Ausverkauftes Volkshaus

Den zweiten Abend des Blues Festivals Basel bestritt zunächst «Monster» Mike Welch. Den inzwischen 32
jährigen Gitarristen aus Boston immer noch als Wunderkind zu bezeichnen scheint
etwas unpassend. Der 1979 geborene Musiker hat jedoch bereits mehr als achtzehn
Jahre Erfahrung, die er mit Junior
Wells, Hubert Sumlin und James
Cotton sammeln konnte, die den damals erst vierzehnjährigen auf die Bühne
holten. 1995 und 2001 war er Gitarrist
bei Sugar
Ray and the Bluetones.
Der zweite Teil des Abends gehörte Philipp Fankhauser. Der Thuner Bluesman enttäuschte die hohen Erwartungen des Publikums im ausverkauften Volkshaus nicht. Seine Band und er legten ein tolles Set hin.
Monster Mike Welch
Begleitet wurde er von Michael
«Mudcat» Ward (Bass), einem bewährten Schlachtross sowohl am akustischen
Bass, als auch am Telecaster. Auch er spielt bei Sugar Ray and the Bluestones
und hat mit Ronnie Earl, Walter Horton und Hubert Sumlin CDs eingespielt. Seit über dreissig Jahren
erfolgreich unterwegs, weiss er, wie er seinen Instrumenten Drive entlockt und
das tat er auch. Das Schlagzeug bediente Fabrice
Bessout, ein Drummer, den ich noch nie vorher erlebt hatte. Sein Spiel ist
zurückhaltend und unauffällig - man würde ihn eher einer Swing Combo zuordnen -
aber effektiv. Zusammen spielten sie sparsam, nicht mehr, als es braucht, um
ein Mikes Soli einzubetten.
Mike Welch
spielte Klassiker und mehrheitlich eigene Songs. Er ist nicht gerade eine
Ausgeburt an Charisma, fast ein wenig schüchtern steht er auf der Bühne und
spielt. Das hingegen hat eine eigene Klasse: die Neigung zum «Noten stapeln»,
die ihn zu Beginn seiner Karriere zuweilen in Versuchung führte, ist einem
sparsameren Umgang mit den Saiten gewichen. Seine Stimme ist reifer geworden. Kaum
zu sehen, was er da mit den Händen macht. Gitarre spielen scheint enorm
einfach, wenn man ihm zusieht.
Trotzdem wirkte er auf mich streckenweise unkonzentriert. Er
beschränkte sein Set auch auf nicht ganz fünfzig Minuten, was allgemein als zu
sparsam verstanden wurde. Als Zugabe gab
es «Kind Hearted Woman», das er solo
begann, bis seine Rhythmusabteilung dazustiess. Ein gelungener Abschluss. Das
Publikum hätte ihn gerne noch länger gehört.
Philip
Fankhauser
Was kann man zu Philip
Fankhauser schreiben, was nicht schon geschrieben worden ist? Ganz egal, wo
man ihn trifft, ob im kleinen Club, ob an einem Festival, immer legt er ein
erstklassiges Konzert hin und ist noch einen Tick besser. Da stimmt einfach
alles: eine gut eingespielte Band erstklassiger Musiker Marco Jencarelli (Gitarre), Angus
Thomas (Bass), Hendrix Ackle
Piano, (Hammond), Tosho Yakkatokuo (Schlagzeug)
und eine Bläsergruppe aus zwei Saxophonen und Trompete. Ausgeklügelte und
interessante Arrangements, spannender Aufbau. Abwechslungsreiche Songs. Dazu
der Charme, der Humor und die Glaubwürdigkeit des Berners. Etwas vom
wichtigsten im Blues sind Gefühle. Wenn er seine Lieder singt, besonders die sentimentalen,
hat jeder immer das Gefühl, der Song sei eigens für sie/ihn geschrieben worden.
Erzählt und singt er über den Verlust Johnny Copelands, spürt man seine eigenen
Verluste. Wenige können das so gut. Ein grosser Bluesman.
Er startet mit einem beschaulichen «Sunday Morning». Schon nach dem dritten Stück (Jealous Kinda Fella) mit einem
atemberaubenden Hammond Solo hatte die Temperatur im Saal die neunzig Grad
überschritten. Und es ging weiter. Fankhauser kann mittlerweile auf ein
respektables Paket an Songs zurückgreifen. Highlights natürlich Try My Love, I Got a Love, naja, eigentlich
alles.
Das Publikum war sichtlich begeistert, wollte ihn gar nicht
mehr gehen lassen und er war grosszügig mit Zugaben.
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