close

Besucher seit 6.11.2008

JoomlaWatch Stats 1.2.8b by Matej Koval

Länder

59.9%SWITZERLAND SWITZERLAND
17.1%GERMANY GERMANY
8.8%UNITED STATES UNITED STATES
2.5%JAPAN JAPAN
2.4%AUSTRIA AUSTRIA

Besucher

Today:  75


Top Panel
Besucher
Top Panel
FunkyVirus
ALLE  |0-9  | A  | B  | C  | D  | E  | F  | G  | H  | I  | J  | K  | L  | M  | N  | O  | P  | Q  | R  | S  | T  | U  | V  | W  | X  | Y  | Z

Bloogle Leute Musikerportraits

Walt Baumgartners Aussprachetraining PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik   
 Das Schulenglisch überwunden

WalterBaumgartnerFarbe.jpgEines der Grundprobleme der Bluesmusik: Blues und amerikanisches Englisch gehören zusammen! Aber wie kriegt man als Schweizer eine solche korrekt klingende Aussprache hin? Diese Problematik beschäftigte Walt Baumgartner, und er fand für sich eine so einfache wie kreative Lösung: er suchte und fand Voice-Training, aber nicht für ein sauberes Bühnenenglisch, sondern für amerikanisch-englische Alltagssprache. Es geht darum als Bluesman zu reden, wie dem Blues der Schnabel gewachsen ist, aber das ist ein steiniger Weg. Die jüngsten Aufnahmen zeigen jedoch: die Arbeit hat sich ausgezahlt, die Songs von Walt’s Blues Box klingen nicht nur musikalisch nach Blues, auch der Gesang wurde neben der Bluesharp zu Walt Baumgartners gleichberechtigtem Ausdrucksmittel und davon profitiert wiederum der Sound der Band.

Walt Baumgartner ist bekanntlich seit einiger Zeit eine feste Grösse in der Schweizer Bluesszene. Der Bandleader von Walt’s Blues Box und Mitglied des Duos Acoustic Blues Drifter ist zugleichOrganisator der Jam-Nights im Albani in Winterthur. Das heisst: Der Mann hat ein reichhaltiges Resumée, was Auftritte angeht und CD-Veröffentlichungen seit 1996. Sein Bluesharp-Spiel ist etwas vom Besten, was man in der Schweiz hören kann, und wenn er gemeinsam mit den gut eingespielten Kollegen der Blues Box losfetzt, ist gute Stimmung garantiert.

Doch so gut die Band auch spielte, so sehr seine Harp auch ein feuriges Solo nach dem anderen spielte, immer wieder wurde kritisiert (auch schon auf diesen Seiten), dass Walt Baumgartner einen ostschweizer Akzent in seiner englischen Aussprache habe. Vor drei Jahren wurde klar: dem Umstand sollte Abhilfe geschaffen werden. Ein Bluessänger, der sich seiner Englisch-Aussprache auch aufgrund der Kritiken nicht völlig sicher ist, ist verunsichert, tritt auch nicht sicher auf. Das Ziel blieb es zudem weiterhin, möglichst authentischen Blues zu spielen, also musste etwas getan werden.

Der einfache Weg wäre vielleicht gewesen, einen Sänger oder eine Sängerin mit Muttersprache Englisch anzuheuern, aber so etwas verschiebt die gesamte Dynamik einer gut eingespielten Band. Ausserdem wollte Walt natürlich weiterhin singen. Und Blues auf Deutsch oder Mundart singen? War nicht sein Ding. Was also tun mit dem Schulenglisch? Die Lösung: es musste ein Sprachtrainer gesucht werden. Walt Baumgartner schaltete eine Anzeige im Internet und siehe da: eine in Kalifornien aufgewachsene Mexikanerin, nun wohnhaft in der Schweiz, meldete sich -  die ehemalige Lehrerin Yolanda Inauen, die sich als Glücksgriff erwies. Mit ihr arbeitet Walt nun seit 3 Jahren erfolgreich zusammen.

Das Training besteht aber nicht darin, bühnenmässige Aussprache wie ein Schauspieler zu kriegen, sondern Walt ging das an wie das Erlernen eines Instruments: Theorie ist das eine, aber verlass Dich auch auf die Ohren und imitiere, was Du hörst. Das Duo arbeitete Songtexte durch, die Walt geschrieben. Die Lyrics sollen schliesslich wie original amerikanische Sprachtexte ausgesprochen werden. Dann die Arbeit am eigentlichen Gesang, wie passen die Wörter und die Musik zusammen? Yolanda Inauen arbeitet nicht nur die einzelnen Laute durch, es geht auch um die Wörter im gesamten Kontext der Songs, natürlich grammatikalisch immer geprüft,  Gesangs- und Sprachtraining gehen Hand in Hand.

