Die Kunst des Covers
In der grossen Zeit
der Langspielplatte (LP) oder, wie sie heute heisst, der
Vinyl-Scheibe waren die Gestaltung des Covers eine hoch angesehene
Kunst. Ein schönes Cover konnte als ein erster Eindruck der Scheibe
potentielle Käufer anziehen. Da ein LP-Cover stolze 31,4 Zentimeter
im Quadrat ist, lässt sich darauf einiges darstellen. Die
Titelbilder der Langspielplatten konnten künstlerisch gestaltet
sein, informativ, farbig oder schwarz-weiss und das Cover war zur
Zeit der LPs noch stärker die Visitenkarte eines Albums. Heute kann
man in gewissen CD-Geschäften JEDE CD an Kopfhörer-Stationen unter
einen Scanner halten kann, der den Strichcode liest und dann
Ausschnitte aus den Songs der CD abspielt. Zur Zeit der LPs musste
man an eine Theke und der oder die Angestellte des Geschäfts
dahinter legte die LP auf. Weil das aufwändig war, musste man
versuchten, so viele Informationen als möglich aus dem Cover zu
lesen, und das heisst Vorder- und Rückseite. In unserer Diashow zeigen wir eine Auswahl besonders schöner Cover.
Blues-Covers wurden
mussten sich ihren Platz suchen zwischen dem ungleich grösseren
Markt der Jazz-LPs und jenen der Rock-Platten. Über die 50er, 60er
und 70er Jahre widerspiegelte die Cover-Art des LPs auch den
künstlerischen Geschmack. LP-Covers waren impressionistisch,
expressionistisch, kubistisch und psychedelisch, informativ,
reduktionistisch oder klischiert, sie folgten dem Geschmack der Zeit
und sich somit Dokumente, Texte aus einer Ära des Blues.
Wenn man sich die
Diashow von Blues-Covers ansieht, fallen
gewisse immer wiederkehrende Elemente des Design von Blues-Cover auf:
Die Covers zeigen zum überwiegenden Teil ein Bild des Musikers,
oftmals als schwarz-weiss Photo (oft auch als anders monochromes
Bild). Kunterbunte Buchstaben und sonderbare Fonts sind ein weiteres
beliebtes Stilmittel.
Hier gibt es eine
Auswahl von Blues-Covers, die meisten aus den 1960er Jahren mit
einigen Ausreissern nach oben und unten. Alle
hier präsentierten Covers erscheinen gemäss dem Buch the
blues album cover art /
Graham Marsh & Barrie Lewis, ed. - . San Francisco: Chronicle
Books, 1996 - . ISBN 0-8118-1168-9. Dies ist eine wunderbare
Publikation, die sich auf einem Weihnachtswunschzettel gut macht und
immer wieder Freude bereitet.
Marsh und Lewis
zeigen in ihrer Sammlung eine reiche Auswahl von Covers, viele in
Originalgrösse und mit spärlichen, aber in der Regel ausreichenden
Information zu Verlag und Jahr versehen sind. Weitere Informationen
wie Chart-Erfolge oder Verkaufszahlen werden nicht angegeben. Aus den
Hunderten von Covers in diesem Buch haben wir als Appetitanreger 28
Beispiele ausgewählt.
Wirklich
bemerkenswert scheinen mir das Cover von Muddy
Waters Album After
The Rain, auf dem Muddy
dreckverschmiert und mit einer Kröte in der Hand und irgendwelchem
Getier auf sich dargestellt wird. Es sieht aus, als ob die
Photosession harte Arbeit war. Ebenfalls bemerkenswert ist das Cover
von John Lee Hookers
House of The Blues,
weil darauf eine richtig heruntergekommene Hütte im Süden der USA
zu sehen ist mit einer Schwarzen Familie. Unter dem Wellblechdach
lebt eine Familie, zu sehen sind drei Leute. Kaum anzunehmen, dass es
sich bei dem Photo um ein Bild von John Lee Hooker selbst handelt,
aber der «Country Shack» ist sicher ein «House of the Blues» in
dem Sinn, dass das Leben dort sichtbar schwer ist. Die Aufnahme sieht
aus, als ob sie vielleicht 1950 gemacht wäre, aber diese Dinge sind
bekanntlich schwer zu schätzen. Durch die Darstellung der schlechten
Lebensumstände wird aus dem Cover ein Kommentar gegenüber den
sozio-ökonomischen Zuständen der Rassen
Manche LPs haben ein
ähnliches Design etwa in Form eines
Rahmens um das Titelbild, um eine Reihe anzudeuten. Beispiele sind
hier die LPs von Homesick James und Billy Boy Arnold. Manche Cover,
wie etwa die letzten der Diashow zum Blues-Sampler California
Blues oder der LP von T-Bone
Walker haben keine Verbindung zum Blues
oder den Künstlern, sie zeigen lediglich Bilder von schönen Frauen.
Diese Cover versuchen auf einer relativ niederen Ebene zu punkten.
Hier eine Liste der
in der Diashow zu sehenden Cover. Viel Vergnügen.
Alexis Korner -
Red Hot From Alex
(Transatlantik 1964, Design Brian Shuel), S. 64
Memphis Slim - No
Strain (Fontana 1962), S. 64
Lightnin’
Hopkins - How Long Has the Train Been Gone - Mojo Hand - Have You
Ever Loved a Woman (Sphere Sound 1960;
Frank Lerner)
John Lee Hooker -
sings Blues 16 Selections - Every
One a Pearl (King, 1960)
Paul Butterfield
- Better Days (Warner
Bros, 1973, Design Milton Glaser)
Big Joe Turner -
The Boss of The Blues sings
Kansas City Jazz (London,
1956, Design Marvin Israel)
Champion Jack
Dupree - Natural & Soulful
Blues (London 1960, Design Niels
Guldbrandsen)
Harmonica
Blues (Yazoo 1970er Jahre, Design
Robert Crumb)
Slim Harpo - Tip
On It (President 1968)
Muddy Waters - At
Newport 1960 (PYE
Jazz, 1960)
Jimmy Witherspoon
- The Blues Singer (E.M.I.
Stateside, Design George Whiteman)
BB King - Blues
on Top Of Blues (E.M.I.
Stateside 1968, Design Denis Larkin, Henry Epstein)
Sonny Terry, J.C.
Burris Sticks McGhee - On the
Road (Folkways
1959, Photo by David Gahr)
Memphis Slim -
The Real Boogie Woogie
(Folkways 1959, Photo by David Gahr)
Sonny Boy
Williamson - In Memorium
(Chess, 1965)
Big Joe Williams
- piney woods blues
(77 Records, 1963, Design Stuart McMillan)
Muddy Waters -
After the Rain (Chess 1969, Photo by
Victor Skrebinski)
Billy Boy Arnold
- More Blues On The South Side
(Prestige 1965, Design Don
Schlitten)
Homesick James -
Blues On The South Side
(Prestige 1965, Design Don Schlitten)
John Lee Hooker -
House of The Blues (Chess
1960)
Yancey - Jazz
Immortals No 2 (Vogue 1955, Design
Monty Sunshine)
Sonny Boy
Williamson - Le Grand Chanteur de
Blues et Spécialiste de l’harmonica Jazz Classics No 17
(RCA 1961)
Washboard Sam -
Washboard Sam (RCA
1961)
T-Bone Walker -
Sings the Blues (Liberty 1959)
California
Blues (Polydor Late 1960s)
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