Es ist keine leichte Aufgabe, die neueste CD der Charlie Morris Band zu beschreiben, ohne sich dabei zu wiederholen.
Denn auch mit der neuesten Produktion - ihrem fünften Album - liefert die Charlie Morris Band unter der Führung
von Bandleader Charlie Morris zehn brandneue
und selbst verfasste Songs ab, die mit der bewährten Mischung aus Blues,
Louisiana-Sound und einem Schuss Rockabilly daherkommen, und erneut ist das
Album ein Ohrenschmaus und ein grosser Genuss. Die Charlie Morris Band hat einen distinkten Sound, der ihnen eine
musikalische Identität verleiht, ohne in irgendeiner Weise eintönig zu sein.
Dieser Sound ist der Zusammenarbeit der vier Musiker zu verdanken, bei der die
Rhythm Section Marco «Speedy» Jeanrenaud
an den Fellen und David Clarke an
den dicken Saiten den Soundteppich legen, auf dem die Tasten, bzw. Saiten von Markus Baumer und Charlie Morris tanzen.
Der Sound von CMB
geht in die Füsse, man wippt mit dem Kopf oder schnippt mit den Fingern. Dies
ist Wohlfühlmusik und Feierabendmusik, die man aber auch morgens unter der
Dusche hören kann. Die CD ist perfekt abgemischt, die Instrumente sind
gleichermassen gut hörbar und alle Aufnahmen bestechen mit Spielwitz und
-freude und einer ausgezeichnet aufeinander eingestellten Band. Alle Songs sind
Eigenkompositionen und neben der ausgezeichneten Musik leben die Songs der Band
auch vom wirklich bemerkenswert guten Songwriting des Bandleaders Charlie Morris. In der US-Version von Amazon
kann man Ausschnitte der Songs hören ,
aber um den Witz der Songs zu geniessen, muss man natürlich sie natürlich ganz
hören.
Das Album bietet zudem politisches Engagement im
Eröffnungssong Got Greedy, auf dem Morris die Ursache der momentanen Krise
direkt und klar benennt. Darin bezeichnet er Geld und die Gier nach Geld als
«honey to the rich, poison to the poor». So kann man auch ein brisantes Thema
lyrisch umsetzen. Die Umweltzerstörung und die Gewalt ist ebenso Thema des
Songs, aber zu keinem Zeitpunkt wirkt der Song peinlich oder beliebig, sondern
bleibt stets engagiert.
Der darauf folgende Titel Monsieur Miracle wurde schon auf der Live-CD What a Scene zum Besten
geben, aber erstens ist dies die Studioaufnahme, und zweitens ist der Song auch
hier fetzig und Drummer Marco «Speedy»
Jeanrenaud macht ihn zu einem Beispiel seines Könnens. Somit ist Mister Miracle nun einfach umgezogen und
nennt sich nun Monsieur Miracle, wenn
auch der gesungene Text weiterhin englisch bleibt. Die ersten beiden Songs sind
auf der Website der Band herunterladbar, wo man die CD auch bestellen kann.
Das folgende I Got To
Have It ist ein schöner Gitarrenshuffle mit wunderbarer Begleitung, dass -
ohne Zweifel zufällig - enorme Ähnlichkeit aufweist mit dem Song She Just Wants to Dance von Keb' Mo'. Eine schöne nachdenkliche
Bluesballade an der als einzig sonderbares zu bemerken ist, dass sie thematisch
in krassem Gegensatz zum Opener Got
Greedy steht. Markus Baumer hat
hier ein wunderschönes Solo.
Er setzt auch in Stagger
Home to my Baby deutliche Akzente. Das vierte Stück hat das Feeling eines
Piano-Blues und Musik und der humoristische Text eines Mannes, der nach
ausgedehnter Kneipentour zu seinem «Baby» heimtorkelt. Der folgende Titel Jelly Got me in a Jam hat erneut einen
witzigen Text mit einem bemerkenswert doppelbödig-anzüglichen Text. Morris erzählt die Geschichte eines
Liebhabers, der auf der Suche nach «Jelly Roll» - bei Ralf König würde man das
als «Quarktasche» übersetzen - eine Menge Ärger kriegt, denn die Geliebte war «the
Sheriff's daughter, she was the judge's wife» und entsprechend schaffte er es
eben noch mit heiler Haut davon.
I Got a Black Cat Bone
ist ein fetziger Shuffle, bei dem erneut in humorvollem Songwriting die
Voodoo-Vorteile eines «Black Cat Bone» geschildert werden. Leider erfährt man
auch hier nicht, wie man den Knochen einer weissen Katze von dem einer
Schwarzen unterscheiden kann. Der darauf folgende Slow Blues Never Coming Home bietet mit 7:31 Länge
genügend Raum ist für Soli und ein ausgedehntes Zelebrieren der Ballade.
New Fool geht mit
2:43 fast enttäuschend schnell vorbei, es ist ein Gitarrenblues mit
Slide-Begleitung und Baumer ausnahmsweise
an den Tasten der Hammond B-3. Diese leichte musikalische Variation klingt viel
versprechend und die Kombination von Slide und Orgel ist gelungen. Hoffentlich
hört man auf weiteren Alben mehr von der Orgel. Der folgende Blues Not Much Glory beginnt nur an der
Gitarre, bis die Band einsetzt. Der Einsatz von Jeanrenaud und Clarke
könnte als Anschauungsmaterial für den Musikunterricht, was eine Rhythm Section
zum Song beiträgt. Der Titel schildert die Härten und Ungerechtigkeiten des
Musikerdaseins. Ein weiterer gelungener Song.
Der Closer bringt erneut einen synkopierten Rhythmus und
dieses Feelings des Amerikanischen Südens. Erneut werden hier sehr anzügliche
«double entendres» zum besten gegeben, und zugleich nimmt Charlie Morris seine Bandmitglieder etwas auf den Arm. Unbedachte
Äusserungen werden Bandmitgliedern in den Mund gelegt, die auf englisch
äusserst anzüglich sind. Der Songs ist wirklich witzig. Charlie Morris zeigt hier seine Songwriting-Qualitäten ein letztes
Mal, und wenn der Titel des Songs auch suggeriert, dass sich jede der in den
Strophen erörterten Episoden genauso abgespielt habe, zählt wohl die Devise der
CD: «We swear these 10 stories are true, but we don't claim that they actually
happened to us». So werden wahre Geschichten fiktional. Real allerdings bleibt
der Unterhaltungswert der CD, der sehr hoch anzusetzen ist.
1. Got Greedy4:22
2. Monsieur Miracle4:22
3. I Got to
Have It4:21
4. Stagger
Home to My Baby2:54
5. Jelly
Got Me in a Jam2:42
6. I Got a
Black Cat Bone3:17
7. Never
Coming Home7:32
8. New Fool2:44
9. Not Much
Glory4:34
10. That's
What She Said2:53
Charlie Morris - Guitar, lead vocals Markus Baumer - Keyboards Marco «Speedy» Jeanrenaud - Drums, percussion David Clarke - Bass