Unter diesem Motto stand der fünfte Abend
des Bluesfestivals und spannte einen Bogen von einem europäischen Vertreter des
zeitgenössischen Blues zu den Veteranen des Chicago Styles. Mit der Rudy Rotta Band im ersten und Hubert Sumlin, Bob Stroger und Willie „Big
Eyes" Smith im zweiten Set konnte man gespannt sein, was der Abend bringen
würde.
Rudy
Rotta Band
Rudy Rotta, italienischer Bluesman schlechthin, der in den sechziger Jahren mit
seiner Familie einige Jahre in Luzern gelebt hatte und inzwischen in Verona wohnt,
ist ein vielseitiger und längst nicht auf den Blues beschränkter
Vollblutmusiker, dessen Performance allgemein überschwänglich gelobt wird und
das zu Recht. Seinen Auftritt begann er an einem kleinen Percussion Set, das er
in der Folge bis zur Zugabe dann nicht mehr anrührte und es sah fast so aus, als
wolle er sich rhythmisch auf das Konzert einstimmen. Dann griff er zur Gitarre und spielte
los. Das Adjektiv Killergitarre, das gerne in den Qualifikationen verwendet
wird, führt leicht in die Irre. Was Rottas Spiel auszeichnet, ist Originalität,
Musikalität und eine fantastische Transparenz. Jeder Ton sitzt präzise, die
Griffe sind entschieden und kraftvoll, seine Gitarre ist in jedem Moment klar
zu vernehmen. Er beherrscht die feinen Nuancen ebenso, wie das brachiale Spiel
à la Hendrix oder SRV (So di Blues). Sein Repertoire ist gross und er ist ohne
Zweifel auch ein begabter Komponist, wobei er Rock-, Soul- und Funkelemente in
seine Songs mit Blues geschickt verwebt. Das Resultat sind Stücke, die auffalen
und Eindruck hinterlassen.
Grossartig auch sein Keyboarder Fabio Russo, mit dem er im zweitletzten
Stück einen aufregenden Dialog aufnimmt, wobei er mit der Gitarre sozusagen ein
Percussions solo hinlegt, ein echtes Kabinettstückchen.
Im sechsten Song kommt Liela Avila dazu, die hervorragend ins Set passte. Liela stammt aus
einer Musikerfamilie, ihr Vater, John
Avila, konnte auch gleich seine Qualitäten als Bassist bei einem
Gastauftritt unter Beweis stellen.
Alles in allem ein wunderbarer Gig, der alle Vorschusslorbeeren, die Rotta vorauseilen bekräftigt und ihn als stilsicheren, wandelbaren Bluesmusiker bestätigen.
Tribute
To Howlin‘ Wolf
Wann wird ein Musiker zur Legende? Wie auch
der Begriff „Kult" wird der Ausdruck inflationär verwendet. Ohne Zweifel aber
ist Howlin‘ Wolf, der nächstes Jahr
hundert Jahre alt geworden wäre, eine Legende. Zudem steht er zusammen mit Muddy Waters, für eine ganze Generation
von Bluesmusikern, wovon einige die noch aktiv sind für das Festival gewonnen
werden konnten. Beigetragen dazu hat Sam
Burckhardt, der Basler Tenorsaxophonist, der in Chicago lebt und seine
guten Verbindungen verwenden konnte. So traten also Hubert Sumlin, Willie „Big Eye" Smith, Bob Stroger, Bob Margolin
und Barrelhouse Chuck an diesem
Tribute Konzert zusammen auf. Letzterer gehört zwar nicht mehr zu der gleichen Generation,
hat aber immerhin mit Sunnyland Slim,
Pinetop Perkins, Blind John Davis, Detroit Junior und Little Brother Montgomery gespielt.
Wir waren also gespannt auf soviel geballte
Chicago Bluespower und fanden gut gelaunte und spielfreudige Musiker vor. Es war wie eine Zeitreise, die etwas vom Glanz
der besten Jahre des Chicagostils vermittelte.
Bob
Margolin agierte als Frontman, Kenny Smith war grossartig am Schlagzeug, Barrelhouse Chuck zelebrierte besten Blues, Boogie-Woogie und Barrelhouse
Stil und Sam Burckhardt spielte ein
begeisternd zurückhaltendes Saxophon. Die Stücke waren eine Reise quer durch Hitparade
des Chicago Blues.
Bob
Stroger trug eine wunderbar getragene Version von Key To The Highway vor, wenn auch seine
Stimme schon kräftigere Tage gesehen hat, sein Basspiel ist immer noch
begeisternd.
Willie
„Big Eye" Smith nach dem neunten Titel hinzu und
zum elften Titel (Sittin‘ On Top Of The
World) trat Hubert Sumnlin auf, elegant im Anzug und mit Hut, der sich beim
überziehen des Gitarrengurts verschob, was aus der Legende sofort einen
Bluesmusiker machte.
Mit Willie
DixonsBuilt for Comfort spielten
dann alle sieben Musiker zusammen, es wurde laut und dann folgte als letztes
Stück vor der Zugabe Got My Mojo Working.
Danach wusste jeder, wieso Musiker zur
Legende werden. Chicago Blues vom allerfeinsten, den die älteren Herren
vorgetragen hatten und ein Zusammentreffen, das in dieser Form wohl nicht mehr
oft zu sehen und hören sein wird.