Bloogle Musik Diskographien |
| Die besten Live CDs |
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| Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik | |||
Live CD der WocheDer Blues lebt vom Live-Auftritt. So sehr ein gut gemachtes Studioalbum (z.B. Big Mama Thorntons With the Muddy Waters Blues Band) oder eine Privatproduktion zuhause (wie Luther Allisons Hand Me Down My Moonshine) grossartig sein kann, es lässt sich auch durchaus argumentieren, dass der Blues zunächst eine Musikform ist, die stark vom Live-Auftritt lebt. Die Interaktion zwischen Publikum und Performern ist seit den Tagen der Auftritte Charlie Pattons auf den Plantagen des Mississippi-Deltas oder jener Blind Lemon Jefferons in den Gesellschaften Chicagos ist unverzichtbarer Teil des Blues. Konzert-Alben sind ein anderes Thema, es gibt manche, die hassen sie und manche, die lieben sie. Ich gehöre zu den letzteren und versuche stets von einem Künstler wenn möglich eine Live-Aufnahme zu hören. In dieser Serie wird jede Woche eine Live CD vorgestellt. Letzter Eintrag: Otis Rush & Friends featuring Eric Clapton and Luther Allison Live at Montreux
Aus diesem Grund und für andere Liebhaber des Live-Auftritts hier also einige Live-Alben, die zeitlos gut sind und immer wieder gehört mehr und mehr Spass bereiten. Als Live-Alben stelle ich hier nur Alben vor, die in wenigen, idealerweise einem Auftritt aufgenommen wurden. In diese Liste werden also nur Live-CDs genannt, die wirkliche Konzerte oder Zusammenschnitte von Konzerten innerhalb weniger Tage aufgenommen werden. Somit sind Alben wie Luther Allisons Where Have You Been oder Albert Collins Live 1992-1993 nicht in dieser Liste zu finden. Hier geht es um den Moment, die Magie des Konzertes auf den Tonträger zu bannen. Es werden auf dieser Liste zudem natürlich nur Alben besprochen, die nicht schon in der Instant Blues Collection zu finden sind. John Lee Hookers Live at the Café à Gogo oder Claptons Unplugged werden hier also nicht neuerlich erwähnt, obwohl es Aufnahme sind, die das hier vorausgesetzte Kriterium der «Liveheit» erfüllen.
B.B. King Live in Japan.
B.B. King ist natürlich ein grossartiger Live-Performer und seine zehntausende von Live-Auftritte durch die Jahrzehnte stellen ein gewaltiges Zeugnis seiner Kraft und Inspiration dar. Entsprechend gibt es auch viele Live-Aufnahmen. Wieso wurde dieses Album gewählt? Allgemein wird Live at the Regal als die erste Wahl des «King of the Blues» betrachtet, und tatsächlich ist die Veröffentlichung von 1971 (damals als Doppel-LP) sehr gut, auch Live at San Quantin von 1990 und Live at the Apollo sind sehr gut. Die Aufnahme aus dem Regal Theater in Chicago datiert allerdings von 1964. Auch auf Live in Japan gibt es viele der klassischen Stücke wie «How Blue Can You Get» oder «Sweet Sixteen». Da das Album allerdings 1971 eingespielt wurde, ist eine wunderschöne Aufnahme von «The Thrill is Gone» (Grammy-Gewinner in jenem Jahr) darauf. Der King hat dieselbe Energie, Lucille dieselbe Aufsässigkeit im Ton wie im Regal, aber dazu gibt es auf Live in Japan noch die absolut umwerfenden Instrumentalstücke «Japanese Boogie» «Jamming at Sankei Hall» und «Hikari #88» (was «Licht Nr. 88» bedeutet, aber Hikari ist auch die Bezeichnung eines Shingatsen Schnellzugs in Japan). Der letzte Grund, weshalb diese CD den ersten Platz gekriegt hat ist, dass es meine jüngste Erwerbung ist und dass ich momentan begeistert bin von der CD. Ein noch relativ junger King, bevor auch der Ton von Lucille so wurde, wie er heute ist: perfekt cremig, lieblich. Für alle Fans des «Blues Boy»: Unbedingt reinhören oder ungehört und auf meine Empfehlung hin kaufen. B.B. war an diesem Abend in glänzender Stimmung und er hält seine Gefühle nicht zurück. Professor Longhair The London Concert
1. Mess Around
Eines der wunderbarsten Konzerte aller Zeiten, ein Moment purer musikalischer Freude ist der Auftritt von Professor Longhair (Henry Roeland Byrd oder «Fess») aus dem Jahr 1978. Die Idee von John Stedman von JSP Records war simpel und bestechend: Man nehme einen der besten Pianisten aller Zeiten, in tausenden von Auftritten in seiner Kunst geübt, setze ihn in einen Konzertsaal mit guter Akustik anstelle einer verrauchten Kneipe und gebe ihm einen richtigen Flügel anstelle eines Kneipenklaviers und lasse ihn sein normales Konzertprogramm spielen. Dem Sechzigjährigen gab man im New London Theatre lediglich den Konga-Spieler Alfred Roberts zur Seite, und liess ihn seine Songs spielen. Das Ergebnis sind Klangkaskaden, die wie die Perlenketten Beads um das Genick der Touristen beim Mardi-Gras ineinander verschlungen sind. Nach dem Eröffnungsstück «Mess Around» geht mit Fess echt die Post ab. Die beiden nächsten Nummern «Hey Now Baby» und «Whole Lotta Lovin» sind einfach so unglaublich, dass ich mich auch nach Jahren mit diesem Album immer wieder kopfschüttelnd und schmunzelnd zugleich wiederfinde. Auch wenn man es für eine Übertreibung halten mag. Die Begleitung auf «Hey Now Baby» ist Bachs Kunst der Fuge, wie man sie in New Orleans spielt. Dazu die freundliche und einzigartige Stimme des Professors, sein Pfeifen, eine Energie, die sich durch die Virtuosität einen Weg bricht. Nach jedem Stück bedankt sich Byrd mehrfach bei dem immer mehr aus dem Häuschen geratenden Publikum. Er klingt dabei zwar auch immer etwas als könne er es nicht fassen, dass man ihn über den Atlantik geflogen habe, nur um hier Klavier zu spielen, aber er klingt auch stolz, weil er weiss, dass er der Beste ist, der Stammvater des New Orleans-Piano von «Champion» Jack Dupree oder Fats Domino. Was soll man sagen: Wer diese CD verpasst hat, sollte sich fast schon schämen, aber BLUESNEWS.CH bietet ja jetzt Abhilfe.
