Bloogle Leute Biographien |
| Stevie und die Wiedergeburt des Blues |
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| Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik | |
Zum Todestag Stevie Ray Vaughans am 27. August 1990
Vor 19 Jahren stürzte ein Hubschrauber mit dem erst 35jährigen Stevie Ray Vaughan (1954-1990) an Bord in einen nicht korrekt kartographierten Hügel ausserhalb Alpine Valley in Wisconsin. In diesem Crash starb nicht nur ein ehemaliger drogen- und alkoholabhängiger Bluesgutarrist, der voller neuem Lebensmut und mit wieder erneuerter Energie zukünftige Projekte angehen wollte, es verunglückte der Mann, der in nur sieben Jahren das Kunststück fertig gebracht hatte, in den 1980er Jahren dem Blues neues Leben einzuhauchen und der dieser uramerikanischen Musik wieder eine Relevanz zu verleihen vermochte. In diesem Artikel versucht wir, diesen Retter des Blues zu würdigen.
Die Biographie Stevie Ray Vaughans ist bei Wikipedia nachzulesen, oder sonst wo, deshalb wollen wir uns hier gar nicht erst damit aufhalten, sondern versuchen, aus der Blues-historischen Perspektive seinen Beitrag zu diskutieren. Als Stevie Ray Vaughan & Double Trouble 1982 ihre erste Langspielplatte unter eigenem Namen veröffentlichten, das von John Hammond Sr. produzierte Album Texas Flood, da begann eine musikalische Renaissance, die nicht nur in den USA dazu führte, dass der Blues wieder populär wurde, sondern sie letztlich auch in Europa dazu führte, dass der Blues wieder mehr gehört und gespielt wurde. Auch die Schweizer Blues-Szene verdankt SRV und seiner flamboyanten Art des Gitarrenspiels unendlich viel. Um die Auswirkungen zu verstehen, die SRV auf die Musik hatte, muss man sich klar machen, wie es davor um den Blues bestellt war. Der Blues, der einst als revolutionäre Musik in den 1940er und 50er Jahren dafür sorgte, dass Musiker aus den Südstaaten und Schwarze Musiker mit neuem Selbstbewusstsein auftraten, der aufrührerisch und sexy war, verlor in den 1960er und 70er Jahren zunehmend an Bedeutung und Einfluss. Plötzlich schienen die vermeintlich immer gleichen Klagelieder über weggelaufene Frauen und untreue Männer nicht mehr zu passen. Die Schwarzen Amerikaner wollten nicht mehr an die Vergangenheit mit Baumwollfeldern und dem unfreien Leben in Armut erinnert werden, dem sie entflohen waren. Die Weissen Amerikaner wollten einerseits nicht immer wieder an ihre dunkle Vergangenheit erinnert werden, schliesslich war seit den Lynchmobs der 1920er Jahre viel geschehen und die Gleichberechtigung der Rassen schien aus Sicht der Weissen Tatsache zu sein. Zudem gab es mit den Weissen Rock'n'Roll Musikern (Bill Hailey, Elvis Presley, Carl Perkins) und ab Ende der 60er Jahre mit den Musikern der British Invasion eine Konkurrenz. Und die Musik allgemein hatte sich weiterentwickelt. Dass der Blues ein Baby namens Rock'n'Roll hatte, ist allgemein bekannt, aber inzwischen hatte er bereits Enkel namens Funk oder Disco, und diese liessen ihren «Opa Blues» ganz schön alt aussehen. Michael Jackson hatte in den 1980er Jahren verständlicherweise mehr Appeal für Jugendliche als Willie Dixon. Und dazu gab es die gigantomanischen Inszenierungen von Pink Floyd oder den Rolling Stones, die bei jeder neuen Tournee neue Rekordzahlen an Sattelschleppern vermeldeten, die sie benötigten, um ihr Equipment und die Bühne selbst zu transportieren. Entsprechend hart waren die 70er Jahre für Bluesmen. Die alten «wiederentdeckten» Country-Bluesmen wie Mississippi John Hurt, Son House oder Roosevelt Sykes hatten ihren späten Ruhm in den amerikanischen Kaffeehäusern der 60er Jahre genossen und waren nun endgültig weg vom Fenster. Junge Bluesmusiker hatten es dagegen schwer. Buddy Guy konnte sich mit Junior Wells mehr schlecht als recht durchschlagen, B.B. King war zwar berühmt und er wurde zum Kulturfestival mit dem «Rumble in the Jungle» nach Zaïre eingeladen, aber die Zeit der Popularität des