Bloogle Leute Biographien |
| Blues Masters from the Past: Big Bill Broonzy |
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| Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik | |
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In unserer Serie: Bluesmasters from The Past heute: Big Bill Broonzy (1893–1958)
Getauft auf den Namen William Lee Conley Broonzy wurde der erfolgreiche Country-Bluesmusiker Big Bill Broonzy 1893 geboren, ein Jahr nach der grossen Flut im Delta von 1892. In gewissen Quellen steht als alternatives Geburtsjahr 1898, aber Broonzys eigenen Aussagen zufolge gilt das frühere Datum. Nach seinem Tod konnte seine Zwillingsschwester mit einem Geburtsschein allerdings das Jahr 1898 belegen. Broonzy selbst blieb überzeugt vom früheren Datum. So sagte man es ihm zumindest und in seiner Autobiographie Big Bill Blues schreibt er, dass man sich die Geburtsjahre immer in Beziehung zu einem anderen Ereignis gemerkt habe, das im allgemeinen Bewusstsein geblieben sei: «In them times every year something strange would happen - a drought, a flood or a picnic, or some Negro would get killed in some strange way, and so you can't forget when your child was born in the South.» (Big Bill Blues, 33)* Mit der letzten Bemerkung sind ohne Zweifel Lynchings gemeint. Was für eine Vorstellung! Übertragen auf Schweizer Verhältnisse hiesse das: Der kleine Fritzli wurde in dem Jahr geboren, in dem im Nachbardorf die zwei Negroes gelyncht wurden. Aber diese Art des Umgangs mit den herrschenden Zuständen charakterisiert Big Bill Broonzys Umgang mit den schreienden Rassenungleichheiten seiner Lebenszeit: eine Hinnahme zwischen Schicksalsergebenheit und Gleichgültigkeit. Big Bill war bestimmt kein Bürgerrechtskämpfer, aber gleichzeitig war er auch kein Rassist. Sein Motto scheint gewesen zu sein, jedem Menschen seine eigene Chance zu geben. Entsprechend behielt er eine fröhliche Gelassenheit, und seine Wut auf die herrschenden Zustände hielt sich in Grenzen, zumal er sich mit dem herrschenden System gut arrangierte. Lediglich im Song When Will I Be Called a Man kommt die Frustration mit dem System zum Ausdruck. Biographisches
1915 heiratete Big Bill Broonzy eine Frau, deren Vornamen er in der Autobiographie komischerweise nicht erwähnt. Damals stand er vor der Wahl, Musiker zu werden oder Priester, aber als er die immense Summe von fünfzig Dollar angeboten erhielt, um an einem viertägigen Picknick zu spielen, war die Sache entschieden: er wurde Musiker. 1917 kam er das erste Mal nach Europa, allerdings nicht für Auftritte, sondern als Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach 1919 und seiner Entlassung aus der Armee zog es ihn in den Norden, und er ging nach Chicago, wo er zu einem wichtigen Musiker der Zwischenkriegszeit und einer dominanten Figur der Blues-Szene avancierte.
Nachdem am 16. August 1938 Robert Johnson verstorben war, bot Organisator John H. Hammond Broonzy an, an Johnsons Statt in der Carnegie Hall im Rahmen der Konzertreihe «From Spirituals to Swing» aufzutreten. 1939 konnte er erneut in New Yorks prestigereicher Konzerthalle auftreten. In dieser Zeit nahm er auch für seine Freunde Sunnyland Slim, Tampa Red, Jazz Gillum und Washboard Sam auf, allerdings liess er sich auf den Aufnahmen nur als Komponist aufführen, um keine Copyright-Probleme zu erhalten. In den 1940er Jahren wechselte er zu Columbia Records und nahm dort 1945 seinen sohl bekanntesten Song auf - Key to the Highway. Mit den 50er Jahren begann sein erfolgreichstes - wenn auch letztes - Lebensjahrzehnt. Ab 1951 tourte er in Europa, wo er mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Nach Rückkehr in die USA trat er gemeinsam mit bekannteren Vertretern der Folk-Musik auf wie Pete Seeger, Sonny Terry & Brownie McGhee oder Leadbelly. Auf einem Konzertaufenthalt in Amsterdam verliebte er sich laut Angaben der englischsprachigen Wikipedia