Otis Rush All Your Love I Miss Loving : Live at The Wise Fools Pub Chicago
Diese Aufnahme vom Januar 1976 demonstriert, wie Otis Rush hoch konzentriert und mit einer guten Band spielen und singen kann. Nach meinem Empfinden zünden die Studio-Alben Otis Rushs manchmal nicht so richtig. Aber auf diesem Live-Album ist ein intensiver Moment seiner Karriere aufgenommen, Rush spielt, als ginge es um sein Leben. Er hat hier den sensationellen Schlagzeuger Jesse Green an seiner Seite, der die Songs dezent voranbringt. Nicht nur der zu erwartende Hit «All Your Love I Miss Loving» ist darauf in einer hervorragenden Version, auch «Mean Old World», «Gambler's Blues» und «Sweet Little Angel». Otis Rush klingt nach West-Side Blues, er spielt diesen so mitreissenden puren Gitarrenblues der 70er Jahre, kratzig und crunch-angezerrt. Dazu singt er gut. Die Aufnahme lässt Perfektion vermissen, da waren wenige Mikrophone im Einsatz, aber wie auch bei der Aufnahme von Jimmy Dawkins, weiter unten in dieser Liste klingt sie auch dadurch authentisch. Die Geräusche des Publikums sind angenehm, schaffen Atmosphäre, aber stören die Musik nicht. Snooks Eaglin Live in Japan
1. Quaker city
Dieser Sohn New Orleans namens Fird «Snooks» Eaglin spielte auch schon in Japan und auch er nahm ein Album auf. Snooks Eaglin New Orleans so sehr in sich aufgesogen, dass dieses Album von manchen nicht unbedingt als Blues bezeichnet würde. Der synkopierte Rhythmus New Orleans' ist hier präsenter als der Shuffle. Eaglin spielt dazu wunderbar verspielte Linien. Eaglin klingt auf diesem Konzert vom 9./10. Dezember 1995 wie eine Marching Band oder wie Longhair an den Tasten, er widerspiegelt die Musik Sydney Bechets ebenso wie jene Fats Dominos. Snooks Eaglin war ein begnadeter Showman, und so führt er dem japanischen Publikum seine Version von «Done Yonder (We Go Ballin'» ein mit den Worten «This was put out a long time ago, by the late great Smiley Lewis, y'all». Und er kriegt die Japaner dazu, mitzugehen. Zu Beginn seiner Version des zeitlos guten «Black Night» von Jessie Robinson schrammt der blinde Gitarrist Eaglin über die Saiten, worauf der sagt «Oops, I didn't see it, y'all, don't worry about it».
U.P. Wilson with Paul Orta & The Kingpins, Attack of the Atomic Guitar 1992
1. Wailing at Weavers - Paul Orta & Kingpins
Aufgenommen in «The Weavers Arms» in London im Jahr 1992 führt diese Scheibe wirklich eine «Atomgitarre» vor, und damit die Steigerung der Strom-Gitarre. Der Texaner Paul Orta und seine Kingpins sind eine solide Begleitband, Orta spielt auf einigen Stücken toll Blues-Harp (er hat schon mit jedem der Chicago- und Texas-Blues-Szene gespielt, der Rang und Namen hat), aber weitgehend ist das Album ein Gitarrensolo, häufig instrumental, Gesang gibt es bei weitem nicht auf allen Stücken, und das ist gut so, denn Orta ist kein guter Sänger (Jimmy Reeds «You Got me Runnin'»). Die Hauptattraktion hier ist also U.P. Wilsons Gitarre. Wilson spielt harten, kompromisslosen Texas-Bluesrock wie Stevie Ray Vaughan (der Wilson gehört und gekannt hat und der voller Bewunderung von ihm sprach), Kenny Wayne Shepherd oder Chris Duarte. Wilsons ist ebenfalls Gitarre mächtig und, aber er klingt hier weniger poliert. Er fliesst frei zwischen Shuffle und Surf-Sound à la Dick Dale (Chuck Berrys «Johnny B. Goode») oder bringt seine Version des kalten Sounds à la Albert Collins («Armadillo Strut», Eigenkomposition). Doch in all dem imitiert er nicht, er zeigt sein eigenes Verständnis, ebenso kreativ wie Vaughan, mit unglaublicher Intensität. Seine Version von Freddie Kings «Hideaway» ist unglaublich fetzig, und auf «Bo Diddley» kriegt er nicht nur den Diddley-Rhythmus mitreissend hin, der imitiert auch die Stimme mit seinem Spiel. «Boogie Chillen» ist trocken und hart, eine getreue Interpretation des detroit-Sounds. Vielleicht etwas gitarrenlastig, aber die Gitarre ist spektakulär. Jimmy Dawkins Come Back Baby
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CD1
1. Bridge to better days
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CD2
1. Ball peen hammer
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Gerade mal 31 Jahre alt, hat der 1977 geborene Sänger und Gitarrist Joe Bonamassa bereits acht Alben veröffentlicht. Das ist an sich schon ganz schön ansehnlich, aber wenn man die Alben hört, bleibt einem der Mund offen stehen. Der Mann aus Utica in New York kann mit den Saiten scheinbar alles anstellen und dazu hat er eine wirklich grossartige Singstimme.
