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Alben

Big Harp George - No Shortcuts

Es ist nicht nur der Fakt, dass Big Harp George Bisharat (im Gegensatz zu den meisten Bluesharp-Spielern, welche das diatonische Instrument bevorzugen) die Chromatische Harmonica beherrscht wie nur wenige im Blues Biz und damit einen eigenständigen Sound erzielt. Es ist auch sein ausserordentliches Songwriting, welches den ehemaligen Strafverteidiger, Jus-Professor und Nahost-Spezialisten von der Masse abhebt. Nicht weniger als 16 Songs mit einer stolzen Laufzeit von total 67 Minuten und 59 Seekunden präsentiert Big Harp George dieses Mal.

Musikalisch fusst der Kalifornier mit palästinensischen Wurzeln im leicht jazzig-swingenden Jump Blues – mit einer steten Offenheit für interessante Ausflüge in verschiedenste andere Genres. In «I Will Find You» taucht er denn auch, begleitet von traditionellen Instrumenten wie Riq, Duff und Oud, tief in die Kultur seiner Väter ein, während «Be Adorable» einen hinreissenden Old-Timey-New-Orleans-Feel verbreitet oder «One Day (You Will Be Judged)» den Geist französischer Chansons verströmt. Bisharat’s Extraklasse an seiner Chromatischen blitzt speziell in den vier Instrumentalnummern auf, etwa im Latin-angehauchten «Last Trip To Itaipu», einer musikalischen Ode an seinen verstorbenen Freund, den Anthropologen Roberto Kant de Lima, oder im – Nomen est Omen – cool swingenden «Come Out Swinging».

Gepaart mit den brillanten Texten, die von augenzwinkernd über sarkastisch bis gesellschaftskritisch und gar provokativ die Begebenheiten, Marotten und Probleme unserer Welt ablichten, hebt sein eigenständiger Musikansatz Big Harp George auf das Level der spannendsten zeitgenössischen Künstler. Dass der Kalifornier die Dinge beim Namen nennt und auch politisch kein Blatt vor den Mund nimmt, wird spätestens in Songs wie «Death Rattle Of The Republic», «Rusty Spoon» oder «Ain’t My Circus» klar.

Wie schon bei den meisten seiner Vorgängeralben hat sich Bisharat für «No Shortcuts» von seinem langjährigen Kumpel, dem Keyboarder Chris Burns, produzieren lassen – und dies wie gewohnt in Kid Andersen’s Greaseland Studios – wobei Kid als Tontechniker und an den verschiedensten Instrumenten massgebend am Gelingen dieses spektakulären Albums beteiligt zeichnet.

Big Harp George (voc, harm), Aaron Lington (sax), Chris Burns (keys), Joe Kyle (b), Kid Andersen (g, bjo, b), Mike Rinta (tb), Derrick D’Mar Martin (dr, perc), Alexander Pettersen (dr), Ami Molinelli (perc), Basma Endrees (voc, v), Charlie Bisharat (v), Doug Rowan (sax, fl), Lisa Leuschner Andersen (voc), Loay Dahbour (riq, duff), Marcel Smith (voc), Michael Peloquin (sax), Mike Olmos (tp), Mohammed Elshazly (oud), Nicole Welch (cello), The Morgan Brothers (voc)

(CD, DL, www.bigharpgeorge.com)