Blues war vorbei. Viele Bluesmusiker hängten ihre Instrumente an den Nagel und suchten andere Jobs. Lediglich die Europäer mit ihren Festivals - zuvorderst natürlich erneut Claude Nobbs und sein «Montreux Jazz Festival» - boten eine verlässliche Einnahmequelle. Neben der elektronischen Musik, neben den Disco-Beats gab es die Weiterentwicklung der Rockmusik: Hard Rock oder, wie er manchmal auch spöttisch genannt wird: Hair Rock machte dem Blues Konkurrenz. Weisse Jungs in knallengen bunt bedruckten Leggins mit riesiger gefönter Haarpracht spielten Hard Rock und überboten sich gegenseitig darin, wer das noch schnellere Solo auf seiner Ibanez-Brettgitarre spielen konnte. Die Saitenflitzer, die Eddie van Halen oder John Bon Jovi nacheiferten wollten wie Kiss klingen oder wie Slade, aber sicher nicht wie die ursprünglichen Innovatoren des Chitlin Circuits. Und dann kam da zu Beginn der 1980er Jahre dieser Weisse Junge aus Austin, Texas, der sich nicht für Discomusik oder elektronische Beats à la Kraftwerk oder Devo interessierte, der kein modernes Equipment wollte und keine flachen Griffbretter wie Joe Satriani oder Richie Sambora, sondern der seine Inspiration aus den Schallplatten von Freddie King, Lightnin' Hopkins, Albert Collins, Frankie Lee Simms oder Lil Son Jackson zog: Stevie Ray Vaughan. Vaughan spielte das Equipment der Alten: Eine alte Strat mit hoher Saitenlage und Radius im Griffbrett, kein Floyd-Rose-Vibrato, sondern das hauseigene von Fender. Als Verstärker wählte er ebenfalls das Equipment der 60er Jahre: Fender Vibroverbs, Fender Vibroverbs, Fender Bassmann, dazu Wahwah-Pedale. In wahrer Redneck-Manier beklebte er das Schlagbrett seiner Gitarre mit seinen Initialen: SRV, ausgeschnitten in glitzernder Plastikfolie.
Dieser Stevie, der jüngere Bruder des
erfolgreichen Jimmie Vaughan von den
Fabulous Thunderbirds brachte diesen
Blues zusammen mit der ausufernden Endlosigkeit von Cream, Led Zeppelin und vor allem Jimi Hendrix. Er suchte das ausufernd bachantische, das ausschweifende
und rauschhafte an der Musik, er suchte sich zu verlieren, und fand dadurch
eine neue Form des Blues. Gerade weil er nicht Hip war, weil er mit seinem
Bruder Jimmie Vaughan gemeinsam die
alten Platten der 60er Jahre hörte, reifte in ihm die Überzeugung, dass dies
tolle Musik sei, und mit dieser Überzeugung trat er auf. Er spielte voller
Begeisterung für die 12 Takte, er hatte nichts übrig für das damals so moderne
Keyboard oder den Synthesizer (am liebsten in Gitarrenmanier um den Hals
getragen), sondern er wollte ein Powertrio im Stil von Cream oder The Jimi Neben der Begeisterung stand freilich die unglaubliche Virtuosität und Originalität zu Buche, die es Stevie Ray Vaughan erlaubte, Rhythmus und Soli zu verbinden, zudem seine riesigen kräftigen Hände, mit denen er die dicke Besaitung (0,13-0.59) und die hohe Saitenlage zu spielen in der Lage war. Dazu hatte er eine tolle Stimme. Stevie Ray Vaughan war ein Glücksfall für den Blues. Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit mit den richtigen Fähigkeiten. Wer immer ihn hörte, dessen Herz hat er angerührt, und so gewann SRV eine zusehends grösser werdende Fangemeinde. Und entsprechend gross war der Verlust, als er nur sieben Jahre nach der Veröffentlichung von Texas Flood in diesem Hubschrauber tragisch verunglückte. Sein Tod liegt nun 19 Jahre zurück, fast dreimal so lange wie seine kurze Karriere zuvor, und die Tatsache, dass sein Tod noch immer eine schwärende Wunde im Herzen von Bluesfans weltweit ist zeigt, welchen Stellenwert dieser Mann hatte.
Links:
Stevie
spielt Little Wing auf einem Festival
auf der Loreley in Deutschland
Hier spielt
er den wunderbaren Slow Blues Leave My
Girl Alone von Buddy Guy. Hier
spielt er nicht sein normales Instrument, die «No. 1».
Auf dieser
Aufnahme spielt er das Instrumentalstück Rude
Mood, ein weiter entwickelter Shuffle:
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