Bloogle Musik Rezensionen Konzerte |
| Bugs Henderson |
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| Geschrieben von Marc Redaktion Musik | |
Die wunderbare Welt des Bugs Henderson
Wer etwas über Bugs Henderson erfahren will, wird im Internet eine Vielzahl von Websites finden, die ihn allesamt als «Legende» oder «Geheimtipp» anpreisen. Gestern Abend trat der Texaner mit der roten PRS-Gitarre im kleinen Setting im Grandcasino Basel auf und spielte fast zweieinhalb Stunden ununterbrochen erstaunliche Musik voller Überraschungen und Spielwitz, voll gepackt mit musikalischen Zitaten und kleinen Verbeugungen vor den Vorbildern. Dabei machte er deutlich, dass er noch lange keine Legende ist, sondern ausgesprochen vital und voller Energie. Es war ein Konzert, das richtig Spass machte. Henderson hat in der Schweiz am kommenden Wochenende noch zwei weitere Termine, und die gesamte Bluesnews-Redaktion kann nur wärmstens empfehlen, diesen Mann und seine erstaunliche über alle Grenzen hinausgehende Musik anzuhören. Denn auch wenn dies eine Tour durch die Amerikanische Musiktradition ist, bleiben die Wurzeln stets im Blues, und das ist gut so.
Wenn auch keine Legende, so ist doch Bugs Henderson sicherlich eher in die Schubladen «Geheimtipp» einzuordnen oder auch in das undankbare Fach «Guitarists' Guitarist». Henderson ist ein texanischer Gitarrist, der - mittlerweile im AHV-Alter - feurige Musik macht über alle stilistischen Grenzen hinaus. Er spielt das «andere» Great American Songbook, also nicht die Musikal-Klassier von Cole Porter bis Rodgers & Hammerstein. Vielmehr spielt Henderson die andere Amerikanische Tradition: Blues, Country, Hillbilly, Rockabilly, Rock'n'roll, Tex-Mex/Latin, Funk. Henderson selbst nennt es augenzwinkernd Funkadelic/Hillbilly-delic. All dieser Formen der Unterhaltungsmusik stehen Bugs Henderson zur Verfügung und er bedient sich frei von Genrebegrenzungen und nach Lust und Laune aus den verschiedenen Töpfen, um daraus seine eigene Musik zu machen.
In dieser
Hinsicht erinnert Bugs Henderson an
berühmtere Vorgänger wie Roy Buchanan,
James Burton oder Danny Gatton, denen
es ebenfalls in erster Linie um die Gitarrenmusik ging, und die Stücke
unterschiedlichster Provenienz spielten (Buchanan
coverte Leonard Cohens Story of Isaac ebenso wie Elvis Presleys I'm Evil oder Ma Raineys C.C. Rider; Gatton spielte ein Cover der Simpsons-Titelmelodie
von Alf Clausen und Fats Wallers Honeysuckle Rose). Doch während die Telecaster-Virtuosen Buchanan und Gatton ihrem Leben leider ein Ende setzten, steht Henderson auf der Bühne und zelebriert
seine ungezwungene und respektlose Gitarrenmusik in alter Frische. Entscheidend bei all diesen Musikern ist, dass sie keine Covers im herkömmlichen Stil präsentieren. Die Originale liefern harmonische Bausteine, die in neuer Form in die eigene Musik eingebaut werden kann. Covers sind grundsätzlich musikalische Zitate, Versatzstücke und Rohmaterial für das eigene Spiel. Es sind somit nicht Klassiker, die es zu interpretieren gilt, vor denen man sich mit Glacehandschuhen verneigt. Und durch diese respektlose Art des Umgangs mit der Musik wird ein Song zu mehr als einem Song, er wird zurückgeführt auf die Musik. Henderson nimmt immer wieder in seinem Konzert die Klassiker aus ihren Vitrinen, aber er betrachtet sie nicht und stellt sie dann ehrfurchtsvoll zurück, er spielt mit ihnen, vergnügt sich gleichermassen mit den Museumsstücken. So begann das Konzert mit der Beatles-Komposition Ticket to Ride. Nach einem zweiten Stück mit tiefem Groove folgte die Eigenkomposition Straight to Hell und dann Big Legged Woman im Stil von Freddie King. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Dinge klar, Hendersons Beschränkungen, was den Gesang anbetrifft, der ganz anständig ist, aber sicher nicht die Stärke, und seine ungewöhnliche Art, Gitarre zu spielen. Bugs Henderson spielt mit der grösstmöglichen Reduzierung von Aufwand. Keine seiner Bewegungen ist umsonst, er macht auch keine ausgefallenen Grimassen bei seinen Soli («Blues Faces», wie er im satirischen Song Blindboy King Jr. sagt) und sein «Kostüm» für den Auftritt orientiert sich an seinem Bedürfnis für Gemütlichkeit: Jeans, weiche Schuhe, ärmelloses T-Shirt. Henderson beschränkt sich auf das Wesentliche: Seine scheinbar grenzenlosen Fähigkeiten auf den sechs Saiten. Alles an diesem Mann sagt, dass es seine Musik ist, durch die er spricht. Er macht so viele Wendungen und Veränderungen, dass es auch nicht überraschen würde, wenn er eine Passage aus einem klassischen Gitarrenstück einbaute. Seine Soli sind