Bjørn Berg aus Norwegen läutete den zweiten Abend ein. Ein Gitarrenvirtuose, wie man ihn selten erlebt. Akustischer Powerblues, teilweise atemberaubend vorgetragen, man könnte mit geschlossenen Augen meinen, es seine zwei Gitarristen. Klingt aber nicht etwa nach Rekordversuch, sondern kraftvoll, emotional und bluesig, zuweilen rockig. Er ist in der Tradition der alten Meister wie eines Mississippi John Hurt genauso zuhause wie in den Spielarten eines Johnny Winter oder SRV. Auch in der Songauswahl ist er breit gefächert. Dazu kommt eine mächtige Stimme. Vor allem aber ist es die Intensität, mit der er die Songs vorträgt, die ihn enorm authentisch wirken lassen, um auch einmal diesen überstrapazierten Begriff zu verwenden. Wahrscheinlich deshalb, weil er es ist.Allerdings wird es nach einer gewissen Zeit etwas anstrengend.. . .
Shakura S'Aida, ein Name wie aus der Retorte Ali Babas, wohlklingend und vielversprechend. Die in Brooklyn geborene Sängerin, die einige Jahre in der Schweiz lebte und heute in Kanada zuhause ist, verblüffte die Zuschauer zu Beginn mit ihren Sprachkenntnissen, inklusive Dialekt. Allerdings liegt ihre Stärke natürlich woanders. Sie legt eine tolle und temporeiche Show hin, bedient sich dabei ihrer Reize, flirtet mit dem Publikum, vergisst aber keinen Augenblick ihre Aufgabe: Sängerin. Ihre Stimme ist interessant und ihre Qualitäten als Unterhalterin und ihre Musikalität beeindruckend. Ihr Auftreten scheint mir von Tina Turner mehr als inspiriert, das Ganze ist mit einem Hauch von Las Vegas überzogen, überzeugt aber in seiner Gesamtheit und hinterlässt ein entspanntes Gefühl und gut Laune. Sie kommt soulig und funky daher, aber auch rockig oder ganz nahe am Blues (Mr. Right) Mit Angels On High zeigte sie, wie man Gänsehaut erzeugen kann. Nicht umsonst wurde sie dreimal mit dem Maple Blues Award der Toronto Blues Society ausgezeichnet (2004/2005 und 2008)
Kurzfristig musste Roberto Morbioli als Gitarrist einspringen, der zwar vor einigen Jahren schon mal mit Shakura auf der Bühne gestanden hatte, es gab jedoch keine Zeit für Proben. Der italienische Kopf der Gruppe Morblus, eine der interessanten italienischen Bluesgruppen, hatte jedoch nicht das geringste Problem, die Aufgabe zu erfüllen und fügte sich nicht gut nur in die Show ein, sondern spielte, als wäre er schon immer ein Teil der Band gewesen.
Rick Estrin and The Nightcats haben wir schon mehrere Male erlebt und auch darüber berichtet. Auch an diesem Abend überzeugte die Gruppe mit einer soliden musikalischen Leistung, abwechselnd und einfallsreich, die ganze Band beherrscht diese augenzwinkernde, im Grunde genommen simple Show, die zu keiner Zeit vom tollen Westcoast Blues ablenkt. Die Band wurde 2010 für folgende 4 Preise nominiert: Rick Estrin: B.B. King Entertainer of the Year und Instrumentalist: Harmonica, Ihre CD Twisted: Contemporary Blues Album Of The Year und die ganze Band: Band Of The Year.
Rick Estrin ist ein sehr guter Sänger und Harpspieler, dazu ein herrlicher Unterhalter. Mit Kid Andersen steht ihm ein erstklassiger Gitarrist zur Seite. Der imposante Mann aus Norwegen steht für soliden und kraftvollen Gitarrensound und halsbrecherische Sprünge bei den Showeinlagen. Lorenzo Farrell spielt elektrischen- und Stehbass und das Ganze wird angetrieben von J. Hansen am Schlagzeug. Ich habe die Band in diesem Jahr bereits viermal erlebt und dabei jede Minute genossen. Ohne Zweifel etwas vom Besten, das die derzeitige internationale Bluesszene zu bieten hat.