Born In The Honey
The Pinetop Perkins Story
Vizztone Label Group, 2007, SB101
60 Minuten
Bonus CD mit 10 Titeln aus Live in Chicago
Pinetop Perkins Biographie ist eine Dokumentation über einen
Musiker und gleichzeitig so was wie ein Spaziergang durch die Geschichte. Kein
Wunder, war doch Pinetop 94 Jahre alt, als diese Biographie entstand und ist
damit einer der letzten noch lebenden Musiker aus den Anfängen des Blues. Seine
Biographie ist ein Musterbeispiel für das Leben eines schwarzen (Musikers) in
der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ein Spiegelbild der
Gesellschaft im Süden der USA. Sein Werdegang ist exemplarisch für die
Biographie eines Bluesmusikers jener Zeit.
Der Film beginnt mit Bildern aus dem Mississippi Delta, die
jedem der diese eigenwillige und wunderbare Gegend schon mal besuchen durfte,
vertraut sind. Wir sehen den imposanten Fluss, Mississippi Swamps, riesige
Baumwollfelder, zerfallene Shacks und eine Plantation.
Es folgt eine kurze Beschreibung seiner Herkunft und
Kindheit, die so ziemlich alle Klischées erfüllt, die man sich denken kann:
Schwere Jugend, frühes Verlassen des Heims, Arbeit auf den Baumwollplantagen,
Musikspiel in den Juke Joints bereits als Jugendlicher, weitere musikalische
Ausbildung in der Kirche, die er unter anderem wegen einer Affäre mit des
Pastors Töchterlein verlassen musste. Mitarbeit in einer illegalen Brennerei
mit anschliessendem Ärger mit den Behörden und man nimmt schon an, der Film
würde weiter auf dieser Welle reiten, was aber nur zum Teil stimmt, denn nach
diesem einführenden Teil werden für den Rest des Films Live Mitschnitte von
Konzerten mit Interviews Pinetops und vielen seiner Weggefährten gemischt. Die
Liste liest sich wie ein Who is Who des Blues: Willie „Big Eyes" Smith, Bubba
Sullivan, Ike Turner, Bobby Rush, Paul Oscher, Ann Rabson, Dr. John, Lonnie
Brooks, Mitch Woods, Hubert Sumlin, Taj Mahal, Marcia Ball, Kim Wilson, Koko
Taylor, Bernard Allison, Eddie Clearwater und Sam Carr. Keiner, der nicht
voller Bewunderung für Pinetops musikalisches Schaffen wäre und nicht voller
Sympathie über sein Wesen spricht.
Die biographischen Daten sind nicht weiter neu. Geboren wurde
Pinetop 1913 als Joe Willie Perkins auf der Honey Island Plantation in Belzoni,
MS, die der Biographie auch ihren Namen gab. Zur Zeit als der Film gedreht
wurde, war er also 93 Jahre alt. Immer wieder taucht er zwischen den
Filmsequenzen auf und wir sehen einen sympathischen, bescheidenen, charmanten alten
Mann mit jungen Augen, der über sein Leben spricht. Er ist sich offensichtlich
über seinen Status als einer der ganz grossen Boogie und Bluespianisten ebenso
wenig bewusst wie über seinen Einfluss auf die zeitgenössische Popmusik. Ann
Rabson bringt es in einem Satz auf den Punkt: He is a musician before he is an
icon! Und auf die Frage, was er wohl sonst getan hätte, wäre er nicht Musiker
geworden, antwortet er: Keine Ahnung, ich wäre wohl im Armenhaus gelandet.
Erste musikalische Stufe war die Zusammenarbeit mit Robert
Nighthawk und Earl. Hooker. Es folgen seine Mitarbeit in der King Biscuit Show,
später die Zusammenarbeit mit Muddy Waters bis zum Beginn seiner Solokarriere
1988 die im Grunde bis heute anhält und
einige hervorragende CDs hervorgebracht hat. Immerhin war er da schon 75 Jahre alt, Glücklicherweise ist er bei seinem
Manager Pat Morgan offenbar in guten Händen.
Wir erfahren, dass Pinetop vor allem deswegen Piano spielte,
weil er bei einem Streit die Sehne seines linken Armes verletzt hatte und
deswegen nicht Gitarre spielen konnte, dass er Ike Turner das Piano spielen
beigebracht hat und schliesslich, dass er sich am liebsten bei McDonalds
ernährt, was ein Indiz dafür ist, dass man doch mit dieser Kost durchaus ein
biblisches Alter erreichen kann.
Alles in allem ist die DVD kein berauschendes Werk, dafür ist sie zu konventionell gemacht. Aber
dennoch erfährt man einiges über die frühen Ikonen des Delta Blues und sieht
Pinetop in Aktion, wenn auch die Aufnahmen qualitativ nicht herausragen. Die Bonus CD ist aber von guter Qualität und ein Querschnitt durch einige
seiner besten und bekanntesten Nummern. Wer Pianoblues mag und Pinetop nicht kennt (gibt es das?) kann hier einen der grossen Pianisten kennenlernen. Für Pinetop Fans ist sie ein Muss.
Bonus CD:
- Chicken
Shack
- How
Long Blues
- Down
in Mississippi
- Grinder
Man Blues
- Little
Bit of Your Love
- Perkins
Boogie
- Ida
B
- Kansas
City
- Mojo
- Rather
Quit Than Hit Her
|