Nun ist sein zweites Live-Album erschienen, die Zusammenstellung Live From Nowhere in Particular. Dieses Album erfüllt die ursprünglich gestellten Kriterien an ein Live-Abum nicht, namentlich weil es keine Aufnahme eines einzelnen Konzertes ist, sondern eine Zusammenstellung aus Joe Bonamassas Tournee mit dem sehr erfolgreichen Album Sloe Gin. Erfreulicherweise stammen aber nur vier der Titel - Another Kind of Love, Sloe Gin, One of These Days und Ball Peen Hammer - von der CD, so dass man nicht dasselbe Material zweimal erstehen muss.
Das Erfrischende und Angenehme an Joe Bonamassa ist seine «Retro»-Auffassung von Bluesrock. Seine bevorzugte Gitarre ist die Gibson Les Paul und entsprechend klingt seine Musik stark nach Led Zeppelin, Gary Moore oder Cream, und Bonamassa hat selbst in einem Interview mit der Zeitschrift Guitarist als seine drei einflussreichsten Alben Rory Gallaghers Irish Tour bezeichnet sowie zwei Clapton-Aufnahmen zitiert: John Mayall & the Bluesbreakers with Eric Clapton (das Beano Album) und Goodbye Cream. Seine Stücke sind voller ausschweifender Soli und klingen authentisch nach 60er Jahren. Wenn das längste Stück dieser CD Live From Nowhere in Particular Django / Just Got Paid knapp unter 18 Minuten dauert, versteht man, wieso es ein Doppelalbum wurde.
Kontinuierlich schaffte es das ehemalige Wunderkind (Anheizer für B.B. King mit 12, erste Band mit 14: Bloodline mit Erin Davis (Sohn von Miles Davis) und Waylon Krieger (Sohn von Doors-Gitarrist Robby Krieger)) und spätere Geheimtipp Joe Bonamassa, sich ein treues Publikum zu erspielen. Sein gefühlvoller Gesang, Johnnie Lang vergleichbar, ist eine gute Ergänzung zu seinem makellosen und vielseitigen Gitarrenspiel. Neben den Paulas spielt er auch akustische Stücke. Auf der aktuellen Tournee bestand seine Band aus Carmine Rojas am Bass, Rick Melick am Keyboard und Bogie Bowles am Schlagzeug.
Die Doppel-CD eröffnet mit dem Hard-Rock-Kracher Bridge To Better Days, der Jimmy Page Freude bereiten wird. Es folgt ein sensationelles Cover des Free-Stücks Walk in My Shadows: so schön, so gefühlvoll kann Blues sein. Dann wird es ruhiger mit dem Slow-Blues So Many Roads. Hier saut Bonamassa mit Genuss auf der verzehrten Gitarre rum. Wer Gary Moores Blues Alive mochte, der wird dieses Stück bald als Dauergast auf seinem Ipod haben. India / Mountain Time, beides Eigenkompositionen von Bonamassa bieten verspielte und episch-verträumte Gitarrenklänge, die manchmal an Greateful Dead erinnern, so scheinbar ziellos mäandern die Klänge auf ein unsichtbares Ziel zu.
Es folgen die vier auch auf dem Studioalbum enthaltenen Titel, die mit ähnlicher Länge wie auf Sloe Gin aufgenommen wurden. Die Titel sind makellos gespielt, jene davor waren einfach noch ein bisschen besser. Der letzte dieser Titel Ball Peen Hammer leitet einen akustischen Teil ein, der weitergeht mit der Blues-Ballade If Heartaches were Nickles. Hier wird deutlich: Bonamassa hat die Bedeutung der Zeit erkannt und er nimmt sich alle Zeit, seine Stücke mit Gefühl und Akkuratesse zu präsentieren.
Dann folgt Woke Up Dreaming, eine bemerkenswerte Nummer. Solo und nur mit der akustischen bewaffnet spielt Bonamassa hier alle schwindlig und hält ein unglaubliches Tempo durch. Selbst ein ausgewiesener Akustik-Spieler wie Richie Havens sieht im Vergleich zu Bonamassa alt aus. Vielleicht ist das Stück mit Anspielungen auf die klassische spanische Gitarrentradition und jazzigen Exkursionen ein Stück für Gitarristen, aber ich denke nicht. Es ist in und für sich genommen schön und zum Schluss löst sich das Stück in Wohlgefallen auf.
