Ein Konzert von Don P. & The Blue Jags gab uns in der Redaktion von Bluesnews.ch endlich die Möglichkeit, die Band einmal live zu erleben. Ihr Auftritt in Zürichs neuem Blueslokal «Smeiley’s – Smart & Snazzy» im Februar war eine Gelegenheit, die Band mit dem druckvollen Texas-Blues aus der Nähe zu erleben. Und der Auftritt war wirklich ein Erlebnis: Spielfreude ohne Ende und wieder einmal die Erkenntnis, dass ein gut funktionierendes Power-Trio alles ist, was man braucht, um Spass zu haben.
Die Blues-Szene in der Schweiz ist nicht so gross. Es gibt nicht in jeder Ortschaft eine Blueskneipe, und Profi-Musiker sind bekanntlich auch eher die Ausnahme. In der kleinen Schweizer Blues-Szene muss man manchmal warten, bis man eine bestimmte Band zu Gesicht bekommt. So war es eine willkommene Möglichkeit, Don P. & The Blue Jags zu sehen, eine Band um den Gitarristen Don P., der irgendwann vom Stevie Ray Vaughan-Virus gebissen wurde und der seither dessen Art des Texas-Blues in der Schweiz spielt.
Die Blue Jags, des Dons Begleitband, treten in unterschiedlicher Besetzung und auch Instrumentierung auf. An diesem Konzert im Februar bei «Smeiley’s» war es das Minimalformat eines Power-Trios: Jürg «Boots» Stiefel an den dicken Saiten und Martin D an den Drums begleiteten den «Chef», wie sie selbst sagten, Sänger und Gitarrist Don P., der eine Strat spielte und einen grossen Blackface-Fender Verstärker, ein Super Reverb oder Vibroverb.
Das Konzert hatte drei Sets und die Band spielte in allen drei Sets hauptsächlich Cover-Versionen von Songs, inklusive Zugaben spielte die Band 24 Songs, und zwar von den Musikern, die Don P. auch auf seiner Myspace-Seite [http://www.myspace.com/donpthebluejags ] als Einflüsse nennt: Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix, Albert King, Freddy King, Rory Gallagher, Robben Ford, Joe Bonamassa, Lonnie Mack, Poba Chubby. Schon aus dieser Liste wird klar, dass diese Band kraftvollen, druckvollen und, wenn man so will, Testosteron-geladenen Blues spielt, harte Soli. Umso erstaunlicher, dass die Lautstärke perfekt abgestimmt war. «Boots» lieferte eine bocksolide Grundlage, Martin D trug den Herzschlag bei und auf dieser Grundlage fetzte Don P. los. Die Musik der Band orientiert sich an SRV, aber Don P. ist keine Tribute-Band, sie sind beseelt von dieser Musik, die amerikanischen Vorbilder sind Einflüsse, Idole vielleicht, aber die Band sucht auf deren Spuren ihre eigene Musik, und das machte das Konzert zu einem solch schönen Abend.
Die Band kam immer besser in Fahrt, obwohl das Publikum zwar konzentriert und enthusiastisch war, aber eben auch nicht sehr zahlreich: Zu Beginn des dritten Sets zählte der Don durch und es fanden sich gerade noch ein Duzend Leute im Publikum. Doch wie der Bandleader dann richtig erkannte: Wir wollten noch viel hören, und wir genossen den intimen Rahmen des Konzerts. Auch die Band zeigte grosse Spielfreude und fetzt durch ihr Programm.
Ohne hier alle 25 Songs herunterzubeten, möchte ich doch auf den einen oder anderen eingehen: Im ersten Set stachen Mary Had a Little Lamb (Going to School) heraus, das er eher wie Buddy Guy spielte mit vielen zarten Zwischentönen. Gleich darauf folgte Gangster of Lovevon Johnny «Guitar» Watson, offensichtlich ein Stück, das Don P. seit langer Zeit liebt und im Repertoire hat. Das Intro und der Gang ins Publikum waren dabei ein Highlight. Gegen Schluss des ersten Sets spielte er Freddie KingsPalace of the King, womit er zumindest mich völlig überzeugt hatte: ein so tolles Stück wird leider viel zu wenig gespielt.
Im zweiten Set ging es dann los mit Pride and Joy, und dann kam bald Give Me Back My Wig, auf dem Don P. den Slide einsetzte. Ein tolles Solo, und was bemerkenswert ist: er hat die Gitarre nicht gewechselt, hat also keine speziell umgebaute Slide-Gitarre. In der Einleitung zum Song sagte der Don, dass er dieses Stück auch mit Slide spiele wie SRV, den er als «meinen Fetisch» bezeichnete. In diesem Teil stach noch Albert Collins fröhliche Nummer A Good Fool is Hard to Find heraus.
Zu Beginn des dritten Sets schliesslich legte die Band mit Hideaway/Rude Mood los, das er Ton für Ton absolut getreu gemäss der Version von SRV spielte, wie auf der Aufnahme Live in Montreux zu hören. Einfach nur phantastisch in Punkto Virtuosität. In diesem Set gab es ein Cover von Rory Gallagher zu hören: When My Baby She Left Me, auch dies ein wunderbares Juwel im Repertoire. Überraschend war der Zugabenteil, denn neben wenig überraschenden Songs wie The House is Rockin’ oder Leave My Girl Alone (letzter Song) gab es als vorletzte Zugabe überraschend James Brown abgenudeltes I Feel Good, dem das Trio neues Leben einzuhauchen vermochte.
Insgesamt war es ein tolles und mitreissendes Konzert, wenn man die Möglichkeit hat, diese Band zu sehen, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Ernsthafte Musiker, die die Texastradition mit solchem Engagement am Leben erhalten, gibt es nicht allzu viele, und es ist einfach eine Musik, die Freude verbreitet. Deshalb: wenn immer möglich, reserviert Euch im Kalender die wenigen Termine, um diese tolle Band mit ihrem Texas-Blues zu hören.
Die nächsten Konzerte der Band:
03. Apr 2010 22:00 Luke’s Bar Gelterkinden BL 23. Apr 2010 21:00 Bäre Chäller Aarburg AG
28. Mai 2010 21:30 Music Bar Grenchen SO 29. Jul 2010 20:00 Int. South Blues Festival Ticino TI
30. Jul 2010 21:00 Weinloge Rheinau ZH 28. Aug 2010 21:30 Mountain Gravity Flugplatz Ambri TI
29. Nov 2010 20:30 Walhalla St Gallen City SG