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3. Winterthurer Blues Night PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Rolf Redaktionsleitung   

RetoNaegelinWinterthurBluesnight2009.jpg Zum dritten Mal fand am 26. Dezember 2009 die Winterthurer Bluesnight statt. Der von Walter Baumgartner ins Leben gerufene Event nähert sich damit der Schwelle, an der ein Anlass zur Tradition wird. Wollen wir es hoffen, denn auch diese Ausgabe der Bluesnight war stimmig: Das Salzhaus in Winterthur ist für Bluesgigs ein idealer Ort. Die Zweiteilung des Raums bietet die Möglichkeit für ein Gespräch oder einen Drink, bei dem man die Musik hören und auf der Videoprojektion die Band sehen kann. Man kann leicht zwischen Bühne und Bar pendeln, die Akustik ist gut, das Ambiente angenehm und seine Lage ideal, auch für Besucher, die weiter weg wohnen. Zu Beginn schien es, dass der Blues dieses Mal nicht so viele Zuschauer anlocken würde, wie die beiden ersten Male, im Verlauf des Abends änderte sich dies aber und das Salzhaus füllte sich zusehends.

Walter Baumgartner überliess es Reto Nägelin, dem aufgestellten Bluesdiakon aus Rüschlikon, durch das Programm zu führen. Dieser eröffnete den Abend mit ein paar Gedanken zum Wesen des Blues und seiner Wirkung auf uns, um dann gleich den ersten Gig anzukündigen.

 

LarrySchmukiWinterthurBluesnight2009.jpg Larry's Blues Band spielte in der seit 2001 bestehenden Kernformation mit Larry Schmuki (Gitarre, Gesang), Markus Fritzsche (Bass) und Beat Aschwanden (Schlagzeug). Nichts Neues, nichts Überraschendes und das ist als Lob gemeint! Die Band bewies ihre Klasse und ihre Fähigkeit, ohne Show, ohne Firlefanz mitreissenden Blues auf hohem Niveau darzubieten. „Netto Blues" nennt die Gruppe ihren Sound und meint damit unprätentiösen, ehrlichen Blues mit viel Gefühl der die Herzen der Zuhörer direkt erreicht - und das ist es auch. Die Band war in guter Stimmung und spielte ein Set aus ihrem Standard Repertoire. Larrys Soli überzeugten durch Einfallsreichtum und solides Gitarrenhandwerk, getragen vom Groove des Schlagzeugs und des Basses. Markus Fritsche könnte sich ruhig das eine oder andere Solo mehr leisten, denn er ist ein Bassist der Spitzenklasse, der seine Bassgitarre auch als Soloinstrument einzusetzen weiss, wie er gegen Ende des Sets eindrücklich demonstrierte.

AlCookWinterthurBluesnight2009.jpg Dann gehörte die Bühne Al Cook (Gitarre, Gesang), Charlie Hloch, alias Charly Lloyd (Piano) und Harry Hudson (Schlagzeug) Bei einigen Gesprächen mit dem Publikum stellte sich heraus, dass Al Cook in der Schweiz weniger bekannt ist, was sich hoffentlich nach diesem Auftritt ändern wird. Selten hört man so authentischen Blues, kaum je von einem europäischen Musiker. Dabei erschöpft sich seine Musik nicht etwa in einer starren Form, wie es bei Interpretationen älterer Stilarten in der Musik gerne der Fall ist. Vielmehr ist sie lebendig und gibt den Zuhörern nach kurzer Zeit das Gefühl, in einem Juke Joint oder Barrelhouse zu sitzen. Dazu groovet die Musik und führt einem vor, wie Rock ‚n‘ Roll entstanden ist. Das Repertoire besteht aus Blues, Countryblues und Rockabilly der 20er bis 50er Jahre, enthält aber weitgehend Eigenkompositionen, die Al Cook im Stil seiner Vorbilder komponiert. Stilistisch schöpft Al Cook aus den Oeuvres von Robert Johnson, Blind Lemon Jefferson, Elmore James, Son House, Charlie Patton, Roosevelt Sykes und Lightning Hopkins. Dass er dabei äusserlich an Elvis erinnert, hat mit seiner Biographie und seiner musikalischen Entwicklung zu tun, die ausserordentlich interessant ist.

Das Setup ist einfach: elektrische Gitarre, Piano und Schlagzeug. Kein WahWah, keine technischen Spielereien - nichts. Es erscheint schon fast fremd, dass  Charlie Hloch an einem elektrischen Keyboard sitzt und nicht an einem Barpiano. Er spielt locker, mal im Unterhaltungsstil der Barrelhouse Pianisten, mal nachdenklich bluesig, dann wieder rockig und wechselt gekonnt zwischen den Stilarten. Im Hintergrund Harry Hudson als Rhythmusmaschine, entspannt und präzise. Schliesslich Al Cook mit seiner Gitarre, ich schätze eine Gibson ES 175. Dann ging es los, es war wie eine Zeitreise. Mal erinnerte es an Charlie Patton, mal an Sun House, mal klang es rockig nach Elmore James, dann wieder wie Roosevelt Sykes oder Big Maceo, sowie die frühen Texasblues Songs von Lightning Hopkins. Es gelingt ihm, den Sound, den man in eingeschränkter Tonqualität von alten Aufnahmen kennt, in einer Frische und Lebendigkeit auf die Bühne zu zaubern, die erstaunt. Im Washboard Boogie tauschte Harry Hudson das Schlagzeug mit dem Waschbrett und zeigte eindrücklich, was in diesem simplen Instrument steckt. Al Cook legte ein Bassolo auf der Gitarre hin und wies mit dem Duckwalk und gekonnter Tanzeinlage augenzwinkernd auf seine Anfänge als Rock ‚n‘ Roll Musiker und Elvis Covermusiker hin.

Auf den Punkt gebracht: wer erleben möchte, wie sich Blues vor und an der Schwelle zum Rock ‚n‘ Roll und  all den anderen Blues Derivaten angehört hat und zwar nicht als Konserve in einem historischen Sinn, sondern live und lebendig, sollte sich Al Cook unbedingt anhören.

Das dritte Set bestritt Walt's Blues Box . Die Formation mit Walter Baumgartner, (Gesang, Harmonicas); Jonas Wolf, (Gitarren, Gesang); Markus Schelling, (Bass); Felix Widmer, (Hammond B3, Keyboards, Gesang) und Marco Besomi, (Schlagzeug) Hatte Walter zu Beginn noch ironisch orakelt, sie spielten zum Schluss, wenn die Leute nach Hause gingen, so demonstrierte der volle Saal das Gegenteil. Aufgeräumt legte der Gastgeber mit Who Do You Think You Are aus der letzten CD Walk Down The Road los und spielte sich durch ihr Repertoire. Bluesig, funky und voller Spielfreude spielten sie und das Publikum konnte nicht mehr still stehen. Es ist immer wieder begeisternd, wie Walter Baumgartner durch seine Bühnenpräsenz die Leute mitreisst und die Blues Box es versteht, gute Laune mit tollem, modernem Blues zu verschmelzen.

Ein würdiger Abschluss eines musikalisch und stimmungsmässig tollen Abends. Die Auswahl der drei Bands harmonierte wunderbar, bot Bekanntes und Überraschendes. Ich hoffe sehr auf eine nächste Ausgabe der Winterthurer Bluesnight und empfehle jedem, Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr 2010 mal im Kalender frei zu halten. Der genaue Termin steht noch nicht fest. bluesnews wird rechtzeitig informieren.

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