Stimmungsvolles Konzert
Vergangenen Samstag trat wie angekündigt der englische Bluesgitarrist und
-sänger Keith Thompson in Stäfa auf, nachdem er zuvor schon in Watt/Regensdorf
gewesen war. Als «Vorgruppe» war Paul Ubana Jones zu sehen, der Solo eine
intensive Performance bot. Das Konzert im Gartencenter Van Ooordt stellte sich
als Bad der Emotionen heraus, was viel mit dem guten Sound zu tun hat, aber
auch sehr viel mit dem tolle Ambiente, das die Veranstalter geschaffen hatten. Schliesslich
half auch noch Petrus mit, ein unvergessliches Konzert zu gestalten. Sehr viel
besser kann Samstagabend-Unterhaltung dieser Art nicht mehr sein.
Die Gärtnerei Van Oordt verfügt über eine relativ grosse
Halle, anscheinend ein ehemaliges Treibhaus, in dem in grossen Kübeln
ansehnliche Bäume zum Verkauf angeboten werden. Diese Bäume wurden zur Seite
gerückt, Gartenstühle hingestellt, eine kleine Bühne an der Längsseite und
fertig war eine wunderschöne Konzertlocation, bei der es aussah, als träten die
Musiker im Wald auf, in einem verwunschenen Wald zumal, denn Bühnenbeleuchtung
und Kerzen trugen viel zur Atmosphäre bei. Wann hat man schonmal brennende
Kerzen an einem Blueskonzert gesehen?
Der Auftritt von Paul
Ubana Jones passte zum Bühnensetting, wie es kaum hätte perfekter sein
können. Jones, ein neuseeländischer Sänger
mit kehliger Stimme und wilder Maori-Mähne spielte akustische Gitarre mit einer
Verve, die an den «Woodstock-Veteranen» Richie
Havens erinnern. Zugleich erinnerte er an eine sanftere Form des Künstlers,
denn Jones spielte nur
Eigenkompositionen, war somit zugleich Poet und Liedermacher. Paul Ubana Jones brachte einen
stimmigen Auftritt, etwas Ethno, etwas Liedermacher. Das ganze wäre stilistisch
zu lokalisieren irgendwo zwischen Bob
Marley, José Feliciano, Angelo Branduardi und Richie Havens. Ein guter Auftritt.
Als zweiten Gig präsentierte das «Kulturkarussell» dann Keith Thompson, der ohne grosse
Einführung einfach auf die Bühne stieg und sein Konzert begann. Thompson scheint ein angenehmer,
down-to-earth Typ zu sein, ohne grosse Allüren, der in erster Linie gerne
Gitarre spielt und ohne grosses Gedöns einen Song nach dem anderen spielt. Keith Thompson steht beim Schweizer
Label «Brambus» unter Vertrag und deshalb kommt er immer wieder hierher.
Was die Musik angeht, so spielt Thompson Gitarrenblues in britischer Tradition, und damit so das,
was man von einem Bluesgitarristen erwartet: Fender Strat am Fender Bassmann, wenig
Effekte und dabei ist er nicht nur stilistisch sondern auch von der
Fingerfertigkeit mit Eric Clapton
vergleichbar. Thompson ist ein sehr
viel besserer Gitarrist, als das sein geringer Bekanntheitsgrad vermuten
liesse. Er spielt enorm saubere Soli, spielt auf derselben Gitarre mit und ohne
Bottleneck, seine Läufe sind wieselflink. Auch Thompsons Stimme ist gut und der Musik dienlich.
Die Homepage des Künstlers vermittelt
einen guten Eindruck seiner Songs, einfach draufklicken und los geht's. Am Konzert
spielte er schnelle Texas Blues-Shuffles, einige wenige Slow Blues-Songs (Selbst
die Eigenkomposition The Power of Love
war für den Titel überraschend schnell) und vereinzelt einen Funk-Rhythmus.
Seine Covers beinhalteten Stormy Monday
Blues und Tore Down, aber auch
Eigenkompositionen klangen teilweise wie bekanntere Titel.
Am Set wurde Thompson
begleitet von einem tollen Schlagzeuger und einem soliden Bassisten, die ein Bluesfundament
von grosser Festigkeit gossen. Die Songs ähnelten sich dann im Aufbau stark:
Ein Riff, zwei Strophen Gesang, ein Solo, noch eine Strophe und Schlussolo,
aber wie gesagt: dies brachte er in Vollendung und Perfektion. Doch es muss
auch gesagt werden, dass Thompson zwar
technisch ein brillianter Gitarrist ist, aber seine Soli trotz ihrer Perfektion
manchmal etwas wenig kreativ sind, wenig überraschend. Das macht die Songs nicht
eintönig, aber berechenbar. Hier könnte rächte
sich etwas, dass er bloss als Trio auftrat und zwar mit der Rhythmusgruppe von The Rämblers, mit denen er tadellos
harmonierte, aber der Charakter einer Jam-Session bliebt selbstverständlich,
denn so eingespielt war man schliesslich nicht. Ein Set Keyboards würde Thompsons Musik noch mehr Breite
verschaffen.
Insgesamt war es ein toller Auftritt, und als der Himmel
sich öffnete und der Hagel stark auf das Gewächshaus prasselte, hatte man den
Eindruck, der Himmel applaudiere, Zeitweise war dieser Applaus des Himmels ohrenbetäubend.
Im Oktober ist Keith Thompson das
nächste Mal in der Schweiz zu sehen: vom 20. Bis 22. Oktober gibt es drei
Konzerte in der Südostschweiz. Er spielt an folgenden Orten: Obertor Bar in Parpan
(20.); Landhaus in Janaz (21.) und Event Halle in Gams (22.).
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