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Frankie and Johnny PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik   

Der Titel Frankie and Johnny gehört zum Kernbestand der amerikanischen Musikkultur. Wer den Song schrieb, lässt sich nicht ausmachen, ein Interpret sagt, dass der Titel etwa 150 Jahre als sei, also eine Begebenheit erzählt, die sich in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs ereignete (in der Wikipedia steht, dass der Song 1863 bei der Belagerung von Vicksburg bereits gesungen worden sei). Damit ist der Titel wesentlich älter als Gershwin oder W.C. Handy, und er erzählt die Geschichte eines Paares, die irgendwie schief ging. Aber was genau passierte, was die Auswirkungen davon waren und um wen es sich überhaupt handelt, dies wird von jedem anders erzählt.

Es gibt amerikanische Songs, die sind noch wesentlich älter als W.C. Handy und der Blues. Und über die Jahre und Jahrzehnte verändern sie ihren Text in jeder Hinsicht, während sie gleichzeitig harmonisch stabil bleiben. Ein Beispiel hierfür und gleichzeitig ein würdiger Repräsentant der amerikanischen Musik ist Frankie and Johnny, ein Song, den es als Country-Ballade gibt, als Instrumental, als Pop-tune, aber eben auch als Teil des Blues-Repertoire seit Anfang an. Insgesamt gibt es über 260 veröffentlichte Versionen des Titels. Bluesnews geht der evolutionären Entwicklung des Songs nach.

Als Kern der Geschichte lässt sich festmachen, dass es da ein Paar gab, von dem man eigentlich sicher nur eines weiss: die Frau hiess Frankie. In den meisten Versionen heisst ihr Gegenüber Johnny, aber bei Charlie Patton und in der Folge auch bei Leadbelly und anderen heissen die zwei Frankie und Albert. Die zwei liebten sich auf jeden Fall innig, aber der Mann ging fremd. Frankie fand dies heraus, ging wieder nach Hause, holte ihren Revolver und rächte sich an ihm aus Eifersucht, indem sie ihn erschoss. Als Folge dieser Tat gibt es eine breite Palette von dramatischen Möglichkeiten: einmal wird Frankie verhaftet, vor Gericht gestellt und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. In einer anderen Version erzählt sie dem Richter, wie ihr Johnny sie betrogen hat und wird drauf freigesprochen. Was in praktisch allen Versionen vorkommt, das ist der identische Schluss der einzelnen Strophen mit dem Text «He was her man, but he was doing her wrong».

Der historische Hintergrund verliert sich im Dunkel der Zeit. Wikipedia behauptet, dass der Song zurückgehe auf den Mord an Al Britt durch Frankie Baker in St. Louis im Jahre 1899. Diese Erklärung macht klar, wieso das Paar bei Charlie Patton Frankie and Albert heisst, aber was in Vicksburg gesungen wurde, bleibt offen.

Klar ist hingegen die musikalische Struktur des Songs: es ist eine bluesähnliche Struktur d.h. die ersten zwei Zeilen werden im Akkord des Grundtons begleitet (bsp. G), die zweiten zwei auf der Vierten Stufe (in C) und der Textteil «He was her Man» erfolgt dann in der fünften Stufe (hier: D), um dann für «But he was doing her wrong» direkt auf G zurück zu gehen. Die durch die fünfte Stufe erreichte Spannung wird also anders als im Blues in einem Schritt abgebaut. Dieser sehr einfache harmonische Aufbau unterstreicht das hohe Alter des Songs. 

Interessant am Vergleich einzelner Versionen ist, welche Euphemismen sich hineingeschlichen haben. Im Versuch, die älteste Textversion zu finden, singt Harvey Fierstein auf seinem Comedy-Album This is Not Going to be Pretty eine Fassung, in der Frankie eine Prostituierte ist, was erklärt, wieso sie in vielen Fassungen einen Kimono trägt, als Sie ihre «Great Big 44-Gun» einsteckt. In anderen Fassungen ist hiervon keine Rede. Frankie sucht ihren Johnny und findet ihn mit einer anderen Frau, die meistens Nellie Bly heisst. Aber was die zusammen machen, hängt erneut von der Phantasie, bzw. der Zensur ab. Oftmals heisst es «he saw her ever-loving Johnny with that fat bitch Nellie Bly», aber es gibt auch die Variante «… Johnny finger-fucking Nellie Blye», bei Sam Cooke heist das: «She peeked in the place and saw Johnny with his arm around another woman’s waist». Wichtig ist hier einzig, dass dem Publikum klar wird, dass er ihr untreu ist. 

So gibt es viele Varianten: Während Frankie in der Regel vom Barkeeper erwährt, dass ihr Mann ihr untreu wurde, ist dies manchmal auch einfach ein Bekannter. Sie erwährt dies en passant und in der Regel lautet der Text: «Frankie went down to the Juke Joint, to get a bucket of beer», aber 1947 entstand durch Guy Lombardo and his Royal Canadians eine Aufnahme, in der sie bloss nur in den Drugstore geht, um Eiskreme zu kaufen. 

