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Bloogle Musik Rezensionen Konzerte

Piazza Blues 2010 - Sean Carney Band PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Rolf Redaktionsleitung   
Beeindruckender Start

2010 erhielt das Piazza Blues Festival in Bellinzona den Keeping the Blues Alive Preis. Das beflügelt und verpflichtet gleichzeitig. Erwartet werden an einem Festival Highlights und die gab es. Es gelang Fritz Jakober, dem künstlerischen Direktor des Festivals, ein Lineup zusammen zu stellen, das sowohl grosse Namen, als auch neue, in der Schweiz bisher weniger bekannte Namen einschliesst, also genau das, was man sich von einem Festival erhofft.

Dieses Mal war die Ausbeute besonders hoch. Bereits am ersten Abend eröffnete mit der Sean Carney Band einer der neuen erfrischenden amerikanischen Bluesgitarristen das Festival. Obwohl Sean Carney seit einigen Jahren auch in Europa auf Tour ist und auch in der Schweiz aufgetreten ist, hat er bisher nicht den Bekanntheitsgrad, den er eigentlich verdient.Er wurde 2007 mit Preisen ausgezeichnet: dem Albert King Preis als bester Gitarrist, er gewann ausserdem die International Blues Challenge, sowie den Preis als beste Band in Ohio. Sean Carney (36) pflegt einen klassischen Gitarrenstil ohne Mätzchen und ohne technische Spielereien. 

Wir haben mit Sean vor seinem Auftritt
gesprochen. Das Interview kann man hier nachlesen.

Sein Repertoire schliesst sowohl Klassiker als auch eigene Songs ein. Er ist seit Anfang der neunziger Jahre unterwegs und hat mit Musikern wie dem Bluesrocker Ray Fuller und der R&B Sängerin Christine Kittrell zusammen gearbeitet. Er spielte mit dem im Mai verstorbenenWillie Pooch, mit Big Joe Duskin, Joe Weaver and Johnnie Bassett. Christine Kittrell, Gene Walker, Willie Pooch und Ray Fuller sind auch auf dem 1998 erschienenen Debütalbum Provisions von Sean Carneys & The Nite Owlz. Später wurde daraus die Sean Carney Band. Der Name überlebte als Plattenlabel Nite Owlz Records, das er 2006 zusammen mit Eric Blume gegründet hatte und welches zunächst nur Sean Carneys CDs verlegt. Zudem spielt er auf zwei CDs mit Teeny Tucker.

Am Piazza Blues trat er mit seinem Schlagzeuger Eric Blume auf, der ihn seit langem begleitet. Auch er hatte mit dem grossen Teil der oben erwähnten Musikern zusammen gearbeitet und bringt internationale Erfahrung mit. Er betreibt ausserdem ein Aufnahmestudio in Columbus OH: The Rubber Room Recording. Er ist ein grossartiger Schlagzeuger, dessen schnörkelloser Stil und Drive eine perfekte Grundlage für das breite Repertoire an Stilarten der Band liefert. Nebenbei erwähnt beherrscht er es, die Sticks um die Finger rotieren zu lassen, wie kein zweiter und bringt damit ein attraktives Showelement in den Auftritt.

Am Stehbass spielte Abdel „B.Bop“ Bouyousfi, der auch in der Swing, Blues und R&B Band Rosebud Blue Sauce unterwegs ist und darüber hinaus in vielen anderen französischen Bands ein gern gesehener Gast ist. Sein swingendes Bassspiel würzt die Songs mit einer jazzigen Prise und seine Soli gehen unter die Haut.

Das Set zeigte die Band in grosser Spielfreude mit bekannten Titeln aus ihrem Repertoire, aber auch einigen neuen Song. Die Texte handeln durchaus auch vom Thema Nummer eins, den Problemen zwischen Mann und Frau, beschäftigen sich aber auch mit anderen Dingen unseres Lebens. (Money’s Getting Cheaper oder einen neuen Song, dessen Titel ich nicht kenne und der sich mit den Internet Communities auseinandersetzt)

Die Band spielt zurückhaltend, fast leise. Nichts ist überladen, es gibt keine Effekthascherei. Dafür weiss sie, Spannung aufzubauen und Sean Carney versteht es auf beeindruckende Weise, mit wenigen Noten all das auszulösen, was wir am Blues so sehr schätzen. Er ist ganz ohne Zweifel einer der zur Zeit interessantesten Gitarristen. Dabei gibt es wunderbare Slow Blues Nummern, Jump Blues, Songs im Westcoast Stil, aber auch Chikago Blues zu hören. Wer diese Band noch nicht gehört hat, hat definitiv etwas verpasst und sollte es bei nächster Gelegenheit nachholen.

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