Bloogle Musik Rezensionen CDs |
| Crazy Chris Kramer - CD und DVD |
|
|
|
| Geschrieben von Rolf Winter, Redaktionsleitung | |
Blues aus dem Ruhrpott
«Crazy» Chris Kramer hatte beim Deutschen Rock und Pop Preis 2009 gleich fünf Preise abgeräumt: Gold in der Kategorie: Bester Instrumentalsolist, sowie Silber in den Kategorien: Bestes Arrangement, Bester Rhythm & Blues-Sänger, Bestes Rhythm & Blues-Album und Bestes Blasinstrument. Höchste Zeit also, diesen interessanten Gitarristen, Harpspieler, Sänger und Komponisten auf Bluesnews.ch vorzustellen. Chris Kramer ist sowohl solo unterwegs, spielt daneben mit Dirk Edelhoff als Duo und tritt zusammen mit Martin Engelien (Bass), Dirk Edelhoff (Gitarre) und Josef Kirschgen (Schlagzeug) in seiner Band „Crazy“ Chris Kramer und Band auf. Ein weiteres Projekt ist Groovehands mit Bernd Kullack (Geige), Wolfgang Engelbertz (Bass) und Mirko van Stiphaut (Gitarre). Hier ist das Experimentierfeld, welches Blues, Funk, Bossa Nova, Klezmer, Jazz, Zigeunerswing, Country, Bluegrass sowie originelle Coverversionen von Pop- und Rockklassikern miteinander verbindet. 17 Jahre lang hat Chris ausserdem in Workshops zukünftigen Harpspielern das Mundwerk beigebracht und vier Lehrbücher geschrieben. Er ist zweifellos eine der interessanten Figuren in der deutschen Bluesszene. Wir haben uns die beiden neusten Publikationen von Crazy Chris Krameran: die CD . . .unterwegs und die DVD Live und Solo angesehen und –gehört.
Ich gestehe es freimütig: ich habe Mühe mit deutschen Bluessongs. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass ich fände echter Blues könne nur englisch gesungen sein. Es liegt auch nicht an den Inhalten, die können in jeder Sprache genau so gehaltvoll oder banal sein. Schon gar nicht liegt es an der Musik. Ich hatte bloss den Eindruck, auf Deutsch brauche es mehr Wörter als in einer Songzeile Platz, um etwas auszudrücken. Das hat ganz einfach mit der Sprache zu tun, die nicht so kompakt ist, und für mein Gefühl wollen Rhythmus von Blues und deutscher Sprache irgendwie nicht so recht zusammen passen. Mit diesen ganz persönlichen Vorbehalten im Hinterkopf nahm ich mir die beiden Scheiben vor und machte mich darauf gefasst, mein Vorurteil einmal mehr bestätigt zu finden. Um es gleich vorweg zu nehmen: Texte voller augenzwinkerndem Humor, Selbstironie und urbaner Poesie, solides instrumentales Können und ein Gefühl für den Blues mischen sich zu einzigartigen Songs, die mich restlos davon überzeugten, dass es doch geht. So wird zum Beispiel aus dem klassischen „Woke Up This Morning and My Baby is Gone“ eine Geschichte, die ganz anders gestrickt ist: Ich wach heut’ morgen auf ich bin in meinem Bett Sie sagt, sie heisst Aische Ich sag‘: ja was denn? Ich sag‘: ja was denn? Auf keinen Fall Sie fängt sofort an zu wein‘ Ich nehm sie in den Arm Seit jenem Tag hat mich Nun, die Story geht weiter und beschreibt die möglichen interkulturellen Probleme, die bei einem One Night Stand auftreten können, entpuppt sich am Schluss aber zum Glück als Traum. Oder den Meister Igel Song, der die im Blues seit Menschengedenken beliebte Prahlerei mit erotischen Erlebnissen auf zauberhafte Weise als Fabel erzählt. Es gibt aber auch nachdenkliche, sehr