Der 13. August ist Internationaler
Linkshänder-Tag
Auch dieses
Jahr ist, wie immer seit 1976, der 13. August der Tag, an dem der Linkshänder
auf der Welt gedacht wird, bzw. der Schwierigkeiten, die sie im täglichen Leben
in einer von Rechtshändern eingerichteten Welt ausgesetzt sind. Diese
Schwierigkeiten gehen über das Verwenden eines Büchsenöffners hinaus, und
insbesondere bei Musikinstrumenten zeigt sich, dass die links lateralisierten Zeitgenossen manchmal kein einfaches Leben
haben.
Wenn sich
auch frühere Studien als falsch erwiesen haben, wonach Linkshänder eine kürzere
Lebenserwartung haben oder häufiger an Allergien erkranken, so bleibt doch
festzuhalten, dass man als Linkshänder im Alltag einer Reihe von kleinen
Problemen ausgesetzt ist: Die Drehrichtung von Gewinden bei Schrauben, die
Anordnung von Teilen in Maschinen, das Benutzen
einer «normalen» Schere, das Ausklappen eines Fahrradständers, die Verwendung
eines Schweizer Armeemessers (die Anordnung der Klingen, die Vertiefungen zum
Herausziehen der Klingen etc. ist alles auf die Verwendung durch Rechtshänder ausgerichtet)
oder die Verwendung eines Büchsenöffners sind alles Probleme im Alltag eines
Linkshänders.
Auch bei
den Musikinstrumenten ist die Linkshändigkeit ein Faktor. Viele Instrumente
sind für Rechtshänder eingerichtet, etwa alle Tasteninstrumente wie Klavier
oder Cembalo, aber auch deren Verwandte wie das Vibraphon oder Xylophon. Für
einen Pianisten beispielsweise ist es entscheidend, ob er Rechtshänder ist,
denn die linke Hand spielt bekanntlich die immer gleichen Bassläufe, während
die rechte Melodielinien dazu spielt. Vom grossartigen Jazz-Pianist Erroll Garner wird manchmal vermutet,
er könnte ein Linkshänder gewesen sein, weil seine grundsolide und sehr starke
linke Hand auffällig klingt. Inzwischen fanden wir sogar eine Website, auf der
ein Piano für Linkshänder angeboten wird [http://lefthandedpiano.co.uk/about.html]
Auch
Saiteninstrumente sind links und rechts nicht gleich zu spielen: Bei Gitarre
und Bass sind die Saiten so aufgezogen, dass die häufiger und komplexer zu
spielenden Saiten näher bei den Fingern liegen, die Basssaiten dafür auf der
Daumenseite der Griffhandf. Bei E-Gitarren kommt hinzu, dass für Linkshänder
der Cutaway auf der falschen Seite liegt, ebenso die Bedienungselemente und die
Steckerbuchse. Hierfür gibt es zwei Lösungen für Linkshänder: oftmals wird die
Gitarre «verkehrt» herum bespannt. Dann lässt sie sich für den Linkshänder
gleich spielen wie eine Rechtshänder-Gitarre. Diese Lösung wählten etwa Paul McCartney, Kurt Cobain, Billy Ray
Cyrus oder der wohl bekannteste Linkshänder-Gitarrist: Jimi Hendrix. Die andere Möglichkeit ist, die für Rechtshänder
bespannte Gitarre umzudrehen und sie so zu spielen. Diese Version wird im Blues
weitaus häufiger verwendet.
Sollen also
alle Linkshänder Triangel spielen, um nicht «diskriminiert» zu werden? Selbst
die Harfe, die eigentlich symmetrisch aussieht, ist im Hals so geneigt, dass
sie auf der rechten Schulter aufliegen muss. Konzertharfen haben zudem Pedale,
die nur von einer Seite zu bedienen sind. So bleiben den linkshändigen Musikern
lediglich die Fellinstrumente einerseits - denn Congas oder die Teile eines
Schlagzeugs kann man beliebig aufstellen - oder die Blasinstrumente
andererseits, denn auch als engagierter Linkshänder kann man nicht sagen, dass
die Anordnung der Griffe bei einer Flöte (linke Hand über oder vor der rechten)
jemanden benachteiligt.
Im Blues gibt es insgesamt wenige Musiker, die als Linkshänder bekannt sind, und allesamt sind sie Gitarristen, bei denen es natürlich deutlich auffällt. Uns fiel in der Redaktion aber kein Pianist, Bassist oder Schlagzeuger ein, der Linkshänder bekannt ist. Deshalb, sollte jemandem ein Linkshänder oder eine Linkshänderin im Blues einfallen, wären wir froh um einen kleinen Kommentar. Wir fanden eine Website, die behauptet, dass Sänger und Harmonika-Spieler Paul Butterfield Linkshänder gewesen sei, aber auf Photos hält er die Harp gleich wie Rechtshänder. [http://www.lefthandedguitarists.com/lefty_musicians.php]
Der berühmteste links lateralisierte Bluesgitarrist war natürlich Albert King, der als erster eine Rechtshänder-Gitarre kurzerhand umdrehte und sie als Linkshänder spielte — mit vertauschten Saiten. Die tiefen Saiten lagen beiden Fingern, die hohen bei den Daumen. Dadurch konnte er nicht so über die Saiten flitzen wie andere Gitarristen seiner Zeit und entsprechend musste er sich mehr Zeit nehmen und die einzelnen Noten stärker betonen — Albert Kings unnachahmlicher Sound mit der grossen Intensität war geboren. King spielte aufgrund seiner Linkshändigkeit eine Gibson ES-335 und vor allem ein Flying V, denn diese Gitarren erlaubten den Zugriff bis in die hohen Lagen.
Alle anderen Linkshänder im Blues eiferten dem Beispiel nach. Andere Linkshänder sind: Elisabeth Cotten (1895–1987, schrieb im Alter von 11 Jahren den Titel Freight Train) Otis Rush, «Cool» John Ferguson, Eddy «The Chief» Clearwater (eigentlich Edward Harrington) und Doyle Bramhall II (der auf Family Style der Vaughan-Brüder Schlagzeug spielte, also auch als Multi-Instrumentalist bezeichnet werden kann). Interessant an dieser Liste scheint mir, dass all diese Musiker die Gitarre umdrehen, sie also im Stile von Albert King spielen. Offenbar hat der grosse Mann hier ein solches Beispiel gegeben, dass er über die Stilbildung hinaus prägent blieb.
Musik ist natürlich in erster Linie zu hören, deshalb schlagen wir von der Bluesnews-Redaktion vor, für den heutigen 13. August nur noch Blues von links lateralisierten Musikern zu hören - allerdings erst nach dem Ende der Sendung auf Bluesroad.de von heute Abend. Und wenn jemandem ein Pianist oder Bassist in den Sinn kommt — bitte schreibt uns.