Viele Aufnahmen werden im Übungsraum gemacht, diese werden dann hin und her geschickt. Telefonische Übungen oder gezielte Nachfragen lösen dann wieder persönliche Treffen ab, wo die Details intensiv trainiert werden. Im Interview erzählte Walt, dass sie manchmal eine halbe Stunde an einem Wort feilen, bis es richtig sitzt. Dieses Training kommt seinem Anspruch zugute, authentischen Blues so zu spielen, wie amerikanische Musiker, wie seine Vorbilder, die Meister des Blues. Aber es geht nicht nur darum, museal den Südstaatendialekt Schwarzer Musiker der Zwischenkriegszeit einzuüben, es geht um eine lebendige Sprache, um eine Ausdrucksmöglichkeit, denn Walt will ja wie Walt singen, nicht wie Little Walter. Und deswegen spielt es keine Rolle, dass die Trainerin nicht aus Mississippi stammt, oder dass sie als Frau eine andere Stimmlage hat. Für Walt ist sie der Schlüssel zu einer authentischeren Aussprache, und ein Weg, auf dem viel neues zu lernen ist.

Das Training ist erfolgreich. Walt singt auf den jüngeren Veröffentlichungen mit neuer Verve, mit mehr Kraft und Überzeugung, und der Akzent ist weitgehend neutralisiert. Der Weg des Everyday-American-English-Trainings bei Yolanda Inauen hat für Walt Baumgartner und Walt’s Blues Box zu einem noch authentischeren, aber auch eigen definierten Sound geführt. Dieser erfolgreiche Weg führte auch zu einer intensivierten Bühnenpräsenz. Die Qualität der Schweizer Bluesszene und mittelfristig auch ihre internationale Präsenz lässt sich durch solche Initiativen verbessern.

Kommentare (5)add comment

double-ell said:

0
Authentisch?
Hey Folks! Jede möglichst genaue Kopie ist eine Nachahmung und somit sicher nicht authentisch. Wie sieht's denn z.B. beim Reggae aus? Das charmante Pigdin-English mit dem Extremakzent wäre ja nicht wegzudenken. Warum darf man denn nicht hören woher der Sänger wirklich stammt? Ich glaube dieses Problem haben nur Schweizer. Ausserdem hat der fantastische Gitarrist Johnny A. mal gesagt: Der eigene Stil entsteht durch die Unperfektionen.
Hau-hau-hau! -LL
März 23, 2012 | url

roadie said:

0
Authentisch?
Hi Didi
das finde ich eine gute Definition. Authentisch kann sowohl als auch sein, denn man kann "echt" sein, wenn man originell ist, als auch, wenn man etwas bestehendes reproduziert. Nikolaus Harnoncourt meinte sinngemäss mal, nachdem er zum ersten Mal Musik mit "Originalinstrumenten" eingespielt hatte und gefragt wurde, ob nun die Musik "echt" klinge, sprich, wie vom Komponisten beabsichtigt: Nein - denn die Leute seien nicht original und die durchschnittlichen instrumentalen Fähigkeiten heutiger Musiker sei weitaus höher als damals. . .
Juli 19, 2011

Dirty Didi said:

0
...
Hi roadle. Es gibt immer mehrere Meinungen und die Wahrheit ist oft irgendwo dazwischen.
Ich frage mich aber was bedeutet Authentisch? Diese Frage kann man wohl nur subjektiv beantworten.
Eigentlich bedeutet es "Echtheit". Muss man sich also Fragen ist Musik echt wenn sie an ein vermeintliche Original möglichst nahe kommt, oder ist sie echt wenn der Darbieter ein eigenes Original erschaffen hat.
Peter Kosch ein genialer Jazzpianist aus Heidelberg, leider schon lange tod, hat zu dem Thema einmal gesagt. "Musik ist ein schweres Instrument".
Juli 19, 2011 | url

roadie said:

0
Akzent
So einfach ist es nun doch nicht. Wir Europäer haben zwar unsere eigene Kultur und Vergangenheit, doch darin kommt Blues nicht vor. Natürlich absorbiert eine Kultur fremde Einflüsse (Gott sei Dank) und passt sie an die eigene an. Von daher gesehen gibt es überhaupt nichts zu sagen gegen Blues, geschrieben und gesungen in irgend einer Sprache, oder auch übersetzt aus dem Original, was natürlich auch für den ostschweizer Dialekt gilt. Wenn ein Musiker sich aber entschliesst, in einer ihm fremden Sprache zu singen, dann gehört es zur Authentizität, dass er dies mit so wenig Akzent wie möglich tut. Respekt also vor Walter, der es sich offenbar nicht einfach gemacht hat, seine Aussprache zu perfektionieren.
Juli 15, 2011

Dirty Didi said:

0
ostschweizer Dialekt
Hi Freunde. Ich schätze Walt auch seit langem als echten Bluesman.
Zu dem Thema juckts mich aber.

Warum etwas Nachahmen was man nicht ist. Authentizität ist das Schlüsselwort.
Wir Europäer haben unsere eigene Vergangenheit und Kultur und wenn unsereins Blues mach, ist das eine Ausdrucksform dieser Kultur. Zudem kann ein Dialekt sehr interessant sein. Gugt doch mal wieviele Showstars nur wegen Ihres Dialekts den Durchbruch geschafft haben. Ich denke da an Rudi Carrell, oder Howard Carpendale oder Bill Ramsey. Ostschweizer Dialekt ist geil und authentisch.
Etwas mehr Selbstbewusstsein bitte meine Damen und Herren!!!
Odda was moinat Ihr?

es grüßt Euch der Dirty Didi
Juli 12, 2011 | url

Kommentar schreiben

busy
 
< Zurück   Weiter >