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Bloogle Live Blues Anlässe Festivals CH

17. Lucerne Blues Festival 2011 - Der Bericht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Rolf Winter, Redaktionsleitung   
Luzern im Bluesfieber

luzern2011intropic.jpgZum siebzehnten Mal rief Luzern die Bluesfreunde in die Leuchtenstadt. Was ein gutes Blues - Festival ausmacht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Sicher ist: Jenseits des musikalischen, des kommerziellen und des Prestiges geht es um Menschen: Um das Publikum, das guten Blues erwartet, am liebsten hauptsächlich das, was man besonders liebt. Das Ganze vorgetragen von Musikern in ihrer Bestform. Um die Künstler, die hoffen, dass ihre Leistung geschätzt wird und ihre Musik gemocht.

Soviel Lob über den Umgang mit ihnen, wie eigentlich alle auftretenden Gruppen geäussert haben, geht über die Höflichkeit hinaus. Dem Team um Guido Schmidt gelingt es offenbar, genau das zu erreichen: Die Musiker fühlen sich aufgehoben und geschätzt und sind ohne weiteres zu tollen Leistungen fähig. Das und ein gutes Gespür für's Interessante und für Qualität ist Luzerns Erfolgsformel. Alles andere ergibt sich. Auch diese Ausgabe war erfolgreich, der Saal jeweils prall gefüllt, eher zuviel, zeitweise gab es kaum ein Durchkommen, musste man den Saal aus irgendeinem Grund verlassen. Erfreulich auch zu sehen, dass der Blues auch bei jungen Leuten immer mehr Freunde findet.

Der Panoramasaal des Grand Casino platzt bereits am ersten Abend beinahe aus den Nähten. Bereits im Vorfeld machten am 5., 6. Und 9. November Richard Koechli, Tail Dragger with Bob Corritore's Rhythm All Stars, Deitra Farr und die Delta Groove Harp Blast Appetit auf die Hauptveranstaltungen.

colinlinden.jpgAm Donnerstag war es dann soweit. Der in Nashville lebende Gitarrist Colin Linden hatte die Aufgabe, den Abend zu eröffnen. Er tat das mit viel Gefühl für einen ersten Auftritt und spielte zunächst solo mit seiner Godin Gitarre, die daran erinnerte, dass er in Toronto geboren und aufgewachsen ist. Dann kamen der Bassist Johnny Dymond und der Drummer Bryan Owings auf die Bühne und Colin griff zu einer abgegriffenen Dobro und bewies, dass er zu Recht als Slidevirtuose bezeichnet wird. Colin Linden ist hierzulande nicht so bekannt, wie er verdienen würde, obwohl er mit über 300 Alben, auf denen er mitspielt und von welchen er 70 produziert, eher zu den Erfahrenen gehört. Das zeigte sich auch in seinem übrigen Auftritt. Gekonnt gesetzte musikalische Effekte bei unprätentiöser aber virtuoser Gitarrenkunst und eine grosse Spielfreude kombiniert mit einer charmanten Interaktion mit dem Publikum sorgten für eine würdige Eröffnung des Abends und wurden von den Zuschauern begeistert aufgenommen.  Aufgefallen sind eine wunderbare, entstaubte Version von Howlin Wolfs Titel Just Like I Treat You, eine romantisches Sugar Mine und Sleepy John Estes‘ Easin Back To Tennessee, auch diesen Titel hat er mit grossem Respekt vor dem alten Meister auf seine eigene Weise ins 2011 transformiert. Natürlich bedanken sich alle Künstler immer bei Veranstalter und Publikum für die Möglichkeit aufzutreten, bei ihm hatte man den Eindruck, dass er sich wirklich freute und er stimmte damit den Saal gut gelaunt auf den weiteren Abend ein.

deitrafarr.jpg Auch die nachfolgenden Musiker waren bestens aufgelegt- Der Chicagoer Gitarrist Billy Flynn, Johnny Iguana an den Keyboards, der Saxophonist Rodney Brown, sowie der Bassist Mel Smith und der Schlagzeuger Allen Kirk heizten erstmal ein, bevor Deitra Farr, die grosse Stimme aus Chicago auftrat. Die einnehmende Sängerin und Songschreiberin konnte in Luzern bereits früher als Mitglied der Gruppe Mississippi Heat erlebt werden. Ihre Mischung aus Blues, Soul und Gospel begeisterte auch dieses Mal.

