Bloogle Musik Medien |
| Die 100 Besten Sänger |
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| Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik | |
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Seit einigen Jahren erfreut sich in der Redaktion des Rolling Stone die Hitliste grösster Beliebtheit. Das Leitmedium des Rock‘n'Roll hatte schon die 100 besten Gitarristen, die 500 besten Songs, die 100 besten Alben etc. etc. In der aktuellen Ausgabe von Rolling Stone (Nr. 1066 vom 27.11.08) haben 189 Kenner der Materie darüber abgestimmt, wer der beste Sänger oder die beste Sängerin aller Zeiten ist. Rolling Stone nimmt solche Listen mit einer gewissen kritischen Distanz, selbstverständlich sind dies keine absoluten und unumstösslichen Listen, aber sie vermitteln doch immer einen gewissen Eindruck oder auch Zwischenstand der Entwicklung der Popular Music. Zugleich geben sie einen Einblick ins Pantheon des Rock. Die wählbaren Musiker umfassen das gesamte Spektrum der amerikanischen Popmusik, also Rock'n'Roll, Bluesrock, Rock, Hard Rock, R&B, Soul. Reggae, Folk, Country und nicht zuletzt Blues. Wie für Rolling Stone in solchen Listen üblich, werden die Jazzer ausgeklammert. Das mag man bedauern, weil der Jazz schliesslich ebenfalls „popular" ist, auf der anderen Seite gibt es alleine in der Jazz-Tradition so viele grossartige Sängerinnen und Sänger, dass eine Liste von 100 gut beraten ist, den Jazz aussen vor zu lassen. Rolling Stone definiert den Rock'n'Roll als Kunstform, die immer auch einen gesellschaftlichen Anspruch auf Gegenkultur erhebt, was ja tendenziell im Jazz nicht der Fall ist. Kommt als letztes Argument hinzu, dass im Jazz der Gesang eine andere Stellung einnimmt als in den genannten Musikformen. Im Jazz lässt sich jederzeit ein Sänger oder eine Sängerin durch ein Instrument ersetzen (natürlich nur vom Arrangement her, niemand und kein Instrument hätte je Ella Fitzgerald ersetzen können).
Jeder Juror sollte seine 20 liebsten Sänger aufschreiben, die Listen wurden zusammengelegt und dann ergab sich eine Hitliste der 100 besten Sängerinnen und Sänger. Wer auf der von der Buchprüfungsfirma Ernst & Young (!) entwickelten Liste auf Platz 101 stand, hatte natürlich die sprichwörtliche Arschkarte gezogen, aber das ist eben die Natur dieser Listen.
Wie fair ist die Liste? Selbstverständlich gibt es grosse Ungerechtigkeiten: Annie Lennox auf Rang 93 und Mariah Carey auf 79? Keiner der Sänger von AC/DC (Bon Scott, Brian Johnson) taucht auf der Liste auf? Die Ränge 11 bis 14 werden belegt von Paul McCartney, Little Richard, Roy Orbison und Al Green. So gerne man Roy Orbison haben mag, Al Green ist der bessere Sänger, oder habe ich was an den Ohren? Hank Williams steht auf Rang 27, Nina Simone dagegen auf 29? Manche grosse Stimmen fehlen: Barry White, Ben E. King, Martha Reeves (von Martha and the Vandellas) Schliesslich fehlen junge Sängerinnen und Sänger, die eben noch nicht so etabliert sind wie Prince (Rang 30): Tori Amos, Eva Cassidy, Norah Jones, Justin Timberlake sucht man vergebens. Wer schliesslich vollkommen mit Abwesenheit glänzt, sind die Rap- oder Hip-Hop-Musiker. Da in dieser Form der Musik der Gesang noch viel zentraler ist als bei Rock- oder Country-Songs, erstaunt die völlige Abwesenheit von Rapstars doch etwas.
Kommen wir damit zu den Gewinnern. Wie gesagt, in den gesamten Top Ten der Liste gibt es keine Blueser. Niemand Es gibt vielleicht Musiker aus dem sehr weiten Umfeld des Blues, aber eben stets von jenseits der imaginären Genregrenze. Als Vierter wurde gewählt: Sam Cooke, dann kommen John Lennon (5) und Marvin Gaye (6, auch das fragwürdig: Marvin Gaye war der bessere Sänger als Lennon, rein was die Technik und den Umfang der Stimme angeht). Als Nr. 7 folgt, für gewisse vielleicht etwas überraschend, Bob Dylan. Schliesslich machen Otis Redding, Stevie Wonder und James Brown die Top Ten voll. Wer ist sonst noch dabei? Dusty Springfield, Bruce Springsteen und Neil Young (Nr. 35-37, Springsteen war als einziger dieser drei in der Jury). Und schliesslich die Frage: Wer hat gewonnen, wer führt die Liste an? Auf die ersten drei Plätze hat die Jury die folgenden gewählt: Bronze geht an Elvis Presley, Silber an Ray Charles und Gold - tata - an Aretha Franklin. Wie gesagt, solche Listen sind immer Anlass zur Kritik, aber wenn sie dazu dienen, sich am eigenen CD-Gestell nochmal die eine oder andere CD anzuhören, dann ist das doch eigentlich Sinn der Sache.
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