Lebender Nationalschatz
B.B. King ist der letzte grosse Patriarch des Blues, der letzte, der noch selbst mit dem Maultier arbeitete und hoffte, auf den Traktor umsteigen zu können. Es gibt Biographien und Autobiographien von Riley B. King, dem «King of the Blues». Daneben ist er der einflussreichste Gitarrist aller Zeiten, über den Jimmie Vaughan einst meinte: «We all try and sound like him». Jetzt wird ein Film über das Leben B.B. Kings gemacht, der 2012 am Film Festival in Cannes Uraufgeführt werden soll. Unter dem Titel The Life of Riley geht Filmemacher Jon Brewer auf die Suche nach dem König des Blues. So wünschenswert eine solche Doku in Spielfilmlänge auch ist, die Vorzeichen lassen skeptisch aufhorchen.
Es soll also einen Film in Spielfilmlänge geben über B.B. King den grössten Bluesman aller Zeiten und zu Recht als «King of the Blues» apostrophierten Dominator der Bluesmusik seit dem Tod seiner Konkurrenten. Der Film soll im Mai kommenden Jahres vorgestellt werden und der verantwortliche Filmemacher ist Jon Brewer. Dieser ist sich gewohnt, Filme über Musiker zu machen: Er frühere Werke beschäftigen sich mit klassischen Rockbands: Cream (2006), Moody Blues (2007), Yes (2008) und Jethro Tull sowie Jimi Hendrix, die er alle in DVD-Porträts für die Reihe Classic Artists vorgestellt hat. Er hat nun einen Film über B.B. King gemacht, der natürlich längst ein lebendes Nationalheiligtum der USA ist. Die Zeitschrift Guitaristhat nun einInterview mit King veröffentlicht, in dem er die aus verschiedenen Biographien sattsam bekannten Details über seine Kindheit und seine Lehrer erzählt und die Schote zum besten gibt, wieso seine Gitarren alle Lucille heissen. Interview und Film gehen zusammen als Marketing-Offensive, aber einmal mehr werden nur die alten Geschichten erzählt.
Auch der Film scheint ein Rückblick auf das Leben B.B. Kings zu sein und einer grosse Tour in der Erinnerung. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass der Film nicht viel mehr als alte Kamellen sein könnte, aber vielleicht muss man einem 86jährigen alten König verzeihen, dass er vonb früher erzählt, das tun andere ältere Herrschaften schliesslich auch. Aber es hängt auch viel von den Fragen ab. Da ist der erste Eindruck, dass wenig spezifisches zum Blues und der Musik zum Ausdruck kommt als vielmehr die Erinnerung an ein rassengetrenntes Mississippi in den 30er Jahren. Auf jeden Fall lassen die Aussagen Brewers wenig Tiefgehendes vermuten. Man wird sehen. Er liess sich jetzt zitieren mit der folgenden Aussage:
«Ein Aspekt [in der Entwicklung Kings] sticht hervor: Da ist dieser kleine Junge, der gerne zur Schule ging, nicht so sehr zur Kirche, aber gerne zur Schule, der aber seiner Mutter gehorchte und tat, was sie ihm sagte. Und plötzliche wird sie schwächer, er sah seine Mutter sterben, und so hing er für etwas zu essen von seiner Grossmutter ab, die auf dem Feld arbeitete, und die ihrerseits durch die Jahre schwächer geworden war. Dann starb diese, und als neun- oder zehnjähriger war sein Leben erschüttert. Er schaffte er, Sharecropper zu werden, und das ist jemand, der $2,50 im Monat verdient und damit seine Miete und Nahrung bestreiten muss. Ich habe das Kassenbuch gesehen, das noch existiert und in dem man sieht, dass er erst die Schulden seiner Grossmutter und seine eigenen tilgte, ehe er mit seinem Vater [nach Memphis] ging. Dieser Mann überlebte und wurde zum König des Blues. Zu tun, was er getan hat ist bemerkenswert.»
Der Vollständigkeit halber: hier die Aussage im Originalwortlaut: «One aspect tops all others. There’s this little boy who loved going to school, didn’t so much love going to church, but so respected his mother and did what his mother told him. And suddenly she was fading; he saw his mother die, that then led to how he relied upon his grandmother and worked the land, who was also fading in years so they could eat. And then she died – as a nine or 10 year old, his life had been crushed. He managed to become a sharecropper, which is somebody who earns $2.50 a month to pay for his rent and his food. I have seen the ledgers that still exist where he cleared his debt and his grandmother’s debt, before his father came to collect him. That man survived and became The King of the Blues. To do what he has done is remarkable.
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