Vom 16. Bis 18. Juli findet in Bellinzona
das Piazza Blues Festival nun bereits zum einundzwanzigsten Mal statt. Was 1989
als Projekt einer Gruppe von Bluesliebhabern begann hat sich zu einem der
grossen europäischen Festivals entwickelt. Das hat nicht nur mit dem
unvergleichlichen Ambiente zu tun, sondern ist auch und vor allem ein Resultat der
künstlerischen Auswahl. Die Konzerte finden auf der Piazza Governo, unter der imposanten Kulisse des Castelgrande statt.
Eigentlich alle bedeutenden Bluesman und -women sind in
dieser Zeit in Bellinzona aufgetreten. Auch das Lineupdes diesjährigen Festivals wird diesem
Anspruch gerecht. Der künstlerische Leiter Fritz
Jakober konnte Musiker engagieren, die ein attraktives Festival
versprechen.
Wir stellen die Musiker in kompakter Form vor, für Details gibt es eine sehr schöne Website des Veranstalters , die dieses Jahr neu gestaltet worden ist. Natürlich sind die exakten Termnine auch im Blueskalender zu finden. Ausserdem sprachen wir mit Fritz Jakober über das Festival und seine Gedanken dazu.
Billy Boy
Arnold, John Primer, Billy Branch und Lurrie Bell haben in der Chicago
Blues A Living History zusammen gefunden. Zwei
Generationen von Chicagoblues Musikern bilden diese Formation. Sie pflegen das
Erbe des Chicago Styles auf frische und lebendige Weise, denn sie spielen nicht
einfach Chicago Style, sondern leben auch dort. Die Band besteht aus Billy Flynn, Gitarre,
Johnny Iguana, Tasten, Felton Crews, Bass, Kenny "Beedy Eyes" Smith, Schlagzeug
and Matthew Skoller, Mundharmonica.
Aus Kanada kommt J. W.
Jones, der zu Recht mit Lob von allen Seiten überschüttet wird. Er ist für 2
Maple Blues Awards 2009 als Gitarrist des Jahres und bester elektrischer
Interpret vorgeschlagen. Die J. W. Jones Band tritt mit Little Charlie Baty auf.
Er stammt aus Kalifornien und spielte mit seinen Nightcats während rund 30 Jahren
im Chicago Stil und ist nun als Little Charlie Caravan mit einem Quartett nur
noch selten auf. Sie spielen Gipsy Blues und Jazz im Stil von Django Reinhart.
Viele bezeichnen Sherman
Robertson als den Nachfolger von Albert Collins. In Louisiana geboren, aber in
Houston aufgewachsen, vereint er kraftvollen Texas Gitarrenblues mit Elementen
des Zydeco und souligen, sowie funkigen Splittern.
Die vom Label Severn
Records auf Tournee geschickte Severn Record Soul & Blues Revue mit Tad
Robinson, Darrel Nulish & Alex Schultz verpricht zeitgenössischen
Soulblues. Tad Robinson und Darrel Nulish sind beide grossartige Sänger und
Harpspieler und werden mit Axel Schultz von einem ebenso talentierten
Gitarristen begleitet.
Rod Piazza
and The Mighty Flyers stehen für Jump Blues, West Coast Blues und Chicago
Style. Seit 1980 unterwegs, hat der
Ausnahmeharpspieler Rod Piazza mehr Bühnenerfahrung als Sonny Boy Williamson.
Dwayne Dopsie & The
Zydeco Hellraisers repräsentieren vom Besten, das Louisiana Zydeco zu bieten
hat. Dwayne ist der Sohn von Rockin‘ Dopsie, einer Zydeco Legende und ihm wurde
1999 der Nickname „Amerikas heissestes Akkordeon"verliehen.
Susan Tedeschis Gesang
wird oft als Mischung aus Bonnie Rait und Janis Joplin beschrieben. Tatsächlich
bezeichnet sie beide auch als Vorbilder. Dazu spielt sie Gitarre, wobei auch
hier der Einfluss von Buddy Guy, Johnny "Guitar" Watson, Stevie Ray
Vaughan und Freddie King unverkennbar sind.
Mit Little JC ist ein
Schweizer Bluesharper am Festival vertreten, dessen Talent von Louisiana Red
anerkannt und gefördert worden ist. Blues Straight From The Heart heisst seine
letzte CD und so bezeichnete Louisiana Red auch sein Harmonikaspiel.
Walter Liniger, der Blues
Professor ist der zweite Schweizer Blueser am Festival, obwohl Walter ja seit 1982 in
Amerika lebt und seit 1993 an der Universität von South Carolina unterrichtet.
Trotzdem hat er nie den Kontakt zu Europa verloren, sondern pendelt seit Jahren
zwischen den beiden Kulturen.
Interview mit Fritz Jakober
Das Piazza Blues Festival
steht vor der Türe. Das war bestimmt
eine Menge Vorbereitungsarbeit. Ist nun alles bereit?
Ja, alles bereit, die Infrastruktur steht, Flüge
sind gebucht, es kann losgehen
Freust Du Dich auf das
Festival?
Ja, wie immer. Ich bin ja auch ein Egoist und
mache es ein Stück weit für mich selbst und zu meinem Vergnügen
Wieviele Besucher
erwartest Du am Festival?
Es ist das 21. Festival, hat einen Namen und ich
rechne mit 12 - 16‘000 Besuchern
Was ist das besondere an
Piazza Blues?
Das besondere Ambiente, südliche Nächte, Burgen
und natürlich Spitzenmusiker und guten Blues
Es konnten einmal mehr
hochkarätige Musiker verpflichtet werden. Das Piazza Blues ist offenbar ein
Erfolgsmodell. Worauf ist dieser Erfolg zurückzuführen?
In einem Satz: Wo bei uns Blues drauf steht, ist
auch Blues drin. Im Vordergrund stehen die Musiker und nicht der Event. Wir
machen keine Kompromisse und lassen die Musiker ihre Musik spielen. Wir bieten
Blues und nichts als Blues, wobei wir es durchaus nicht eng sehen, dieses Jahr
haben wir zum Beispiel mit Dwayne Dopsie
eine Zydeco Band.
Du warst ja früher
künstlerischer Leiter des Luzerner Bluesfestivals. Worin liegt der Unterschied
zwischen den beiden Anlässen?
Nur in der Grösse, das eine ist Indoor, das andere
Outdoor, das gibt eine andere Stimmung, ob in einem Saal 1000 Leute sind, oder
5000 auf der Piazza. Dadurch muss etwas mehr Unterhaltung geboten werden.
Punkto Qualität sehe ich keinen Unterschied.
Welchen Musiker hättest
Du gerne am Festival zusätzlich gesehen?
Hm. . . die kommen dann
im nächsten Jahr
Welche Stilart des Blues
hörst Du am liebsten?
Jede
Spielst Du selbst ein
Instrument?
Ja, CD Spieler und Analogverstärker
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