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Bloogle Leute Biographien

Blues Masters from the Past Eddie Boyd PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik   
 Mehr als Five Long Years

Bluesfreunden ist Eddie Boyd (1914–1994) als Pianist und Komponist bekannt. Seine Titel Five Long Years und Third Degree wurden von zahlreichen Grössen gecovert, der erste kann zurecht in Ansprung nehmen, als Slow Blues ein Klassiker geworden zu sein. Eddie Boyd hat aber mehr zu bieten als diese Titel. Er ist als Bandleader und Musiker wenig erfolgreich gewesen, was weniger mit seinen musikalischen Fähigkeiten zu tun hat als mit seinem fehlenden Lebensglück. Eddie Boyd verzweifelte am Rassismus und der Brutalität, ein schwerer Unfall warf ihn zurück und er hatte auch noch ein schlechtes Verhältnis zu Leonard Chess. Seine Musik aber ist von einer feinen Qualität und sein Gesang intim und persönlich.

Eddie Boyd hat eine Biographie wie Duzende andere Musiker: 1914 geboren auf einer Plantage bei Clarksdale, Mississippi) geboren. Ein Halbbruder war Memphis Slim, Muddy Waters war ein Cousin. Und zwar einer, mit dem Boyd eine innige Freundschaft verband. Die beiden waren Freunde seit den ersten Schultagen und einzig mit ihm hat sich der sonst friedliche und fröhliche Muddy geprügelt. Boyderinnnerte sich später:«He would whip mut I mean I never did accept that for real, you know. We’d still fight. But we couldn’t stay away from each other, though. We loved each other.»

Im Alter von 15 Jahren floh er von der Plantation und verdingte sich im Delta als Musiker. Er hatte zunächst Gitarre und Harmonika gespielt, dann aber zum Piano gewechselt wie Memphis Slim angezogen durch Roosevelt Sykes. Ab 1936 arbeitete er in Memphis mit einer festen Band, den Dixie Rhythm Boys. 1941 zog er nach Chicago, dort das Übliche: Stahlwerk am Tag, Musik am Abend. Er spielte mit allen Musikern der Szene, denn als solider Pianist war er in Bands willkommen. Ab 1945 kamen Plattenaufnahmen, unter anderem beim Label «Bluebird», wo Boyd wie auch Lester Melrose mithalfen, den «Bluebird Beat» zu erschaffen, der charakteristisch war für Musiker des Labels wie John Lee «Sonny Boy» Williamson, Big Bill Broonzy, Memphis Slim, Jazz Gillum oder Tampa Red. Er bildete dort als Pianist mit Bass und Schlagzeug eine erweiterte Rhythm Section, die einen soliden Beat bot, der den Solisten wie der Gitarre mehr Raum bot.

Boyd schrieb auch Songs, darunter eben Five Long Years, 1952 sein grösster Hit. Erstaunlich an diesem Klassiker ist, dass niemand ihn zunächst produzieren wollte. Boyd blieb nichts anderes übrig als die Aufnahmesession selbst zu bezahlen. Er engagierte J. T. Brown's Boogie Band und verkaufte die Aufnahme dann an J.O.B. Records, die sie 1952 herausbrachten und sich damit die Spitze der R&B Charts sichern konnten. Er hatte einen weiteren Hit mit 24 Hours und 1953 folgte Third Degree.

Zunächst sah alles wieder rosig aus: Al Benson nahm ihn unter Vertragfür sein Label «Parrot», verkaufte seinen Vertrag aber 1953 an Chess, wo er die alten Hits erneut einspielte. Zwischen Boyd und Leonard Chess stimmte die Chemie nicht, und er hielt Boyd angeblich für untalentiert. Er war klar der Meinung, dass die Titel Boyds bessere Erfolgschancen hätten, wenn Muddy Waters sie einspielte.

