close

Besucher seit 6.11.2008

JoomlaWatch Stats 1.2.8b by Matej Koval

Länder

68.2%SWITZERLAND SWITZERLAND
14.6%GERMANY GERMANY
8.2%UNITED STATES UNITED STATES
2.1%AUSTRIA AUSTRIA
1.4%JAPAN JAPAN

Besucher

Today:  239


Top Panel
Besucher
Top Panel
ALLE  |0-9  | A  | B  | C  | D  | E  | F  | G  | H  | I  | J  | K  | L  | M  | N  | O  | P  | Q  | R  | S  | T  | U  | V  | W  | X  | Y  | Z

Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

Jubilee Blues Night PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Redaktion Musik   

Aare, Mississippi und wieder zurück

BluesFestivalBaselLogo2.jpg Am zweiten zweiten Abend des Bluesfestivals Basel ist das Festival ins Volkshaus am Claraplatz umgezogen. Das Programm an diesem zweiten Abend war gestern Dienstag der Auftritt zweiter Blues-Schwergewichte: John Hammond Jr. und der wohl bekannteste Schweizer Bluesman, Philipp Fankhauser.  Während Hammond als Solist auftrat und vom Publikum mit warmem Applaus und freundlicher Aufmerksamkeit begrüsst wurde, versetzte der Blueser aus Thun mit seiner siebenköpfigen Band die Zuschauer in Ekstase.  Der Abend begann pünktlich um 20:00 Uhr und als um halb zwölf das Saallicht wieder anging, hatten alle im Saal für ihre Fr. 65.- Eintrittsgeld einen grosszügigen Gegenwert an Blues erhalten. Beide Auftritte hatten ihren ganz speziellen Charakter, und die Kombination aus dem akustischem Delta-Blues von Hammond und dem modernen, funkigen Blues/Rock/Balladen von Fankhauser und Band kann man nur als sehr gelungenes Lineup bezeichnen.

John P. Hammond

JohnHammond.JPGJohn Hammond wurde als John Hammond Jr. angekündigt, denn er ist der Sohn des Produzenten und Impresarios John Hammond, dem die «Entdeckung » einer Reihe von Künstlern aus Blues und Jazz zugeschrieben wurde, darunter Benny Goodman, Billie Holiday, Count Basie, Big Joe Turner, Pete Seeger, Aretha Franklin, Bob Dylan, Bruce Springsteen, und, last but auf keinen Fall least, Stevie Ray Vaughan.

John Hammond, der gestern die ersten 75 Minuten des Abends bestritt, ist der Sohn des berühmten, aber nicht musikalisch aktiven Vaters, und er macht selbst seit 47 Jahren professionell Musik (Seit seinem Debüt 1962 hat der Mann 29 Alben eingespielt). Er hat den Soundtrack für den Film Little Big Man geschrieben und hatte 1960 für wenige Tage Eric Clapton und Jimi Hendrix in seiner Band. Er spielte mit allen Grössen des Blues auf der Bühne und zählt Tom Waits zu seinen Freunden. Doch Geschichte zählte gestern Abend nichts, als Hammond dem Basler Publikum in dem leider akustisch nicht sehr idealen Saal des Volkshaus seinen Blues vorspielen musste. Und Hammond nahm den Abend und das Publikum ernst, und er gab sich - ganz dem Namen des Gebäudes entsprechend - volksnah und aufgeschlossen.

So stand er bereits bei der etwas peinlichen Ankündigung (dazu später mehr) durch Bianca Sawas-Meesters von Telebasel auf der Bühne: wach, präsent und bereit den Saal zu erobern. John Hammond stand von Anfang bis zum Schluss unter einer positiven Spannung, bereit, zu reagieren, hoch konzentriert. Er bedankte sich beim Veranstalter und meinte dies allem Anschein nach ehrlich. Dann legte er los mit seinem Konzert. John Hammond singt, spielt Harmonika und akustische Gitarre. Davon hatte er zwei dabei: eine Dreadnought aus Holz und eine Dobro-Resonator-Gitarre, auf der er Slide spielte.

