Bluesified - 20 Jahre Bluesfestival Luzern
Grob gesagt müssen für ein Festival eine Infrastruktur bereitgestellt werden, eine Anzahl Künstler engagiert und ein mehr oder weniger komplexer Ablauf vor, während und nach dem Anlass bewältigt werden. Eine Aufgabe, die eigentlich jede einigermassen ernsthafte Organisation durchführen kann. Trotzdem ist kein anders Bluesfestival in der Schweiz auch nur annähernd so erfolgreich wie das am Vierwaldstättersee. Woran liegt das?
Der Film nähert sich den Gründen für den Erfolg, indem er Beteiligte zu Wort kommen lässt: Die Organisatoren des Festivals, die Musiker und die Fachleute aus Presse und Musikgeschäft, die Verantwortlichen in Hotels und Stadtverwaltung, Dabei stellt sich heraus, dass die Bedeutung des Festivals weit über die Musik hinausgeht.
Am Anfang steht die Leidenschaft der Gründer, die aus schierer Begeisterung für den Blues und wegen der äusserst kahlen Konzertlandschaft beschlossen: «Dann machen wir doch selbst ein Festival. » Der Rest ist Geschichte. Die Leidenschaft hält bis heute an. Dazu kommt das Verständnis dafür, dass der Blues mehr ist als eine Musikform.
Die Musiker sind sich einig: Luzern empfängt sie sowohl als Musiker, wie auch als Menschen mit grossem Respekt und Gastfreundschaft. Exemplarisch für ihre Meinung ist die Aussage des Harmonika Virtuosen Bob Corritore: «Ich war noch nie an einem Ort, wo Künstler auf einer so persönlichen Ebene derart geschätzt werden, wie am Blues Festival in Luzern». Jay Sieleman, der langjährige Präsident der Blues Foundation geht sogar noch weiter: «Wenn Musiker aus Chicago nach Luzern kommen, können sie kaum glauben, wie sehr sie geschätzt werden. Zu Hause werden sie nicht so behandelt. » Martin Bründler drückt es so aus: «Wir wünschen uns, dass Ihr als Gäste kommt und Luzern als unsere Freunde verlässt. » Dass dies keine leeren Worte sind, weiss Lou Pride. Der Soul Sänger erlitt 2004 vor seinem Auftritt einen Herzinfarkt, lag drei Wochen auf der Intensivstation und wurde während dieser Zeit täglich von Guido Schmidt besucht. Man gab ihm Gelegenheit, bei einer späteren Ausgabe des Festivals dabei zu sein, was dann 2010 zustande kam.
Dazu kommt, dass das Renommee des Festivals über die Jahre stets gewachsen und inzwischen ein Sprungbrett geworden ist. «Es gibt weltweit vielleicht zwölf wichtige Bluesfestivals» so Sugaray Rayford, «und wenn du auf einem dieser Festivals gespielt hast, bringt es dir Anerkennung. Luzern ist eines dieser Festivals»
Bluesfachleute aus der ganzen Welt kommen im November regelmässig nach Luzern. Dabei handelt es sich nicht nur um Talent-Scouts, sondern um Veranstalter, Presseleute, Verleger und Festivalbetreiber. Sie sind hinter den Kulissen tätig und nutzen die Gelegenheit, sich auszutauschen. Detlev Hoegen (Cross Cut Records) bringt es auf den Punkt: «Luzern ist ein Meeting Point und die Kontakte, die man in Luzern pflegen kann sind für alle, die sich professionell mit dem Blues befassen, unbezahlbar. »
Stephan Roth (Stadtpräsident) und Mike Hauser (Mitbesitzer Schweizerhof) betonen den touristischen Gewinn für Luzern. Da das Festival ausserhalb der Hauptsaison stattfindet, ist es mit über 1'000 Übernachtungen auch für den Tourismus in Luzern ein nicht unbedeutender Faktor. All diese Gäste wollen schliesslich auch verpflegt sein und kaufen ein. Auch die Musiker können sich dem Charme Luzerns nicht entziehen. So erfahren wir, dass der Schlagzeuger Kenny Smith auf der Kapellbrücke um die Hand seiner Frau Holly angehalten hat.
Natürlich kommen auch die Gründungsmitglieder zu Wort. Letzten Endes war es ihre Vision, die sie mit dem Festival verwirklicht haben: Guido Schmidt, der bis zur zwanzigsten Ausgabe Präsident des Festivals war und inzwischen die Leitung an Martin Bründler übergeben hat, aber nach wie vor am Festival aktiv beteiligt ist, sowie Fritz Jakober, der bis 2005 dabei war, bevor seine Zusammenarbeit mit dem Festival endete. Er fügte noch einen weiteren, wichtigen Grund für den Erfolg bei: «Von Anfang an legten wir das Augenmerk auf grosse Künstler und nicht auf grosse Namen. » Oder, wie es Guido Schmidt ausdrückt: «Wir laden die Musiker ein, die uns gefallen. » Dass inzwischen die «Leute, die uns gefallen» oft gleichzeitig die grossen Namen sind, ist nicht zuletzt der Verdienst des Luzerner Festivals.
2014 wurde Guido Schmidt der Swiss Bkues Livetime Achievement Award veriiehen. 2015 erhielt Martin Bründler den Swiss Blues Award.2007 verlieh die Blues Foundation dem Festival als erster nicht amerikanischer Organisation den Keeping The Blues Alive Award. Damit wurde die Bedeutung des Events für die weltweite Bluesgemeinde quasi amtlich bescheinigt. Er ist als DVD erhältlich.
«Bluesified - 20 Jahre Lucerne Blues Festival» am Mittwoch, 11.11.2015 um 21.30 Uhr im Grand Casino Luzern, Casineum mit anschliessendem Konzert von Shawn Holt & The Teardrops. Freier Eintritt.
Länge: 60 Minuten
Format: PAL 16:9
Sprache: CH-Deutsch, Deutsch, Englisch
DVD und Video on-demand erhältlich ab 8. November 2015 unter http://www.merlovideo.ch/bluesified.