stets originell, den ganzen Abend über gab es kaum je ein abgeschmacktes Riff oder einen Standard-Blues-Lick, dabei fliessen die Töne ohne Anstrengungen, und jeder einzelne Anschlag ist perfekt variiert. Hinzu kommen seine technische Raffinesse mit der Gitarre: Seine Verwendung des Whammy-Bars, seine Methode, in gegriffenen Akkorden einen Finger der linken Hand mit der rechten zu bewegen, um so nur einen Ton des Akkord zu «benden». Er spielt zumeist mit Plektrum, aber es gibt auch Fingerpicking-Passagen oder gezupfte Soli im Stile Albert Kings. Und wenn man meint, man habe es jetzt gehört, kommt er mit einer gezupften Passage im Stil Chet Atkins daher, die erneut alles auf den Kopf stellt. Manche Akkorde sind aus dem Jazz entlehnt, wieder andere sind Country. Hendersons Repertoire ist riesig, das wird sofort klar, und er spielt duzende von Titeln kurz an, bzw. baut deren Melodie in seine eigenen Songs ein. Dies umfasst den Rock'n'roll-Katalog (Hello Mary Lou, Lawdy Miss Clawdy), den Beatles-Katalog (Yesterday, Here Comes the Sun) und Country-Klassiker (Folsom Prison Blues, That's Allright Mama, Ghostriders in the Sky, Apache, You Are My Sinshine), die er im Stile von Scotty Moore, James Burton, James Taylor oder ZZ Top interpretiert. All dies geschieht aber nicht als atemlose Hast durch die Literatur, als der Versuch, seine Technik zu zeigen, als Angeberei. Vielmehr sind seine Zitate durchgehend dem Song dienlich und zuträglich. Henderson baut Zitate ein, um Stücke zu erweitern, um auf Parallelen hinzuweisen und aus purer Freude und spielerischem Schalk. Bemerkenswert auch Hendersons Setlist. So folgt auf das Country & Western-Medley eine Instrumentalstück mit Volldampf, eben im Stil der bärtigen Texaner, und dann folgt der sloooooow Blues Ain't Nobody's Business, das er in der Tradition Jimmy Witherspoons interpretiert, nicht in jener von Billie Holiday und damit eben bluesig, nicht jazzig. Es folgt seine Eigenkomposition Lucille (weitere eigene Songs sind Jelly Roll, Rocket in My Pocket und Big D Shuffle). Es gab drei Medley-Stücke, und diese waren herausragende Juwelen: Ein Beatles-Medley, eine Zusammenstellung von Songs zum Thema Eisenbahn (Folsom Prison Blues, Mystery Train, Train I Ride etc.) und eine Verneigung vor dem frühen Rock'n'roll mit Titeln der Shadows.
Bugs Henderson zählt zu den wenigen Musikern, denen man sich einfach überlassen kann. Deshalb für einmal ein Aufruf an die Leserschaft: Kauft Karten, geht in seine Konzerte und lasst Euch einfach gut uns originell unterhalten. Die nächsten Auftritte in der Schweiz oder im benachbarten Ausland sind (alle Oktober): 13.10.2009 im «Mehlsack» in Emmendingen, Deutschland und zwei weitere Schweizer Auftritte am 17. in der «Break Bar Event Hall» in Affoltern am Albis und am 18. im «Dolder 2» in Feuerthalen.
Wie lässt
sich der musikalische Horizont Hendersons
am besten beschreiben? Vielleicht mit einer Aufzählung der Elemente im vierzehnten
und letzte Stück des Sets vor den Zugaben, das angesprochene Rock'n'roll-Medley
endet einer Abfolge der folgenden, eigentlich stilistisch eher diversen Titeln: Ghostriders in the Sky,
darauf folgt Apache von den Shadows und dann Ellingtons Caravan, der
Bluesgrass-Klassiker You Are My Sunshine
und dann schliesst Bugs Henderson auf
seine Art den grosse Graben in den USA: Er spielt zuerst Bonnie Blue Flag (besser bekannt als die Südstaatenhymne Dixie) und dann das
Nordstaaten-Gegenstück Yankee Doodle.
Dann geht er hin und packt beide Songs übereinander und spielt Dixie und Doodle gleichzeitig.
Und zum
Schluss noch eine gute Nachricht für Basler Blues-Fans: Meister Henderson ist weg, aber es gibt noch
mehr Blues im Grand Casino. Heute
Abend kommt Eric Bibb und damit ist
das Gitarrenfestival Basel noch nicht zu Ende, wenn auch weniger Blues zu hören
sein wird.
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Ein Wort noch zu seiner Begleitung: Henderson tritt mit Bass (Sean
Funkhouser) und Schlagzeug (Cody
Norman) als Power-Trio auf, und deren Begleitarbeit ist so, wie man das von
einer Rhythmus-Section erwartet: bocksolide in jeder Geschwindigkeit, mit
tollen Basslinien und einem treibenden Schlagzeug. Funkhouser tritt in
Latzhosen auf und mit grossem Bart, und er flirtet mit dem Publikum, aber er
erledigt dabei seinen Job stets makellos. In manchen Passagen hatte man sogar
den Eindruck, er spiele Rhythmus-Gitarre, und Henderson konnte sich auf ihn ebenso verlassen wie auf Norman, der für die verhinderte Linda Warring einsprang, die dieser
Tage normalerweise bei den Shuffle Kings hinter den Trommeln sitzt.