Dann hängt er sich wieder die elektrische Gitarre um und zelebriert Django / Just Got Paid, wie gesagt das längste Stück des Albums. Bonamassa spielt laut Booklet neben drei Les Paul auch eine Gibson Lucille «Thanks B» und eine Gibson Skylark Prototype (Ich kenne Skylark nur als Verstärker von Gibson, aber so steht's im Booklet). Zudem spielt er eine Gigliotti, eine Custom-Gitarre im Stil einer Telecaster. Auch seine akustischen Gitarren und Verstärker werden im Booklet aufgezählt. Das sind interessante Informationen, aber wie jeder Gitarrist weiss, liegt das Geheimnis nur zu einem kleinen Teil im Equipment.
Bonamassa gibt alle Details zu seiner Ausrüstung bekannt: Mikrophone, Kabel, Monitore, Preamps und Pedale, aber nicht die Saiten und, was ärgerlicher ist, auch keine Informationen zu den Aufnahmen selbst. So erfahren wir nie, welche Aufnahme wo und wann gemacht wurde. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen an dieser CD.
Es folgt erneut das akustische High Water Everywhere, dann mit dem klassischen Blues Asking Around For You von der CD You and me. Die Keyboards haben hier richtig Ausgang und Rick Melick begleitet vorbildlich, ehe der Chef dann erneut ein Solo mit Anklang an Gary Moore spielt. Die Band schliesst mit einer knapp acht Minuten langen Doppelnummer: Dem Shuffle A new day yesterday und dem Yes-Hit Starship Trooper.
Joe Bonamassa, seine Band und Produzent Kevin Shirley, der bereits Sloe Gin produzierte, haben hier ein Album abgeliefert, das keine Wünsche offen lässt. Wenn die CD um ist, freut man sich über etwas Stille, was mit der Intensität der Musik zu tun hat. Jetzt bleibt nur noch, Bonamassa Live auf der Bühne zu erleben.
Luther Allison Live in Paris (1979)
1. Crazy Jealous 5:10
2. Sweet Little Angel 9:09
3. My Baby 4:17
4. Thrill is Gone 8:51
5. Early In the Morning 6:00
6. Tribute to Hound Dog 10:37
7. Luther’s Shuffle 4:50
8. I Can’t Quit You Baby 7:46
9. I’m Leavin’ 5:50
10. Rock Me Baby 8:58
Band:
Luther Allison: Lead-Gitarre, Gesang
James Solfield: Rhythmus-Gitarre
Sid Wingfield: Piano
Kenny Berdoll: Bass
Danny Smith: Drums
Luther Allison (1939-1997) liebte den Live-Auftritt. Sein Durchbruch gelang 1969 auf dem Ann Arbor Blues Festival und er war bekannt und beliebte für seine Auftritte. Entsprechend gibt es relativ viele Live-Alben dieses Bluesman und Autodidakten aus Arkansas, der sich zuerst in Chicago seine Sporen abverdiente und zusehends Respekt erspielte (1957 erster Auftritt mit Muddy Waters, später mit Howlin' Wolf und James Cotton). Der später in die weite Welt zog, 1977 in Paris heimisch wurde und erst 1992 (auf Betreiben von Alligator-Records Gründer Bruce Iglauer) wieder in die USA zurückging. Luther Allison hinterliess uns eine Reihe wirklich guter Aufnahmen und nicht zuletzt seinen Sohn, den musikalisch vielseitigen Virtuosen und grossartigen Gitarristen Bernard Allison.
Unter seinen Live-Aufnahmen seien hier drei speziell erwähnt: Da ist zunächst Live in Chicago, sein Alterswerk, auf dem er den USA mal zeigen wollte, was sie all die Jahre verpasst haben, in denen er in Europa spielte. Als nächstes wäre zu erwähnen: Where have You Been : Live in Montreux 1976-1994, eine wunderbare Zusammenstellung sehr feiner Aufnahmen, die Beleg sind für die gesamte Bandbreite des Schaffens und der musikalischen Vielseitigkeit Luther Allisons. Schliesslich möchte ich die DVD-Aufnahme eines Konzertes von 1997 auf dem Inselstaat Réunion in Indischen Ozean erwähnen, die unter dem Titel Live in Paradise verkauft wurde. In dieser Aufnahme, die in amerikanischen Reviews sicherlich mit den Attributen „No holds barred" und „Take no prisoners" charakterisiert würden, lässt Luther Allison alles raushängen, was er drauf hat und spielt in einem Konzert von über zwei Stunden sich selbst, das Publikum und die DVD-Konsumenten zur glücklichen, aber auch vollkommenden Erschöpfung. Die Chicago Sunday Times nannte ihn mal den «Bruce Springsteen des Blues». Wenn man dieses Konzert sieht, versteht man den Vergleich: dieselbe Intensität, dieselbe Direktheit und dieselbe Bereitschaft, sich bis zur Verausgabung dem Publikum hinzugeben.
