
Ein Wort im
Voraus: sehr wahrscheinlich bin ich nicht sehr objektiv, was diese DVD angeht,
denn als ich vierzehn Jahre alt war, brachte mir mein Vater eine Doppel-LP mit
den grössten Hits von Cream nach Hause und diese
Schallplatte veränderte mein Leben. Ich war seit jeher ein grosser Verehrer der
britischen «Supergroup» und halte sie bis heute für so ziemlich das Beste, was
es jemals gab, was Bluesrock angeht. Deshalb bin ich sicherlich voreingenommen,
wenn es um eine Beurteilung dieser DVD und der Musik darauf geht.
Doch was
auf diesen beiden DVD drauf ist, das hatte ich gleichwohl nicht erwartet. Der
Zusammenschnitt der vier Konzerte in der Royal Albert Hall ist eine Kompilation
von etwas Magischem, beinahe Übernatürlichem. Das Zusammenspiel von Schlagzeuge
Ginger Baker, Bassist Jack Bruce und Gitarrist Eric Clapton war in den 60er
Jahren genial, atemberaubend, wild und ungestüm.
Dann haben
die drei bekanntlich dreissig Jahre nicht mehr zusammen gespielt und kamen dann
für diese historischen Konzerte wieder zusammen. Auf Betreiben Eric Claptons,
wie Ginger Baker zu Beginn der Interviews deutlich macht.
Clapton
sagt, dass er dreissig Jahre lang immer wieder gefragt wurde, ob es wohl zu
einer Wiedervereinigung kommen könnte, ob die drei wohl jemals wieder zusammen
spielen würden, und er war die Fragerei satt, und zudem wurde ihm klar, dass
andere Ikonen der 60er Jahre nicht mehr zusammen spielen könnten, weil entweder
manche der Mitglieder nicht mehr lebten (Beatles, Led Zepplin) oder die Musiker
persönlich vollkommen inkompatibel waren.
Dann kamen
die drei also zusammen und haben 2005 diese historischen vier Konzerte
aufgenommen. Das Ergebnis ist besser als von allen erwartet, inklusive den Musikern
selbst, wie Ginger Baker klar macht.
Eric
Clapton ist nie so gut, wie wenn er von Jack Bruces Bass und dem unerbittlichen
Schlagzeug Bakers angetrieben wird, er spielt mit einer Klarheit und
Sauberkeit, gleichzeitig mitreissend wie selten oder nie. Clapton spielt auf
allen Konzerten eine Fender Stratocaster, mit modernen Pickups, also weder eine
Vintage Strat noch erlag er der Versuchung, eine Gibson SG zu spielen wie
damals. Die Verstärkung ist ebenfalls modern, keine Marshall Amps, sondern
moderne Ausrüstung.
Jack Bruce
seinerseits verzichtet auf seinen alten Bass der Bauart Gibson EB-3 und spielt
einen modernen fretless Bass, also einen E-Bass ohne Bünde. Er sagt im
Interview, dass sie es anfänglich mit dem alten Bass versucht hätten, aber es
habe nicht hingehauen.
So spielen
die drei alten Männer (Bruce ist zum Zeitpunkt des Konzerts 61, Clapton 60 und
Baker 65) mit moderner Ausrüstung ihre alten Songs nach - und klingen dabei
erstaunlich und enorm frisch und knackig. Die Aufnahmen der 60er sind manchmal
etwas verschwommen, sei es durch die Aufnahmetechnik, durch die
Instrumentierung oder durch Drogenkonsum der drei Musiker, hier aber spielen
sie clean und jeder Hinsicht, und dadurch werden sie gegenüber den Details
aufmerksamer und feinfühliger.
Sie spielen
die alten Songs, mit Ausnahme von Muddy Waters «Rolling and Tumbling» sowie
T-Bone Walkers «Stormy Monday», die sie - wohl auf Drängen Claptons - in die
Setlist aufnahmen. Alle Songs sind grossartig, von Baerks Schlagzeugsolo «Toad»
bis zu Bakers Mundharmonika Tour-de-Force «Sitting on Top of The World».
Diese
Konzerte sind ein Stück Musikgeschichte, und das zurecht, sie sind grossartige
Dokumente einer vergangenen Zeit, die klar machen, wieso die British Revolution
die USA erreichen und verändern konnte, die deutlich machen, wieso Cream
eine herausragende Band waren.
Wenn es
einen Wertmutstropfen gibt, dann den, dass sie von meinen persönlichen
Lieblingsliedern nicht «Tales of Brave Ulysses» spielten und dass es keine
grosse Europatournee gab, auf denen man die drei hätte Live bestaunen können.
Tracks:
DVD 1
01 Im So
Glad
02 Spoonful
03 Outside
Woman Blues
04 Pressed
Rat & Warthog
05 Sleepy
Time Time
06 N.S.U.
07 Badge
08
Politician
09 Sweet
Wine
10 Rollin
& Tumblin
11 Stormy
Monday
12 Deserted
Cities Of The Heart
13 Born
Under A Bad Sign
14 We're
Going Wrong
Bonus:Sleepy Time
Time, We're Going
Wrong
DVD 2
15
Crossroads
16 Sitting
On Top Of The World
17 White
Room
18 Toad
19 Sunshine
Of Your Love
Bonus:Sunshine Of
Your Love
Extras:Interview
(16 Minuten) mit den drei Musikern (je individuell aufgenommen)
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