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Frederikshavn Bluesfestival 2015

Eine der positiven Überraschungen war Melvia «Chick» Rodgers (USA), die in Europa noch recht unbekannt ist. Von Statur eher «ein laufender Meter» zeichnete sie sich zur Überraschung aller mit einer extrem kraftvollen Stimme aus, die stark an Aretha Franklin erinnert. Begleitet von der The Southside Blues Revue (Niederlande), einer 11-köpfigen Band mit Bläsern und Backingvocals, standen neben etwas Chicagoblues vor allem die hervorragend interpretierten Klassiker des Soulblues auf dem Programm.

Zur großen Tanzparty zwischen Blues und New Orleans wurde der Auftritt der Travellin´ Brothers (Spanien). Das hervorragende Sextett überzeugt mit großem Abwechslungsreichtum an Sound und Instrumentierung. Wer die Jungs noch nie gehört hat, sollte dies dringendst nachholen! Das Set von Boogie Boys (Polen) & Friends brachte die Stimmung förmlich zum Kochen. Sind die «Boys» mit ihrem rasantem Boogie Woogie schon internationale Spitze, brachten die Gäste John Clifton (voc, harp) Scott Abeya (git), beide aus den USA, feinsten Chicagoblues mit ins Spiel. Die letzte Show im grossen Saal wurde von Bluesrock-Altmeister Walter Trout und einigen Gästen bestritten, die alles boten, das zu diesem Genre gehört, leider auch eine absolut übertriebene Lautstärke. Dennoch bemerkenswert die Kombination mit dem Harp-Spieler Hook Herrera, der einige Anwechslung in das Konzert brachte.

Neben der großen Halle wurde zudem ein kleinerer Saal mit überwiegend akustischen Konzerten bespielt. Eine echte Überraschung war hier Son of Dave (Kanada und Ex- Crashtest Dummie): ein großer Showman, mit ebenso skurriler wie überzeugender Bluesperformance. Ständig überraschen gab´s eine absolut hörens- und sehenswerte Mischung aus Harp, Gesang und Percussion-Beat Boxing. 

Einfach schön war die Kombination von Big Creek Slim (DK) und Diunna Geenleaf: ruhiger und feinfühliger Blues vom Feinsten. Bei Lil´ Jimmy Reed (USA, harp, git, voc) und Bob Hall (GB) trafen zwei Bluesveteranen aufeinander, die ebenfalls ein besonders gefühlvolles traditionelles Konzert boten. Weitestgehend unbekannt in Europa ist die Sängerin Miriam Mandipira aus Zimbabwe: mit ihrem dänischen Trio swingte sie sich durch ein anspruchsvolles Programm, bei dem sie neben der grossartigen Stimme vor allem durch feine jazzige Phrasierungen glänzen konnte.

Wer gerne in Sachen Blues reist und weite Wege nicht scheut, war also auch in diesem Jahr im hohen Norden Dänemarks wieder bestens aufgehoben.

Bluesfestival,, Blues,, Dänemark