American Music Texas Style
Da Bluesfestival Baden bereitete für den Freitag eine spezielle musikalische Mischung vor: ein Texas-Eintopf, in dem vieles Platz hatte: Country, Rock, Blues, alles passte in diesen grossen Topf, den Whitey Johnson und Delbert McClinton da für das Publikum anrührten. Hier ging es so richtig zur Sache: getrieben von einer starken Band spielten die beiden Freunde ein Set, das mitriss und das trotz gleicher Band erstaunlich unterschiedlich war. Late Night wird noch Roto Sphere & Friends unter der Leitung von Nic Niedermann die Jam-Night eröffnen.
Der Abend wurde eröffnet von Whitey Johnson, dem texanischen Songwriter und Musikproduzenten, der heute als Headliner auftrat, und ein wunderschönes Set lieferte, luftig und voller Raum für die verschiedenen Mitglieder der Band — Schlagzeug, Bass, Keyboard, Trompete, Tenorsax — die ihre jeweiligen Stärken zur Geltung bringen konnten. Johnson, der in Nashville lebt und arbeitet, ist selten als Sänger zu sehen, was schade ist, wie der Abend eindeutig bewies. Umso höher ist die Leistung der Festivalleitung einzuschätzen, diesen Künstler in die Schweiz gebracht zu haben. Denn der Mann hat mannigfaltige Qualitäten, so steuerte er die Band sicher und präzise, obwohl es eigentlich nicht die eigene, sondern McClintons Band war.
Er sitzt vorne mit seiner weissen Strat, und erzählt seine Geschichten, unprätenziös, glaubwürdig und mit enormem Feeling für die Musik, die er liebt. Seine Soli sind kleine Showcases, nicht von höchster Originalität, aber dem jeweiligen Song dienlich. Der Stil des doppelten Grammy-Gewinners Johnson erinnert etwas an Joe Louis Walker, indem er auch auf der Gitarre aufbaut, die jeden Song mit einem Lick einleitet, dann aber ein Gemeinschaftswerk daraus zu machen versteht.
Nach einem nicht ganz zweistündigen Set beginnt der Auftritt des Headliners des 8. Bluesfestivals: Delbert McClinton. Nach Angaben der Festivalleitung war es ein lange gehegter Wunsch, diesen Sänger mit der perfekten Blues-Rock-Stimme nach Baden zu holen, und um ein Haar hätte es erneut nicht geklappt. McClinton liess sich aber weder von Vulkanen, Flugverboten oder Terrorwarnungen abhalten und schaffte es bis nach Baden, wo ihm das erneut zahlreiche Publikum einen herzlichen Empfang bereitete. Whitey Johnson, mit dem Delbert McClinton noch diesesJahr die Ehre der Aufnahme in die «Texas Heritage Songwriter’s Association Hall of Fame» teilt, zog sich zurück auf den Posten des Lead-Gitarristen und der Bandleader nahm das Zepter in die Hand.
Im Bestreben, es noch besser zu machen als zuvor, drosch der Schlagzeuger jetzt vielleicht etwas zu enthusiastisch auf die Becken, die beiden Hörner setzten keine Akzente mehr, sondern brachten ständig volles Rohr und es war gleich in den ersten Songs etwas viel des Guten. Doch mit der Zeit fand man sich und die Musik begann rund zu werden und die Teile ineinander zu passen. Nun begann das «Nordportal» richtig zu rocken, und die Band hatte mit ihrer «American Music Texas Style» (um einen Albumtitel von Clarence «Gatemouth» Brown auszuleihen) das Publikum im Sack.
Mit der etwas moderaten Art kamen ab dem dritten oder vierten Song die Teile der Band besser zum Vorschein, aber auch die Stimme McClintons, die perfekt geschaffen ist für diese Musik. Wie vielleicht Eric Burdon ist es auch bei McClinton die perfekte Mischung aus rauchiger Rockröhre und zart einfühlsamem Gesang mit grosses Intensität, der den Mann zurecht in die oberste Liga der Bluessänger befördert. Gute Stimmung, ein Bier in der Hand, vielleicht ein BBQ ums Eck, das war alles, woran man bei dieser Musik dachte, die gute Laune verbreitete, wie es eben der Blues kann.
Das Bluesfestival Baden hat einen tollen Innenhof im «Nordportal» gestaltet, bei dem das körperliche Wohl der Gäste im Vordergrund steht, und drinnen in der Halle sorgte Delbert McClinton für das emotionale Wohlbefinden. Es hat sich gelohnt, acht Jahre auf diesen Mann zu warten, der Auftritt mit seiner Band, aber unter musikalischer Federführung Johnsons war unzweifelhaft ein Höhepunkt des Festivals.
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