Für die Review dieser Woche habe ich mich aber für Live in Paris entschieden, eine Aufnahme aus dem Jahr 1979, aufgenommen in La Chapelle des Lombards mit einer vierköpfigen Band: James Solfield an der Rhythmus-Gitarre, Sid Wingfield am Piano, Kenny Berdoll am Bass und Danny Smith an den Trommeln und Becken. Der Grund dafür, dass diese CD es in diese Liste der Livs-CDs der Woche gebracht hat ist, dass ich einfach immer wieder diese CD aus dem Schrank ziehe, wenn ich Lust habe auf Luther Allison, das Konzert stimmt von A bis Z und es gibt kein einziges faules Stück darauf.
Dieses Konzert war Teil seiner sehr erfolgreichen Frankreich-Tournee, zwei Jahre nachdem er sich in Frankreich niedergelassen hatte. Auf der Tournee spielte er für insgesamt 35‘000 Fans, dieses Konzert war wohl vor einem durchschnittlichen Publikum von einigen Hundert. Aus der Art, wie die Band harmoniert scheint es aber ein Konzert vom Ende der Tour gewesen zu sein, denn die Band harmoniert wie ein Uhrwerk. Die CD enthält neun Titel, aber sie ist randvoll mit Blues. Denn die drei B.B. King-Covers Sweet Little Angel, Thrill is Gone und Rock Me Baby sind rund neun Minuten lang und damit ausgiebige Exkursionen ins Blues-Territorium.
Diese drei Titel sind auch echte Glanzpunkte der CD. Seine Versionen orientieren sich eindeutig an B.B. King, aber sie tragen zugleich deutliche Einflüsse der Chicagoer West-Side Tradition in sich: sie sind wilder und ausschweifender. Thrill is Gone beispielsweise ist ein wundervoller Titel, der in den späten 70ern und bei Luther Allison wieder so aktuell klingt, wie er es bei B.B. King vielleicht 10 Jahre früher tat. Ein wunderbares Gitarrenintro, dann Allisons sehr sehr gute Singstimme dazu und das Stück schwebt und fetzt zugleich. Gerade bei diesem Titel, der ad nauseam gecovert wurde, und dessen meiste Coverversionen wirklich kaum eine Erwähnung wert sind, zeigt sich Luther Allisons Klasse. Er macht das Stück nicht zu seinem eigenen, aber er drückt ihm einen deutlichen Stempel auf (wozu auch das Keyboard-Solo Sid Wingfields beiträgt). Auf Rock Me Baby spielt das Piano den Part der Rhythmus-Gitarre und Luther spielt seine dadurch sehr freie Gitarre dazu.
Mit My Baby und I Can't Quit You Baby bringt Luther zwei Cover von Songs Willie Dixons, die deutlich lebhafter daher kommen als die drei King-Covers. Die Stücke sind sehr lebhaft und gehen enorm in die Beine. Dasselbe gilt auch für die Eigenkomposition Tribute to Hound Dog, einem Slide-Stück erster Qualität, das auch das Publikum nicht unberührt lässt. Schlagzeuger Danny Smith spielt hier so Blues-Schlagzeug, wie sich das gehören sollte und für jeden Schlagzeuger ist dieses Stück Schulmaterial. My Baby ist ebenfalls sehr mitreissend interpretiert mit einem tollen Gitarrenpart, .
Auf bei Early in the Morning last Luther Allison das Slide auf dem Finger und spielt Leroy Carrs Klassiker im Stile Elmore James‘: rotzig, laut, verzerrt, wunderschön! Zum Schluss sei noch die einzige Eigenkomposition erwähnt Luther's Shuffle, eine Tour de Force, auf der noch eine Harmonika zum Einsatz kommt.
Blues kann einfach gute Laune machen, die Füsse zum Wippen bringen und Zuhörer mit Energie erfüllen. Were s nicht glaubt, dem spiele man dieses wunderbare Album vor.
Nick Moss & the Flip-Tops Live At Chan’s (2006)
1. Eggroll Stroll
2. Check My Pulse
3. I Love the Woman
4. I Never Forget
5. One Eyed Jack
6. Your Red Wagon
7. Just Like That
8. It's Good Your Neighborhood
9. End
10. Wine-O-Baby Boogie
11. Move Over, Morris
Nick Moss & the Flip Tops haben seit den späten 90er Jahren CDs veröffentlicht, ihre Diskographie umfasst sechs Alben, und 2006 haben sie dieses Live-Album Live At Chan's veröffentlicht. Es ist die Wiedergabe eines Konzerts vom 14. Juli 2005, gespielt in Rhode Island, namentlich in «Chan's Eggroll & Jazz» in Woonsocket, RI. Die CD beinhaltet den Mitschnitt eines Konzerts mit 11 Titeln, auf vier davon kriegt Multi-Talent Nick Moss (in Personalunion Komponist, Arrangeur, Bandleader Sänger, Gitarrist, und Harp-Player) noch Unterstützung von «Monster» Mike Welch.
