2010 erhielt das Piazza Blues Festival in Bellinzona den Keeping the Blues Alive Preis. Das beflügelt und verpflichtet gleichzeitig. Erwartet werden an einem Festival Highlights und die gab es. Es gelang Fritz Jakober, dem künstlerischen Direktor des Festivals, ein Lineup zusammen zu stellen, das sowohl grosse Namen, als auch neue, in der Schweiz bisher weniger bekannte Namen einschliesst, also genau das, was man sich von einem Festival erhofft.
Dieses Mal war die Ausbeute besonders hoch. Bereits am ersten Abend eröffnete mit der Sean Carney Band einer der neuen erfrischenden amerikanischen Bluesgitarristen das Festival. Obwohl Sean Carney seit einigen Jahren auch in Europa auf Tour ist und auch in der Schweiz aufgetreten ist, hat er bisher nicht den Bekanntheitsgrad, den er eigentlich verdient.Er wurde 2007 mit Preisen ausgezeichnet: dem Albert King Preis als bester Gitarrist, er gewann ausserdem die International Blues Challenge, sowie den Preis als beste Band in Ohio. Sean Carney (36) pflegt einen klassischen Gitarrenstil ohne Mätzchen und ohne technische Spielereien.
Wir haben mit Sean vor seinem Auftritt gesprochen. Das Interview kann man hier nachlesen.
Backstroke Blues Band, Raphael Wressnig und Rick Estrin begeistern
Der dritte und letzte Abend des Festivals begann mit einem Auftritt der Backstroke Blues Band, der Laurent Gilliéron Gelegenheit gab, selbst in die Saiten zu greifen. Trotz offensichtlichem Unwohlsein liess er es sich nehmen, aufzutreten. Die Backstroke Bluesband besteht aus: Valérie "Snow White" Biselx (Gesang), Laurent "Hat-Trick" Gilliéron (Gitarre), Patrick "Mr. Groove" Pégaitaz (Bass) und Jean-Christian "Boom Boom" Barben (Schlagzeug). Die Band ist seit 1996 unterwegs und eine bekannte und beliebte Formation in der Calvinstadt und darüber hinaus. Sie leitet ihren Namen von einem Albert Collins Song ab und gibt Einflüsse unter anderem von Anson Funderburgh, Ronnie Earl, Duke Robillard, Little Charlie & The Nightcats, Smokin' Joe Kubek, T-Bone Walker, Darrell Nulisch und Dave Specter an.
Auf seiner Schweiz Tour im Mai 2010 trat Henrik Freischlader am 14. Mai in der Galery Music Bar in Pratteln auf. Das Konzert wurde als erstes Konzert des exbluesive - Bluesclub im Dreyeckland organisiert, der gerade dabei ist, sich zu formieren, um im Grossraum Basel regelmässig Blueskonzerte durchzuführen. Wir werden noch ausführlich über den neuen Club berichten.
Die Galery Music Bar in Pratteln ist ein Lokal, das sich ausgezeichnet für diese Art von Anlässen eignet, das Ambiente ist angenehm und die Lage günstig. Trotzdem ist ein erstes Konzert immer auch ein kleines Abenteuer, umso erfreulicher, dass der Abend sehr gut besucht war, Henrik Freischlader hat offenbar genügend Bluesfreunde in der Schweiz, was auch nicht erstaunt, denn zweifellos gehört er zum Besten, das die deutsche Bluesszene zu bieten hat und auch die Galery hat sich inzwischen als Musiklokal etabliert. Kokett staunte er bei der Ansprache über seine Bekanntheit in der Schweiz.
Mit der JW Jones Band bewies Laurent Gilliéron sein Gespür dafür, wo die Trends im aktuellen Blues liegen. Unter den jungen, neuen Bluesgitarristen gehört JW. Jones zweifellos zu den herausragenden jungen Talenten. Nicht umsonst wurde er für zwei Maple Blues Awards nominiert, ein Preis, der etwa dem Grammy entspricht. Seine stupenden Soli sind ein Feuerwerk an Spielarten und Einfällen, die er mit lässiger Selbstverständlichkeit aus dem Ärmel schüttelt. Dabei zitiert er augenzwinkernd andere Gitarristen und Stile, die er in sein Spiel ein streut. T-Bone Walker, SRV, Jimmie Vaughan, BB King, Buddy Guy, Robert Cray, oder auch Duke Robillard klingen an, ohne dass deren Stile zum Klischee werden. Sein handwerkliches Können und sein Spielwitz sind beeindruckend. Er ist allerdings in erster Linie Gitarrist und nicht Sänger, versucht aber gar nicht erst, mit einer «Bluesstimme» zu singen. Seine Stimme ist aber durchaus sympathisch und seine Texte frisch und modern.
Toller Auftritt der Luzerner am 5. Geneva Blues Summit
Bluecerne ist eine Amateurband mit professionellem Niveau. Die Luzerner Band ist seit 2000 fast unverändert zusammen, was sich in ihrer Show bemerkbar macht. Gut aufeinander eingespielt bieten sie einen reifen Sound und sauber arrangierte Songs, die sich zwar durchaus an Vorbildern orientieren, aber immer eigenständig bleiben. Ihr Repertoire ist breit, mit einem Schwerpunkt im R&B und Soul. Butterweiche, herrlich langsame Titel wechseln sich ab mit temporeichen Shuffles.
An diesem Abend spielten: Renato Cazzaniga (Gesang), Heinz "Moby" Arnold (Piano), Roli Mosimann (Gitarre), Michi Bütikofer (Bass), Pit Furrer (Schlagzeug), Patrick Röösli (Tenorsax) und Beda Wenk (Trompete).