Die Alpen rocken
Darum werden Musik-Festivals abgehalten: Tolle Stimmung, eine Stadt, die an allen Ecken swingt und ein beeindruckendes Line-up bot am «blues’n’jazz rapperswil-jona 2011» eine Mischung von Pop, Jazz, Soul, Zydaco und Blues, die bei angenehmer Atmosphäre Musikfans unterschiedlicher Stilrichtungen und verschiedenen Alters begeisterten. Auch im Blues-Bereich wurde viel geboten: Sonny Landreth, Watermelon Slim & Super Chickan, Nerak Roth Patterson Blues Duo, Kent DuChaine, Ana Popovic und Philipp Fankhauser boten tolle Auftritte.
Natürlich zogen die grossen Namen wie Supertramp-Frontman Roger Hodgson oder Dr. Feelgood viele Leute in die Schlossstadt, und diese boten in der Tat mitreissende Auftritte. Was das Festival 2011 zu einem Erfolg werden liess, das war aber mehr als die grossen Stars auf der Bühne, es war das familientaugliche Gesamtpacket, bei dem Frauenstimmen am «Ladies‘ Vocal Summit» mit Harriet Lewis, Tess D. Smith und Lerato Sebele ihre Stimmen feierten Seite an Seite neben dem Gospel-Gottesdienst mit Tony Washington am Sonntagmorgen. Nostalgische Gefühle kamen bei Dr. Feelgood auf, und der süffige Soul-Pop von Melanie Fiona irgendwo zwischen Sade und Lady Gaga standen sich nicht im Wege, sie waren unterschiedliche Seiten derselben Freude an Musik.
Auch im Roots-Musik-Bereich wurde viel geboten. Zydeco-Geigenspiel bei Lisa Haley, Delta-Blues von Dobro-Solist Kent DuChaine, derdüstere Blues des Nerak Roth Patterson Blues Duo, alles mitreissende Auftritte, so war zumindest in den Gesichtern der Besucher zu lesen. Es war toll, so viel aufs Mal zu sehen, richtig eintauchen zu können in Spielarten des Blues. Ana Popovich brachte Sonny Landreth als Überraschungsgast für einen begeisternden Auftritt auf die Bühne.
Ein wahrer L eckerbissen war unzweifelhaft der Auftritt von Sonny Landreth mit seiner Band. Der schlaksige Althippie ist ein Slide-Gitarrist aussergewöhnlicher Qualität, und er wurde seinem Ruf als Gitarrist mit Sonderstellung durchaus gerecht. Hoch virtuos zog er alle Register des Slide-Spiels, wunderbare Soli, grosse Konzentrazion vom ersten bis letzten Ton. Ein wahre Ohrenweide.
In Sachen Virtuosität hatten Watermelon Slim & Super Chickan keine Chance, dazu ist ihr rauher und harter elektrifizierte Delta-Blues zu ungefiltert, zu direkt. Das Harmonica/Gitarren-Duo brachte dafür Mengen von Street Credibility mit, Authentizität und sie verkörperten sowohl Geschichte wie Zukunft des Deltablues. Ein wunderbarer Auftritt zweier Geschichtenerzähler und somit grosses Blueskino.
Schliesslich war auch der Auftritt der Philipp Fankhauser Blues Band war ein Leckerbissen. Der Berner war auch in Rapperswil erneut auf der Höhe und legte ein tolles Set auf die Heineken-Bühne.
Alles in allem ein wunderbares Festival. Das vielleicht etwas beliebig wirkende Programm fügte sich für drei Tage zusammen zu einem grossen Ganzen, einer Feier der Musik, ehrlicher und handgemachter Musik, die zeitlos ist und alle Menschen begeisterte, die sich den Besuch in Rapperswil einrichten konnten. Das Festival war gut besucht, ob die von den Veranstaltern erwarteten 40‘000 zusammenkamen, lässt sich schlecht abschätzen, aber man darf auf jeden Fall gespannt sein auf die nächste Ausgabe des «blues’n’jazz rapperswil-jona».
Als Nachgeschmack hier einige Video-Bootlegs von Auftritten, nicht alle aus Rapperswil, aber sie vermitteln zumindest einen Eindruck.
Sonny Landreth
Super Chikan und Watermelon Slim (nicht von Rapperswil)
Ana Popovic
Kent DuChaine
Nerak Roth Patterson Duo
Melanie Fiona
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