Wer Nick Moss noch nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Nicht nur der grosse Jimmie Rodgers, Freund und Mentor von Moss, war der Meinung, dass diese Junge ganz speziell tief in den Blues eingetaucht ist, auch bei den Redakteuren von Bluesnews.ch laufen die Scheiben sehr häufig. War er vielleicht noch vor wenigen Jahren ein Geheimtipp, so ist Nick Moss nun der «torchbearer», wie das immer genannt wird, also der Fackelträger (wir würden vielleicht eher «Fahnenträger» sagen) des Chicago Blues. Er spielt Blues in der Chicago-Tradition mit einem Quartett, und er spielt ihn so, wie sich das gehört, authentisch und doch modern. Nun, da die alten Chicago-Blueser zum grossen Teil bereits das Zeitliche gesegnet haben (Jimmie Rodgers, Junior Wells, Luther Allison), bzw. da sie sich zusehends ihren musikalischen Horizont erweitern und sich anderer Musik zuwenden (Buddy Guy) ist es schön, wenn es noch Traditionalisten gibt, die klassischen Chicago-Blues spielen möchten. In dieser Form, an Jimmie Rodgers, Michael Bloomfield, Elvin Bishop oder Hubert Sumlin orientiert und natürlich auch an den klassischen Chess-Aufnahmen der 50er und 60er Jahre, hat bekanntlich die Harmonika eine tragende Rolle in der Musik, ferner gibt es noch weniger ausgedehnten Gitarren-Soli über sechs oder sieben Chorus-Wiederholungen. Da auf den klassischen Aufnahmen manchmal kein Bass verfügbar war, übernahmen zwei Gitarren teilweise die Aufgaben des Basses. Wenn einer der Musiker ein Solo hat, halten sich die anderen zurück, aber jedes Solo steht im Dienste des Songs. Chicago-Blues ist Teamarbeit in höchster Vollendung und halt auch heute noch unglaublich fetzig.
Es ist schön, dass jemand diese Musik weiterträgt und am Leben erhält. Noch schöner ist sogar, dass Nick Moss & the Fliptops dies Musik nicht museal zitieren, sondern sie natürlich wieder zum Leben erwecken. Diese CD ist ein schönes Zeugnis ihrer Künste.
Neben den normalen Musikern der Fliptops, Bassist (und zeitweise Gitarrist) Gerry Hundt, Drummer Victor Spann und Piano Willie Oshawny, wird die Band hier bei den Stücken One Eyed Jack, Your Red Wagon, Just Like That und End von «Monster» Mike Welch begleitet, dem Nick Moss so seine eigene Beteiligung auf Welchs Cryin' Hey vergilt. Die CD dauert satte 76 Minuten und ist durchgehend eine tolle Sache. Das Album hat musikalisch Biss, geht enorm in die Füsse, die Band ist gut eingespielt und die Abmischung ist tadellos. Zumindest kommt ein gutes Live-Feeling auf, wenn auch das Piano mitunter nicht so gut zu hören ist. Die Rhythm-Section bringt die Lieder voran mit stetem Puls, insbesondere Victor Spann weiss genau, was ein Blues-Schlagzeug braucht. Seine ausgezeichnete, laid-back Art des Schlagzeugs lässt stets Freiraum für Moss‘ Gitarre.
Der Einsteiger Eggroll Strull, eine Verbeugung vor dem Konzertveranstalter John Chan ist ein Schaustück, in dem die Band für sich selbst einheizt. Check My Pulse ist ein rasanter Standard der Band, wie alle Stücke anscheinend selbst geschrieben (auch The End ist nur vom Titel dem Stück der Doors ähnlich). Danach geht es mit dem Slow Blues I Love the Woman weiter, es folgt der Shuffle I Never Forget, in dem Moss eine böse ins Ohr stechende Gitarre spielt. Sein Solo knattert in perfekter Weise, stets fröhlich und mit elegant fliessenden Soloparts. Schnörkellos und doch phantasievoll ist seine Musik, und diese Mischung macht seine Magie aus.
Mit One Eyed Jack beginnt der Teil mit dem Gast-Auftritt von Welch. Der Song ist eine klassische Chicago-Nummer, bei der Nick Moss die Gitarre gegen die Harp austauscht und entsprechend gibt es reichlich Mundharmonika, und das Stück zieht sich über gemächliche sieben Minuten hin. Auch die anderen Songs mit Welchs Unterstützung klappen gut, die Zusammenarbeit harmonierte an diesem Abend offenbar ausgezeichnet. Willie Oshawny hat zum Schluss nach dem Eröffnungsstück erneut die Gelegenheit, mit Wine-O-Baby Boogie noch mal zu zeigen, was er kann - und das ist nicht von schlechten Eltern. Er legt wirklich gut los, und wie sich das für eine Band im Chicago-Stil gehört, tritt die Gitarre dabei dezent in den Hintergrund. Zum Schluss gibt es mit Move Over Morris ein weiteres Instrumental-Stück.
Die Ganze CD ist fröhlicher, lebendiger Blues, eine CD die man immer wieder hört, sei es am Morgen, weil sie einen mit Energie auflädt und Schwung gibt für den Tag oder sei es durch den Tag, um Druck abzulassen oder um einen Sound auf den Ohren zu haben beim Sport. Schliesslich kann man sie am Abend einlegen, um sie jemandem vorzuspielen, sie einfach nur zu geniessen oder selbst dazu zu dudeln. Wie gesagt, die ganze Band ist grossartig und die CDs haben ihren jeweils eigenen Charme. Aber da es hier um Live-CDs geht, sei diese ans Herz gelegt.
Los Lonely Boys Live at Blue Cat Blues (2000)
1 Scuttle Buttin'
2 Friday Night
3 I Don't Want To Lose Your Love
4 Heaven
5 Friday Night
6 Dime Mi Amor
7 Baby You're Gonna See
8 I Want You To Feel The Same Way I
9 I'm The Man To Beat
10 I Don't Want To Lose Your Love
11 Cotton Fields And Cross Roads
12 Senorita
13 I'm Gone
14 My Sweet Sweet Kiss
15 Pride And Joy
16 End Of A New Beginning
Auf dieser CD sind zwei verschiedene Auftritte der damals noch unbekannten Band Los Lonely Boys enthalten. Die CD ist zwar über grössere Internetportale wie Amazon verfügbar, sie ist aber dennoch keine offizielle Publikation dieser Band aus San Angelo, Texas, sondern ein halboffizielles Bootleg.
