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Blues Maple Leafs

 

LaylaZoe.jpgJW-Jones.jpgKanadier können keinen Blues? Von Wegen! Im Rahmen des 12. Bluesfestivals Basel traten am 13. 4. 2011 zwei kanadische Headliner auf: Die mit einer Wunderstimme gesegnete Layla Zoe und J. W. Jones, ein Gitarrist der absoluten Extraklasse, vertraut mit allen Stilen und von unglaublicher Virtuosität. Der Abend im Volkshaus war denn auch trotz nicht restlos ausverkaufter Halle ein grosses Vergnügen und das Blues Festival Basel hat an der Canadian Blues Night fast alles richtig gemacht.

 

 

 

 

 

Vielleicht waren manche Plätze frei geblieben, weil die Konkurrenz der Champions League den einen oder die andere davon abhielt, zum Volkshaus am Claraplatz zu kommen, und sich Blues anzuhören. Es ist anzunehmen, dass manche das bereuen werden: Der erste Auftritt von Layla Zoe begann pünktlich um acht und dauerte knappe 90 Minuten, und schon in dieser Zeit gab es mächtig gute Blues Musik. Als dann noch J.W. Jones mit einem Quartett auftrat, da war mehr Stimmung im Haus, als wenn der FCB die Viertelfinals der Champions League gewonnen hätte, und nicht Schalke 04.

Layla Zoe (was «SO» ausgesprochen wird und nicht Zoë, wie sie gleich klar stellte) macht den Eindruck einer Hippiefrau, sie tritt im bodenlangen weit ausgeschnittenen Kleid auf, das im Bühnenlicht nicht ganz blickdicht war, und sie ist eine tätowierte, rothaarige Frau mit hüftlangen Haaren, die sie in Hippiemanier offen trägt. Die optische Assoziation zu Janis Joplin ist bereits deutlich, bevor sie den Mund öffnet. Sobald sie singt, wird es noch deutlicher: sie hat eine kräftige Röhre, eine wirklich starke Stimme und trotzdem drückt sie diese Verletzlichkeit aus, die schon bei «The Rose» so sexy wirkte. Auch Zoe, die mit dem Publikum schnell und locker in Dialog tritt hat diese Offenheit, die aber auch ein tieferes Geheimnis zu verbergen scheint.

Begleitet wurde Layla Zoe von einem Quintett bestehend aus Hammondorgel, Tenorsaxophon, Schlagzeug, Bass und Gitarre. Und diese Begleitmusiker, verschiedene europäische Musiker, die Zoe sich für ihre Auftritte in Europa organisiert hatte, waren der einzige Wermutstropfen am gestrigen Abend: Sie haben nach Kräften versucht, die Kanadische Sängerin zu unterstützen, aber es klang nicht gut. Ohne hier einzelne Musiker besonders anschwärzen zu wollen war die gesamte Band etwas dumpf und unscharf, sie spielte eher wie eine ambitionierte Amateurband, was der durchaus professionellen Herangehensweise Zoes nicht gerecht wurde. Gitarrist Roy Harrington war mit seinen Eskapaden (Gitarre hinter dem Rücken, zwischen den Beinen, nur mit der linken Hand gespielt etc.) zwar unterhaltsam, aber rein musikalisch liess das Spiel der Band zu viel zu wünschen übrig.

Das Set startete mit Hound Dog, es folgte eine Eigenkomposition, ein schneller Blues, dessen Titel nicht klar wurde. Als dritter folgte der Slow Blues Soft As A Feather mit langem Orgel-Solo, dann kam Evidence, was den Reigen der wenig bekannten oder selbst geschriebenen Songs beendete. Als fünfter Titel folgte ein «Robbie Johnson Song», wie die Sängerin ankündigte, der sich allerdings als Little Red Rooster herausstellte (und damit eigentlich auf Willie Dixon zurückgeht). Im Stück animierte Layla Zoe das Publikum mitzumachen und sich mit Tierlauten in den Song einzubringen. Die Stimmung stieg entsprechend an. Es folgte der sechste Titel Walking Blues, auch als Titel von Robert Johnson angekündigt. Die Version bewegte sich interessant zwischen Johnsons Original und Muddy Waters Fassung. Als vorletzter Titel kam dann No Woman No Cry von Bob Marley. Als letzter Titel folgte dann eine eigene Fassung von The Thrill is Gone. Die eigene Fassung bezieht sich auf den Text, der starke autobiographische Züge trägt. Zoe erzählt in dem Lied, wie sie als junge Frau auf Vancouver Island sich in einen Mann verliebte, wie es dann schwierig wurde und wie sie am Schluss diesen frei geben konnte und dadurch selbst Frieden fand («I'm free from your spell»). Der Titel ist sehr engagiert gesungen und es war schade, dass die Begleitband den Song nicht so tragen konnte wie die Sängerin es gebraucht hätte. Als Zugabe sang Zoe dann einen Titel von Etta James, und zwar das unsterbliche I'd Rather Go Blind. Hier passte sie ihre Stimme geschmackvoll an James' Gesang an.

