2005 das Finale der International Blues Challenge in Memphis.

Den ersten Abend beschlossen Mississippi Heat. Der Bandname weckt Assoziationen zu südlichen Bluesstilen, tatsächlich aber pflegt die Gruppe um Pierre Lacoque den klassischen Chicago Blues. Sie waren bereits 1995 und 1996 Gäste in Luzern und konnten auch im Jubiläumsjahr mit einem grossartigen und engagierten Auftritt das Publikum für sich gewinnen.

Eine Neuentdeckung war für die meisten die gebürtige Australierin Kara Grainger mit ihrer Band. Sie gehört zu der Generation junger Bluesmusikerinnen, die seit einigen Jahren die Szene erobern und beweisen, dass es um den Nachwuchs gut bestellt ist. Sie wird oft mit Bonnie Raitt verglichen, beide spielen Slidegitarre und singen sehr gefühlvoll. Doch damit endet der Vergleich auch schon. Ihr Slidestil erinnert eher an die Meister des Deltablues. Sie mischt Soul und Roots-Rock in ihren Blues. Sie schreibt den grössten Teil Ihrer Songs selbst. Ihr Auftritt ging ohne Show über die Bühne, sie begeisterte allein mit ihrer ungezwungenen, natürlichen Erscheinung, ihrem unwiderstehlichen Lächeln und vor allem natürlich durch ihre Musik und ihr Handwerk, unterstützt durch eine gut eingespielte Band (John Thomas, kb; Mitch Grainger, git/harp; Spencer Wright, b; Matty Alger, dr) Thomas steuerte mit seinem eindrücklichen Hammond Spiel einige jazzige Sprenkel bei. Für die Zugabe holte sie Kirk Fletcher auf die Bühne und es gab einen fulminanten Abschluss.

Ein Highlight der besonderen Art war der Auftritt des Bluesveteranen Jimmy Johnson. Die 86 jährige Legende des klassischen Chicago Blues stand zusammen mit Dave Specter auf der Bühne, der für den modernen Chicago Stil steht. Abgerundet wurde die Band (Harlan Tenson, b; Marty Binder, dr) mit dem elaborierten Spiel des Schweizer Saxophonisten Sam Burckhardt, der seit den frühen achtziger Jahren in Chicago lebt. Die Mischung gelang bestens. Manchmal sind Legenden nur noch Legenden. Johnson hingegen glänzte durch Frische und einen dynamischen Auftritt und ist noch immer ein begeisternder Sänger.
Nun kamen die Soulfreunde auf ihre Rechnung. Zwei ganz grosse des Genres betraten die Bühne. Sowohl Otis Clay als auch Johnny Rawls hatten in Luzern bereits in früheren Jahren mit ihren Auftritten begeistert. Nun gelang es, die beiden gemeinsam auftreten zu lassen. Nicht immer bereiten zwei grosse Namen auch doppeltes Vergnügen, die beiden Altmeister jedoch legten ein fantastisches Programm irgendwo zwischen Blues, R&B, Gospel und Soul hin.
The 44’s hier mit Johnny Main, git/voc; Jacob Hufmann, harp; Mike Hightower, b und Jason Lozano, dr haben die Blueswelt im Sturm erobert. Erst 2010 erschien ihr Debutalbum Boogie Desease und schaffte es gleich in die Charts des Living Blues Radios, nachdem die Band in gleichen Jahr ihrer Gründung 2007 den vierten Platz an der International Blues Challenge in Memphis erreicht hatte. Der zweifach für den BMA nominierte Gitarrist Kirk Fletcher passte grossartig in diese Gruppe.  Er gilt genauso als aufgehender Stern am Blueshimmel, wie die 44’s. Ebenso gilt für beide: sie sind eigentlich eher bereits aufgegangene Sterne, davon überzeugten sie mit ihrer abgerundeten Mischung aus Tradition und Moderne, die  mit rauer Energie die Freunde des Blues Rock begeisterte.

Der Fribourger Blueser Bonny B. zeigte derweil im Casineum seine Künste an der Zigarrenkisten-Gitarre und der Harmonika und gab Raum für die spielerische Seite des Blues mit einem Rundgang durch das Publikum – mit Harp und Megaphon bewaffnet - und einem Scat-Dialog mit den Zuschauern.