John Hammond orientiert sich in seiner Musik offensichtlich an den Vorbildern aus dem Delta, allen voran an Robert Johnson, seine Fill-ins, sein Gesang, seine Turnovers: jedes Element seines Spiels lässt den offensichtlichen Einfluss von Robert Johnson erkennen, wenn er auch wenige Songs von Johnson spielte (Hammond produzierte 1992 die Dokumentation The Search for Robert Johnson). Gleich bei seinem ersten Song You're so Fine riss Hammond eine Saite. Dies scheint öfters vorzukommen, denn neben seinen Wechselharmonikas hat Hammond auch einen Satz Saiten liegen, die er dann in Echtzeit auf der Bühne wechselte. Das Publikum verfiel nicht in den «Slowhand-clap», mit dem bei Eric Claptons frühen Auftritten diese erzwungenen Unterbrechungen überbrückt wurden, sondern sah fasziniert zu, wie schnell man eine Saite austauschen kann. Es dauerte nicht einmal eine Minute.

John Hammond scheint Übung darin zu haben, Saiten zu wechseln, was nicht nur mit seiner langen Bühnenkarriere zu tun hat oder mit der Tatsache, dass er offenbar ohne Roadie reist. Als Hauptgrund für den Saitenriss ist Hammonds brachialer Ansatz des Gitarrenspiels zu betrachten. Was John Hammond von anderen Gitarristen seiner Generation wie Peter Green oder Eric Clapton unterscheidet ist, dass er kein filigraner Techniker ist. John Hammond behandelt die Gitarre wie ein perkussives Rhythmusinstrument. Er spielt mit Daumenpick und den vier Fingern für den Gegenschlag, und rotzt damit über die Saiten. Dabei reisst nicht nur hin und wieder eine Saite (in Basel war es die G-Saite), sondern John Hammond klingt authentisch wie die Aufnahmen der 1930er Jahre. Er klingt wie Tampa Red, Fred McDowell, Blind Willie McTell oder eben Robert Johnson. Die Melodie in seiner Musik kommt aus dem Gesang oder der Harmonika, die er in Ermangelung eines zweiten Armpaares auf ein «Rack» geklemmt spielt. Die Gitarre ist bei ihm ein Rhythmusinstrument. Sein Spiel ist vielleicht vergleichbar mit demjenigen von Furry Lewis: keine Virtuosität, keine Feinheiten, aber mächtig Dampf.

Dadurch klingt John Hammond einerseits enorm authentisch, aber zugleich auch etwas museal. Der Country-Blues wird heute zumeist nicht mehr so gespielt wie noch in den 1920er und 30er Jahren. Die Technik hat sich verfeinert und das Publikum stellt andere Ansprüche an Virtuosität. Dass sich John Hammond hiervon nicht beeindrucken lässt, spricht für ihn und macht ihn zu einem Unikum in der Blueswelt.

So spielte er also gestern ein Konzert dieses eher puristischen Blues‘, und seine 15 Songs plus eine Zugabe waren ein Potpourri an Klassikern (You're so Fine, Worried Life Blues, Fattening Frogs for Snakes, It Hurts Me Too, Can't Be Satisfied) und selbst Geschriebenem. Aber auch Hammonds eigene Stücke klangen wie Klassiker. Er spielte ein Stück mit dem Titel I Got Me Religion, das aber mehr wie Can't Be Satisfied klang, und als viertes sang er einen Titel, der eine offensichtliche Kopie von Dust My Broom war, aber einen anderen Text bot. Auch in dieser Hinsicht orientiert er sich an den Bluesern der Vergangenheit: Ein Plagiat ist kein Plagiat, wenn man den Refrain ändert.

Viel Kopie, viele Plagiatsgedanken, aber genau dies macht paradoxerweise John Hammond einzigartig. Ihn live zu erleben, ist ein toller Moment, weil Hammond das echte, wahre Gesicht des frühen Blues ist. Das Konzert war für manche der Zuschauer vielleicht etwas puristisch, aber insgesamt ein unvergessliches und sehr authentisches Erlebnis und eine Reise in die Geschichte des Blues.

Philipp Fankhauser

PhilippFankhauserBBF2009.jpgPhilipp Fankhauser war lange der verlorene Sohn des Schweizer Blues. Seine Anfänge mit der Checkerboard Blues Band von 1987 bis 1994 waren erfolgreich, aber dann ging er in die USA und versucht dort sein Glück zu machen. Seit Anfang des neuen Jahrhunderts ist der Thuner nun wieder in der Schweiz und fasst zusehends besser Fuss als der angehende Grandseigneur des Schweizer Blues. Gestern Abend wurde er im Volkshaus willkommen geheissen und er lieferte ein grossartiges Konzert ab.