Insgesamt war es ein toller Auftritt einer sehr viel versprechenden Sängerin. Die wirklich wunderbare Kanadierin konnte leicht Kontakt zum Publikum aufnehmen, sie konnte aufs Publikum reagieren, sie ist eine Vollblutsängerin mit tollem Potential, aber Layla Zoe hätte wirklich eine bessere Begleitband verdient.

Vielleicht brauchte sie mehr eine Band hinter sich wie die vierköpfige J.W. Jones Blues Band, die um Viertel vor zehn die Bühne betrat. J.W. Jones ist ein 31-jähriger Kanadier aus Ottawa, und er sieht wie der Anti-Hippie aus: da bestiegen vier geschniegelte Jungs die Bühne: Alle mit Krawatte und schwarzem Hemd. Der Bassist sieht aus wie George Clooney. Der Schlagzeuger hatte eine pechschwarze Tolle und schwarze Hornbrille wie eine Figur aus dem Film American Graffiti. Und Jones selbst sieht aus wie ein Konservatoriums-Absolvent in Musik. Er trägt eine Gibson Les Paul Goldtop, und das ist alles, was er in den nächsten 2 Stunden braucht, um eine gewaltige Ladung Blues aufs Publikum loszulassen.

Jones führt als Sänger und Gitarrist die Band an, aber er lässt den anderen ihren Raum. Er lässt den Bass hochkommen, er spielt mit dem Schlagzeuger und er zieht sich völlig zurück, wenn die Hammond ein Solo spielt. Die ganze Band trat hochkonzentriert auf, und wo beim Zoe noch ein wenig differenziertes Soundgewaber über die Bühne kam, war diese Musik vollkommen transparent. Jones und seine drei Begleiter spielten hoch differenziert, sehr funktional und abwechslungsreich. Die Musik ging von Boogie über Slow Blues über stampfend gespielten Shuffle bis zu Rock'n'Roll-Stücken oder fast Rockabilly, alles stets mit grosser Freude und Virtuosität gespielt.

Und dann eben jedes Stück garniert mit mindestens einem Solo von J.W. Jones. Es ist schwer, die Musik dieses jungen Mannes zu beschreiben, denn es wird leicht missverständlich. So besitzt Jones die Fähigkeit, so zu spielen wie Freddie King., Scottie Moore, B.B. King oder Buddy Guy. So zu spielen heisst nicht, einige Licks drauf zu haben, sondern der Stil der Originale wird aufgenommen, analysiert und als Eigenleistung wiedergegeben. Das ist wirklich grosse Klasse, und was auffällt ist, dass Jones nicht nur verflixt flinke Finger hat, sondern dass er auch sehr viel übt. Dies ist kein Feierabend-Musiker, der sich abends hinsetzt und was schrammelt, hier stehen täglich absolvierte Stunden und Stunden von Übungsläufen hinter der Musik. So war etwa zu beobachten, wie er mit der rechten Hand mit Plektrum spielt, dieses dann im Zeigfinger verbirgt, nur mehr mit Daumen und Mittelfinger spielt und dann das Plektrum wieder hervorholt. Alles geschieht in einem Wimpernschlag. J.W. Jones spielte wirklich wie entfesselt und für jeden Bluesfan ist zu hoffen, dass er bald wieder mal in der Nähe spielt, denn diesen Mann sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Er brauchte auch anscheinend keine Effekte. Weder drehte er ständig an den Potis herum, noch hatte er eine imposante Pedal-Bar vor sich. Der Sound kam aus den Fingern und damit erzielte er eine Bandbreite und eine Vielfalt, dass man wirklich ins Schwärmen gerät.

Ein schönes Beispiel hierfür war der fünfte Titel Snatch it Back and Hold It. Dieser Titel geht zurück auf die Fassung von Buddy Guy und Junior Wells, und in der Aufnahme auf Hoodoo Man Blues belegt das Stück bescheidene 2:55. Entsprechend knapp fällt das Gitarrensolo aus, und zumeist spielt Guy ja diese völlig reduzierte Gitarre. Jones vollzieht das nach, aber als es dann zum Solo kommt, spielt er eine stimmige Version eines Solos, wie es auch Buddy Guy hätte spielen können.

Der Auftritt der Band war voller magischer Momente, sei es das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Gitarre, sei es ein Lick im Solo, sei es ein Orgelsolo, welches das Orgelspiel von Zoes Organist glücklicherweise vergessen machte.

Bleibt zum Schluss das Gedankenexperiment, wie das wohl geklungen hätte, wenn Ottawa und Vancouver zusammen gespielt hätten und also Layla Zoe bei Jones gesungen hätte, der eindeutig schneller spielte, aber der auch grösseren Raum gelassen hätte für ihre Stimme. Wer weiss, vielleicht kommt es noch dazu, schliesslich ist Zoe mit Gitarrenhelden vertraut, wurde sie schliesslich einst von Jeff Healey entdeckt. Alles in allem war die Canadian Blues Night ein voller Erfolg, und man kann nur hoffen, dass es am Blues Festival Basel ähnlich weitergeht.

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