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Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

Keith Thompson in Stäfa PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marc Winter, Redaktion Musik   
Stimmungsvolles Konzertkeiththompsonsolo.jpg

Vergangenen Samstag trat wie angekündigt der englische Bluesgitarrist und -sänger Keith Thompson in Stäfa auf, nachdem er zuvor schon in Watt/Regensdorf gewesen war. Als «Vorgruppe» war Paul Ubana Jones zu sehen, der Solo eine intensive Performance bot. Das Konzert im Gartencenter Van Ooordt stellte sich als Bad der Emotionen heraus, was viel mit dem guten Sound zu tun hat, aber auch sehr viel mit dem tolle Ambiente, das die Veranstalter geschaffen hatten. Schliesslich half auch noch Petrus mit, ein unvergessliches Konzert zu gestalten. Sehr viel besser kann Samstagabend-Unterhaltung dieser Art nicht mehr sein.

Die Gärtnerei Van Oordt verfügt über eine relativ grosse Halle, anscheinend ein ehemaliges Treibhaus, in dem in grossen Kübeln ansehnliche Bäume zum Verkauf angeboten werden. Diese Bäume wurden zur Seite gerückt, Gartenstühle hingestellt, eine kleine Bühne an der Längsseite und fertig war eine wunderschöne Konzertlocation, bei der es aussah, als träten die Musiker im Wald auf, in einem verwunschenen Wald zumal, denn Bühnenbeleuchtung und Kerzen trugen viel zur Atmosphäre bei. Wann hat man schonmal brennende Kerzen an einem Blueskonzert gesehen?

Der Auftritt von Paul Ubana Jones passte zum Bühnensetting, wie es kaum hätte perfekter sein können. Jones, ein neuseeländischer Sänger mit kehliger Stimme und wilder Maori-Mähne spielte akustische Gitarre mit einer Verve, die an den «Woodstock-Veteranen» Richie Havens erinnern. Zugleich erinnerte er an eine sanftere Form des Künstlers, denn Jones spielte nur Eigenkompositionen, war somit zugleich Poet und Liedermacher. Paul Ubana Jones brachte einen stimmigen Auftritt, etwas Ethno, etwas Liedermacher. Das ganze wäre stilistisch zu lokalisieren irgendwo zwischen Bob Marley, José Feliciano, Angelo Branduardi und Richie Havens. Ein guter Auftritt.

Als zweiten Gig präsentierte das «Kulturkarussell» dann Keith Thompson, der ohne grosse Einführung einfach auf die Bühne stieg und sein Konzert begann. Thompson scheint ein angenehmer, down-to-earth Typ zu sein, ohne grosse Allüren, der in erster Linie gerne Gitarre spielt und ohne grosses Gedöns einen Song nach dem anderen spielt. Keith Thompson steht beim Schweizer Label «Brambus» unter Vertrag und deshalb kommt er immer wieder hierher.

Was die Musik angeht, so spielt Thompson Gitarrenblues in britischer Tradition, und damit so das, was man von einem Bluesgitarristen erwartet: Fender Strat am Fender Bassmann, wenig Effekte und dabei ist er nicht nur stilistisch sondern auch von der Fingerfertigkeit mit Eric Clapton vergleichbar. Thompson ist ein sehr viel besserer Gitarrist, als das sein geringer Bekanntheitsgrad vermuten liesse. Er spielt enorm saubere Soli, spielt auf derselben Gitarre mit und ohne Bottleneck, seine Läufe sind wieselflink. Auch Thompsons Stimme ist gut und der Musik dienlich.

Die Homepage des Künstlers vermittelt einen guten Eindruck seiner Songs, einfach draufklicken und los geht's. Am Konzert spielte er schnelle Texas Blues-Shuffles, einige wenige Slow Blues-Songs (Selbst die Eigenkomposition The Power of Love war für den Titel überraschend schnell) und vereinzelt einen Funk-Rhythmus. Seine Covers beinhalteten Stormy Monday Blues und Tore Down, aber auch Eigenkompositionen klangen teilweise wie bekanntere Titel.

keiththompsonband.jpg

Am Set wurde Thompson begleitet von einem tollen Schlagzeuger und einem soliden Bassisten, die ein Bluesfundament von grosser Festigkeit gossen. Die Songs ähnelten sich dann im Aufbau stark: Ein Riff, zwei Strophen Gesang, ein Solo, noch eine Strophe und Schlussolo, aber wie gesagt: dies brachte er in Vollendung und Perfektion. Doch es muss auch gesagt werden, dass Thompson zwar technisch ein brillianter Gitarrist ist, aber seine Soli trotz ihrer Perfektion manchmal etwas wenig kreativ sind, wenig überraschend. Das macht die Songs nicht eintönig, aber berechenbar.  Hier könnte rächte sich etwas, dass er bloss als Trio auftrat und zwar mit der Rhythmusgruppe von The Rämblers, mit denen er tadellos harmonierte, aber der Charakter einer Jam-Session bliebt selbstverständlich, denn so eingespielt war man schliesslich nicht. Ein Set Keyboards würde Thompsons Musik noch mehr Breite verschaffen.

Insgesamt war es ein toller Auftritt, und als der Himmel sich öffnete und der Hagel stark auf das Gewächshaus prasselte, hatte man den Eindruck, der Himmel applaudiere, Zeitweise war dieser Applaus des Himmels ohrenbetäubend. Im Oktober ist Keith Thompson das nächste Mal in der Schweiz zu sehen: vom 20. Bis 22. Oktober gibt es drei Konzerte in der Südostschweiz. Er spielt an folgenden Orten: Obertor Bar in Parpan (20.); Landhaus in Janaz (21.) und Event Halle in Gams (22.).

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