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Am 13. Dezember 2008 beginnt die UK Championship im Snooker und dauert
bis zum 21. Dezember. Was um Himmels Willen hat das mit Blues zu tun?
Nichts, und doch...
Ich gestehe es gleich zu Anfang: ich bin ein Sportmuffel, mindestens
was das passive Sporterlebnis angeht. Riesige Stadien, grosse
Menschenansammlungen im kollektiven Sportrausch öden mich an. Schnelle
Autos, die sich im Kreis drehen, langweilen mich und mit total
überbezahlten Sportlern, die in Interviews keinen ganzen Satz zustande
bringen kann ich nichts anfangen. Im Fernsehen finde ich
Sportveranstaltungen noch schlimmer, ausser bei einem Sport, dem ich
nicht widerstehen kann: Snooker. Für mich sind die Snookerspieler sowas
wie die Blueser unter den Sportlern.
Snooker ist eine Variante des Billard, das ja traditionell aus dem
Kneipenmilieu kommt, dem also auf keinen Fall der Dul-X Geruch des
Leistungssportes anhaftet. Dies ist schon mal eines der Details, das
mich an den Blues erinnert, der ja auch in kleinen Lokalen entstanden
ist. Snooker ist zwar kein Leistungssport, aber durchaus anstrengend.
Ein "Gig" kann sich durchaus über Stunden erstrecken und dabei werden
die Spieler auch körperlich gefordert. In erster Linie aber ist es ein
mentaler Sport, bei dem die seelische Verfassung des Spielers über Sieg
oder Niederlage entscheiden kann. Dabei wird der momentane Zustand
eines Snooker Spielers sofort an seinem Spiel sichtbar, genauso wie
auch ein Musiker je nach Stimmungslage besser oder schlechter spielt
und im besten Fall ein Funke auf die Zuhörer überspringt, der dann die
Gefühle, die im Stück zum Ausdruck kommen, nachvollziehen kann. Auch
beim Snooker gibt es mächtig Emotionen, man leidet mit seinen
Favoriten, denn jedes Spiel kann jederzeit kippen, unabhängig davon,
wie hoch dotiert die Spieler sind, wenn die Gefühlslage es einem
Spieler einfach nicht erlaubt, heute gut drauf zu sein und die
schwierigen Aufgaben zu lösen. Ein Favorit ist nicht zwangsläufig ein
Favorit unter allen Umständen. Ich habe schon erlebt, wie ganz junge
Spieler gegen einen Topspieler gewonnen haben. Übrigens sind die
Spieler zwischen siebzehn nund fünfzig Jahre alt. Wo sonst gibt es
sowas im Sport
Zwangsläufig kann Snooker nicht wirklich vor grossem Publikum
stattfinden, einfach, weil so ein Tisch aus grosser Distanz nicht mehr
sichtbar ist. Es sind also überschaubare Anlässe. Entsprechend werden
die Spieler auch nicht Gold überschüttet, von wenigen Ausnahmen
abgesehen, die es geschafft haben, fette Werbeverträge an Land zu
ziehen. Der grosse Teil aber tingelt durch die Lande, spielt vor
kleinem Publikum und muss sich anstrengen, sein bestes zu geben, damit
der Ofen raucht. Auch das erinnert mich an Bluesmusiker. Schliesslich
sind Snooker Spieler kommunikativ und brauchen den Kontakt zum
Publikum, wenn auch nicht in der direkten Form während eines Stosses,
der ihre ganze Konzentration fordert. Aber die Stimmung im Saal
beeinflusst ihre Leistung ganz enorm.
Wer es also nicht kennt, soll es sich mal ansehen. Die Meisterschaft
wird bei Eurosport übertragen. Ich bin sicher, dass es vielen gefällt!
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