Wenn man mich fragen würde, wen ich gerne in einem Konzert erlebt hätte, so steht zweifelsohne Muddy Waters an oberster Stelle. Danach folgten vielleicht John Lee Hooker oder Freddie King. Auf jeden Fall aber in die Top Five würde es ein leider wenig bekannter Bluesman schaffen, der mit seiner sanften Stimme und seinem gefühlvollen Gitarrenspiel auch Jahrzehnte nach den relevanten Aufnahmen noch immer fasziniert: Fenton Robinson. Er lebte ein Leben für den Blues, aber leider zu oft auch eines angefüllt mit dem Blues.
Geboren am 23. September 1935 in Greenwood, Mississippi, verbrachte Gitarrist und Sänger Fenton Robinson ein Leben im Blues, das am 25. November 1997 im Alter von gerade mal 62 Jahren bereits zu Ende ging. Bei einer ersten Orientierung stellt man fest, dass Fenton Robinson ein eigentliches «One-hit-wonder» war mit seinem Titel Somebody Loan Me A Dime. Nicht nur war selbst dieser Erfolg hart erkämpft, auch die Charakterisierung ist nicht zutreffend; wie so vieles im Leben dieses Mississippi-Bluesman ist sie zutiefst ungerecht. Sein einer Beitrag zum Blues, eben der Titel Somebody Loan Me A Dime stammt von 1967, aber Robinson musste bis 1990 warten, ehe sich der Erfolg einstellte. Also auch hier, im Moment des Erfolgs lässt der Blues den Mann nicht aus seinen Fängen.
Er hatte die klassische Blues-Laufbahn seiner Generation: Fenton Robinson wuchs auf einer Baumwoll- und Mais-Plantage bei Greenwood auf, baute seine erste
Gitarre selbst aus einer Zigarrenschachtel und brachte sich das Spiel durch Zuhören am Radio auch selbst bei. Hauptsächlicher Einfluss war wenig überraschend die King Biscuit Show aus Helena Arkansas. Er fühlte sich vom Sound T-Bone Walkers angezogen und versuchte diesen zu imitieren, und wie Walker spielte auch Robinson zeitlebens eine halbakustische Gitarre mit Singlecoil-Pickups. Seine erst allerdings war die obligate Stella-Gitarre aus dem Sears-Katalog, die er sich 1951 besorgte, und mit der er schliesslich nach Memphis zog, um sein Leben der Musik zu widmen. Leider war dieses Leben von Unglück und Pech gezeichnet, so dass Born Under a Bad Sign sicher auch ein guter Signature-Tune geworden wäre.
In der Tennessee-Metropole nahm er Unterricht bei Charles McGowan, in dessen Band er als Backup für Bobby «Blue» Bland spielte. 1954 gründete er in Little Rock seine erste Band, Fenton Robinson & The Castle Rockers. Bland verhalf ihm dann zu einem Plattenvertrag, wo er verschiedene Aufnahmen für «Duke» machte, u.a. ein Instrumentalstück mit dem Titel Freeze, dass wenige Wochen vor der Veröffentlichung schon in der Aufnahme von Albert Collins (auf dem Label «Kangaroo») zu einem grossen Erfolg wurde. Er machte damals auch wunderbare Aufnahmen von As the Years Go Passing By und Larry Davis’ Titel Texas Flood. Dabei setzte er den jungen und damals noch vollkommen unbekannten Pianisten James Booker aus New Orleans ein.
1961 kam dann der Umzug nach Chicago und weiterer Gitarrenunterricht, diesmal bei Reggie Boyd. Er machte viele Auftritte und Aufnahmen in Chicago und entwickelte einen weichen und warmen Stil des Spiels, ähnlich dem B.B. Kings, und als er mit dessen Band eine Aufnahme machte, wurde dies zu seinem grössten Hit: Somebody Loan Me A Dime, das alleine in Chicago 150’000 Mal verkauft wurde, ehe der Verkauf auf das ganze Land ausgedehnt wurde. Erneut schlug das Schicksal zu: die frisch gedruckten Platten sollten versandt werden, aber ein Schneesturm brachte dieses Vorhaben zum Erliegen und als der Schnee weg war, war auch der Hype um den Song vorbei. Es sollte bis 1984 dauern, ehe er mit diesem Song erneut einen Hit landen konnte. 1969 veröffentlichte Boz Scaggs eine Coverversion des Songs mit einem grossartigen Solo von Duane Allman. Allerdings gab das Label Scaggs als Urheber des Songs an, und entsprechend flossen diesem die Tantiemen zu. Robinson musste den Weg durch die Gerichte gehen, wo er letzten Endes Recht und damit auch Tantiemen erhielt, aber der Ruhm blieb ihm verwehrt.
Fenton Robinson tourte dann mit seiner eigenen Band und Anfang der 70er Jahre mit Charlie Musselwhite. 1974 sicherte sich nach dem Ende seines Vertrags dann Bruce Iglauer seine Dienste für «Alligator Records». Robinson nahm das fünfte Album für das Label auf und endlich wurde sein Signature Song bekannt. Die Aufnahme ist grossartig und alle liebten den Song, aber erneut wurde es nichts mit dem Ruhm: Robinson wurde wegen seiner Beteiligung an einem Verkehrsunfall 1969 des Totschlags für schuldig befunden und verurteilt. Er kam 1977 wieder frei, aber der Schwung seiner Karriere war erneut gebrochen. Vom Ende der 70er Jahre bis zu seinem Tod 1997 spielte er auf Festivals und machte gelegentlich Aufnahmen, aber der Erfolg, den er bei seiner Stimme und seinem Gitarrenspiel hätte haben können und sollen, blieb ihm verwehrt.
In Japan nannte man ihn «Mellow Blues Genius», in den USA auch «Mellow Fellow», denn seine sanfte Stimme und sein gefühlvolles Gitarrenspiel heben ihn heraus und verleihen ihm ein besonderes Profil. Sein Instrumentalspiel war virtuos aber nie Selbstzweck und wandelte stets auf den Spuren T-Bone Walkers. Seine Stimme hat eine tief Melancholie in sich, die, vergleichbar vielleicht jener Jimmy Dawkins' die Weisheit des Lebens in sich aufgesogen hat. Fenton Robinson gehört zur Grundausstattung bei der Ausrüstung meines Ipods.