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Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

Piazza Blues 2010 - San Pedro Slim PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Rolf Winter, Redaktionsleitung   
So frisch kann Retro klingen

Auch San Pedro Slim gehört zu den Musikern, die hierzulande weniger bekannt sind. Dabei hat er nach seinem Debutalbum  Another Night On The Town (1997) mit Barhoppin‘ (2008) bereits die zweite 2 CD  herausgebracht, die im Grunde in jede Sammlung gehören. David Kiefer, wie Slim mit bürgerlichem Namen heisst, ist seit Anfang der neunziger Jahre unterwegs. Sowohl seine Konzerte, als auch seine CDs wurden und werden von allen Seiten mit Lob bedacht. Wer in Bellinzona dabei sein konnte, weiss warum.

Seine Musik ist einfach und doch nicht einfach einzuordnen. Er spielt 50er Jahre Blues in einer Mischung aus Memphis und Chicago Stil und kombiniert das mit der Lockerheit des West Coast Blues. Sie wirkt dadurch nicht wie viele so genannte Retro Produktionen angestaubt oder verkrampft, sondern frisch und vital gleichzeitig mit grossem Respekt vor der Tradition. Dabei bleibt sie einfach und direkt und bedient gleichzeitig die Bluesliebhaber, die nur guten Blues hören möchten, als auch alle, die den Blues eher als Aufforderung zum Tanz verstehen. Die Songs stammen aus seiner Feder und erzählen in guter Bluesmanier Alltägliches. 

Am Festival nicht von Interesse, aber dennoch interessant: San Pedro Slim ist nicht nur ein wunderbarer Harpspieler, sondern auch ein begabter Zeichner und hat auch das Cover der letzten CD gestaltet.

Auf der neusten CD spielt er mit folgender Besetzung: San Pedro Slim, Gesang & Harmonica; Rick Holmstrom, Gitarre; Andy Kaulkin, Piano; Dale Jennings, Stehbass und Elektrischer Bass, Gitarre; Donny Gruendler, Schlagzeug & Perkussion. Für das Festival kam er in einem völlig anderen und kleineren Lineup: Joel Foy, Gitarre; Tyler Petersen, Bass und Steve Mugalian, Schlagzeug.

Joel Foy wird vonvielen Kritikern als einer der besten Bluesgitarristen bezeichnet. Er spielte mit Kim Wilson, James Harman, Screamin' Jay Hawkins und der Harp Legende William Clarke.Tyler Petersen bildet zusammen mitdem Schlagzeuger Ron Felton eine Rhythmusgruppe, die als eine der besten der Westküste gilt. Steve Mugalian, ein in Chicago aufgewachsener Schlagzeuger, der seit Ende der siebziger Jahre in Palo Alto lebt, spielte mit vielen Bluesgrössen, darunter die William Clarke,  Rod Piazza, James Harman, Doug MacLeod und Harry Dean Stanton, natürlich auch mit Rick Holmstrom, aber auch mit dem Countrysänger Billy Swan. Er gilt mit seinem soliden, unspektakulären Spiel und seinem Shuffle als einer der ganz grossen der Szene.

Eine Band also, die aus lauter in der Schweiz weniger bekannten Namen besteht und die bisher noch nie in dieser Kombination zusammen gespielt hat. Man konnte gespannt sein. Um es kurz zu machen: die Erwartungen wurde mehr als erfüllt. Es gab wunderbaren Blues und der Gig war eine Demonstration, wie weit der Blues aus den 50ern davon entfernt ist, überholt oder betagt zu sein, wenn er nur richtig gespielt wird. Da war der ganze Schwung und die ganze Lebensfreude dieser Zeit auf der Bühne. Wer die Band verpasst hat: unbedingt bei nächster Gelegenheit anhören!

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