Bericht und Interview mit Fritz Jakober, künstlerischer Leiter des Festivals.
Neunzehn Personen und Organisationen werden am 23. Januar 2010 in Memphis (TN) mit dem KBA (Keeping The Blues Alive Award) 2010 der Blues Foundation ausgezeichnet. Die Auszeichnung anerkennt damit bedeutende Bemühungen für den Blues, die von Menschen hinter den Kulissen erbracht werden.
In der Kategorie Internationale Festivals wurde der Preis dieses Mal dem Piazza Blues Festival verliehen, das jedes Jahr im Sommer in Bellinzona stattfindet. Zu Recht werden damit die Leistungen des Teams, welches für das Festival verantwortlich ist honoriert.
Kaum ein bedeutender Bluesmusiker, der nicht schon an diesem Festival aufgetreten ist. Ein einmaliges Ambiente, verbunden mit einem Gefühl für die richtige
Stimmung und eine gute Hand bei der Auswahl der Musiker haben das
Festival zu einem der Top-Acts in der europäischen Bluesszene gemacht. Natürlich ist ein solcher Erfolg immer das
Resultat des gesamten Teams. Zweifellos hat aber Fritz „Big Daddy" Jakober mit
seinen ausgezeichneten Kontakten und seinem Gespür für die Bedürfnisse der
Musiker und des Publikums, dem Anlass, dem er seit 2006 als als künstlerischer
Leiter angehört, seinen Stempel aufgedrückt. Ein Interview mit Fritz
Hier ist die Laudatio der Blues
Foundation:
Wo sonst
kann man zur Musik von einigen der besten Amerikanischen Blueslegenden auf
einer Piazza tanzen, die von drei historischen Burgen umgeben ist? Mitten im
Gewirr von Strassencafés, Trattorias und mittelalterlichen Kirchen vermittelt
die Piazza das vertrauliche Gefühl einer Blueskneipe im Freien. Seit seinem
Start 1989 ist es Ziel des Festivals, einem breiten Publikum Blues aus den
Anfängen bis zur Gegenwart zu präsentieren. Bedeutende Musiker wie B.B. King,
Albert Collins, Albert King, James Cotton, Robert Lockwood, Jr., Honeyboy
Edwards, Koko Taylor, Luther Allison, Charlie Musselwhite, Otis Rush, und John
Mayall sind bisher aifgetreten und heute, 21 Jahre später, präsentieren Festivalpräsident
Daniele Jörg, künstlerischer Leiter Fritz „Big Daddy" Jakober und Vizepräsident
Lucio Robbiani Nachwuchstalente wie Ryan Shaw,
Corey Harris, Diunna Greenleaf, und Shemekia Copeland. Piazza Blues ist in der
Blueswelt als eine der alljährlichen, europäischen Top Bluesveranstaltungen
bekannt.
Das nächste Piazza Blues findet vom 15. Bis 17.
Juli 2010 statt.
Interview mit Fritz Jakober
Fritz Jakober, Ich
nehme an, Du freust Dich über den verliehenen KBA Award?
Ja,
sehr
Was
bedeutet der Preis für das Festival und was bedeutet er Dir?
Das
Bluesfestival Luzern hat diesen Preis ja bereits. Er wurde zwar verliehen,
nachdem ich gegangen war, aber da es sich um einen lifetime award handelt, sind
meine elf Jahre Arbeit in Luzern eingeschlossen. Zusammen mit den vier Jahren
Einsatz für das Piazza Blues Bellinzona, bedeutet es, dass ich mir doch eine internationale
Reputation in der Bluesfamilie erarbeiten konnte.
Wird
der Preis die zukünftigen Festivals beeinflussen?
Nein!
Nein, wir werden die Politik nicht ändern. Auch in Luzern hat die Politik nach
meinem Abgang nicht geändert.
Wird
es aber nicht Deine Arbeit erleichtern?
Ich
glaube nicht. Vielleicht für das Sponsoring und gegenüber der Öffentlichkeit
wird die Reputation manches erleichtern. Aber die Arbeit mit den Künstlern wird
es nicht verändern.
Sind
nicht die guten Beziehungen zu den Musikern ein Grund für den Erfolg?
Das
ist ein Teil davon. Den Titel habe aber nicht ich verdient - darauf lege ich
grossen Wert. Das Festival ist ein Mannschaftssport, vielleicht bin ich eine
Art Trainer, doch hat jeder dazu beigetragen, dass sich die Künstler wohl
fühlen. Die Betreuung beginnt beim Empfang, bei den Snacks, den Handtüchern
und, und, und. Es ist eine Maschinerie, bei der die Leistungen aller
Beteiligten ineinander greifen. Letzten Endes sind wir auch von vielen
Künstlern nominiert worden. Ich weiss zum Beispiel von Bob Margolin und Tad
Robinson
Wird
das auch in den USA wahrgenommen?
Vor
allem dort. In der Schweiz redet kaum jemand davon, in den Medien wird es so
gut wie nicht beachtet, ausser natürlich in Blueskreisen. Hingegen hat die
Blues Foundation in den USA tausende von Mitgliedern und in Memphis ist die Verleihung
des Awards ein Ereignis, das beachtet wird.
Wird
sich das Festival vergrössern?
Nein,
wir möchten das nicht, sonst artet es in Arbeit aus (lacht). Was wir sicher
haben werden, ist eine noch bessere Zusammenarbeit mit Agenturen in den USA.
Wir stellen ja immer junge Musiker vor, z. B. J.W. Jones, der in Luzern einen
grossartigen Auftritt hatte, nachdem die Berater des Festivals ihn in
Bellinzona entdeckt hatten.