Muddy Waters hatte recht
Schwarzer Zylinder, manchmal einen mit Zähnen besetzten Hut
à la Crocodile Dundee, weisser Bocksbart, dunkle Brille - unverkennbar sieht er
aus, der Mann, der eigentlich vom Lake Michigan stammt, aber seit den frühen
achtziger Jahre in New Orleans lebt
und anderthalb Jahrzehnte lang während fünf Tagen in der Woche mit seiner Band Jump
Street Five im legendären Old
Absinthe House an der Bourbon Street auftrat und dadurch fast ein Stück
Inventar New Orleans wurde. Inzwischen wurde der Bluesclub in eine Touristenbar
umgeformt und seither tritt er an anderen Orten, ebenfalls an der Bourbon
Street auf, zur Zeit im Saloon.
Der blinde Bryan Lee
hatte es nicht einfach, seinen Weg zu finden. In den sechziger Jahren hatte
sich in Chicago niemand für einen weissen Bluesmusiker interessiert. Sein
unverkennbarer Stil, den er inzwischen entwickelt hat, gibt Muddy Waters Recht, der ihm einst
prophezeit hatte, er würde eine lebende Legende werden. Inzwischen hat es die
CD Live! In Chicago mit seinem Titel Braille Blues Daddy zu einer Nominierung
als Rock Blues Album des Jahres gebracht. Die CD wurde von Kenny Wayne Shepard eingespielt, dem Bryan Lee Gelegenheit zu seinem
ersten erfolgreichen Auftritt in seiner Show gab, nachdem andere Musiker ihn
abgelehnt hatten. Kenny Wayne Shepard war
damals gerade mal dreizehn Jahre alt. Seine CD Katrina Was Her Name war 2010 für den Blues Award nominiert.
Am 6. Mai 2011 trat er im Rahmen der eXbluesive Konzerte im
Galery in Pratteln auf. Er wurde von Enrico
Carpetano am Keyboard; Slim Louis Bass und John Perkins am Schlagzeug
grossartig begleitet.
Der Abend begann mit einem fast zehnminütigen Intro, das auf
kleinem Feuer langsam zum Sieden kam, gefolgt von Braille Blues Daddy, einem seiner Erkennungssongs. Bryan Lee spielt unspektakulär, ohne
Gesang oft sitzend. Die sparsamen Bewegungen seiner Hände sind kaum zu sehen,
wenn er dem Instrument herrliche Läufe entlockt. Darüber hinaus versteht er es
meisterlich, Spannung zu erzeugen, im richtigen Moment die genau richtige Pause
einzulegen, mit der Lautstärke zu spielen. Er ist auf eine selbstverständliche
Weise immer mit dem Publikum im Dialog, sein Vortrag ist augenzwinkernd und er
lockert den Gesang mit allerlei klagenden, knurrenden Geräuschen auf, die an
die Tradition sehr früher Bluesmusiker erinnern. Mit Enrico Carpetano hatte er einen Pianisten zur Seite, der ihn
wunderbar ergänzt und mit herrlichen Soli glänzte und teilweise jazziges
einbrachte. Die Rhythmusgruppe war unauffällig, aber zu jedem Zeitpunkt solide
und behielt den nötigen Drive über das
ganze Konzert. Bryan Lee und seine Blues
Power Band bieten eine breite stilistische Palette. Man hört Chicago Blues, R
& B Elemente, Souleinflüsse, einen Schuss Texas Blues und rockige Elemente,
zuweilen klingt es wunderbar swampy. In jedem Fall grossartiger Blues, der
unterhaltend und musikalisch anspruchsvoll ist, dabei unter die Haut geht. Muddy
Waters hat sich nicht geirrt. Bryan Lee ist bester Blues und auf seine Art
einmalig.
Bryan Lees Website
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