Begeisternder Schlusspunkt
Die Bühne gehörte am letzten Abend des Bluesfestivals Baden zunächst
dem hierzulande erst wenig bekannten Gitarristen, Sänger und Songschreiber aus
dem Delta: Earnest Guitar Roy. Er ist Anfang Mai am Bluesfest Eutin zum ersten
Mal in Europa aufgetreten und dies war sein erster - und ein überzeugender - Auftritt
in der Schweiz. Es dürfte nicht sein letzter gewesen sein.
Der zweite Teil des Abends präsentierte dagegen einen
etablierten Topstar der Szene, Duke Robillard.
Er wurde erstmals bekannt als er mit neunzehn Jahren die Band Roomful
Of Blues gründete, die er während über zwölf Jahren leitete, bevor er
sie Ronnie Earl übergab. In dieser Zeit machte sich Roomful Of Blues einen
Namen als richtungsweisende Bluesband, die ihren Stil ständig verfeinerte und musikalisch
offen war. Nach drei Jahren mit den Fabulous Thunderbirds, wo er Jimmy Vaughan ersetzte, begann seine
bis jetzt anhaltende Solokarriere. Beide Künstler zeigten sich von ihrer Schokoladenseite und
hinterliessen ein zufriedenes Publikum.
Aus Clarksdale, dem
Epizentrum des Blues im Mississippi Delta stammt Earnest Guitar Roy, den das Team um Susanne Slavicek nach Baden holte. Der 1958 geborene Gitarrist und
Sänger ist jedoch keine unbeschriebene Landpomeranze, sondern hat sich schon in
der Band seines Vaters, später in Zusammenarbeit mit Sam Carr, Frank Frost
und Big Jack Johnson, sowie auf Tourneen
durch die Staaten und Australien seine Plektren abverdient.
«They say,
the Delta is the home of the blues. I say, it's my home» Mit dieser verschmitzten
Begrüssung stellte er sich vor und genauso augenzwinkernd war er jederzeit bereit, sich für die Fotografen in Pose zu
stellen und mit der Kamera zu flirten. Rasch gab's einen Draht zum Publikum,
das er mit knuffligem Charme bezauberte.
Er trat mit Joe
Anthony Simmons (Keyboards, Hammond); seiner Frau Carla Denise Roy (Bass)
und Charles Lamar Gage (Schlagzeug)
auf, alle an diesem Abend gut drauf. Die spontane Entscheidung, die Band durch
die Saxophonistin und den Trompeter zu verstärken, die am Vorabend in der Delbert McClinton Band gespielt hatten,
passte ausgezeichnet zu Earnest Guitar
Roys Stil, seinen Blues, den er den er nach eigenen Aussagen bereits mit
vierzehn zu entwickeln begann und den er «bluejazz» nennt, tatsächlich ist es auch
moderner Southern Blues, gewürzt mit Jazz Elementen. Das Legieren mit anderen
Stilen, besonders mit rockigen oder jazzigen Elementen ist ja nichts aufregendes
an sich, jedoch gelingt es ihm auf eine besondere Weise, die Essenz des Delta
Blues zu bewahren und gleichzeitig frischen Wind rein zu bringen. Besonders
deutlich am 44 Blues, der so klingt,
als wäre er gestern geschrieben und nicht vor über achtzig Jahren.
Nach der Pause trat ein entspannter Duke Robillard auf die Bretter. Unspektakulär wirkte er wie der liebenswürdige
Onkel von nebenan, kaum Worte, null Showeffekte, dafür exzellentes Handwerk,
gepaart mit der Fähigkeit einen Strauss von Blues in all seinen Schattierungen zu
mischen und so darzubieten, dass es völlig locker und selbstverständlich daher
kommt. Dazu diese Bluesstimme. Kein Wunder ist er fünfmal mit Blues Awards bzw.
Grammies nominiert oder ausgezeichnet worden. Ihm zur Seite standen und sassen Bruce Bears, einer der derzeit besten
Keyboarder, Mark Teixeira, der
regelmässig in den «Wer-ist-der-beste-Bluesdrummer?» Votings auftaucht, sowie
der Bassist Brad Hallen, auch er ein
Schwergewicht in der Szene. Was dann folgte war eine Reise durch diverse
Varianten des Blues, mal klang es rockig wie Ende der fünfziger Jahre, mal gab
es süffigen R&B, dann wieder lockeren Westcoast Blues. Man konnte sich
einfach tragen lassen und geniessen.
«Big Irgendwas» ist ein Übername,
der in der Blues und Jazzszene der USA noch schnell mal einem Musiker verliehen
wird, «Duke» ist dagegen eine extrem seltene Auszeichnung. Wer an diesem Abend
im Nordportal war, weiss warum Michael
John Robillard so genannt wird.
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