Die CD beinhaltet drei Stücke vom ersten Auftritt der Band am 5. Oktober 2000 und dreizehn Songs vom 30. November desselben Jahres. Beide Auftritte fand im Blue Cat Café in Dallas, TX statt, einem bekannten Bluesklub in Dallas und Sieger zahlreicher «Best Of» Preise. Der Klub existierte von 1989 bis 2001. Die Los Lonely Boys sind ein texanisches Powertrio, bestehend aus den drei Garza-Brüdern Ringo (geboren 1981), Jojo (1980) und Henry (1978). Ringo, der jüngste Bruder spielt - wie es sich für einen Ringo gehört - das Schlagzeug. Der mittlere Bruder Jojo ist Bassist und Henry spielt Gitarre und Mundharmonika, Gesangsaufgaben teilen sich die drei Brüder. Eine Eigenheit der Band ist allerdings auch der gemeinsame Gesang. Oftmals singen alle drei einen Refrain mit wunderbar aufeinander eingestimmtem Gesang. Mit ihrer jüngsten CD, der Studioproduktion Heaven haben die Garzas (das sie selbst amerikanisch «Garsa» aussprechen) zurecht erheblichen Erfolg als ein texanisches Powerhouse und als Nachfolger der von Stevie Ray Vaughan initiierten Form des Texas-Blues. Die Single Heaven war Nr. 1 bei den «Billboard adult contemporary charts» und Nr. 16 der «Billboard Hot 100»
Nun ist der Ruf eines «Thronerbens» von SRV sehr begehrt. Kenny Wayne Shepherd, Chris Duarte, Johnny Lang, Doyle Bramhall und andere versuchten, in die grossen Fussstapfen von Stevie Ray Vaughan zu treten (Und in der Schweiz Don P. & the Blue Jags nicht zu vergessen), und sie haben es für jeder auf seine eigene Weise auch tatsächlich geschafft, den Texas Blues von SRV mit brachialem Shuffle und wilden Soli und diesem spezifischen vielleicht «kehlig» zu nennenden Sound der Stratocaster am Leben zu erhalten. Trotzdem scheinen die Los Lonely Boys noch eine Spur näher am Sound von Stevie Ray Vaughan & Double Trouble, weil auch sie ein eingeschworenes Trio sind, und damit mehr als ein flamboyanter Gitarrist und eine Band als Backup. Das Brüdertrio Garza kriegt das Feeling von SRV nicht nur deswegen hin, weil die Strat gleich klingt oder weil sie technisch viel bei Stevie abgeguckt haben, oder weil sie ebenso Shuffles mit Betonung des Upbeat spielen. Der Grund ist vor allem auch, dass Ringo und Jojo wie weiland Thommy Shannon & Chris Layton die Basis legen: fetzigen Rhythmus, auf den hier Henry, dort Stevie die Gitarre packt.
Passenderweise fand daher der erste Auftritt der Band, auf dem sie die drei Songs Scuttle Buttin‘, Friday Night und I Don't Want To Loose Your Love spielten, am 5. Oktober 2000 statt, dem Geburtstag SRVs, an dem es im «Blue Cat Blues» jeweils einen «Stevie Ray Vaughan Birthday Jam» gab. Der zweite Auftritt ist nach Aussage der Band auf der CD der Sterbetag ihrer geliebten Grossmutter. Dass eine Band von drei Brüdern am Abend des Tages, an dem sie ihrer Grossmutter die Augen geschlossen haben, den Blues gut zu spielen versteht, versteht sich hoffentlich von selbst. Hier liegt auch der Unterschied zur anderen und bekannteren CD der Los Lonely Boys, in der Magie dieses besonderen Augenblicks.
Die Brüder spielen weitgehend dasselbe Programm, dass auch auf Los Lonely Boys geboten wird: Dime mi Amor, Senorita, Cotton Fields and Crossroads, Crazy Dreams, Hollywood, I Don't want To Loose Your Love, La Contestacion, More Than Love, Nobody Else oder den grössten Erfolg Heaven. Im Jahr 2000 nahm in ihrem spezifischen Tex-Mex der «Tex-Teil» noch einen grösseren Raum ein. Baby You're Gonna See und I'm the Man to Beat sind prächtig zelebrierte Texas-Shuffles. Im «Blue Cat Blues» spielen sie noch eine Idee getreuer im Stil des Vorbilds als auf Heaven (das eine wunderbare CD ist, gegen die es nichts zu sagen gibt). Als vorletzte Zugabe spielen sie dann Pride and Joy. Die Version der Boys ist eng an SRVs Version orientiert, aber dann bringen sie auf sehr schöne Weise ihren eigenen Klang hinein. Hier zeigt sich, dass Los Lonely Boys nicht eine Tribute-Band ist, sondern eine eigenständige Einheit. Pride and Joy kommt hier jedenfalls breitbeinig die Hauptstrasse runtergelaufen. Die Soli rotzig und laut, wie es sich gehört. Eine tolle und eindrückliche Version.
