Toller Auftritt!
Mit Tad Robinson gastierte am 13. Oktober 2010 im Sudhaus Basel. Es war das fünfte Konzert in der bemerkenswerten Reihe Blues Now! und nach Meinung mehrerer Leute der Höhepunkt der bisherigen Konzertreihe. Nun kann man in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung sein, ein Höhepunkt war es allemal. Begleitet wurde er von Alex Schultz (Gitarre); Kevin Anker (Keyboard); Steve Gomes (Bass) und Robb Stupka (Schlagzeug). Alex Schultz, ein Freund aus Robinsons Jugendzeiten, ist ein Gitarrist der Extraklasse und tritt hin und wieder in verschiedenen Bands auf. Zuletzt war er in der Schweiz am Geneva Blues Summit zusammen mit Raphael Wressnig zu sehen. Steve Gomes und Robb Stupka konnten wir bereits im Frühjahr zusammen mit Darrell Nulisch erleben.
Tad Robinson, 1956 in New York geboren, lebt heute in Indianapolis, Indiana, nachdem er eine Zeit lang in Chicago gelebt hatte. Er hatte auch in Bloomington, Indiana Musik studiert. Er war fünfmal für den BMA nominiert. Als frühe Einflüsse werden von ihm die Temptations, Ray Charles, Sam Cooke und der Songschreiber Arthur Alexander genannt. Sein Bruder sammelte Aufnahmen der in den 60er/70er Jahren sehr aktiven und erfolgreichen Trendsetter- Plattenlabel Stax und Motown. Ausserdem hatte Radio Top 40 R&B und Soul stark gefördert. All dies hat seine musikalische Entwicklung geprägt. Nun anzunehmen, Tad Robinson sei einfach ein Soul Sänger, der im Stile seiner Vorbilder Motown Sound zelebriert, greift zu kurz. Ohne Zweifel ist sein Gesangsstil davon beeinflusst. Er hat auch eine begnadete Stimme, die das ganze Spektrum an Gefühlen in souligen Stücken mitreissend ausdrücken kann. Er weiss sich aber auch sehr bluesig auszudrücken. Daneben spielt er ganz gut Harp, wenn ich ihn auch nicht als Harpspieler bezeichnen würde. Er setzt sie eher als instrumentale Ergänzung seines Gesangs ein. Schliesslich ist er auch Komponist. Die meisten Titel in seinem Repertoire stammen von ihm.
Eine hochkarätige Band, die da aufspielte. Sie eröffneten das erste Set mit dem Jimmy McCracklin Titel The Bitter And The Sweet, wunderbar transparent gespielt und mit einem Schuss karibischen Rhythmus unterlegt, ein prachtvoller Opener. Im dritten Titel Broken Hearted Man wurde es dann zum ersten Mal sehr bluesig. Hier setzte Robinson auch mit seiner Harp zu einem veritablen Solo an. Kevin Anker steuert Kneipenpiano bei. Ein erster Höhepunkt und kräftiger Applaus.
Mit einem schmachtenden Long Way Home geht es weiter, gefolgt von einer Komposition des Bassisten Steve Gomes, Rained All Night , beides soulige Songs, gefolgt von einem jazzigen They Say und einem Song, den ich nicht erkannte. Damit war das erste Set beendet.
Das zweite Set wurde mit einer instrumentalen Nummer ohne Tad Robinson eröffnet: Last Train To Aalter, ein Wunsch von Patrick Kaiser, wie Alex Schultz in der Ansage verriet, es war auch sein Stück und er nutzte es aus, um zu zeigen, was in fast zehn Minuten so alles aus ihm raussprudeln kann. Zweifellos ein weiterer Höhepunkt. Mit einem zuckersüssen Welcome Home tritt Robinson wieder auf die Bühne, lotet seine Stimme aus. Man schmilzt dahin. Das Set lässt in nichts nach. Alle Songs machen Spass, gehen leicht ins Ohr und sind trotzdem anspruchsvoll. Pockets Full Of Nothing ist nochmal sieben Minuten reinster Improvisationsspass, für Publikum und offenbar auch für die Band. Und in My Love Is Real zieht Robinson nochmal alle Register seiner Gesangskunst. Let’s Start Again ist die Zugabe, ein Schlussbouquet von Tad Robinson und Alex Schultz. Genau die richtige Nummer für einen beschwingten Ausklang
Die Band bringt oft und gern einen jazzigen Touch in die Songs. Das konterkariert die gefühlsbetonte Musik, gibt Spannung und lässt sie dadurch interessant klingen. Kevin Anker sorgt für einen fetten Klangteppich in den Songs, die sonst mit Bläsern oder einem Chor besetzt sind und gibt der Musik Tiefe. Er ist aber auch jederzeit für ein tolles Solo gut. Steve Gomes und Robb Stupka sorgen für den Groove und sie tun das erstklassig.Alex Schultz ist einfach Alex Schultz. Glasklarer, wunderschöner Gitarrenklang, begeisternde Soli - mit einer scheinbaren Leichtigkeit hat er immer nach jedem Einfall noch eine Idee, noch eine überraschende Wendung.
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