Was ist das
Geheimnis einer guten alten Rock'n'Roll Band? Einen guten Kontrabass, bei dem
man hört, wie die Saiten auf das Griffbrett knallen, einen stetigen Drummer der
wie ein Puls die Band antreibt, ein kratziges Saxophon für die Ornamente und
ein Piano, dass den Boogie-Woogie-Swing aufrechterhält. Wenn dann noch eine
gute Gesangsstimme hinzukommt, ist das Rezept für guten Rock'n'Roll bereits
fertig. Wenn das Rezept stimmt, ist es auch müssig, über Genregrenzen zu
diskutieren, denn wo der Boogie-Woogie aufhört, der Piano-Blues weitermacht und
wo der Rock'n'Roll reinkommt ist unerheblich, wenn es fetzt. Und das tut diese
CD von Hamp Goes Wild ohne Zweifel.
Obwohl Wynton Marsalis mit 46 Jahren noch sicher kein alter
Mann ist, so ist er doch ein «elder statesman» der Musik. Willie Nelson ist mit
75 Jahren Lebenserfahrung sicher ein solcher. Die beiden haben sich nun
zusammengeschlossen und gemeinsam eine CD gemacht: Two Men With The Blues.
Da fragt man sich schon: Ein Jazzmusiker wie Marsalis, ein Country-Veteran wie
Nelson, und zusammen spielen sie Blues? Ja, das tun sie. Nelson ist ein
Chamäleon, er hat ja mit Countryman auch ein Reggae-Album
eingespielt und seine musikalische Versabilität bewiesen, und so singt er hier
überzeugend den Blues.
Und Marsalis? Der steuert hauptsächlich die Musik zu dieser
Kooperation bei. Wynton Marsalis spielt mit wohl von ihm selbst ausgebildeten Musikern
vom Jazz at Lincoln Center in New
York. Als Artistic Director dieses Centers hat Marslais auch die Räumlichkeiten
für die Aufnahme am 12. und 13. Januar 2007 organisiert und sein Bruder Delfeayo Marsalis arbeitete mit beim Abmischen
des Albums. Lediglich der Session-Musiker Mickey Raphael spielte zuvor schon vielfach mit Nelson.
Das Cover der neuen CD von B.B. King zeigt den «König des Blues» bei einem kleinen Seelein,
der stark dem See ausserhalb Clarksdale, Mississippi gleicht. Sollte es dieser
See sein, so steht B. in der Mitte zwischen Tuttweiler, dem mythischen
Geburtsort des Blues, Clarksdale, dem Zentrum im Delta und Indianola, seiner
eigenen Heimatstadt.
Da Produzent T Bone
Burnett den King zurück zu seinen Wurzeln führen (oder eher: lotsen)
wollte, wäre dies auch ein passendes Bild. Ungewöhnlich ist, dass B.B. King seine Lucille auf dem Rücken
trägt, so als sei er ein Hobo. Die CD ist noch nicht publiziert, sie wird in
Europa erst im Oktober zu haben sein, aber auf Amazon.com sind immerhin schon mal Clips der Stücke zu hören, die
einen ersten Eindruck vermitteln können.
Die neuste CD von Buddy Guy ist erschienen. Das heisst, einer der massgeblichsten und einflussreichen Blues-Musiker der Gegenwart hat ein neues Studio-Album veröffentlicht. Diese CD zu rezensieren ist extrem schwierig, denn sie ist beim einen Anhören relativ langweilig, kann beim nächsten Anhören aber auch sensationell mitreissend sein. Wie so häufig hängt es von der Stimmung ab, in der man sich beim Hören befindet, ob einem diese CD gefällt oder nicht. Es hängt aber auch davon ab, welchen Buddy Guy man mag. In der langen Karriere hat er verschiede Reinkarnationen seiner selbst auf Tonträger gebannt, und je nachdem, welchen Buddy Guy man liebt, kann diese CD perfekt sein oder ein Missgriff. Ihr merkt schon, geneigte Leser: dies wird eine längere Rezension. Im nächsten Abschnitt folgt eine kurze Rekapitulation Buddy Guys.
Die Erstlings-CD der
noch jungen Formation „Biscuit Jack " (2003, Gigs seit 2006) ist kurz. Lediglich knapp unter 21 Minuten
dauert es, die fünf Songs der Band um das Gründungsduo Fredy von Moos (Bass) und Sascha Koch
(Gitarre und Gesang) anzuhören. Die Band scheint sich gesagt zu haben, lieber
20 Minuten guter Musik als ein Stunde mit zum Teil noch nicht ausgefeilten
Songs. So enthält die CD eine kurze, aber feine Auswahl an mit einer Ausnahme
selbst geschriebenen Titeln.
Und so
haben sich die vier Mitglieder Koch (g, voc), von Moos (bass), Moby Arnold
(keyb, p, harp) und Thomas Stocker (dr) auf dieser Scheibe, die sie für Fr. 13.-
auf ihrer Homepage anbieten, auf ihre Stärken
konzentriert: Biscuit Jack spielt im Blues basierte Rockmusik und Texas-Bluesrock sowie Southern
Rock mit einer Prise Folk. Die Gruppe hat also deutliche Anleihen im Blues und
kann und will diesen Einfluss nicht verleugnen, aber ich würde Biscuit Jack
nicht uneingeschränkt als Bluesband bezeichnen.