Bloogle Musik Medien |
| Showtime at the Apollo |
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| Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik | |
Zeitreise
Es beginnt mit einem Auftritt des Duke Ellington Orchestras mit einem Potpourri bekannter Titel, natürlich alle aus der Feder des Meisters. Klarinettenpart, Trompetenpart, Posaune und Bass im Dialog, dazwischen setzt Ellington einige Akzente auf dem Flügel. Es folgt eine sehr smoothe R&B-Nummer von Larry Darnell What More do You Want me to Do. Auch wenn der Sänger vielen kein Begriff mehr ist, der Auftritt ist sehenswert. Es bewegt sich dann weg vom Blues mit Honi Coles und Cholly Atkins und ihrer fulminanten aber nicht clownesken Stepptanz-Nummer. Sehr stilvolles Stepptanzen. Nach der ersten Nummer werden sie für eine witzige Einlage von Emcee Bryant verstärkt. Zusammen machen sie eine kleine Tanzeinlage, die lustig gemacht ist und einzig auf ihrem überragenden Gefühl für den groovigen Rhythmus aufbaut. Es folgt die Vocalgruppe The Clovers. Das Trio sing Your Cash Ain’t Nothing but Trash. Wirklich wunderbares Harmonisieren mit tiefer, mittlerer und hoher Stimmlage. Nach soviel Musik musste als nächstes mal wieder ein Sketch folgen. Dieser ist natürlich schwach und kaum verständlich, szenischer Humor altert bekanntlich nicht so gut wie Musik. Als es dann wieder losgeht, singt Dinah Washington die bezaubernde Ballade Only a Moment ago mit ihrer einzigartig berührenden Stimme. Nat «King» Cole tritt mit dem Quartett (Gitarre, Bass, Kongas und Piano) auf, spielt selbst noch Klavier. Dies sind rare frühe Aufnahmen des erweiterten King Cole Trio, ehe die Zeit kam mit den Streichern und den fetten Arrangements. Er singt The Trouble is You. Erneut spielt danach Ellington, wohl weil er einer der Superstars von Harlem war und weil es sich ja lohnen musste, die ganze Band heranzukarren. Im Gegensatz zum ersten Stück dirigiert er hier und spielt selbst nicht mit. Schlagzeuger Louie Bellson darf ein tolles Solo spielen. Als Krönung folgt der Auftritt von Blues-Shouter «Big» Joe Turner mit einem Titel, der den Titel Oke-She-Moka-She-Pop trägt. Die Show mag als Vorfilm im Kino gemeint gewesen sein oder 1955 vielleicht sogar schon als Fernsehshow, das wird leider nicht klar. Die Show trägt auch alle Anzeichen der rassistischen 50er Jahre: die rollenden Augen der Schwarzen Entertainer sind insofern schwer zu ertragen, aber die gesamte Sendung fetzt ab, und sie ist ein Zeugnis einer Zeit, als der Blues noch primär Tanzmusik war und niemand an den einsamen Gitarrenzupfer vor der Baumwollhütte dachte, denn erstens kam diese Romantik erst in den 60er Jahren auf und die Schwarzen Musiker hatten diese Zeit selbst noch so hautnah erlebt, dass sie froh waren, sich nicht zu erinnern. Aber inzwischen war man schliesslich im «Apollo», dem Mekka Schwarzer Musik und Schwarzen Selbstbewustseins, und es ging darum eine gute Zeit zu haben. Kommentare (0)
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