randychortkoff.jpgSchliesslich Delta Groove Harp Blast, eine Art All Stars Session mit den beiden Gitarrentalenten Kirk Fletcher und Alex Schultz und natürlich vor allem den Harmonika Spielern Big Pete, Mitch Kashmar und Randy Chortkoff. Überraschend spielte auch der aus Arizona stammende Bob Corritore  mit. Der Auftritt von gleich vier Harpern entstand aus einer Idee der Festivalleitung. Der Verdacht, das Set würde in einem Harmonica Wettblasen enden, zerstreute sich nach kurzer Zeit. Die beiden Gitarristen steigerten sich gegenseitig und die Harper hatten ihre Soloauftritte und man hatte Gelegenheit, unterschiedliche Stile zu hören. Letzten Endes eine Jam Session, bewegte sich das Set eher im bewährten als im originellen. Der Auftritt groovte von Anfang an und bis zum Schluss, die Musiker genossen es sichtlich und der Saal kochte.

Alles in allem ein fulminanter erster Abend, der Appetit auf mehr machte. Shawn Pittman and The Bluestars sollten diesen als erste stillen, was ihnen auch gelang. Dass junge Bluesmusiker heute früh Erfolg haben können - auch international - liegt nicht zuletzt an den technischen Möglichkeiten. Durch den Zugang zum gesamten Repertoire können sie die Stile rasch kennen und lernen früh ihre Vorbilder zu finden und ihre Technik und ihren Stil zu entwickeln Die Kommunikation erlaubt es, ihre Werke rasch weltweit bekannt shawnpittmanluzern2011.jpgzu machen. Talent ist natürlich unverzichtbar. Shawn Pittman gehört zu diesen Musikern. Obwohl erst 37 Jahre alt, hat er bereits acht weitum beachtete CDs veröffentlicht. Eine davon, Too Hot, enthält 15 Songs die an einem freien Tag auf Tournee eingespielt wurden. Seine zuletzt erschienene heisst Edge Of The World und daraus spielte er auch einige Titel, unter anderem den zweiten: One Of These Days. Für seinen Auftritt in Luzern stand der bewährte Özdemir Erkan am Bass, der auch bei Memo Gonzales & The Bluescasters für die tiefen Töne sorgt. Ebenfalls bei Memo Gonzales spielt Small Boyd, der in Holland lebende Schlagzeuger und Sänger aus Portland. Abgerundet wurde die Combo mit Christian Bleiming, dem Boogie Pianisten aus Westfalen. Shawn Pittman holt aus seinem Instrument alles heraus, was man kann, ohne Mithilfe von Elektronik, sondern mit seinen Fingern. So entsteht ein druckvoller und rhythmischer Texasblues, der immer melodisch bleibt. Ab und an kann er der Versuchung nicht widerstehen, sein Können in einem rasantem Solo zu demonstrieren, das einem die Haare aus dem Gesicht bläst. Keine Effekthascherei jedoch, sondern eindrückliche Virtuosität. Ein Set, das man nicht vergisst. Als Zugabe gab es einen Texas Shuffle, für den er zu einer Gitarre griff, die aussah, als wäre es seine erste. Zu Recht tosender Applaus.

Das zweite Set gehörte den Legenden. Bob Corritore‘s Rhythm Room All Stars (Bob Corritore, Chris James, Patrick Rynn, Brian Fahey) bildeten das Fundament, auf dem zunächst Henry Gray, später noch Tail Dragger ihren Auftritt hatten. Henry Gray, inzwischen 86 Jahre alt, ist der letzte der grossen Pianospieler, nachdem Pinetop Perkins im Frühjahr dieses Jahres gestorben ist. Der in Louisiana geborene Bluespianist hat mit allen gespielt, die in der Chicagoer Bluesszene Rang und Namen haben und war zwölf Jahre Howlin‘ Wolfs Pianist. Erst 1988 kam es zu seinem Soloalbum Lucky Man. Grey wirkte zunächst etwas verkniffen, taute aber rasch auf und legte los, wie man es erwarten durfte. Sein Gesang hat etwas an Glanz verloren, dafür imponieren seine instrumentalen Fähigkeiten nach wie vor. Es hatte etwas bewegendes, wie die übrigen Musiker ihre unverhohlene Bewunderung und Freude an seinem Spiel zeigten.

