Windy City im Volkshaus
Die Swiss Chicago
Bluesnight ist am Blues Festival Basel so etwas wie eine Tradition, bei der
im ersten Set eine Schweizer Band auftritt und im zweiten Set Musiker
auftreten, die der mit dem Swiss Blues Award ausgezeichnete Saxophonist Sam Burckhardt in Chicago für das
Festival gewinnen konnte. In diesem Jahr waren das die Christina Jaccard Band, die den Abend eröffneten und
die Guy
King Band mit Sam Burckhardt
und Billy Branch, sowie als Gast Dave Rutschmann alias «Chicago Dave».
Mit der Christina Jaccard Band kam eine
andere Form des Blues zur Geltung, die derzeit nicht so oft erlebt werden kann.
Kein Kneipengeruch, nichts von Juke Joint. Elegant kam dieser Salonblues und -boogie
daher. Es gab sogar einen Flügel auf der Bühne. Man konnte sich in einem eleganten
Tanzlokal fühlen, oder in einer Bar.
Christina Jaccard
ist eine Sängerin mit breitem musikalischen Horizont, bezeichnet aber Blues,
Soul und Gospel als ihre Heimat. Ihre Stimme ist klar, voluminös und
unüberhörbar geschult, hat aber einen für Blues perfekten, rauhen Bodensatz. Dave
Ruosch ist Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste und unterrichtet
Jazzpiano am Konservatorium. Er gilt als eine europaweit bekannte Autorität für
Boogie Woogie, Blues, Stride und Swing. Er gewann 2009 den Vienna Blues Award,
zusammen mit der Band R & B Caravan und war für den Swiss Jazz Award
nominiert. Er ist ein virtuoser Pianist, der die perlenden Läufe nur so aus
seinen Fingern schüttelt Mit Kai Strauss
holte sich Christina Jaccard einen
der deutschen Top Gitarristen in ihre Band. Strauss war bis 2011 Kopf der Band Memo
Gonzalez & The Bluescasters, die er auch gegründet hatte. Luca Leombruni spielt in verschiedenen
Bands mit, unter anderem bei Sina, Vera Kaa, Earthphish. Er ist auch
Bassist in der kleinen Niederdorfoper. Er spielte an diesem Abend
ausschliesslich Stehbass. Andreas Schmid ein vielseitiger
Schlagzeuger mit internationaler Ausbildung, er unterrichtet in Winterthur an
der Musikschule Prova.
Das Set begann mit einem sanften Blues In The Night, jazzy vorgetragen. Mit It Won't Be Long von Aretha
Franklin und Bonnie Raitts Love Me like a Man ging es dann deutlich
bluesiger weiter. Die weiteren Titel des Sets kam mal etwas jazziger, mal
bluesiger. Zwischendurch gab es zwei sehr fein gespielte rein instrumental
gespielte Songs mit hübschen, virtuos vorgetragenen Soli von Piano und Gitarre.
Christina Jaccard wählt gerne Songs
von Interpretinnen mit grosser Stimme aus, ob
Billie Holidays Lady Sings The Blues, Julia Lees Jump R & B Stück Gotta
Gimme Whatcha Got oder Etta James
I'd Rather Go Blind und sie kann sich
das durchaus leisten, ihr Gesang hält dem Vergleich stand.
Manche Titel sind schwer zu covern. Die Titel sind durch
irgendwelche Umstände in einer bestimmten Version wie festgefroren und jede
andere Interpretation wird häufig abgelehnt. James Browns It's a man‘s
world gehört zu diesen Titeln. Entsprechend vorsichtig interpretierten auch
Christina Jaccard und ihre Band den
Titel. Sie machten das, in dem sie den ganzen bombastischen Teil der James Brown Version, die in unseren
Köpfen steckt, wegliessen. Der Song begann mit einem leisen Pianointro, gefolgt
von Christinas
Gesang und einem Klasse Gitarrensolo, dann den zweiten Gesangseinsatz und einem
Schluss, so sanft wie der Anfang. Den Text hat sie auf ihre eigene Weise
modifiziert, wobei mir nicht ganz klar wurde, was sie genau ausdrücken will. Jedenfalls
eine frische und Interessante Coverversion. I just Want To Make Love To You gerät
allerdings für meinen Gusto zu brav. Von der Anzüglichkeit, die dieses Stück
ausdrückt, ist nicht viel zu spüren. I'm
Not Ashamed To Sing The Blues war ihr dann letzter Song. Braucht sie nicht.