in eine Holländerin namens Pim van Isveldt, mit der er einen Sohn hatte, Michael. In dieser Zeit konnte er von seiner Musik leben, aber er behielt einen normalen Job: Laut seiner Autobiographie 1950 verschafften ihm «Doctor Shelleter und Mr. Pemburg» eine Anstellung als Hausmeister am Iowa State College, den er behielt bis zu seinem Tod. 1955 erschein seine Autobiographie, die er gemeinsam mit dem dänischen Autor Yannick Bruynoghe verfasste. (Dieses Buch ist die wichtigste Quelle des vorliegenden Artikels, sie wird später in einer eigenen Rezension besprochen werden). Es war 1955 noch sehr ungewöhnlich, die Biographie eines Bluesmusikers zu schreiben, und eine Autobiographie war noch weitaus ungewöhnlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die meisten frühen Bluesmusiker aufgrund fehlender oder mangelhafter Schulbildung Analphabeten waren. 1958 erkrankte Big Bill Broonzy an Kehlkopfkrebs. Er starb in Chicago und sein Grab ist auf dem Lincoln Cemetery in Blue Island, Illinois. Big Bill trank Whiskey in rauen Mengen, und erzählt unverblümt von mehreren Besäufnissen mit anderen Musikern. In seinem Leben bereiste Big Bill Broonzy nicht nur die USA kreuz und quer, er trat in Europa auf, Afrika, Südamerika und dem pazifischen Raum. Musikalisches Big Bill Broonzy spielt klassischen Mississippi Country Blues. Die meisten seiner Aufnahmen sind Solo-Aufnahmen, auf denen er Gitarre spielt und singt. Big Bill Broonzy hatte eine wunderschöne und volle Singstimme mit ansehnlichem Umfang, mit der er klagend, aber auch fröhlich singen konnte und seine Texte sind gut verständlich. Sein Gitarrenspiel ist vom Stil her eher an Jimmie Rodgers, Blind Blake, Blind Willie McTell oder Blind Lemon Jefferson orientiert als an Son House oder Robert Johnson. Er spielte kein Slide, sondern zupfte und griff die Saiten. Er scheint auch keine offene Stimmung gespielt zu haben sondern spielte in verschiedenen Tonarten auf einer Gitarre in Standartstimmung. Seine Musik betont die rhythmischen Elemente, wie dies in den frühen Formen Hokum oder Ragtime der Fall war, aber daneben bedient er die hohen Saiten meisterlich, so dass seine Gitarre singt und in den qualitativ guten Aufnahmen der 50er Jahre obertonreich singt. Broonzy nahm mit seiner Musik die Stile von Willie Dixon oder Hubert Sumlin vorweg und in gewissem Sinn auch von Muddy Waters. Zu seinen musikalischen Weggefährten zählte er selbst Joshua Altheimer, Washboard Sam, Memphis Slim, Memphis Minnie, Die Pianisten Big Maceo Merriweather, Georgia White, Curtin Jones und Peter Clayton («Doc Clayton»), die Vaudeville-Sängerin Lil Green, die Gitarristen Lonnie Johnson, Tampa Red, Joe McCoy (Autor von Oh Red, What You Gonna Do?) und Tommy McClennan (Autor von Bottle Up and Go)und den Harmonikaspieler Sonny Boy Williamson (den ersten, nicht Rice Miller). Eine besondere Erwähnung verdient Sleepy John Eastes, der ihm offenbar einst als Broonzys Vorarbeiter Work Songs beibrachte. Big Bill Broonzy ist als Komponist von über 300 Songs verzeichnet, darunter so bekannte Songs wie Key To The Highway, Alberta, Careless Love oder Baby Please Don't Go. Abschliessend ist als Urteil festzuhalten, dass im Gegensatz zu vielen Country Bluesern, deren Musik vor allem aus einem historischen Interesse heraus interessant ist, die Musik Big Bills aus sicher heraus aktuell und hörenswert ist. * Das Zitat entstammt der Autobiographie Big Bill Broonzys: Big Bill Blues : William Broonzy's Story as told to Yannick Bruynoghe : with 9 pages of half-tone illustrations and four drawings by Paul Oliver : Foreword by Charles Edward Smith - . New York: Da Capo Press, 1992 - . ISBN 0-306-80490-5. Das Werk wurde erstmals 1955 in England veröffentlicht, 1964 erfolgte die erste US-Drucklegung als Paperback.
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Big Bill Broonzy wurde am 26.
Juni 1893 in Scotts County, Mississippi, geboren. 