Sein Ruhm als Musiker geht nicht nur auf Fankhausers fleissige Aufnahmetätigkeit zurück, sondern er baut in erster Linie auf der Qualität seiner Musik und seiner Stimme auf. Philipp Fankhauser singt mit der Überzeugung und Autorität eines erfahrenen Bluesman. Seine rauchige Stimme ist perfekt geeignet, er hat keinen störenden Akzent. Begleitet von einer wunderbaren Band (Hendrix Ackle, Orgel, Piano; Marco Jencarelli, g; Tosho Yakkatokuo, dr; Angus Thomas, b; Stephan Geiser, Trompete; Dave Feusi & Till Grünewald, sax) spielte Fankhauser anderthalb Stunden fast Nonstop fetzige Musik. Zwischen den Songs gab es keine Ansagen, ein Stück ging nahtlos ins nächste über und mit 15 Songs und vier Zugaben kam das Publikum auf seine Rechnung.

Fankhauser hatte die Songs so arrangiert, dass jeder der Musiker (ausser der Horn-Section) ein Solo spielen konnte. Die Band spielte nicht nur Blues, sondern gab auch Rock-Nummern und Balladen zum Besten. Er spielte West-Coast-Blues und manchmal klang Robert Cray an. Wenn der Blues, wie Muddy Waters sagte, ein Baby hatte, das man Rock'n'Roll nannte, dann hat Fankhauser die ganze Verwandtschaft auf die Bühne gebracht, auch den Onkel aus der Karibik. Bluespuristen mögen dies ablehnen, aber erstens kamen die beim ersten Set mit John Hammond auf ihre Rechnung und zweitens begeisterte Fankhauser so sehr, dass es schwer war, sich seiner Faszination zu entziehen, auch wenn es nicht immer 12 Takte zum Glück waren.

Insgesamt spielte er sein sehr funky anmutendes Set, und dabei behielt er in der Art eines souveränen Bandleaders die Kontrolle, war klar der Star, und er kam entspannt und unprätentiös rüber. Sein Gitarrenspiel ist effektiv und tief bluesig, seine Musik ein stimmiges Ganzes, auf das das Publikum zu Recht begeistert reagierte. Während mehrerer Songs klatschte das Publikum mit und als eine butterweiche Ballade erklang blieben im Publikum nur deshalb die Feuerzeuge aus, weil es ja kaum mehr Raucher gibt.

Bei der letzten Zugabe brachte «Funky Fankhauser» sogar noch die in Basel wohnhafte Sängerin Othella Dallas auf die Bühne und alberte mit ihr rum. Insgesamt war es offensichtlich: Philipp Fankhauser gehört auf eine Bühne, und er hat jede Menge Spass, dort zu spielen und seinem Publikum eine tolle Show zu bieten, die zum Teil auf seinem Statur als Lokalmatador aufbaut, aber vor allem auf seine unbestreitbaren musikalischen Qualitäten.

Der einzige Bereich, an dem Fankhauser noch etwas verbessern könnte, ist sein Gesang. Und hiermit meine ich nicht seine Stimme, sondern wirklich seinen Gesang. Leider versteht man kaum ein Wort seines Gesangs, so dass der lyrische Aspekt des Blues manchmal etwas unter die Räder gerät. Wenn Fankhauser deutlich artikulierte, würde der Wortwitz und die Subtilität des Blues noch deutlicher in den Vordergrund treten. Aber auch so war das Konzert am Basler Blues Festival ein voller Erfolg und ein grosser Spass.

Schluss

Also, der Abend war wirklich durch und durch gelungen, ein Vergnügen und gute Unterhaltung, fast von A bis Z. Einen einzigen Wermutstropfen gab es: Die Moderation von Frau Sawas-Meesters von Telebasel war etwas blamabel. In ihrem schwarzen Abendkleid war sie zwar schön anzusehen, aber die Garderobe passte weder zum Bluesabend, noch zu den nachfolgenden Künstlern. Ohne Teleprompter offenbar hilflos, musste sie die an sich bescheidene Moderation vom Blatt lesen. Brav las sie das vor, was auch im Programmheft über John Hammond zu lesen war. Wenn sie von diesem Script abwich, wurde es erratisch: was Frau Sawas-Meesters meinte, als sie die Dobro-Gitarre als Vorläufer der elektrischen bezeichnet hat, bleibt hoffentlich auf ewig ihr Geheimnis, bzw. sie hat es vielleicht nur vorgelesen. Bleibt zu hoffen, dass Dani von Wattenwyl, der am Wochenende moderieren wird, seinen Text auswendig lernen kann.

Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben

busy
 
< Zurück   Weiter >
Generated in 2.12879 Seconds