Mit dem letzten Stück End of a New Beginning geht es dann eigentlich unverändert weiter, allerdings kommt Jojo hier noch zu einem Bassolo, im Blues meiner Kenntnis zufolge eine Seltenheit (ausser Albert Collins‘ Cold Cuts kommt mir auf Anhieb keines in den Sinn). Geradezu überschäumend sind die beiden Nummern Senorita und der einzige wirkliche Slow Blues, Cotton fields and Cross roads (hier auf der CD noch Texas genannt) sind. Von beiden gibt es auf der Studio-CD eine schöne Vergleichsaufnahme, aber diese hier sind eben live, sie vermitteln die Einmaligkeit und Vergänglichkeit des Augenblicks, die Spontaneität DIESER Einspielung, die ihrer Grossmutter gewidmet war und an der sicher auch Grosi Garza ihre Freude gehabt hätte.
Live-CD
der Woche: Otis Rush & Friends featuring Eric Clapton and Luther
Allison Live at
Montreux (1986)
Ein Auftritt in Montreux ist zumeist eine gute Nachricht. Nicht nur ist es bekanntlich am alljährlichen «Jazzfestival» möglich, eine erlesene Mischung an Bands zu sehen, aus irgend einem Grund sind die Auftritte, ist die Stimmung unter Musikern am Genfersee und in der Obhut Claude Nobs‘ oftmals auch aussergewöhnlich gut.
Otis Rush hatte 1986 eine schwere Zeit hinter sich. Der Blues liess sich in den 1980er Jahren kaum verkaufen, zu wenig Synthesizer, zu wenig elektronische Klänge. Rush, der 1949 als 14-jähriger nach Chicago kam, war ein Wegbereiter des wilderen West-Side-Stils des Chicago-Blues. Zudem ist er einer der exklusiven Gruppen von linkshändern, die die Gitarre in der Bespannung für Rechtshänder spielen, also so wie Albert King. In der Zeit der Bluesflaute war es auch für einen Veteranen der Bühne schwer, denn Otis Rush war Sessionmusiker, spielte mit wechselnden Partnern und wurde so nie eine zentrale Figur der Chicago-Szene. Deshalb wurde es für ihn schwierig, als der Blues nur noch als Sparteninteresse gefragt war (wie es meiner Meinung nach auch im Moment der Fall ist).
Die CD umfasst lediglich neun Titel, aber mit mehreren langen Stücken geht das schon in Ordnung. Otis Rush hat hier folgende Band hinter sich versammelt: «Professor» Eddie Lusk (spielte früher mit Luther Allison) und seine Band: Anthony Palmer Gitarre und Fred Barnes und Eddie Turner an Bass und Schlagzeug. Der CD-Titel verlangt nach Erklärung: zuerst spielt die Band mit Otis Rush alleine fünf Stücke, dann kommt Eric Clapton auf die Bühne und für das letzte Stück Every Day I Have The Blues kommt noch Luther Allison dazu.
Die Stücke ohne Fremdunterstützung sind Tops, Natural Ball, Right Place Wrong Time, Mean Old World und You Don't Love Me. Clapton und Rush teilen Mikrophon und Soli für Albert Kings Crosscut Saw und Rushs Eigenkompositionen Double Trouble und All Your Love (I Miss Loving).
Die Ganze CD, nicht nur die Gastauftritte haben ein Gefühl von Jam-Session, weil eben Otis Rush nicht mit eigener Band anrückt, die er vielleicht zu diesem Zeitpunkt gar nicht hatte, sondern auf «Professor» Eddie Lusk zurückgreift. Was nicht zwingend der Fall sein muss, trifft hier aber zu: die Jam-Atmosphäre löst bei allen Musikern ein positives und kreatives Gefühl aus. Das Piano auf Right Place Wrong Time ist hierfür schöner Beweis. Die Stimmung wird noch verstärkt, als Clapton dazu kommt (Und nicht zu vergessen, der Auftritt ist nur wenige Jahre nach Claptons grossartiger Version von Double Trouble auf seiner eigenen Just One Night). Auch hier wird wild gejammt, aber auf höchstem Niveau. Hier geht die Post ab, wildgewordene Gitarristen duellieren sich mit Soli oder aber schrauben sich wechselseitig in die Höhe. Für das letzte Stück Every day I Have the Blues kriegen Clapton und Rush noch die Unterstützung von Luther Allison, einem alten Freund Rushs aus Chicago-Tagen, der wenn Otis Rush in Europa war, wenn immer möglich mit ihm spielen versuchte. Luther improvisiert einen Text, in dem er seine Bewunderung für die anderen zum Ausdruck bringt,
Es gibt nicht viel weiteres dazu zu sagen, wer eine fröhliche, ausgelassene, nicht au höchste Präzision, sondern auf die rechte Stimmung konzentrierte CD mit Chiago West-Side-Blues hören will, kann hier nicht falsch geht. Es gibt übrigens auch eine DVD des Auftritts, die ich aber nicht kenne. Otis Rush kam übrigens über den Verlauf der nächsten zehn Jahre noch zwei weitere Male an den Genfersee, offenbar hat er auch Claude Nobs überzeugt.

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1. Please Love Me
1. Come Back Baby
- Papa Was A Rascal
- Medley:
Slow Down/Bony Maronie/
Knock On Wood/
I Heard It Through The Grapevine/
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