Im Zürcher Volkshaus fand am Sonntagabend, 29. August, das einzige Schweizer Konzert der amerikanischen Folk-Rock-Band Little Feat statt. Als «Special Guest» heizten die emmentaler Power Bluesrock Band Chickenhouse dem Publikum ein, und im Publikum kursierte ein Gerücht, Polo Hofer sei im Publikum, was ja kein Wunder gewesen wäre, hat er doch mit «Kiosk» einen ihrer bekanntesten Songs, Dixie Chicken erfolgreich gecovert und selbst zu einem seiner grössten Hits gemacht
Als die sechs Musiker von Little Feat dann die Bühne betraten, legten sie los wie die Feuerwehr, leider viel zu laut. Als in der ersten Pause ein Zuschauer rief, es sei zu laut, meinte Pianist Bill Payne nur lakonisch: «That’s what they always say, dude.» Es wurde nicht leiser, aber ein Wendepunkt war es trotzdem.
Ein Wendepunkt für mich persönlich zumindest, da ich in diesem Moment beschloss, meine Ohren lieber noch etwas benutzen zu können und dass Schaden am Gehör leider irreparabel ist. Ich wartete noch einige Songs ab und entschloss mich dann aber, den historischen Moment des Auftritts zu verlassen. Mir reichte es.
Trotzdem, als kurzer Eindruck von Little Feat reichten die ersten vier oder fünf Songs. Ich ging zu diesem Auftritt in der Hoffnung, eine Band zu hören, die auf der Basis von Blues schöne ausgiebige Songs spielt, irgendwo im Bereich der Amerikanischen Musik zwischen The Band und den Allman Brothers. Ich kannte einzig den erwähnten grossen Hit Dixie Chicken, und freute mich auf einen Abend, bei dem ich eine weitere Inkarnation des Blues kennen zu lernen hoffte.
Das Dargebotene war aber enttäuschend. Der Groove, den diese Art der Musik in hohem Mass benötigt, stellte sich in den ersten Stücken kaum je ein. Dies ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Band nicht in ihrer ursprünglichen Formation unterwegs ist, mit der sie zwischen 1969 und 1979 eine Reihe respektabler Hits landen konnte. Insbesondere der Tod des ehemaligen Schlagzeugers Richard Hayward am 12. August ist zu verkraften, und der Schlagzeuger, der gestern dabei war, war leider schlecht ausgesteuert, denn das kesselte durchgehend viel zu laut.
Die Band besteht neben Schlagzeug und Bass aus einem Perkussionisten, dem Pianisten und den beiden Gitarrenspielern Paul Barrère und Fred Tackett (der zudem Mandoline und Trompete und angeblich noch Cello und Keyboard spielt). Beide Gitarristen lieferten sich vom ersten Stück an Slide-Duelle in wirklich gesundheitsgefährdender Lautstärke. Insbesondere Thackett, ein vielbeschäftigter Sideman und ohne Zweifel über alle Zweifel erhabener Musiker, schien mir manchmal zu wenig Gefühl für den Song zu vermitteln.
Eingefleischte Fans von Little Feat hatten sicher ihren grossen Spass, wenn sie denn Ohrstöpsel mitnahmen, aber aus der Sicht eines Bluesportals ist zu sagen: die Musik der Band hat nichts mehr mit Blues zu tun, und somit waren mir meine Trommelfelle sehr dankbar, dass ich sie bald aus der Gefahrenzone gebracht hatte.
Bleibt zum Schluss nur noch, sich Gedanken zu machen, wieso Musik an Konzerten immer wieder so laut gespielt wird, nachdem der überwiegende Teil der Veranstalter begriffen hat, dass laut nicht auch besser ist. Sind es die inzwischen schwerhörigen Musiker? Wurde beim Soundcheck der Faktor des Publikums zu hoch eingeschätzt und damit zu viel Gegensteuer gegeben? Ist es gar nicht ein Problem von zu laut, sondern ist die Mischung nur problematisch? Das Volkshaus wurde auf jeden Fall mit wenig transparenter Musik beschallt, das war ein Soundmatsch, der keine Freude bereitete. Schade für eine Band, die vielleicht mit dem Publikum in ein schönes Zwiegespräch hätte treten können.