Der ewige Sideman
In Wayne, New Jersey ist am 4. Dezember Hubert Sumlin im Alter von 80 Jahren gestorben. In diesem Jahr
stirbt damit ein weiterer der grossen alten Bluesmen, und diesmal müssen wir
Abschied nehmen von einem Gitarristen, der stets im Schatten seines Mentors Howlin‘ Wolf gestanden ist, und der
doch den Chicago-Bluessound geprägt hat wie wenig andere. Hubert Sumlin (1931-2011) war in höchsten Mass ein Bindeglied
zurück zu den Ursprüngen des Deltablues. Er spielte eigentlich akustischen Delta-Blues,
bloss transferierte er diese Musik auf die elektrische Gitarre und spielte mit
der hierfür erforderlichen Feinheit. Hubert Sumlin wurde zum Virtuosen des
Groben und damit war er Vorbild für den elektrischen Blues der nächsten
Generation.
«The Howlin Wolf»
(1910-1976) war bereits ein bekannter Mann, als er im Alter von 31 Jahren in Hughes,
Arkansas auftrat. Der damals 10-jährige Hubert
Sumlin wollte ihn unbedingt sehen, fiel dabei durchs Fenster und direkt auf
die Bühne. Chester Burnett, wie «The Howlin Wolf» bekanntlich hiess,
setzte ihn den gesamten Auftritt durch auf die Bühne. Kein Wunder war er danach
vom Blues infiziert.
So zumindest die Legende. Wahrscheinlicher ist die weniger
aufregende Geschichte: Sumlin (16.11.1931
- 4.12.2011, gleicher Geburtstag wie W.C.
Handy) begann seine Karriere gemeinsam mit James Cotton bei Radio KWM in West Memphis. Dort traf er den Wolf und als dieser 1953 nach Chicago
ging, wollte sein Gitarrist Willie
Johnson (1923-1996) nicht mit und so versuchte Wolf es erst mit Jody
Williams, holte aber 1954 Hubert
Sumlin nach und engagierte diesen als Gitarristen. Ein Jahr später verliess
Williams die Band. Abgesehen von
einem kurzen Gastspiel in der Band Muddy
Waters' nach einem Streit zwischen den beiden Männern blieb Sumlin beim Howlin‘ Wolf bis zu dessen
Tod.
Er startete dann eine Solo-Karriere, deren 1986er Aufnahme Hubert
Sumlin's House Party ihm den verdienten Erfolg brachte. Sumlin wurde bald zum Elder Statesman,
hatte Gastauftritte und liess sich als ein Pionier der Bluesgitarre feiern. Mit
Pinetop Perkins nahm er 1998 Legends
auf, das ihm eine von vier Grammy-Nominationen (aber keine Auszeichnung) brachte.
Sumlins Stil des
Gitarrenspiels trägt deutliche Züge des Delta-Blues, am auffälligsten die
Tatsache, dass mit den Fingen gespielt wird. Sumlin verwendete keine Plektren und keine Thumb Picks, wie Muddy sie einsetzte. Er spielte kein
Slide, aber die rechte Hand blieb im Delta: Walking Bass und die Zupftechnik,
bei der die Zeige- und Mittelfinger die Hauptarbeit erledigen.
Das Genie Hubert
Sumlins bestand darin, die rechte Kultiviertheit aufzubringen, um auf der
e-Gitarre bestehen zu kön nen. Er musste roh klingen, und zugleich kultiviert,
fein. Diese Mischung gelang Sumlin
in grossartiger Weise und in seinem Spiel hört man deutlich die Grundlage für
die späteren West-Side-Blueser wie Otis
Rush, Luther Allison oder Buddy Guy.
Dadurch unterschied er sich von John Lee
Hooker, der in seinem Spiel zurückgewandt und dem alten verhaftet blieb,
weil Hooker eigentlich immer Solo
spielte, egal wie gross die Band war. Sumlin
machte die Bluesgitarre aus dem Delta zu einem Bandinstrument, behielt aber
deren Charakter bei.
Youtube-Videos von Hubert
Sumlin:
Hier der Anfang eines Instruktions-Videos, bei dem man
seinen Stil deutlich erkennt:
http://www.youtube.com/watch?v=hPCPm0FPNk8
Interview, bei dem man einen kleinen Eindruck der Person
gewinnt:
http://www.youtube.com/watch?v=vQf5pTzshug
Akustische Aufnahme:
http://www.youtube.com/watch?v=pROcinQlV2k&feature=related
|