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Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

John Lyons Band, Bling Bar Zürich PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik   
Gefühlvolle Songs mit viel Druck — druckvolle Musik mit Gefühl

Zürich, 15.10.2008  

johnlyonsblingbar.jpg

Es war gestern eine harte Konkurrenz, gegen die John Lyons antreten musste: Die Fussballer mit den Roten Leibchen spielten ein weiteres vermeintliches «Entscheidungsspiel» und das führte dazu, dass sich nur wenige Blues-Liebhaber in die Bling-Bar in Zürichs Kreis 4 verliefen, um Gitarrist und Sänger John Lyons und seine Band - Rob O'Tiker am Schlagzeug, Jürg Sidler am Bass und als Verstärkung Pierroz Bolli am Saxophon - zu hören. Entsprechend begann das Konzert mit einer halben Stunde Verspätung, aber dann legte die Band mit T-Bone Shuffle auch für die relativ wenigen Leute richtig los.

Ein hauptsächlich aus Texas-Blues bestehendes Repertoire wurde gespielt, bei dem John Lyons Liebe zu und Verehrung für Stevie Ray Vaughan offensichtlich wurde. Gegen Ende des Sets gab es zwei Titel aus dem Katalog von Magic Sam und Buddy Guy und dann zwei Titel in Anlehnung an Muddy Waters. Hier zeigt John Lyons, dass er sich auch mit dem Slide zu helfen weiss.

 

Das Set bestand aus dreizehn Titeln und zwei Zugaben und dauerte solide zwei Stunden (das vierte Stück, Red House Blues, dauerte immerhin 15 Minuten, inklusive der Gasteinlagen). Es war ein feines Konzert, voller Spontaneität und den Spass, den die Band hatte. übertrug sie auch aufs Publikum. Wenn es ein Motto des Abends gegeben hätte, dann wohl «Blues macht Spass». Dies überraschte insofern, als die CD John Lyons Band eher etwas melancholisch daherkommt, und das Konzert also einen anderen Aspekt der Band zeigte.

Diese war erfahren und sicher genug, um spontane Gastauftritte von Marc, dem Gitarristen von Ginger aus dem Publikum zuzulassen, der auf Texas Flood über ein feuriges Solo hinlegte. Und bei Red House Blues versuchte Lyons, Frauen im Publikum zu animieren, auf die Bühne zu kommen und zu singen. Stattdessen kam ein riesiger Mann von knapp zwei Meter Körpergrösse mit langem Rasputin-Bart und sang in beeindruckender Weise einen englischen nonsense-Text.

Die Band zeigte, dass sie eine eng verwobene Einheit darstellt, in der ohne John Lyons nichts läuft, aber dieser auch ohne seine bocksolide Rhythm-Section eben auch nicht viel tun kann. Während Jürgs Bass leider etwas schepperte, war Robs Schlagzeug sehr klar und lieferte einen steten Puls, vor dem John seine Saitenkunststücke aufführen konnte. Als Power-Trio drängen sich die Vergleiche mit Stevie Ray Vaughan & Double Trouble geradezu auf, aber durch die Hinzunahme von Pierroz am Saxophon wurde der Sound fetter und voller und Pierroz lieferte den ganzen Abend über eine unglaubliche Leistung ab: als Hintergrund ersetzte er eine ganze Horn-section mit mindestens fünf Personen, und seine Soli waren mitreissend und dabei voller Gefühl. Das Trio und Pierroz bildeten eine tolle Kombination. Lyons Gesang ist nicht ausnehmend druckvoll und streckenweise nicht klar. Das klappt gut für manche Songs, bei anderen sollte er sich überlegen, seinen Gesang anzupassen (oder vielleicht den bärtigen Hühnen auf die Bühne zu bitten?)

as die Setlist angeht, so war mit Chitlins Con Carne, Texas Flood, Cold Shot das Vorbild aus Texas zitiert (Chitlins war deutlich an Stevie Ray Vaughans Aufnahme auf The Sky is Crying orientiert, nicht am Original von Kenny Burrell), aber auch im Red House Blues klang Lyons mehr wie SRV als wie Jimi Hendrix. Dazu kamen eine tolle Version von John Lee Hookers Dimples, in der das Original zwar zu hören war, aber auch starke Anlehnungen an Green Onions (von Booker-T & the Engines, bzw. Roy Buchanan zu hören waren). Als Verneigung vor der West Side Tradition spielte er Magic Sams Just a Little Bit, und Messin' with the Kid, wobei er hier auch den Einfluss von John Belushi, bzw. den Blues Brothers nicht ganz von der Hand weisen kann.

Als Pierroz eine Pause machte, wechselte Lyons zur Slide-Gitarre und spielte Walking Blues und Hoochie Coochie Man, das meiner Meinung schwächste Stück des Abends, weil Lyons die trockene und abgehackte Art nicht hinbekam. Seine Glissandi und sein Gesang verwässerten das Stück meiner Meinung. Aber schliesslich ist Hoochie Coochie Man einer der schwersten Songs überhaupt.

Als sechsten Song spielte die Band Monkey Business von ihrer CD, und als zehntes Stück gab es Grits Aint Groceries  von Little Milton, gespielt im Stil von John Mayall & The BluesBreakers In diesem Song war das Saxophone sogar mehr noch als in den anderen umwerfend. Pierroz trug den Song über weite Strecken und sein Auftritt war wirklich ein Glücksfall.

Nach dem Slide-Zwischenspiel kam erneut das Saxophon hinzu und alle vier spielten dann Ray Charles' I Got a Woman sowie zwei Zugaben, bei denen die erste ebenfalls nicht zu erkennen war und als zweite stellte Lyons das Publikum vor die Wahl: Hendrix' Voodoo Chile oder American Woman (Original von The Guess Who, cover von Lenny Kravitz). Es wurde American Woman, aber John Lyons spielte dennoch in Hendrix-Manier auf und zeitweise klang sein Solo mehr nach Third Stone From the Sun.

Alles in allem ein tolles Konzert. Und wer die Gelegenheit hat, die John Lyons Band zu sehen, wird nicht enttäuscht werden. Und wenn die Nati nicht gleichzeitig kickt, gibt es auch sonst keine Entschuldigung.

Kommentare (1)add comment

John B. Lyons said:

0
Bling 12.11.2208 - play it again
Dear Rolf & Marc,
I find it cool that you came all the way from Basel to see us! Was a pleasure to meet you both, thanks for the review!
We will be back at Bling next month, on 12.November, 2008!

Warm regards,

john
Oktober 16, 2008 | url

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