romantische Lieder, wie Ich hab Scheiss gebaut, der eine verkorkste Beziehung die zu Ende ging so beschreibt, dass man Gänsehaut kriegt und hübsche Liebeslieder wie Du tust mir gut. Die CD ist 2009 erschienen und ist das Resultat ausgedehnter Reisen und der Zusammenarbeit mit vielen seiner deutschen und internationalen Wunschmusiker. Das Lineup ist beeindruckend. Unter anderem spielen mit: Albie Donelly, Bob Stroger, Carsten Steffens, Chuck Leavell, Colin Hodgkinson, Helge Schneider, Dirk Edelhoff, Hennes Bender, Jens Filser, Jochen Malmsheimer, Malte Triebsch, Martin Engelien, Mel Gaynor, Mick Taylor, Olaf Krüger, Pete York, Pinetop Perkins, Willy «Big Eyes» Smith, Wolfgang Engelbertz. Chris Kramer schöpft dabei musikalisch aus dem Vollen. Die Besetzung der einzelnen Stücke ist etwas unübersichtlich und erfordert einige Aufmerksamkeit beim Lesen des Begleittextes, das ist aber gar nicht so wichtig. Jedes einzelne Stück drückt unüberhörbar die Spielfreude aus. Nach einem dreissig Sekunden langen verhaltenen Intro irgendwo aus dem akustischen Untergrund am Anfang des Songs Meister Igel geht die Post ab. Mel Gaynor am Schlagzeug und Martin Engelien am Bass treiben den Song gleich mit Vollgas voran, dazu spielt Mick Taylor und Chris steuert seine Stimme und den originellen Text bei. Es folgt mit Du gabst mir 7 Kinder ein weiterer fetziger Song und spätestens jetzt kann kein Mensch mehr die Beine still halten. So geht es weiter. Mal rockig, mal Country Blues wie Hätt ich nur einen Moment Zeit, nahe an der Schnulze und auch das kommt erstklassig rüber. Mit Biggis Bier Bar folgt ein funkiger Titel mit tollen Bläsersätzen, Chuck Leavell liefert den Hammond Sound und liefert auch das Piano auf den folgenden Stücken: Benedictia und Bleib bis zum Frühstück. In den beiden nächsten Stücken: Es gibt gut, besser und es gibt mich und Ich beiß mich jetzt da durch sitzen unverkennbar Pinetop Perkins am Piano und Willy Smith am Schlagzeug. Es ist eine der CDs, die man immer wieder hören mag und die bei jedem Mal besser werden. Abwechslungsreich, fetzig, rockig enthält sie Blues vom feinsten in all seinen klassischen bis modernen Spielarten. Genau das Gegenteil ist die DVD. Sie ist 2008 erschienen und ist ein Livemitschnitt eines Solo Konzerts vom 23.9.2007 im Fritz Henssler Haus in Dortmund. Wo die CD üppigen Sound, funkige Arrangements und mitreissenden Rhythmus bietet, ist die DVD ein Kabinettstück bluesiger Kammermusik. Sie zeigt Chris Kramers Gitarren- und Harmonikaspiel in all seinen Facetten und zeigt ihn ausserdem als charmanten Unterhalter, der sein Publikum einzunehmen weiss. Seine Performance ist engagiert und voller Emotionen, die er glaubhaft und mit grossartigem Können vorträgt. Er demonstriert eindrücklich, wie wenig Aufwand es eigentlich braucht, wie akustischer Blues mitreissen kann und er erzeugt eine Stimmung irgendwo zwischen Nachdenklichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Sie enthält 22 Songs, wovon 3 auch auf der CD enthalten sind. Alle Titel ausser Seven Turns und Waiting for The Sun sind Eigenkompositionen mit deutschem Text. Die Texte stammen ebenfalls von ihm. Kommentare (0)
![]() Kommentar schreiben
|
| < Zurück | Weiter > |
|---|