Das Publikum war jedenfalls hin und weg.Liebhaber des konzertanten, jazzlastigen Blues kamen voll
auf Ihre Rechnung und konnten in einem beachtlichen Set zwanzig Songs hören,
Zugabe eingerechnet.
Das zweite Set der Swiss
Chicago Bluesnight bestritt die Guy King Band, die sich passend im
gleichen eleganten Stil zeigte: in Anzug und Kravatte und Guy King führte mit ausgesucht höflichen Ansagen durch das
Programm.
Verstärkt wurde die Band durch Sam Burckhardt (Saxophon) und Billy
Branch (Gesang, Harmonika), der anstelle des kurzfristig erkrankten Jimmy Johnson auftrat. Als Gast trat
ausserdem Dave Rutschmann alias «Chicago Dave» (Gitarre) auf. Sie
stiessen nach etwa der Hälfte des Sets
zur Band.
Sam Burckhardt
bringt seit Jahren Bands nach Basel, er lebt ja seit langer Zeit in Chicago. Dieses
Mal gelang es ihm, mit der Guy King Band dem Basler Publikum
ein neues Gesicht zu präsentieren, obwohl der in Israel geborene und bis zum
16. Altersjahr dort lebende Guy King
bereits in seiner Zeit als Leadgitarrist mit Willie Kent eine erfolgreiche Welttour hinter sich gebracht hatte.
Er spielte bei Kent bis zu dessen Tod 2006.
Danach formte er seine eigene Band, die in verschiedenen
Besetzungen von Solo über die Guy King Band mit Ben Paterson (Keyboards), Patrick
William (Bass), Isaiah Spencer (Schlagzeug)
bis zur Little Big Band, bei der noch eine Bläsersatz dazu kommt.
Die Band spielt Chicago Blues, der mit funkigen Elementen
angereichert ist (Go out And Get It),
ist aber auch in der klassischen Variante sattelfest (Down The Road). Guy Kings Gesang ist angenehm, sein Gitarrenspiel
schnörkellos und frisch. Die band ist durchwegs mit soliden Musikern besetzt. Zum
sechsten Song, Thrill Is Gone, kam Chicago
Dave zur Band und spielte mehrere Soli in seiner bekannt expressiven
Körpersprache. Dann trat Sam Burckhardt
auf die Bühne und es gab einen jazzigen Jump Blues. Anschliessend kam noch Billy Branch dazu und damit war das
Lineup für den zweiten Teil des Abends komplett. Ein spannender Kontrast: Hier Guy King, der für den jungen Chicago
Blues steht, da Billy Branch, der ehemalige
«junge Top Harper Chicagos» ist inzwischen sechzig Jahr alt und gehört damit in
die Gruppe «Top Elder Bluesharpers». Er wolle Chicago nach Basel bringen,
meinte er in seinem Intro und mit Going
down legte er gleich los. Crazy Mixed
Up World war der zweite Titel und im weiteren Verlauf des Abends konnte man
erleben, wie gut sich das junge und das alte Chicago musikalisch verstehen.
Die Auswahl der Bands für einen Abend ist immer schwierig. Zwei
Sets nacheinander führen oft dazu, dass Besucher, die einen bestimmten
Bluesstil bevorzugen, im Verlaufe des Zweiten Sets den Saal verlassen, weil die
Band nicht ihren Vorlieben entspricht. An diesem Abend sahen wir kaum jemanden,
der vorzeitig nach Hause ging. Die Auswahl hatte offenbar den Freunden des Chicago Blues durchgehend gefallen.
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