Auch beim dramatischen Höhepunkt gibt es verschiedene Fassungen: einmal schiesst Frankie ihren Geliebten tot, einmal verletzt sie ihn schwer, in familienfreundlicheren Fassungen bedroht sie ihn nur und kommt dann wieder zur Einsicht. In Fiersteins sehr Kabarett-Fassung gibt sie den Totengräbern den Auftrag, von der Beerdigung Johnnys Penis zurückzubringen, denn der sei das beste Stück dieses Mannes gewesen. Normalerweise beschränkt man sie hier auf das Festhalten der Tat, aber es gibt Beschreibungen, die wenig Raum für Phantasie lassen. 

Hier folgt nun der Songtext und dann einige Links auf unterschiedliche Fassungen auf Youtube, wobei es leider nicht möglich war, eine im Netz veröffentlichte Fassung der Version von Feirstein auszumachen. Trotzdem viel Vergnügen mit diesem alten Song. 

Version 1:
Frankie and Johnny were lovers
Oh lordy, how they could love
Swore to be true to each other
Just as true as the stars above
He was her man, but he done her wrong
 
Well, Frankie went down to the corner
To get a bucket of beer
She said to the fat bartender
«Has my lovin' Johnny been here?
He was my man, I think he's doing me wrong»
 
"Well, I don't want to cause you no trouble
And I don't want to tell you no lies
But I seen your man about an hour ago
With that high-browed Nellie Bly
He was your man, I think he's doing you wrong"
 
She took a cab at the corner
And said «Driver step on this can
For you're looking at a desperate gal
Been two-timed by her man
He was my man, but he done me wrong»
 
Then Frankie went home in a hurry
She didn't go there for fun
Frankie went home to get a-hold
Of Johnny's shooting gun
He was her man, but he done her wrong
 
Frankie peeked over the transom
And there to her surprise
She saw her lovin-man Johnny
With that high-browed Nellie Bly
He was her man, and he was doing her wrong
 
Then Frankie pulled back her kimono
And she pulled out a small .44
And root-e-toot-toot three times she shot
Right through that hardwood door
He was her man, but he done her wrong
 
«Well roll me over on my left side
Roll me over so slow,
Roll me over on my left hand side, Frankie,
Them bullets hurt me so,
I was your man, but I done you wrong»
 
Now, bring round your ruber-tired buggy
And bring round your rubber-tired hack
I'm taking my man to the graveyward
I ain't gonna bring him back
He was my man, but he done me wrong
 
Well this story has no moral
And this story has got no end
Well the story just goes to show you women
That there ain’t no good in men
He was her man, but he done her wrong
 
 
Version 2:
 
Now Frankie and Johnny were sweethearts oh Lord how they could love
Swore to be true to each other true as the stars above
He was her man but he wasn't doin' her wrong
 
Non Frankie went down to the corner just for a bucket of beer
She said Mr Bartender has my loving Johnny been here
He's my man he wouldn't do me wrong
 
I don't want to cause you no trouble woman I ain't gonna lie
But I saw your lover an hour ago with a gir named Nellie Blie
He's your man but he's doin' you wrong
 
Now Frankie looked over with transom she saw to her surprise
There on the cab sat Johnny making love to Nellie Blie
He's my man but he's doin' me wrong
 
Frankie went back to comoda took out her little 44
Rutty too-too three times she shot right through that hardwood door
Shot her man he was doin' her wrong
 
Now bring out your rubber tied hearses bring out the rubber tied hatch
I'm taken said the man to the graveyard but only six of 'em called him back
He was my man but he done me wrong
 
Bring round a thousand policemen bring 'em around today
To lock me down in that dungeon cell and throw that key away
I shot my man he was doin' me wrong
 
Now Frankie she said to the warden what are they goin' to do
The warden he said to Frankie it's the electric chair for you
You shot your man he was doin' you wrong
 
Now this story has no moral this story has no end
This story just goes to show that there ain't no good in man
He was her man but he done her wong
 
Weblinks
Guy Lombardo and his Royal Canadians: http://www.youtube.com/watch?v=PjRsBxd6psQ&feature=related 
Dr. John http://www.youtube.com/watch?v=uUX5RKK1gtI&feature=related im Stil Professor Longhairs 
Champion Jack Dupree http://www.youtube.com/watch?v=fVbJuhTHx3Y wie auf der CD Blues from the Gutter anthalten. 
Dave Wickerham & Dick Kroeckel mit einem Instrumental-Duett von Klavier und 3/17-Wurlitzer http://www.youtube.com/watch?v=xNQZjNqukUE&feature=related 
Ausschnitt aus dem Film Mae West mit Ann Jilian in der Titelrolle http://www.youtube.com/watch?v=ME_4hHTeBqg&feature=related
Roy Hubbs http://www.youtube.com/watch?v=RAHntzoHlKI&feature=related Version mit Jodelelementen, gespielt in Anlehnung an Jimmie Rogers 
Brook Benton http://www.youtube.com/watch?v=_XKWnicfzss&feature=related Sehr reduzierte Soul-Version mit dickem Bass. 
Lonnie Donegan http://www.youtube.com/watch?v=fKotu3lrjKA&feature=related
Omer Simeon Trio mit einer jazzigen Klarinetten-Fassung: http://www.youtube.com/watch?v=_ZlE9DC0KS8
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