Den Schlussabend läutete Sugaray Rayford mit seiner Band ein. Als Bühnengast hatte er den umtriebigen und leidenschaftlichen Harpkünstler Bob Corritore dabei, der inzwischen seit über vierzig Jahren mit so gut wie allen Grossen die Bühne geteilt hat und an mehr als fünfzig Alben beteiligt war. Rayford war bisher erst einmalim Rahmendes Blues Now! Festivals in der Schweiz aufgetreten und hatte dort das Publikum buchstäblich von den Sesseln gerissen. Auch in Luzern begeisterte er restlos. In ihm vereinen sich hohe Musikalität, überschäumendes Temperament und grosses Talent als Unterhalter, der sein Publikum zu jeder Zeit in der Hand hat. Seine Show ist buchstäblich schweisstreibend, so dass er nach einem Drittel des Auftritts seine Mütze abnahm und auswrang, wobei ein gutes Glas Flüssigkeit auf die Bühne tropfte. Dazu ist er mit einer mächtigen Stimme gesegnet, mit der er ohne Mühe und ohne Mikrofon den Panoramasaal ausfüllte. Dass er auch noch ein toller Songschreiber ist, festigt das Bild eines Musikers, der zu den ganz Grossen zählt.

Cyril Neville muss man im Grunde genommen nicht vorstellen. Als Mitglied der berühmten Neville Brothers hat er Geschichte geschrieben. Er brachte mit seiner Band Funk und New Orleans Sound in den Panoramasaal. Das Set war durchgehend von hohem Tempo und langen Läufen des Gitarristen Cranston Clements geprägt. Wir fanden es des Guten fast zu viel und hätten uns etwas mehr Dynamik gewünscht, etwas mehr leisere, langsamere, ruhigere Passagen als Kontrapunkt in der rasanten Show.

Blues hält jung. Neben Jimmy Johnson ist auch Delbert McClinton ein Musiker, der weit jünger wirkt, als sein Geburtsjahr (1940) vermuten lässt. Der texanische Sänger, Harmonikaspieler und Songschreiber kennt nach mehr als fünfzig erfolgreichen Jahren im Business alle Tricks, wie man ein Set hinlegt, das die Leute fesselt. Sein Geheimnis sind eine einschmeichelnde  Stimme, eine stilistisch breite Palette, stimmige Songs und eine sympathische Aura. Musikalisch fühlt er sich in Blues, Soul, Rock und Country zuhause.  Er hat es immer verstanden, die Entwicklung des Blues mitzumachen und auch mit zu gestalten. Deswegen wurde er auch 2006 mit einem Grammy für sein Album The Cost Of Living als bestes zeitgenössisches Bluesalbum ausgezeichnet.

Den Abschluss bildete Buckwheat Zydeco, Die Gruppe um den Akkordeonisten und Sänger ist sowas wie die Referenz im Zydeco. Er war sozusagen der natürliche Nachfolger des Königs Clifton Chenier, in dessen Red Hot Louisiana Band  er zwei Jahre lang als Hammondspieler fungierte. Er öffnete den Musikstil, indem er Elemente des R&B und Rock aufnahm und ihn auch mit einem Hauch von Synthesizer- und Trompetenklängen würzte. Es gelang ihm dabei, den Kern des Zydeco mit seiner ganzen, ansteckenden Lebenslust zu erhalten. Dadurch erreichte er ein grösseres Publikum. In seiner Jugend, wo wird berichtet, habe er Zydeco abgelehnt. Ein Glück für diesen Musikstil und für uns, dass er seine Meinung geändert hat.
Im Casineum gab es die gewinnende Band der European Blues Challenge 2014 zu sehen: A Contra Blues. So, wie sie die Jury in Riga mit ihrer dynamischen Show überzeugt haben, fanden sie auch Anklang beim Publikum. Der Auftritt dieser Band ist auch ein Zeichen der erfreulichen Entwicklung bei der Kommunikation und Zusammenarbeit im europäischen Rahmen. Die Bands erspielen sich durch den Gewinn einen Platz auf einem führenden Festival in Europa. So entstand seit der Gründung der European Blues Union ein zunehmend intensiver transeuropäischer Austausch, zu dem auch die Schweiz gehört. Die Teilnehmer des Finales werden in nationalen Wettbewerben nach denselben Kriterien ermittelt. Durchgeführt wird diese Swiss Blues Challenge von «Swiss Blues».

Alles in allem hat sich der gute Ruf des Festivals weit über die Schweiz hinaus erneut bestätigt. Für den Gründer und Präsidenten des Festivals, Guido Schmidt war das Jubiläumsfestival auch das letzte Festival in seiner Funktion als Präsident. Diese Stellung wird auf den bisherigen administrativen Leiter Martin «Kari» Bründler übertragen, der das Festival zusammen mit Guido Schmidt seit achtzehn Jahren leitet. Die Änderung geschieht in völliger Harmonie. Guido Schmidt wird auch in Zukunft seinen Beitrag leisten, möchte einfach etwas kürzer treten. Auch das ganze OK bleibt unverändert. Im richtigen Moment die Verantwortung weiter geben zeugt von Weitsicht. Das dürfte ein Garant für Kontinuität sein.
 

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