Jtaildraggerhenrygray.jpgames Jones, bekannt als Tail Dragger ist mehr als ein Musiker, er ist ein Entertainer in der Tradition der Chicagoer Clubs, der seine Songs mit kleinen Anekdoten einleitet, mit dem Publikum flirtet und sich auch gerne unter die Menge mischt, selbst im komplett überfüllten Panoramasaal, wo es eigentlich kaum ein Durchkommen mehr gab. Der 1940 geborene Künstler hatte seinen Durchbruch in den sechziger Jahren durch seine Zusammenarbeit mit seinem Förderer Howlin‘ Wolf und bis heute erinnert sein Gesang phasenweise an seinen Mentor, obwohl er seinen eigenen Stil entwickelt hat. Es dauerte auch keine zehn Minuten, bis er den Saal in der Tasche hatte.

Nostalgie der siebziger Jahre zelebrierte dann Otis Clay mit den üblichen Ingredienzien: Horn Section (Frederick Johnson, Darryl Thompson), Background Gesang (Theresa Davis und Shanti Harris) und natürlich seiner butterweichen Stimme. Er lässt sich Zeit, sowohl in den Songs, als auch im ganzen Set und baut damit eine emotionale Atmosphäre auf, in der die Gefühle direkt vom Ohr ins Herz dringen. I Can Take You To Heaven und sein Smash Hit von 1971, Trying To Live My Life Without You haben Hymnenstauts bei Soulfreunden. Den Abend im Panoramasaal beschloss die Larry McCray Band mit einem brachialen Gitarreninferno,

ruthiefoster.jpg War der Blues des Festivals bisher streckenweise von arg fleissigen Gitarrenexzessen geprägt, änderte sich dies mit dem Auftritt Ruthie Fosters, die sich auf die Wurzeln des Blues besann, ohne museale Volksmusik zu zelebrieren. Was für eine einnehmende Persönlichkeit, was für eine Ausstrahlung und - was für eine Stimme! Zusammen mit dem Sänger und Multiinstrumentalisten Scottie Miller, Tanya Richardson am Bass und der Drummerin Samantha Banks legte sie eine Show vom feinsten hin und spannte mühelos den Bogen vom Countryblues bis zum Reggae. Wenn sie tief in den schier unerschöpflichen Fundus fröhlicher Lieder Mississippi John Hurts griff, bei welchem Samantha Banks den Rhythmus mit den Löffeln vorgab, Tanya Richardson den Bass mit der Fiedel vertauschte und Scottie Miller Mandoline spielte, zauberte sie Delta Atmosphäre in den Saal. Wo Soul oder Gospel in den Songs zu hören war, spürte man ungeachtet der dampfenden Hitze im Saal Gänsehaut.

Joe Louis Walker ist ein Schwergewicht im Blues, sei es als Instrumentalist, Sänger oder Produzent. Er ist talentiert, innovativ und genau das richtige bisschen  exzentrisch, dazu hat er einen unverkennbaren Gitarrenstil entwickelt. Seit einiger Zeit arbeitet er gerne mit Murali Coryell zusammen. Der 42-jährige Sohn des berühmten Jazz Fusion Gitarristen Larry Coryell, mit welchem er auch tourt, hat sich einen guten Ruf erspielt. Er machte auch mehr als eine gute Figur in einem Set, das irgendwie zerrissen wirkte und zu oft von Bädern in der Masse unterbrochen wurde. Aber Joe Louis Walker ist ja auch Showman und er scheut auch vor deftigen Scherzen nicht zurück. Die einzelnen Songs waren aber Klasse. Gelegenheit zu einem Auftritt gab es auch für Zach Prather und es passte.

Die Stimmung im und um den Panoramasaal war ausgelassen. Da passte es perfekt, dass Terrance Simien & The Zydeco Eyperience das Festival mindestens im Panoramasaal musikalisch beendeten. Für die Freunde kreolischen Frohsinns ein Leckerbissen, für alle anderen ein Riesenspass. Mit über 5000 Konzerten ist die Gruppe mit allen Wassern des Showbiz gewaschen und weiss, wie man Stimmung erzeugen und steigern kann. Dabei sind sie musikalisch durchaus vielseitig, manchmal funky, auch bluesig. Der Saal war hingerissen.

Kommentare (1)add comment

Verano said:

0
...
Feines Bericht Rolf,
Man spurt die Freude die du da am Konzert belebt hast.
lg
Yvonne
November 18, 2011 | url

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