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Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

Jubilee Blues Special PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Rolf Redaktionsleitung   
BluesFestivalBaselLogo4.jpg

Der vierte Abend des Bluesfestivals bot zwei Leckerbissen. Mit Big Daddy Wilson kamen die Freunde des ruhigen, ursprünglichen Blues auf ihre Rechnung und die Freunde des wilden und lauten Blues sahen ihre Erwartungen mit der Cla Nett & Lazy Poker All Stars Rhythm  n‘ Blues Revue erfüllt. Das Angebot der beiden Sets konnte unterschiedlicher nicht sein und demonstrierte eindrücklich, welche Bandbreite dieser Musik doch inne wohnt und beide Sets boten hohes Niveau und tolle Stimmung.

Big Daddy Wilson

BigDaddy_DocFozzBBF2009.jpgWir kannten die beiden Musiker nicht und waren gespannt, wie solch unterschiedliche Musiker an einem Abend zusammenpassen würden. Gelegenheit, sich das Ganze vor dem Konzert anzuhören hatten wir keine, aber es ist schliesslich auch spannend, sich einfach überraschen zu lassen. Zwei Musiker, rein akustisch, Roots Musik - das klang ein wenig nach  Pfadfinder, Lagerfeuer - schlimmstenfalls nach gepflegter Langeweile. Weit gefehlt!

Zwei Stühle, zwei Männer, eine Gitarre, eine Konga, ein Waschbrett, eine Kazoo und eine samtweiche Stimme. Mehr braucht es nicht, um sich zu auf angenehmste Weise den Wurzeln zurückführen zu lassen. Big Daddy Wilson, alias Wilson Blount und Doc Foss, eigentlich Wolfgang Feld können das Publikum verzaubern.  Wilson hat eine markante, kräftige Stimme und er kann singen! Gekonnt setzen Sie auch das Keyboard da ein, wo die Musik etwas weiter weg von den Wurzeln ist und der Drive gut tut (Running on Faith, Alberta, Layla, Before You Accuse Me) . Der Hamburger Pianist Jan Fischer, der mit seiner Band  Blues, Boogie Woogie, Ragtime, New Orleans Style, Chicago Blues und Rock 'n' Roll spielt, ist eine gute Wahl. Mit viel Gefühl für die subtile Struktur der letzten Endes eher leisen Töne dieses Duos bringt er genau soviel Drive rein, wie es braucht. Klaus Grosser (harp) war zwar angekündigt, aber offenbar verhindert. Das ist schade, denn wir sind überzeugt, eine Harmonika hätte gut dazu gepasst.

Das Repertoire spannt den Bogen von Gospelsongs bis zu modernen Bluestiteln, Texas Boogie und die beiden Musiker überzeugen in jedem Genre. Mit Brother Blood führten sie das Publikum sozusagen hinter die Wurzeln des Blues zurück, ein beeindruckendes Stück afrikanischer Musik, total reduziert auf einen ganz einfachen Rhythmus mit einem Text über die Erkenntnis, dass in uns allen das gleiche Blut fliesst. Mäuschenstill gab sich das Publikum diesem Stück hin. Herausragend auch der Klassiker Summertime, ein brandneuer Liebessong Waiting on You. Wer Gelegenheit hat, diese Beiden zu hören, sollte es nicht verpassen. Sehr empfehlenswert!

Cla Nett & Lazy Poker All Stars Rhythm n‘ Blues Revue

ClaNettBBF2009.jpgEs mag ja sein, dass der Blues  - im Gegensatz zu Ricola - keine Schweizer Erfindung ist. Aber immerhin, auch die Schweiz hat inzwischen bereits eine Bluesgeschichte, auf die sie zurückblicken kann. Wenn jemand dafür geeignet ist, dies zu demonstrieren, ist es ohne Zweifel Cla Nett, der ja ein Teil dieser Geschichte ist. Für das Bluesfestival hatte er die Idee, mit seiner Lazy Poker Blues Band, aktuell mit Cla Nett (g, voc.), Urs Meyer (g, man, voc), Markus Werner (b, voc) Andy Lang (d, perc.), aufzutreten und so ziemlich alle einzuladen, die seit der Gründung in dieser Formation je mitgemacht hatten, darüber hinaus aber auch andere Musiker, die ihm in seiner langen Karriere als Blueser über den Weg gelaufen sind.ClaNettBBF2009B.jpg

Entsprechend gut gelaunt legte die Band los und dann gab es das Bäumchen wechsel dich Spiel. Nach jeweils einem, zwei drei oder vier Titeln kamen neue Musiker auf die Bühne, ergänzten die Band und trugen dazu bei, eine schwungvolle, teilweise nostalgische Revue entstehen zu lassen. Wir sahen und hörten Roli Frei, Claudia Bettinaglio, J.C. Nett, Jimi Aebi und Chicago Dave Rutschmann.

Leider mussten wir unvorhergesehen den Gig vorzeitig verlassen und verpassten so weitere Gastauftritte. Doch eines wurde klar: Gastauftritte haben ja manchmal auch ihre Tücken. Die Gelegenheit zum Proben ist häufig eingeschränkt, und so gibt es in vielen «All-Star Bands» das Problem, dass jeder für sich etwas rumdudelt, dass es aber kein Zusammenspiel gibt. Bei den Lazy Poker All Stars war hiervon nichts zu spüren. Offensichtlich waren alle Beteiligten in grosser Spiellaune und brachten das Volkshaus buchstäblich zum kochen. Es erinnerte an die grossen Zeiten der Basler Bluesszene, mit ihren unvergessenen Konzerten im Atlantis. Sauber arrangiert, sauber gespielt und gut zusammen gestellt. Ein weiterer Höhepunkt unter vielen des diesjährigen Bluesfestivals.

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