 1957 wurde Boyd in einem Autounfall verletzt und musste ein Vierteljahr das Bett hüten. Als er wieder einsatzbereit schien, wollte Chess nichts mehr von ihm wissen und die alten Hits waren in Vergessenheit geraten. 1959 ging er zu Narvel «Cadillac Baby» Eatmon, dem Besitzer des Labels «Bea & Baby», wo er mit Robert Lockwood Jr. einige Aufnahmen machte (es gibt einen Sampler mit dem Titel Meat and Gravy from Bea and Baby). Diese konnten aber nicht genügend promoted werden, der Firma fehlte die Wirtschaftskraft von «Chess», und so wurde auch das kein Erfolg. Boyd ist nicht als Trinker bekannt, aber als Bluesman seiner Generation und als ehemaliger Mitmusiker von Sonny Boy Williamson I. wird er auch hin und wieder einen Kummer in Alkohol ertränkt haben.

Erst 1965 kam wieder etwas Aufwind: Das «American Folk Blues Festival» brachte ihn nach Europa und vielleicht Memphis Slim folgend (der schon 1962 nach Frankreich umgesiedelt war) liess er sich danach in Paris und später Belgien nieder. 1968 nahm er mit Fleetwood Mac das Album 7936 South Rhodes, das bisher noch keine Neuauflage als CD erlebt hat.

1970 schliesslich fiel die Entscheidung, in Europa zu bleiben: Boyd heirate eine Finnin blieb in Finnland, wo er in Klubs und Festivals spielte und als authentischer Chicago Bluesman auf dem europäischen Circuit sich späte Lorbeeren verdiente. Er machte Aufnahmen als Pianist mit einer Reihe von wenig bekannten bis völlig unbekannten Bands und spielte anscheinend mit wem immer ihm die Aufnahme bezahlte. 1994 starb er in Helsinki.

Boyd war ein besonderer Musiker und ein wahrer Master, weil er mit sparsamem, aber präzisem Pianospiel sich nicht in den Vordergrund drängte, aber immer dem Stück dienlich da war. Kein flamboyanter Charakter scheint er sehr unter der Rassentrennung gelitten zu haben, weshalb er die USA ja letztlich wohl auch verliess. Seiner Musik, insbesondere seinem Gesang, ist anzuhören, wie sehr er mitleidet, wie er den Blues nachempfindet bei der Aufführung eines Songs. Dies verleiht seinen Titeln Tiefe, aber auch Intensität. Diese aufgestauten Gefühle, die Hunderten von Zurückweisungen, die schlechten Hotels oder gesperrte Diner auf den Tourneen, all dies ging ihm nach. Die aufgestauten Gefühle brachen sich Weg, wenn er am Klavier sass.

Willie Dixon charakterisiert Boyd in seiner Autobiographie mit den Worten: «Eddie Boyd never was a helluva piano player but he could sing pretty good. Eddie was one of those guys that got into the blues because he’d sing Blues things that reminded him of different things in his life. He’d get drunk and come in there crying and get back there on the piano. Everybody got excited and Leonard [Chess] would say, ‘Call the musician, man. This cat is ready’» (I Am The Blues S. 86: «Eddie Boyd war nie ein grossartiger Pianist, aber er konnte ganz gut singen Eddie war einer dieser Typen, die zum Blues kamen weil er über Blues-Dinge singt und dann erinnert ihn das an andere Dinge in seinem Leben. Er liess sich volllaufen und kam dann weinend [in die Aufnahmekabine?] rein und ging dann wieder raus ans Klavier. Alle freuten sich und Leonard sagte ‚Ruf die Musiker zusammen, dieser Kerl ist bereit.‘»).

Bereit, seinen Schmerz zu singen und bereit, eingängige und anrührende Musik als Bandleader und Sänger zu machen. Dies alles in bester Chicago-Tradition nach dem Motto: Die Band ist der Solist, es geht ums Ensemble, nicht um die Individuen.

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