Die One-Man-Band ist nicht tot
Blues ist die Musik der Kreativität. Aus Mangel und Armut geboren, ist der Blues seit seinen Anfängen kreativ und erfinderisch gewesen: Jug-Bands benutzten leere Tonkrüge als Bässe, Waschbretter als Rhythmus-Instrument, Zinkwannen wurden zu Washtubbässen. Eine spezielle Form des Blues sind die One-Man-Bands, Solisten, die neben Singen und Gitarrenspiel oftmals auch ein Rhythmus-Instrument haben. Berühmt in dieser Sparte war etwa Joe «Hill» Louis (1921–1957), ein Strassenmusiker im Handy Park in Memphis und Radiomusiker für den Sender WDIA. Gibt es — von Strassenmusikern abgesehen —auch keine One-Man-Bands mehr, so gibt es doch sicher den einen oder die andere, die sich gerne selbst begleiten würden. Für ambitionierte Roots-Musiker mit Solo-Hintergrund fand die Redaktion ein begeisterndes Begleitinstrument: die Foot-Drum.
Stompboxes gibt es zahlreiche. Dies sind zumeist kleine Holzkistchen mit einem Piezo-Pickup, die man an einen Verstärker hängt und mit dem Fuss bedienen kann. Etwa der Shadow Stomping Bass, der sich wirklich mehr wie ein Bass anhört als wie eine Holzkiste. Auf Youtube gibt es Bauanleitungen für alle möglichen Stomping Boxes, und diese Instrumente haben sicherlich ihren Charme, aber was, wenn man mehr will? Wäre es nicht auch toll, ein kleines Hi-Hat zur Verfügung zu haben? Vielleicht ein Tamburin mit Zimbeln dran.
Nun, hier sind natürlich dem Heimwerker keine Grenzen gesetzt, man kann sich etwa an Oldwailer wenden und sich seine Bauvorschläge ansehen. Der findige Heimwerker baut ein Fusspedal mit zwei Tamburinen und kriegt damit einen tollen Sound hin. Ein anderes ausgefeilteres Gerät ist der «Angel Stomper Ultimate Foot Percussion», der allerdings so kompliziert aussieht, dass selbst der begeisterte Beseitzer auf Youtube das Gerät irgendwann auf den Schoss setzt und von Hand spielt.
Wenn man vielleicht kei ne Werkstatt zur Verfügung hat oder weniger der Bastlertyp ist, dann kann man so etwas natürlich auch käuflich erwerben, etwa von der Firma «Farmer Foot Drums» die einem Pete Farmer gehört, was man für einen Marketing-Gag halten würde, sozusagen die Betty Bossi der Roots Music, aber wahrscheinlich heisst der Typ sogar wirklich so, als trüge er ständig einen Strohhalm im Hund herum. Farmers Ziel ist es, Musikern ein einfach zu bedienendes Instrument zur Verfügung zu stellen, das verlässlich und transportabel ist, und mit dem man die eigene Musik anreichern kann. Zum Beispiel eine einfache Trommel mit Fussbedienung, die hier in Action zu sehen ist.
Neben vielen kleineren Produkten ist es insbesondere das Flaggschiff der Firma, das «Farmer Deluxe Foot Drum», das mittlerweile in Version 3 vorliegt. Es ist ein Wunderwerk der Technik: Hi-Hat (die man mit Schlägel oder nur in Kontakt zueinander anschlagen kann), Snare-Drum, Pauke, Zimbeln, die wirklich gut klingen, Perkussionsschellen und perkussive Shakes lassen keine Wünsche mehr offen, höchstens den, mehr Zeit zum üben zu haben. Auf Youtube gibt es dieses Video, in dem die Funktionen vorgestellt werden.
Dass man mit dem Ding auch wirklich gut Musik machen kann, zeigen andere Youtube-Videos: Ein Strassenmusiker spielt Silde-Gitarre dazu und es klingt mitreissend. Auf diesem Video sieht man Pete und Kate Farmer selbstdie Foot Drum spielen. Sie spielt eine Western-Gitarre, Pete selbst spielt gefühlvoll elektrisches Slide dazu. Ein Solovideo von Peter Farmer macht deutlich, dass es auch mit angezerrtem Sound schön klingt.
Die Musik wird unabhängig, man hat fast schon seine eigene kleine Band dabei, und bleibt dennoch mobil. Die «Farmer Deluxe Foot Drum» kostet ursprünglich US$ 2125.-, wird aber auf der Website selbst für $1495 zu erstehen, was beim momentanen Dollarkurs ja fast ein Schnäppchen ist.
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